Ausgabe 
17.10.1914
 
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Nr. 83.

Samstag, den 17. Oktober 1914. T°l°ph°n «r. 383. 26. Jahrg.

(tanz Belgien in deutfebem Befilz. Uor CUarfchau.

Oftende von deutschen Truppen besetzt. Die belgische Regierung nach Frankreich geflüchtet. Belfort vor der Belagerung. Lille besetzt. Kämpfe um Dünkirchen.

Die Russen auf der ganzen Front von den deutschen und öfterreichischen Truppen zurückgeworfen.

Neue deutlcbe Ziege zur Zee.

Ei« russischer und ein englischer Kreuzer von deutschen Unterseebooten in den Grund gebort.

amtliche Tagesberichte.

WTB. Trotzes Hauptquartier, 13. Okt. (Amtlich.) Von dem w e st l i ch e n Kriegsschauplatz lie­fen Nachrichten von Bedeutung nicht vor. Heftige An- ;iriffc östlich Caissons sind abgewiescn worden. J'm Argon nenwalde sinden andauernd erbitterte Heike Kämpfe statt. Unsere Truppen arbeiten sich in dichtem Unterholz und äußerst, schwierigem Gelände mit allen Mitteln des Festungskricgep Schritt für Schritt vorwärts. Die Franzosen leisten hartnäckigsten Widerstand, schießen von den BäuMen und mit Maschinengewehren von Baumkanzeln, und haben in etagenweisc angelegten Schützengräben starke, festungsartige Stützpunkte einge­richtet.

Die von der französischen Heeresleitung ver­breiteten Berichte über Erfolge ihrer Truppen in der Woevre-»Ebene sind unwahr. Nach Gefange- nenaUssagen ist den Truppen mitgeteilt worden, die Deutschen seien geschlasgen Und mehrere Forts von Metz seien bereits gefallen. Tatsächlich haben unsere dort fech­tenden Truppen an keiner Stelle Gelände verloren. E1 ain ist nach wie vor in unserem Besitz. Die täg­lichen französischen Angriffe gegen unsere Stellungen bei St. M i h i e l sind sämtlich abgewiesen worden.

Unsere Kriegsbeute von Antwerpen läßt sich auch heute noch nicht übersehen. Die Zahl der in Holland Entwaffnelen ist auf annähernd 2 8 0 0 0 Mann gestiegen. Nach amtlichen Londoner und nie­derländischen Berichten befinden sich hierbei auch 2000 Engländer. Scheinbar haben sich viele belgische Solda­ten in Zivilkleidung naci> ihren Heimatsorlen begeben. Der Eeoäude- und Materialschaden in Antwerpen ist gering. Die Schleusen-- und Fährwnlage ist von dem Feinde unbrauchbar gemacht worden. Im Hasen be­finden sich vier englische, zwei belgische, ein französischer, ein dänischer, 3 2 deutsche und zwei österreichische Dampfer, sowie zwei deutsche Segelschiffe. Soweit deut­sche Schiffe bisher untersucht worden sind, scheinen die Kessel unbrauchbar gemacht worden zu sein.

Auf dem o st p r e u ß i s ch e n Kriegsschauplatz« blieb der 11. Oktober im allgemeinen ruhig. Am 12. Oktober wurde ein erneuter Umsassungsversuch der Rus­sen bei S ch i r w i n d t abgewiesen. Sie verloren hier­bei 1500 Gefangene und 20 Geschütze.

In Südpolen wurden die russischen Truppen südlich von Warschau durch unsere Truppen zurückge - morsen. Ein Uebergangsrrersuch der Russen über die Weichsel südlich Jwangorod wurde unter Ver­lusten für die Russen verhindert.

Die oberste Heeresleitung.

Ein russischer Panzerkreuzer vernichte«.

WTB. Berlin, 13. Okt. (Amtlich.) Ein russischer Panzerkreuzer der Basanklasse ist am 11. Oktober vor dem Finnischen Meerbusen durch einen Torpcdoschutz zum Sinken gebracht worden.

Der stellvertretende Ehes des Admiralslabes:

B e h n ch e.

Die russische amtliche Telegraphenagentur meldete den Untergang des russischen Panzerkreuzers mit fol­gendem Bericht: Am 11. Oktober, 2 Uhr nachmittags (russische Zeit), griffen feindliche Unterseeboote von neuem unsere KreuzerBajan" uudPallada", die in der Ost­see auf Vorposten waren, an. Obgleich die Kreuzer so­fort ein starkes Artilleriefeuer eröffneten, gelang es s gleichwohl einem Unterseeboot, einen Torpedo gegen die jPallada" zu schießen. Auf dieser, entstand eine Erplo- I sion und der Kreuzer sank mit seiner ganzen

! Besatzung senkrecht in die Tiefe.

* * *

WTB. Großes Hauptquartier, 11. Okt. 1911. Mittags. (Amtl. Tel.) Von Gent aus befin­det sich der Feind, darunter ein Teil der Besatzung von AMwerpen, in eiligem Rückzug nach Westen zur Küste. Unsere Truppen folgen.

Lille ist in unserem Besitz,

1500 Gefangene sind dort gemacht worden.

Die Stadt war durch die Behörden den deutschen Truppen gegenüber als offen erklärt worden. Trotz­dem zog der Gegner bei einem Umfaffungsversuch von Dünkirchen aus Kräfte dorthin mit dem Aufträge, sich bis zum Eintreffen der Umfassungsarmee zu hallen. Da diese natürlich nicht e i n t r a f, war die einfache Folge, daß die zwecklos verteidigte Stadt bei der Ein­nahme durch unsere Truppen Schaden erlitt.

Von der Fron» des Heeres ist nichts Neues zu melden. Dicht bei der

Kathedrale von Reims sind zwei schwere französische Batterien aufgestellt. Fer­ner wurden L i ch t s i g n a l e von einem Turm der Kathedrale beobachtet. Es ist selbstverständlich, daß alle unseren Truppen nachteiligen feindlichen Maßnahmen und Streitmittel bekämpft werden, ohne Rücksicht auf die Schonung der Kathedrale. Die Franzosen tragen also jetzt, wie früher, selb st die Schuld daran, wenn der ehrwürdige Bau weiter ein Opser des Krieges wird.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz« sind in den Kämpfen bei S ch i r w i n d t die Rus­sen geworfen und haben

3000 Gefangene, 26 Geschütze und 12 Maschinengewehre verloren. L q ck ist wieder in unserem Besitz. Byalla ist vom Feinde geräumt. Weiter südlich sind beim Zurückwcrfen der russischen Wortruppen auf War­schau

8000 Gefangene und 25 Geschütze

erbeutet worden.

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Tic Kriegsbeute in Antwerpen.

Großes Hauptquartier, 15. Okt. Bei Antwerpen wurden im ganzen 1000 bis 5 0 0 0 E e- s a n g e n e gemacht. Es ist anzunehmen, daß in näch­ster Zeit noch eine große Anzahl belgischer Soldaten, die Zivilkleidung angezogen haben, dingsest gemach: wird.

Nach Mitteilung des Konsuls von TerneuZen sind etw.'. 20 000 belgische Soldaten und 2000 Engländer auf holländisches Gebiet übergetreten, wo sie entwaff­net wurden. Ihre Flucht muß in größter Hast vor sich gegangen sein. Hierfür zeugen Massen weggeworsener Kleidersäcke, besonders von der englischen Royal Naval- Divistcn. Die Kriegsbeute in Antwerpen ist g r o ß. Mindestens 500 Geschütze, eine Unmenge Muüition, Massen von Sätteln und Wohlachs, sehr viel Sanitäts- malerial, zahlreiche Kraftwagen, viele Lokomotiven und Waggons, vier Millionen Kilogramm Getreide, viel Mell, Kohlen, Flachs, für 10 Millionen Mark Wolle, Kupfer und Silber im Werte von einer halben Million Mark, ein Panzer-Eisenbahnzug, mehrere gefüllte Ver- pjlegungszüge, große Viehbestände.

Belgische und englische Schiffe befanden sich nicht mehr in Antwerpen. Die bei Kriegsausbruch im Hafen von Antwerpen befindlichen 31 deutschen Dampfer und drei Segler sind mit einer Ausnahme vorhanden, je­doch sind die Maschinen unbrauchbar gemacht. Ange - bohrt und versenkt wurde nur dieGneisenau?' des Norddeutschen Lloyds.

Die große Hasenschleuse ist intakt, aber zunächst durch mit Steinen beschwerten versenkten Kähnen nickt benutzbar. Die Hasenanlagen sind unbeschädigt.

Die Stadt Antwerpen hat wenig gelitten. Die Be­völkerung verhält sich ruhig und scheint froh zu sein, daß die Tage der Schrecken zu Ende sind, besonders da der Pöbel bereits zu plündern begonnen hatte.

Die Reste der belgischen Armee haben bei Annäh­erung unserer Truppen Gent schleunigst geräumt. Die belgische Regierung mit Ausnahme des Kriegsministers soll sich nach Le Havre begeben haben.

Der Angriff unserer in Polen Schulter an Schul­ter mit dem österreichischen Heer kompfenden Truppen befindet sich im Fortschreilen. Unsere Truppen st e h e n vor Warschau. Ein mit etwa 8 Armee - korps auf Linie Jwangcrod-Warschau über die Weich­sel unternommener russischer Vlorstoh wurde auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten sür die Rüssen zurückgeworfen.

Die Qcsterreicher auf dem Vormarsch.

WTB. Wien, 13. Okt. Amtlich wird verlaut - bart: Gestern schlugen unsere gegen Przemysl an- rückenden Kräfte, unterstützt durch einen Ausfall der Be­satzung, die Einschließungstruppcn derart zurück, daß sich der Feind jetzt nuü mehr vor der Osffront der Fest­ung hält. Bei seinem Rückzuge stürzten mehrere Kricgs- brücken nächst Soznica ein, und viele Rüssen ertranken in dem San. Der Kamps östlich C h i) r o w dauert noch an. Eine Kosakendivision wurde von unserer Kavallerie gegen Drohobyez geworfen. In den durch sehr un - günstige Witterung und schlechte Wegeverhältnisse außer­ordentlich erschwerten Märschen und Kämpfen der letz­ten Wochen bewährte sich die Leistungsfähigkeit unserer braven Truppen glänzend.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcueralstabs: von H ö s e r, Generalmajor.