Ausgabe 
10.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

Ti

>n

m

»-

*

i i

tn

en

1

i

i

i

i.

it

it

i

I

\

t

*

¥

i

i

J

t

\

J

Eickener

| ^ (»ndb » s ach r i cht n, - ~r

vezugsprek 25 Pfg. monatlich

merteljährltch 7S Pfg., «orauSzahlbar, frei ins Han».

«bgeholt tn unfern fltoebttton ober tn ben Zweig- . ... »

ausgabestellen vierteltShrltch 80 Pfg. Erschein« « l p t 0 l l I 0 ll . Sk

Viittwochs unb Pamstag». Redaktion: Detter»- weg 83. gar Lnfbenmhrung Ober Rückfenbnng ütcht verlangter Mann skr wie wirb nicht garantiert.

I Verlag der,,«iechener Zeitung" «. «. d. H.

KnzeigenprriL 15 pfg.

die »4 mm breite P.etitzetle für Auswärts SO Pfg.

Die 90 mm breite Reklame-Zeile 80 Pfennig t f $ U) C 9 o» Extrabeilagen werben nach Gewicht unb Grütze .'

berechnet. Rabatt komm» bei Ueherfchreitung beS Zahlung»- < V > ziele» (30 Lage), bei gerichtlicher Beitreibung ober bei ' Konkurs in Wegfall. Playvorfchriften ohne Verbindlichkeit. ' Druck der Gietzener Verlagsdruckerei, Albin Klein. ,

Nr. 82

Samslag, den 10. Oktober 1914. relepho» «*. 26. Iahro.

Dom LVeltkvieg.

Antwerpen von den Deutschen erobert. Frankreichs letzte -lnftrengnngen. England als Befehlshaber von Antwerpen und als Diktator seiner Getreuen. England als Zerstörer von 52 Handelsschiffen iw Hafen von Antwerpen. Gemeinsame deutsche und österreichische Armeen und Operationen gegen Rußland.

Amtliche Tagesberichte.

WTB. Großes Hauptquartier, 8. Cft. abends. Vom westliche» Kriegsschauplatz sind Ereig - uisse von einschneidender Bedeutung nicht zu melden. Kleine Fortschritte sind bei St. Mihiel und im Argonnenwalde gemacht worden.

Vor Antwerpen ist das Fort Breendonck ge­nommen. Der Angriff auf die inneren Forts und da­mit auch die Beschießung der dahinter liegenden Stadt­teile hat begonnen, nachdem der Kommandant der Fest­ung die Erklärung abgegeben hatte, daß er die Ver­antwortung übernehme.

Die Luftschiffhalle in Düsseldorf wurde vc» einer durch einen feindlichen Flieger geworfenen Bombe getroffen. Das Dach der Halle wurde durch­schlagen und die Hülle eines in der Halle liegenden Luftschiffes zerstört.

Im Osten erreichte eine von Lomscha anmar­schierende russische Kolonne Lyck.

*

WTB. Großes Hauptquartier, 9. Okt., abends. (Amtlich.) Heute vormittags sind mehrere Forts der inneren Befestigungslinie von Antwerpen gefallen. Die Stadt befindet sich seit leiste nachmittag in deut­schem Besitz. Der Kommandant und die Besatzung haben den Festungsbereich verlassen. Nur einzelne Forts sind noch vom Feinde besetzt. Ter Besitz von Ant - werpen ist dadurch nicht beeinträchtigt.

Bom ftrteg im Westen.

Antwerpens Befchietzung »nd Eroberung.

König Albert wollte gestern vor d^ Beschießung der Stadt diese übergeben, wurde aber von engli­scher Seite daran gehindert.

Das erste deutsche Geschoß siel in die Schelde, daß zweite in die Nalionalstraße, das dritte auf den Haupt- babnhof. Während der ganzen Nacht wurde das Feuer heftig fortgesetzt. Deurne, Borgerhout, Meriem und auch das Zentrum der Stadt sind schwer beschädigt. Die große Stearinfabrik Roubair-Odenseove steht in Flam­men. Einer der großen Gasbehälter ist in die Luft ge­flogen. Die Stadt brennt ferner an der Seite von Bor­gerhout. Die geschloffenen Kasernen und das große Krantenö,aus, aus dem die Verwundeten gesvüchtet sind,- brennen. In später Nachtstunde erst wurde das Bom - bardement eröffnet, dann begann aber eine Schreckens - nacht. Unaufhörlich schlugen die Granaten ein. Zeppe­line warfen Bomben, einer der großen Petroleunitanks ist in die Lust gesllogen. Unter den schwer beschädigten Gebäuden soll auch der Juftizpalast sein. Im ganzen sollen aus Nordwestbelgien 500 000 Menschen ausge - wandert sein. Der Südbahnhos steht in Flammen. Der Vorort Berthen, soll schwer gelitten haben. Ein P u l - vermagaZin soll in die Lust gesprengt sein. Die Beschießung dauerte die ganze Nacht.

Die Bürgerschaft von Antwerpen wird in einem Ausruf aufgesordert, sich an einem eventuellen Straßenkanipf nicht zu beteiligen, son­dern die größte Ruhe zu bewahren. Der Ausruf erin­nert daran, daß die Bevölkerung dem Zieger Ge­horsam schulde. Zur Wahrung der Rechte der Ein­wohner bleibe der Eemeinderat zurück. Der Aufruf schließt, wenn die Besinnung verloren würde, sei alles verloren. (Ctr. Bln.)

Die Belgier setzten alles daran, die Verbindung mit Gent nach Süden aufrecht zu erhalten.

Wie demBerl. Tgbl." gemeldet wird, wurde nach der Ankunft neuer englischer Truppen in Antwerpen die Leitung der Verteidigung den Englän­dern übertragen. Die belgische Regierung wird mit dem Fall Antwerpens von Ostende nach London übersiedeln. (Ctr. Bln.)

Der deutsche Angriff ist ausschließlich von der Süd- sront aus vorgeschritten. Mit welcher Kraft, das be - weist die schnelle Niederzwingung der Forts (Wavre, St. Catherine, Waelhem, Lierre, Broechem usw.) Durch die breite Bresche des äußersten Ringes gelangten nun unsere Scharen in den nicht mit Dauerbesestigungen ver­sehenen inneren Gürtel hinein, drängten dort die Bel­gier und Engländer zurück und konnten nun das Feuer unmittelbar gegen den inneren Festungskranz und die Stadt richten, der jener keinen Schutz mehr bot. So mußte Antwerpen in deutschen Besitz übergehen.

Ein epochemachendes Ereignis in der Kriegs-Ee - schichte, das vielleicht eine Revolution in den Anschau­ungen über Dauerbesestigungen Hervorbringen wird! Uns aber eine sichere Gewähr, daß auch die unserem Eegenwartskriege noch verbleibenden Aufgaben, die Nie- derringung der französischen Hauptstadt, wie der groß­artigen Anlagen von Epinal über Toul nach Verdun und auf dem östlichen Kriegsschauplätze des Befestig - ungskompleres um Warschau herum, unserer Kriegskunst keine unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegensetzen wird. Das Freiwerden der 'bisher vor Antwerpen ver­brauchten Velagerungsarmee dürfte aber zunächst uns den Vorteil bringen, daß jetzt der Angriff auf die fran­zösisch-englische Feldarmee in Nordfrankreich zu rascherer Entscheidung gefördert werden kann.

Der deutsche Belagerungskommlnibcitr a» die Belgier.

(Ctr. Bin.) Dem Oberhesehlshaber der Belager - ungsarmee von Antwerpen General v. B e s e l e r ge­bührt das Verdienst, die F l u g m a s ch i n e in grö­ßerem Maßstabe zur Beeinflussung der öffentlichen Mei­nung in Feindesland verwendet zu haben. Aus dessen Anweisung hat ein«Taube" über Asti - werpen sticht nur Bomben, sondern auch einen eindring­lichen Ausruf an die Belgier, ausgeworfen. Die Prokla- rnation lautet Berliner Blättern zufolge wörtlich:

Belgische Soldaten! Euer Blut und Heil gebt Ihr keineswegs für Euer geliebtes Vaterland her, son­dern für die Interessen Rußlands, eines Landes, das nur danach strebt, seine enorme Macht auszudehnen, vor allem aber, fiir England, das in seiner niedrigen Habgier diesen grausamen und. noch nicht dagewesenen Krieg heraufbeschworen hat. Don An­beginn des Krieges an haben Eure Tageszeitungen, die ini Solde von Frankreich und England stehen, nicht aus­gehört, Euch zu betrügen, und Euch über die Ursachen des Krieges und den Ausgang der Gefechte täuschen, sie tust es auch heute noch. Eure Armeebefehle bewei­sen es, wie man Euch betrügt. Man sagt Euch, daß man Eure Kriegsgefangenen zwingt, gegen Ruß­land mitzukämpfen, Euer gesunder Verstand muh Euch aber sagen, daß dies unmöglich ist. Wenn der, Tao gekommen sein wird, da Eure gefangenen Kameraden zurückkehren, werden sie Euch sagen, mit welchen, Wohl­wollen sie bebandel, wurden, und Ihr werdet dann vor Scham erröten über die unerhörten Lügen. Jeder Tag des weiteren Widerstandes bedeutet für Euch nicht wieder gutzumachende Leiden und Verluste, während Ihr nach der Uebergabe von allen weiten Leiden er­löst seid. Belgische Soldaten! Ihr habt lange genug kür die Interessen der russischen G r o h - fürsten und der K a p i > a l i st e n des perfiden Albions gekämpfl. Eure Lage ist Hoff­nung s l o s. Deutschland, das um feine Eriflenz

lampst, yar zwe, rupstcye^Armeen vernichtet. Es be­finde, sich kein russischer Soldat mehr auf unserem Ge­biet und in Frankreich besiegen unsere Truppen den letz­ten Mederstand. Wenn Ihr zu Euren Frauen und Kin­de,,, zurückkehren wollt, so beendet diesen nutzlosen Kampf, der nur zu Eurem Untergang führen kann. Dann werdet Ihr die Wohltaten eines glücklichen und vollständigen Friedens genießen.

v. B e f e l e r,

Oberkommandanl der Belagerungsarmee.

Die Deutschen haben A ch e I nahe der hollän­dischen Grenze besetzt. Da auch Turnhout in den Hän­den der Deutschen ist, so scheint die Säuberung der Nordwestecke Belgiens vollständig. (Boss. Ztg.)

Holland wahrt seine Rcutralität.

82 Handelsschiffe durch die Engländer zerstört.

Rotterdam, 9. Okt. 32 deutsche Handelsdam­pfer, darunter der LlopddampferEneifenau" und viele andere große Seedampfer, sowie über 20 Rheinschiffe sind heute im Hafen von Antwerpen auf Betrei­ben der, Engländer in dieLust gesprengt worden, da die Niederländer dem Verlangen, die Dam­pfer zum Abtransport von Flüchtlingen (der Garnison?) nach England durchzulaffen, nicht stattgaben.

Zur Vernichtung der 52 deutschen Handelsschiffe im Hasen von Antwerpen schreibt diePost": Offenbar hat man gehofft, inmitlen des allgemeinen Tohuwabohu , Militär mit durchzuschmuggeln, um es dann entweder in London oder in Ostende wieder an Land zu setzen. Hier hat nun Holland einen Riegel vorgeschoben.

I Es war sich seiner Neutralitätspslicht bewußt und hat die Durchfahrt von Militär verweigert. Die > ganze Aktion scheint in erster Linie vom Gefühl der i Rache diktiert zu sein.

* * *

Frankreichs letzte Anstrengungen.

AUS Lyon wird gemeldet, daß Frankreich gegen ! die deutsche Armee die letzten Anstrengungen macht. Von j der italienischen Grenze werden nunmehr alle Trup- i pen zurückgezogen, die nicht direkt für die Aufrechterhal- j tüng der inneren Ordnung notwendig sind.

General I o s f r e s Heer besteht jetzt aus Fron - - zosen, Engländern, Belgiern, Negern und Hindus. Bald ' kommen wohl auch noch Kanadier hinzu.

WTB. Bordeaur, 9. Okt. Nach hier einge - troffenen Meldungen hat sich der große Kampf zwischen ! den Verbündeten und den Deutschen im Nordweslen I noch ausgedehnt. Das Vorrücken der Verbündeten über A r r a s war der, Eegenzug gegen das Vorrücken der Deutschen auf der Linie Armentieres-ToUr- c o i n g. Gestern haben heftige Kleinkämpfe zwischen den deutschen und den französischen Vorposten slattge - ^ funden. Neue deutsche Truppenabteilungen sind heran- , gerückt, das läßt daraus schließen, daß die Deutschen ihre j Heere in Noydfrankreich in möglichst großem Umfange i verstärken.

Bom Kr eg im Osten.

Kopenhagen, 8. Okt. (Ctr. Bln.) DerBer- lingske Tidende" wird vom 6. Oktober 'aus London berichtet:

Die russische Armee steh, jetzt ausgestellt, um das konzentrierte Vor,rücke» gegen Deutschland zu be - ginnen, wozu die Ankunft des Zaren im Hauptquartier das Signal geben wird. Die russische Hauptarmee steht längs dem mittleren Teile der Weichsel, der rechte Flü­gel l at mit Rennenkampfs Truppen Fühlung, die linke