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Nr. 82
Samslag, den 10. Oktober 1914. relepho» «*. 26. Iahro.
Dom LVeltkvieg.
Antwerpen von den Deutschen erobert. Frankreichs letzte -lnftrengnngen. England als Befehlshaber von Antwerpen und als Diktator seiner Getreuen. England als Zerstörer von 52 Handelsschiffen iw Hafen von Antwerpen. Gemeinsame deutsche und österreichische Armeen und Operationen gegen Rußland.
Amtliche Tagesberichte.
WTB. Großes Hauptquartier, 8. Cft. abends. Vom westliche» Kriegsschauplatz sind Ereig - uisse von einschneidender Bedeutung nicht zu melden. Kleine Fortschritte sind bei St. Mihiel und im Argonnenwalde gemacht worden.
Vor Antwerpen ist das Fort Breendonck genommen. Der Angriff auf die inneren Forts und damit auch die Beschießung der dahinter liegenden Stadtteile hat begonnen, nachdem der Kommandant der Festung die Erklärung abgegeben hatte, daß er die Verantwortung übernehme.
Die Luftschiffhalle in Düsseldorf wurde vc» einer durch einen feindlichen Flieger geworfenen Bombe getroffen. Das Dach der Halle wurde durchschlagen und die Hülle eines in der Halle liegenden Luftschiffes zerstört.
Im Osten erreichte eine von Lomscha anmarschierende russische Kolonne Lyck.
*
WTB. Großes Hauptquartier, 9. Okt., abends. (Amtlich.) Heute vormittags sind mehrere Forts der inneren Befestigungslinie von Antwerpen gefallen. Die Stadt befindet sich seit leiste nachmittag in deutschem Besitz. Der Kommandant und die Besatzung haben den Festungsbereich verlassen. Nur einzelne Forts sind noch vom Feinde besetzt. Ter Besitz von Ant - werpen ist dadurch nicht beeinträchtigt.
Bom ftrteg im Westen.
Antwerpens Befchietzung »nd Eroberung.
König Albert wollte gestern vor d^ Beschießung der Stadt diese übergeben, wurde aber von englischer Seite daran gehindert.
Das erste deutsche Geschoß siel in die Schelde, daß zweite in die Nalionalstraße, das dritte auf den Haupt- babnhof. Während der ganzen Nacht wurde das Feuer heftig fortgesetzt. Deurne, Borgerhout, Meriem und auch das Zentrum der Stadt sind schwer beschädigt. Die große Stearinfabrik Roubair-Odenseove steht in Flammen. Einer der großen Gasbehälter ist in die Luft geflogen. Die Stadt brennt ferner an der Seite von Borgerhout. Die geschloffenen Kasernen und das große Krantenö,aus, aus dem die Verwundeten gesvüchtet sind,- brennen. In später Nachtstunde erst wurde das Bom - bardement eröffnet, dann begann aber eine Schreckens - nacht. Unaufhörlich schlugen die Granaten ein. Zeppeline warfen Bomben, einer der großen Petroleunitanks ist in die Lust gesllogen. Unter den schwer beschädigten Gebäuden soll auch der Juftizpalast sein. Im ganzen sollen aus Nordwestbelgien 500 000 Menschen ausge - wandert sein. Der Südbahnhos steht in Flammen. Der Vorort Berthen, soll schwer gelitten haben. Ein P u l - vermagaZin soll in die Lust gesprengt sein. Die Beschießung dauerte die ganze Nacht.
Die Bürgerschaft von Antwerpen wird in einem Ausruf aufgesordert, sich an einem eventuellen Straßenkanipf nicht zu beteiligen, sondern die größte Ruhe zu bewahren. Der Ausruf erinnert daran, daß die Bevölkerung dem Zieger Gehorsam schulde. Zur Wahrung der Rechte der Einwohner bleibe der Eemeinderat zurück. Der Aufruf schließt, wenn die Besinnung verloren würde, sei alles verloren. (Ctr. Bln.)
Die Belgier setzten alles daran, die Verbindung mit Gent nach Süden aufrecht zu erhalten.
Wie dem „Berl. Tgbl." gemeldet wird, wurde nach der Ankunft neuer englischer Truppen in Antwerpen die Leitung der Verteidigung den Engländern übertragen. Die belgische Regierung wird mit dem Fall Antwerpens von Ostende nach London übersiedeln. (Ctr. Bln.)
Der deutsche Angriff ist ausschließlich von der Süd- sront aus vorgeschritten. Mit welcher Kraft, das be - weist die schnelle Niederzwingung der Forts (Wavre, St. Catherine, Waelhem, Lierre, Broechem usw.) Durch die breite Bresche des äußersten Ringes gelangten nun unsere Scharen in den nicht mit Dauerbesestigungen versehenen inneren Gürtel hinein, drängten dort die Belgier und Engländer zurück und konnten nun das Feuer unmittelbar gegen den inneren Festungskranz und die Stadt richten, der jener keinen Schutz mehr bot. So mußte Antwerpen in deutschen Besitz übergehen.
Ein epochemachendes Ereignis in der Kriegs-Ee - schichte, das vielleicht eine Revolution in den Anschauungen über Dauerbesestigungen Hervorbringen wird! Uns aber eine sichere Gewähr, daß auch die unserem Eegenwartskriege noch verbleibenden Aufgaben, die Nie- derringung der französischen Hauptstadt, wie der großartigen Anlagen von Epinal über Toul nach Verdun und auf dem östlichen Kriegsschauplätze des Befestig - ungskompleres um Warschau herum, unserer Kriegskunst keine unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegensetzen wird. Das Freiwerden der 'bisher vor Antwerpen verbrauchten Velagerungsarmee dürfte aber zunächst uns den Vorteil bringen, daß jetzt der Angriff auf die französisch-englische Feldarmee in Nordfrankreich zu rascherer Entscheidung gefördert werden kann.
Der deutsche Belagerungskommlnibcitr a» die Belgier.
(Ctr. Bin.) Dem Oberhesehlshaber der Belager - ungsarmee von Antwerpen General v. B e s e l e r gebührt das Verdienst, die F l u g m a s ch i n e in größerem Maßstabe zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Feindesland verwendet zu haben. Aus dessen Anweisung hat ein« „Taube" über Asti - werpen sticht nur Bomben, sondern auch einen eindringlichen Ausruf an die Belgier, ausgeworfen. Die Prokla- rnation lautet Berliner Blättern zufolge wörtlich:
„Belgische Soldaten! Euer Blut und Heil gebt Ihr keineswegs für Euer geliebtes Vaterland her, sondern für die Interessen Rußlands, eines Landes, das nur danach strebt, seine enorme Macht auszudehnen, vor allem aber, fiir England, das in seiner niedrigen Habgier diesen grausamen und. noch nicht dagewesenen Krieg heraufbeschworen hat. Don Anbeginn des Krieges an haben Eure Tageszeitungen, die ini Solde von Frankreich und England stehen, nicht ausgehört, Euch zu betrügen, und Euch über die Ursachen des Krieges und den Ausgang der Gefechte Zü täuschen, sie tust es auch heute noch. Eure Armeebefehle beweisen es, wie man Euch betrügt. Man sagt Euch, daß man Eure Kriegsgefangenen zwingt, gegen Rußland mitzukämpfen, Euer gesunder Verstand muh Euch aber sagen, daß dies unmöglich ist. Wenn der, Tao gekommen sein wird, da Eure gefangenen Kameraden zurückkehren, werden sie Euch sagen, mit welchen, Wohlwollen sie bebandel, wurden, und Ihr werdet dann vor Scham erröten über die unerhörten Lügen. Jeder Tag des weiteren Widerstandes bedeutet für Euch nicht wieder gutzumachende Leiden und Verluste, während Ihr nach der Uebergabe von allen weiten Leiden erlöst seid. Belgische Soldaten! Ihr habt lange genug kür die Interessen der russischen G r o h - fürsten und der K a p i > a l i st e n des perfiden Albions gekämpfl. Eure Lage ist Hoffnung s l o s. Deutschland, das um feine Eriflenz
lampst, yar zwe, rupstcye^Armeen vernichtet. Es befinde, sich kein russischer Soldat mehr auf unserem Gebiet und in Frankreich besiegen unsere Truppen den letzten Mederstand. Wenn Ihr zu Euren Frauen und Kinde,,, zurückkehren wollt, so beendet diesen nutzlosen Kampf, der nur zu Eurem Untergang führen kann. Dann werdet Ihr die Wohltaten eines glücklichen und vollständigen Friedens genießen.
v. B e f e l e r,
Oberkommandanl der Belagerungsarmee.
Die Deutschen haben A ch e I nahe der holländischen Grenze besetzt. Da auch Turnhout in den Händen der Deutschen ist, so scheint die Säuberung der Nordwestecke Belgiens vollständig. (Boss. Ztg.)
Holland wahrt seine Rcutralität.
82 Handelsschiffe durch die Engländer zerstört.
Rotterdam, 9. Okt. 32 deutsche Handelsdampfer, darunter der Llopddampfer „Eneifenau" und viele andere große Seedampfer, sowie über 20 Rheinschiffe sind heute im Hafen von Antwerpen auf Betreiben der, Engländer in dieLust gesprengt worden, da die Niederländer dem Verlangen, die Dampfer zum Abtransport von Flüchtlingen (der Garnison?) nach England durchzulaffen, nicht stattgaben.
Zur Vernichtung der 52 deutschen Handelsschiffe im Hasen von Antwerpen schreibt die „Post": Offenbar hat man gehofft, inmitlen des allgemeinen Tohuwabohu , Militär mit durchzuschmuggeln, um es dann entweder in London oder in Ostende wieder an Land zu setzen. Hier hat nun Holland einen Riegel vorgeschoben.
I Es war sich seiner Neutralitätspslicht bewußt und hat die Durchfahrt von Militär verweigert. Die > ganze Aktion scheint in erster Linie vom Gefühl der i Rache diktiert zu sein.
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Frankreichs letzte Anstrengungen.
AUS Lyon wird gemeldet, daß Frankreich gegen ! die deutsche Armee die letzten Anstrengungen macht. Von j der italienischen Grenze werden nunmehr alle Trup- i pen zurückgezogen, die nicht direkt für die Aufrechterhal- j tüng der inneren Ordnung notwendig sind.
General I o s f r e s Heer besteht jetzt aus Fron - - zosen, Engländern, Belgiern, Negern und Hindus. Bald ' kommen wohl auch noch Kanadier hinzu.
WTB. Bordeaur, 9. Okt. Nach hier einge - troffenen Meldungen hat sich der große Kampf zwischen ! den Verbündeten und den Deutschen im Nordweslen I noch ausgedehnt. Das Vorrücken der Verbündeten über A r r a s war der, Eegenzug gegen das Vorrücken der Deutschen auf der Linie Armentieres-ToUr- c o i n g. Gestern haben heftige Kleinkämpfe zwischen den deutschen und den französischen Vorposten slattge - ^ funden. Neue deutsche Truppenabteilungen sind heran- , gerückt, das läßt daraus schließen, daß die Deutschen ihre j Heere in Noydfrankreich in möglichst großem Umfange i verstärken.
Bom Kr eg im Osten.
Kopenhagen, 8. Okt. (Ctr. Bln.) Der „Ber- lingske Tidende" wird vom 6. Oktober 'aus London berichtet:
Die russische Armee steh, jetzt ausgestellt, um das konzentrierte Vor,rücke» gegen Deutschland zu be - ginnen, wozu die Ankunft des Zaren im Hauptquartier das Signal geben wird. Die russische Hauptarmee steht längs dem mittleren Teile der Weichsel, der rechte Flügel l at mit Rennenkampfs Truppen Fühlung, die linke


