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! Mainz, 2. SD!t. Hier wurden gestern gegen 2 0 0 0> R e s e r v i sl e n entlassen, da sie nicht mehr gebraucht wurden. Es handelt sich dabei um Ersatzreser- visten. Die felddienstsähigen Leute werden ausgebildet, die anderen heimgeschickt. Verschiedene Kompagnien wurden aufgelöst.
* Pfarrer Korell in Niedey-Ingelheim hat seit einiger Zeit an im Felde stehende Nieder-Ingelhei- mcr eine auf der, Schreibmaschine hergcstellte „F e l d - postzei < ung" mit angefügten Familiennachrichten versandt; um auch seine Gemeinde mit den tapferen Soldaten in Verbindung zu erhalten und ihnen mancherlei zu sagen, war in Briefen der Angehörigen nicht immer so zum Ausdruck kommt.
Fahrpretsermästtgung zum Besuch Ucrwundctcr Krieger.
Zur Erleichterung des Besuchs kranker oder verwundeter deutscher Krieger, die sich innerhalb Deutsch - lands in ärztlicher Pflege befinden, werden mit sofortiger Gültigkeit für das Gebiet der deutschen Staatseisenbahnen nachstehende Tarifdestimmungen cingesührt:
1. Angehörige kranker oder verwundeter, in ärztlicher Pflege innerhalb Deutschlands befindlicher deutscher Krieger werden zu deren Besuch in der zweiten, dritten oder vierten Klasse zum halben Fahrpreis, in Schnellzügen außerdem gegen tarifmäßigen Zuschlag, befördert.
2. Als Angehörige gellen Eltern, Kinder, Geschwister, Efiefiau und Verlobte.
3. Zwei Kinder vom vollendeten 4. bis zum vollendeten 40. Lebensjahre werden für eine Person gerechnet; für ein einzelnes Kind innerhalb dieser Altersgrenze ist ohne weitere Ermäßigung eine halbe Fahrkarte zu lösen.
4. Die Fahrpreisermäßigung wird nur für Reisen über 50 Kilometer gewäbrt.
5. Die Fahrkarten zum halben Preise werden von den Fabrfiartenausgaben auf Grund der von der zuständigen Ortspolizeibehörde ausgestellten Ausweise vcrabsolgt.
6. Die Ausweise müssen enthalten, Namen der Reisenden, Anfangs- und Endstation der Reise, Reiseweg, Bescheinigung mit Stempel und Unterschrift der Ortspolizeibehörde, daß die Reisenden Angehörige kranker oder verwundeter deutscher Krieger sind. Vordrucke zu den Ausweisen werden von der Fahrkartenausgabe kostenlos an die Ortsposstzeibehörden abgegeben.
7. Die Ausweise werden von den Fahrkartenausgaben bei jeder Lösung einer Fahrkarte abgestempelt und den Inhabern zmückgegeben, die sie dem Fahrtzer - sonal auf Verlangen vorzuzeigen haben. Bei Beendigung der Rücksabrt sind die Ausweise mit den Fahrkarten abzugeben.
* W v' h a b e ich mich abzü melden? Daß ein Geschäftsmann oder ein Gewerbetreibender sich in einem geordneten Staatswesen bei einem Umzug ab- und anzumelden hat, ist hinlänglich bekannt. Nicht jeder aber ist sich darüber klar, an welchen amtlichen und privaten Stellen er sich abzumelden hat. Im allgemeinen kommen die nachstehenden Instanzen in Frage, denen man eine Benachrichtigung über die Wohnungsveränderung einsenden muh: 1. Hausbesitzer, 2. Ange- stelltenversicherung, 3. Krankenversicherung, 4. Feuerversicherung, Lebensversicherung, 5. Versicherung gegen sonstige Schäden, 6. Berussgenosscnschast, 7. Eewerbeamt,
8. Handelskammer (Handweckskammer), 9. Polizei, 40. Steuerbehörde, 14. Ehrenämter bei.. Behörden, 42. Gas
anstalt, 13. Elektrizitätsweck, 14. Post, 15. Telephon -
amt, 16. Vereine und Verbände, 17. Auskunftei, 18. Bank, 19. Sparkasse, 20. Feste Kunden, 21. Lieferanten und 22. die Zeitung. Je nach der Bedeutung und Größe des Unternehmens kommen selbstverständlich noch weitere Kreise uNd Organisationen in Betracht, bei denen eine Meldung zu erfolgen hat. Immerhin aber hat auch der kleinere Geschäftsmann mit den genannten 22 Instanzen genug Arbeit.
» * *
Maahiiahiiicn zur Sicherung »nscrcr iiächftjährigru Ernte.
In der gegenwärtigen schweren bedrängten Lage des Vaterlandes ist es Pflicht eines jeden Landwickes, für eine zrckünftige reiche Ernte an Brolsrüchten und Futtergewächsen zu sorgen, denn vor allem muß die
Ernährung unseres Volkes durch reichliche Ernten und
Erzeugung von Vieh gesichert werden. Da es ungewiß ist, wie lange der Kriegszustand herrschen und damit die Zufuftr aus dem Ausland unterbunden sein wird, muß sich unser Augenmeck der nächstjährigen Ernte zu- wenden. Besonders in den nächsten Wochen gi't es mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß wir 1915 eine große Ernte an Brotgetreide machen. Die kommende Herbstbestellung gibt den Ausschlag für die Ernährung Deutschlands.
Es ist in erster Linie dafür zu sorgen, daß die Bearbeitung des Bodens, soweit es die diesjähckgen Verhältnisse gestatten, möglichst sorgfältig ausgeführt wird. Da sich der Ausfall an menschlichen Arbeitskräften und Zugtieren sehr fühlbar machen wird, wird man, um durchzukommen, vielerorts auf das Schälen der Stoppeln verzichten und sofock zur Saat pflügen müssen. Rechtzeitige Saalsurche ist vor allem bei Roggen, der ein gesetztes Land verlangt, Grunderfordernis. Zur Saat verwende man gut gereinigtes, bestes keimfähiges Getreide und lege den größten Wert auf Winterfesttgkeit desfelben. In sehr vielen Fällen wird man die Aussaatmengen ganz wesentlich herabsetzen können, um an Saatgut zu sparen. Voraussetzung dabei ist allerdings tadelloses Saatgut und Boden in guter Kultur. Da der Ernteertrag der deutschen Landwickschast, soweit menschliches Tun in Frage kommt, mit in erster Linie von der ausgiebigen Verwendung künstlichen Düngers abhäNgt, so mache man von diesen wichtigen Hilfsmitteln gerade jetzt, wo das Ausfahren und Streuen des Stalldüngers noch viel größere Anforderungen an die augenblicklich besonders teure Gespann- und Handarbeit stellt, weitgehendsten Gebrauch. Die Landwirte dürfen sich keineswegs ans die alte Kraft des Bodens verlassen. In Frage kommen hauptsächlich Thomasmehl oder Superphosphat, Kalisalze und als Stickstoff das deutsche Erzeugnis schwesels. Ammoniak. Während Thomasmehl ein Mischen mit Ammoniak nicht verträgt und mit den Kalisalzen zweckmäßig 8 — 14 Tage vor der Verwendung des schwesels. Ammoniaks gestreut werden muß, können Superphosphat, Kalisalze und Ammoniak unbedenklich miteinander gemischt werden und dann zur Verwendung gelangen. Man verwende im Allgemeinen pro Morgen etwa:
2 Ztr. — 2,5 Ztr. Thomasmehl oder 1,25 Ztr. bis 1,50 Ztr. Superphosphat.
2 Ztr. — 3 Ztr. Kainit oder 1 Ztr. — 1,50 Ztr. 40 Prozent Kalisalz.
25—30 Pfd. schws. Ammoniak im Herbst vor der Saat (die zweite, Hauptgabe) Ende Februar oder Ansangs März als Kopfdüngung.
Es ist zu berücksichtigen, daß unsere Getreidearten namentlich zu Beginn des Wachstums reichlichen Slick-
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£in ftiller Mensch.
Roman von Paul V l i ß.
Nachdruck verboten, mcit er von nun ti >
Immer infCTeiircrter wurden v-e Einen
ko spanncuven Abend batte e? lärm.? nicht gegeben. Mehr und mebr Zuschauer stellten sich -in.
Doch auch jetzt blio-, bas Glück bei gurt.
Er gewann und aewmin nnaiisgelitzt
Schon batte er ein Vc-möopn ^tckammen.
Doch an ein Aushören war nicht zu denken.
Der dicke Bör'---,er. mit immer gleicher Ruhe. poi». tierte böher und Kötzer. —
lind Kurt, der so stark im Vorteil -'er, i ,,bte ru lcs annohinen. durfte auch die höchste Zahl nicht -.»rück- weisen
Ein kleine? Kavitak laa setzt ans dem Svieltisch Da? -9lahreSeinköminen manche? Koben Staatsbeamten. Und hier stand e? auf einer einzigen Karte
Wchder ajna c? wie ein Raunen durch die nmtze- bendeit. Zuschauer. Die Spannung war aus; höchste ge- stiegt-N
"D>L <värs Kurt mit schneller Hand auf
Dress König!
Die Bank gewann wiederunr.
Ein „Ah!" des Erstaunens 'chwirrte nurch nie Lust.
„Fabelhaftes Schwein!" schrie Kurts Kamerad von drüben voll Enthusiasmus herüber.
Nur oer dicke Bördaner '-'lieb ocniz still. Ruhig klappte er seine Drieftaschc auf und holte neue Banknoten heraus.
Und Kurt sah da mit glühenden Augen und starrte bas Geld vor stch an. Das alles war sein Eigentum. Und-er, >pgr njcht Herr darüber <tr k mn«e irfct nicht auf Und davon. Er mußte bleiben und seinem Gegner sich itetiejl
Sebne Mehle war wie e.usgedörrt. Man brachte ihm'ebst Mas Sekt, das er hinnnterstürzte, dann noch eins 1 .uttfc noch «jns. lind nun war er von neuem gewappnet. Nun weiter.
Aber jetzt auf einmal wandte stch das Blatt.
Die Bank verlor, — einmal, zweimal, dreimal — zehnmal, — schnell nacheinander.
Das Vermögen schmolz zusehends zusammen
Und der Dicke drüben ließ nicht nach. 5HUi ruhigem Gleichmut schob er Summen auf Summen bin.
Kurt wurde nervöser von einer Minute zur anderen. Schon sah er, daß sein Stern im Erbleichen war. Schon sah er, wie das Gold, sein Gold, weniger und weniger wurde. Und dennoch gab es kein Entweichen sür ihn.
Ein paar Mal gewann die Dank noch. Aber dann ging es mit Riesenschritten bergab.
Nach üner kleinen Stunde ivar Kuck so gut wie blank.
Blaß, bebend erhob er stch. Aus — alles war ausl Wie ein Taumelnder trat er zurück.
Sofort iprang der Kamerad hinzu .Aber. Büttner. Kerlchen, was haben Sie denn?" rief er heiler.
Schnell fand Kurl Kraft und Sammlung wieder. Lächelnd, leickitbin scherzend, entschuldigte er 'ich mit seiner Nervosität Nur nicht sich ins Herz ieben lassen!
Am Tisch ging das Sviel weiter. Ter Dicke batte letzt wieder die Bank. Alles ruhig und stcher wie vordem.
Kurt stand wie ein Träumender da und !ab zu. Noch immer wurden Summen bin- und beraesckwben. Noch immer gewann und verlor man dort. Ruhig, lä- chelnd. gleichgültig Und mitten drinnen dieser dicke, lächelnde Teufel. Fa. wie der leibbastige Teniel. io sab lein Gesicht jetzt aus!
Fn Kurts Fingern zuckte es. Er hätte >bn crwür- gen können dt-sen Schuft, der ibm all das Geld abgewonnen batte
Was sollle denn nun werden? Er besaß noch 20 Mark Alkes andere war fort. Sollte er mit dem letzten Goldfuchs noch einmal von vorn ansangenr Oder sollte er borgen? Feder hier würde ibm ja Kredit ein- räumen! Aber dann, wenn er dann auch -eder verlor. was dann? Was dann — — ?
Mit Grauen, mit Entietzen starrte er auf den dicht besäten Tisch. — Gold. Gold und wieder Gold, ganze Hausen von Banknoten — ach. wenn er's doch viel-
stcffvorrat im Boden verlangen, damit sie kräftig bewurzelt in und durch den Winter kommen. Deshalb vernachlässige man unter keinen Umständen die Stickstoffdüngung im Herbst.
Nach den vorliegenden Ernteschätzungen ist die Ernte sehr gut ausgefallen und es darf angenommen werden, daß die Lanidwirte aus dem Verkauf der Erzeugnisse genügende Mittel zur Verfügung haben, um Düngemittel in größerem Umfange als bisher zu beziehen. Bei einer solchen Sachlage darf der Landwirt nicht das Bestreben haben, sein Geld sestznhalten, anstatt es nutzbringend durch den Ankauf und die Verwendung von Kunstdüngemitteln anzuwenden. Durch ein deracktges Verhalten würden sie lediglich die Not der Zeit erhöhen.
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Landwirte sorgt für normale Winterbeftellung.
Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird es in dieser ernsten Zell zu einem düngenden Gebot, mit allen Mitteln für eine normale Winter- b e st e l l u n g zu sorgen. Es ist unter; allen Umftän» den erforderlich, daß die Winterbestellung, Bodenbearbeitung, Düngung mit tierischem und künstlichem Dünger sowie Aussaat in demselben Umsange und mir derselben Sorgfalt vorgenommen wird, wie in Fpiedensjahren. Da das Wintergetreide in Deutschland fas! 60 Prozent der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränkung unserer Winterbestellung gegenüber ihrem normalen Fcke- densstande geradezu eine Katastrophe nicht nur für die Landwicke selbst, sondern für die gesamte Volksepnähr- ung herbeiführen können.
Verantwortlich: Alb in Klein, Gießen.
Feldpost-Eezug der Gießener Zeitung.
Um unseren Soldaten auch im Felde regelmäßig Nachrichten aus der Heimat zu verschaffen, haben wir eine besondere
Feldpostbcstellung
auf die „Gießener Z e i t n n g" eingerichtet.
Die Einrichtung ist so gedacht, daß Angehöckge oder Freunde von Feldzugsteilnehmern bei unserer Expedition den Namen des Feldzugsteilnehmers, der die ZettuNg erhallen soll, mit den erforderlichen Angaben (Armee - korps, Division, Regiment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron oder Ableitung und Battecke) angeben.
Der Bezugspreis von nur 13 Pfg. für den Monat ist franko bAzulegert. Darauf wird von unserer Erpedition die Zeitung an die angegebenen Feldadressen als Streifbandsendung verschickt.
Bestellungen aus diese Fcldpostsendunqen, die im August einlaufen, werden sür den Rest des Monats Aut- gust k o st e n s r e i erledigt.
Wir hoffen, daß von dieser Einckchtnng, die von uns unter Verzicht auf jeglichen Gewinn getroffen ist, reichlich Gebrauch gemacht wird und bitten jedermann, für ihre Verbreitung besorgt zu sein.
Verlag der „Gießener Zeitung",
' Seltersweg 83 (mittlerer Laden).
leicht noch einmal wagte! Vielleicht kam ictzi das Glück wieder!
Aber da mit einmal bekam er ganz h-llcs Ohren- klingea.
Sofort dachte er an die Seinen dabeim.
Er zog die Uhr. Kurz vor Mitternacht war es.
Erst jetzt siel ibm ein. daß die zu Hause ja gar nicht wußten, wo er geblieben war. Ohne ein Wort der Erkläruna hatte er stch heute nach Tisch ja davon geschlichen. Also würde man sich jetzt schon seinetwegen ängstiaen lind bangen.
Die helle Röte stiea ibm ins Gesicht Er schäm'e sich seines Leichtsinns, ebrlich schämte er sich
Und nun mit einmai kamen ibm auch die letzten kerben W"r!e Brunos tvieder ins Gedächtnis- iln.d nnn fühlte er sich wie erdrückt, wie erschlagen von der Wucht der S-k'-"--".....
Schnell und obne brmerki zu wernen. enck'g, er aus dem Raum Eilig nahm er die Garderobe und stürmte hinaus.
Und nun in die Nacht hinein.
Die hellen Straßen mied er. um nicht von Bekannten getroffen zu werden, nur in den stillen Seiten- sttaßen war er stcher.
Und vier eilte er dahin, weiter und weiter, ziellos und rastlos, »nd immer aehetzt und getrieben von der quälenden Angst: was sott nun werden!? Was soll nun bloß werden!?
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Tante Marie war in großer Ansreguna.
Als um vier Ubr der KaffeetUch gedeckt war und Kurt nicht erschien, ging sie selbst hinüber ins Kontor, um ibren Liebling zu rufen.
Natürlich war der Weg umsonst.
Auch konnte ihr niemand etwas sagen über den Verbleib des jungen Herrn: weder der alte Prokurist, noch die andern Angestellten wußten von ibm. nur der Diener batte ihn um drei Uhr fortaehen sehen.
Verängstigt kehrte das Tantchen zurück und saß nun einsam am Kaffeetisch.
Focksetzung svlgt.


