Ausgabe 
7.10.1914
 
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! Mainz, 2. SD!t. Hier wurden gestern gegen 2 0 0 0> R e s e r v i sl e n entlassen, da sie nicht mehr gebraucht wurden. Es handelt sich dabei um Ersatzreser- visten. Die felddienstsähigen Leute werden ausgebildet, die anderen heimgeschickt. Verschiedene Kompagnien wur­den aufgelöst.

* Pfarrer Korell in Niedey-Ingelheim hat seit einiger Zeit an im Felde stehende Nieder-Ingelhei- mcr eine auf der, Schreibmaschine hergcstellteF e l d - postzei < ung" mit angefügten Familiennachrichten versandt; um auch seine Gemeinde mit den tapferen Sol­daten in Verbindung zu erhalten und ihnen mancherlei zu sagen, war in Briefen der Angehörigen nicht immer so zum Ausdruck kommt.

Fahrpretsermästtgung zum Besuch Ucrwundctcr Krieger.

Zur Erleichterung des Besuchs kranker oder ver­wundeter deutscher Krieger, die sich innerhalb Deutsch - lands in ärztlicher Pflege befinden, werden mit soforti­ger Gültigkeit für das Gebiet der deutschen Staatseisen­bahnen nachstehende Tarifdestimmungen cingesührt:

1. Angehörige kranker oder verwundeter, in ärztlicher Pflege innerhalb Deutschlands befindlicher deut­scher Krieger werden zu deren Besuch in der zweiten, dritten oder vierten Klasse zum halben Fahrpreis, in Schnellzügen außerdem gegen tarifmäßigen Zuschlag, befördert.

2. Als Angehörige gellen Eltern, Kinder, Geschwister, Efiefiau und Verlobte.

3. Zwei Kinder vom vollendeten 4. bis zum vollende­ten 40. Lebensjahre werden für eine Person ge­rechnet; für ein einzelnes Kind innerhalb dieser Al­tersgrenze ist ohne weitere Ermäßigung eine halbe Fahrkarte zu lösen.

4. Die Fahrpreisermäßigung wird nur für Reisen über 50 Kilometer gewäbrt.

5. Die Fahrkarten zum halben Preise werden von den Fabrfiartenausgaben auf Grund der von der zustän­digen Ortspolizeibehörde ausgestellten Aus­weise vcrabsolgt.

6. Die Ausweise müssen enthalten, Namen der Reisen­den, Anfangs- und Endstation der Reise, Reiseweg, Bescheinigung mit Stempel und Unterschrift der Orts­polizeibehörde, daß die Reisenden Angehörige kran­ker oder verwundeter deutscher Krieger sind. Vor­drucke zu den Ausweisen werden von der Fahrkar­tenausgabe kostenlos an die Ortsposstzeibehörden ab­gegeben.

7. Die Ausweise werden von den Fahrkartenausgaben bei jeder Lösung einer Fahrkarte abgestempelt und den Inhabern zmückgegeben, die sie dem Fahrtzer - sonal auf Verlangen vorzuzeigen haben. Bei Been­digung der Rücksabrt sind die Ausweise mit den Fahrkarten abzugeben.

* W v' h a b e ich mich abzü melden? Daß ein Geschäftsmann oder ein Gewerbetreibender sich in einem geordneten Staatswesen bei einem Umzug ab- und anzumelden hat, ist hinlänglich bekannt. Nicht je­der aber ist sich darüber klar, an welchen amtlichen und privaten Stellen er sich abzumelden hat. Im allgemei­nen kommen die nachstehenden Instanzen in Frage, denen man eine Benachrichtigung über die Wohnungs­veränderung einsenden muh: 1. Hausbesitzer, 2. Ange- stelltenversicherung, 3. Krankenversicherung, 4. Feuerver­sicherung, Lebensversicherung, 5. Versicherung gegen son­stige Schäden, 6. Berussgenosscnschast, 7. Eewerbeamt,

8. Handelskammer (Handweckskammer), 9. Polizei, 40. Steuerbehörde, 14. Ehrenämter bei.. Behörden, 42. Gas­

anstalt, 13. Elektrizitätsweck, 14. Post, 15. Telephon -

amt, 16. Vereine und Verbände, 17. Auskunftei, 18. Bank, 19. Sparkasse, 20. Feste Kunden, 21. Lieferan­ten und 22. die Zeitung. Je nach der Bedeutung und Größe des Unternehmens kommen selbstverständlich noch weitere Kreise uNd Organisationen in Betracht, bei denen eine Meldung zu erfolgen hat. Immerhin aber hat auch der kleinere Geschäftsmann mit den genannten 22 Instanzen genug Arbeit.

» * *

Maahiiahiiicn zur Sicherung »nscrcr iiächftjährigru Ernte.

In der gegenwärtigen schweren bedrängten Lage des Vaterlandes ist es Pflicht eines jeden Landwickes, für eine zrckünftige reiche Ernte an Brolsrüchten und Futtergewächsen zu sorgen, denn vor allem muß die

Ernährung unseres Volkes durch reichliche Ernten und

Erzeugung von Vieh gesichert werden. Da es ungewiß ist, wie lange der Kriegszustand herrschen und damit die Zufuftr aus dem Ausland unterbunden sein wird, muß sich unser Augenmeck der nächstjährigen Ernte zu- wenden. Besonders in den nächsten Wochen gi't es mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß wir 1915 eine große Ernte an Brotgetreide machen. Die kommende Herbstbestellung gibt den Ausschlag für die Ernährung Deutschlands.

Es ist in erster Linie dafür zu sorgen, daß die Be­arbeitung des Bodens, soweit es die diesjähckgen Ver­hältnisse gestatten, möglichst sorgfältig ausgeführt wird. Da sich der Ausfall an menschlichen Arbeitskräften und Zugtieren sehr fühlbar machen wird, wird man, um durchzukommen, vielerorts auf das Schälen der Stop­peln verzichten und sofock zur Saat pflügen müssen. Rechtzeitige Saalsurche ist vor allem bei Roggen, der ein gesetztes Land verlangt, Grunderfordernis. Zur Saat verwende man gut gereinigtes, bestes keimfähiges Ge­treide und lege den größten Wert auf Winterfesttgkeit desfelben. In sehr vielen Fällen wird man die Aus­saatmengen ganz wesentlich herabsetzen können, um an Saatgut zu sparen. Voraussetzung dabei ist allerdings tadelloses Saatgut und Boden in guter Kultur. Da der Ernteertrag der deutschen Landwickschast, soweit mensch­liches Tun in Frage kommt, mit in erster Linie von der ausgiebigen Verwendung künstlichen Düngers abhäNgt, so mache man von diesen wichtigen Hilfsmitteln gerade jetzt, wo das Ausfahren und Streuen des Stalldüngers noch viel größere Anforderungen an die augenblicklich besonders teure Gespann- und Handarbeit stellt, weit­gehendsten Gebrauch. Die Landwirte dürfen sich keines­wegs ans die alte Kraft des Bodens verlassen. In Frage kommen hauptsächlich Thomasmehl oder Superphosphat, Kalisalze und als Stickstoff das deutsche Erzeugnis schwesels. Ammoniak. Während Thomasmehl ein Mi­schen mit Ammoniak nicht verträgt und mit den Kali­salzen zweckmäßig 8 14 Tage vor der Verwendung des schwesels. Ammoniaks gestreut werden muß, können Su­perphosphat, Kalisalze und Ammoniak unbedenklich mit­einander gemischt werden und dann zur Verwendung gelangen. Man verwende im Allgemeinen pro Mor­gen etwa:

2 Ztr. 2,5 Ztr. Thomasmehl oder 1,25 Ztr. bis 1,50 Ztr. Superphosphat.

2 Ztr. 3 Ztr. Kainit oder 1 Ztr. 1,50 Ztr. 40 Prozent Kalisalz.

2530 Pfd. schws. Ammoniak im Herbst vor der Saat (die zweite, Hauptgabe) Ende Februar oder Ansangs März als Kopfdüngung.

Es ist zu berücksichtigen, daß unsere Getreidearten namentlich zu Beginn des Wachstums reichlichen Slick-

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£in ftiller Mensch.

Roman von Paul V l i ß.

Nachdruck verboten, mcit er von nun ti >

Immer infCTeiircrter wurden v-e Einen

ko spanncuven Abend batte e? lärm.? nicht gegeben. Mehr und mebr Zuschauer stellten sich -in.

Doch auch jetzt blio-, bas Glück bei gurt.

Er gewann und aewmin nnaiisgelitzt

Schon batte er ein Vc-möopn ^tckammen.

Doch an ein Aushören war nicht zu denken.

Der dicke Bör'---,er. mit immer gleicher Ruhe. poi». tierte böher und Kötzer.

lind Kurt, der so stark im Vorteil -'er, i ,,bte ru lcs annohinen. durfte auch die höchste Zahl nicht -.»rück- weisen

Ein kleine? Kavitak laa setzt ans dem Svieltisch Da? -9lahreSeinköminen manche? Koben Staatsbeamten. Und hier stand e? auf einer einzigen Karte

Wchder ajna c? wie ein Raunen durch die nmtze- bendeit. Zuschauer. Die Spannung war aus; höchste ge- stiegt-N

"D>L <värs Kurt mit schneller Hand auf

Dress König!

Die Bank gewann wiederunr.

EinAh!" des Erstaunens 'chwirrte nurch nie Lust.

Fabelhaftes Schwein!" schrie Kurts Kamerad von drüben voll Enthusiasmus herüber.

Nur oer dicke Bördaner '-'lieb ocniz still. Ruhig klappte er seine Drieftaschc auf und holte neue Bank­noten heraus.

Und Kurt sah da mit glühenden Augen und starrte bas Geld vor stch an. Das alles war sein Eigentum. Und-er, >pgr njcht Herr darüber <tr k mn«e irfct nicht auf Und davon. Er mußte bleiben und seinem Gegner sich itetiejl

Sebne Mehle war wie e.usgedörrt. Man brachte ihm'ebst Mas Sekt, das er hinnnterstürzte, dann noch eins 1 .uttfc noch «jns. lind nun war er von neuem ge­wappnet. Nun weiter.

Aber jetzt auf einmal wandte stch das Blatt.

Die Bank verlor, einmal, zweimal, dreimal zehnmal, schnell nacheinander.

Das Vermögen schmolz zusehends zusammen

Und der Dicke drüben ließ nicht nach. 5HUi ruhigem Gleichmut schob er Summen auf Summen bin.

Kurt wurde nervöser von einer Minute zur ande­ren. Schon sah er, daß sein Stern im Erbleichen war. Schon sah er, wie das Gold, sein Gold, weniger und weniger wurde. Und dennoch gab es kein Entweichen sür ihn.

Ein paar Mal gewann die Dank noch. Aber dann ging es mit Riesenschritten bergab.

Nach üner kleinen Stunde ivar Kuck so gut wie blank.

Blaß, bebend erhob er stch. Aus alles war ausl Wie ein Taumelnder trat er zurück.

Sofort iprang der Kamerad hinzu .Aber. Bütt­ner. Kerlchen, was haben Sie denn?" rief er heiler.

Schnell fand Kurl Kraft und Sammlung wieder. Lächelnd, leickitbin scherzend, entschuldigte er 'ich mit seiner Nervosität Nur nicht sich ins Herz ieben lassen!

Am Tisch ging das Sviel weiter. Ter Dicke batte letzt wieder die Bank. Alles ruhig und stcher wie vor­dem.

Kurt stand wie ein Träumender da und !ab zu. Noch immer wurden Summen bin- und beraesckwben. Noch immer gewann und verlor man dort. Ruhig,- chelnd. gleichgültig Und mitten drinnen dieser dicke, lächelnde Teufel. Fa. wie der leibbastige Teniel. io sab lein Gesicht jetzt aus!

Fn Kurts Fingern zuckte es. Er hätte >bn crwür- gen können dt-sen Schuft, der ibm all das Geld ab­gewonnen batte

Was sollle denn nun werden? Er besaß noch 20 Mark Alkes andere war fort. Sollte er mit dem letz­ten Goldfuchs noch einmal von vorn ansangenr Oder sollte er borgen? Feder hier würde ibm ja Kredit ein- räumen! Aber dann, wenn er dann auch -eder ver­lor. was dann? Was dann ?

Mit Grauen, mit Entietzen starrte er auf den dicht besäten Tisch. Gold. Gold und wieder Gold, ganze Hausen von Banknoten ach. wenn er's doch viel-

stcffvorrat im Boden verlangen, damit sie kräftig be­wurzelt in und durch den Winter kommen. Deshalb vernachlässige man unter keinen Umständen die Stick­stoffdüngung im Herbst.

Nach den vorliegenden Ernteschätzungen ist die Ernte sehr gut ausgefallen und es darf angenommen wer­den, daß die Lanidwirte aus dem Verkauf der Erzeug­nisse genügende Mittel zur Verfügung haben, um Dün­gemittel in größerem Umfange als bisher zu beziehen. Bei einer solchen Sachlage darf der Landwirt nicht das Bestreben haben, sein Geld sestznhalten, anstatt es nutz­bringend durch den Ankauf und die Verwendung von Kunstdüngemitteln anzuwenden. Durch ein deracktges Verhalten würden sie lediglich die Not der Zeit erhöhen.

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Landwirte sorgt für normale Winterbeftellung.

Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird es in dieser ernsten Zell zu einem düngenden Ge­bot, mit allen Mitteln für eine normale Winter- b e st e l l u n g zu sorgen. Es ist unter; allen Umftän» den erforderlich, daß die Winterbestellung, Bodenbear­beitung, Düngung mit tierischem und künstlichem Dünger sowie Aussaat in demselben Umsange und mir derselben Sorgfalt vorgenommen wird, wie in Fpiedensjahren. Da das Wintergetreide in Deutschland fas! 60 Prozent der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränkung un­serer Winterbestellung gegenüber ihrem normalen Fcke- densstande geradezu eine Katastrophe nicht nur für die Landwicke selbst, sondern für die gesamte Volksepnähr- ung herbeiführen können.

Verantwortlich: Alb in Klein, Gießen.

Feldpost-Eezug der Gießener Zeitung.

Um unseren Soldaten auch im Felde regelmäßig Nachrichten aus der Heimat zu verschaffen, haben wir eine besondere

Feldpostbcstellung

auf dieGießener Z e i t n n g" eingerichtet.

Die Einrichtung ist so gedacht, daß Angehöckge oder Freunde von Feldzugsteilnehmern bei unserer Expedition den Namen des Feldzugsteilnehmers, der die ZettuNg erhallen soll, mit den erforderlichen Angaben (Armee - korps, Division, Regiment, Bataillon, Kompagnie, Es­kadron oder Ableitung und Battecke) angeben.

Der Bezugspreis von nur 13 Pfg. für den Mo­nat ist franko bAzulegert. Darauf wird von unserer Erpedition die Zeitung an die angegebenen Feldadres­sen als Streifbandsendung verschickt.

Bestellungen aus diese Fcldpostsendunqen, die im August einlaufen, werden sür den Rest des Monats Aut- gust k o st e n s r e i erledigt.

Wir hoffen, daß von dieser Einckchtnng, die von uns unter Verzicht auf jeglichen Gewinn getroffen ist, reichlich Gebrauch gemacht wird und bitten jedermann, für ihre Verbreitung besorgt zu sein.

Verlag derGießener Zeitung",

' Seltersweg 83 (mittlerer Laden).

leicht noch einmal wagte! Vielleicht kam ictzi das Glück wieder!

Aber da mit einmal bekam er ganz h-llcs Ohren- klingea.

Sofort dachte er an die Seinen dabeim.

Er zog die Uhr. Kurz vor Mitternacht war es.

Erst jetzt siel ibm ein. daß die zu Hause ja gar nicht wußten, wo er geblieben war. Ohne ein Wort der Erkläruna hatte er stch heute nach Tisch ja davon geschlichen. Also würde man sich jetzt schon seinetwegen ängstiaen lind bangen.

Die helle Röte stiea ibm ins Gesicht Er schäm'e sich seines Leichtsinns, ebrlich schämte er sich

Und nun mit einmai kamen ibm auch die letzten kerben W"r!e Brunos tvieder ins Gedächtnis- iln.d nnn fühlte er sich wie erdrückt, wie erschlagen von der Wucht der S-k'-"--".....

Schnell und obne brmerki zu wernen. enck'g, er aus dem Raum Eilig nahm er die Garderobe und stürmte hinaus.

Und nun in die Nacht hinein.

Die hellen Straßen mied er. um nicht von Be­kannten getroffen zu werden, nur in den stillen Seiten- sttaßen war er stcher.

Und vier eilte er dahin, weiter und weiter, ziellos und rastlos, »nd immer aehetzt und getrieben von der quälenden Angst: was sott nun werden!? Was soll nun bloß werden!?

.

Tante Marie war in großer Ansreguna.

Als um vier Ubr der KaffeetUch gedeckt war und Kurt nicht erschien, ging sie selbst hinüber ins Kontor, um ibren Liebling zu rufen.

Natürlich war der Weg umsonst.

Auch konnte ihr niemand etwas sagen über den Verbleib des jungen Herrn: weder der alte Prokurist, noch die andern Angestellten wußten von ibm. nur der Diener batte ihn um drei Uhr fortaehen sehen.

Verängstigt kehrte das Tantchen zurück und saß nun einsam am Kaffeetisch.

Focksetzung svlgt.