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Nr. 81
Mittwoch, ven 7 . Oktober 1914.
Telephon Nr. 362. 20. Iührg.
Weltkrieg.
Antwerpen vor dem Fall. Neuer Sieg über die Russen. Äiantschou wird heldenmütig verteidigt.
Vom Krieg im Weste:?.
Auf dem Kriegsschauplatz im W e st e n geht es nach unseren Begriffen zurzeit recht langsam voran. Man muh sich aber vergegenwärtigen, dah die beiderseitigen Heere zum grohen Teile einen Festungskrieg führen insofern, als die Franzosen vielfach sich tatsächlich in Festungen befinden, vor denen die Deutschen stehen, andererseits aber Feldbefestigungen erbaut haben, was auch die Deutschen taten. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, dah nicht mehr über die Einnahme von Dörfern und Städten berichtet wird, sondern dah die Nachrichten sich dabei bescheiden, ein Vorwärtskommen feststellen zu können. Da die Franzosen an keiner Stelle der langen Schlachtfronl durchkommen konnten, haben sie es mit einer Umgehung versucht. Zu diesem Zwecke warfen sie grohe Truppenmassen nach Nordwesten, an den rechten Flügel der deutschen Armee. Der Versuch mihlang ab. Die Deutschen rückten ebenfalls mehr nach der Nordsee hin, und schlugen die Franzosen zurück. Dadurch wurde nun die Schiachtfront noch viel länger, die Franzosen sprechen von 500 Kilometer.
Grohes Hauptquartier. (Amtlich.) Aus dem westlichen Kriegsschauplatz geht der Kampf am rechten Heeresslügel und in den Argonncn erfolgreich vorwärts.
Antwerpen.
WTB. Großes Hauptquartier, 5. Okt. abends. Vor Antwerpen sind die Fcrts Kessel und Brachem zUm Schweigen gebracht. Die Stadt Sichre und das Eisenbahnsort an der Bahn Me- chcln-Antwerpen sind genommen.
Es wird bestätigt, dah der gesamte Sektor von Waelhem bis Vier sich in den Händen der Deutschen befindet. Die Forts sind vollständig zusammen, geschossen mit Ausnahme von Waelhem. Die eroberten Forts fitro durchaus von modernster Konstruktion, sie übertrasen die zum Teil 20 und 30 Jahre allen Forts von Lüttich Namur um «in bedeutendes. Die Deutschen haben nun den festesten Teil der Position in Händen, sodah über den Fortgang der Operation kein Zweifel sein kann.
Die eroberten Forts sind: die starken Forts Waelhem mit St. Katherine, die Nedoutcn Dorpveld und Boschbeek, Fort Koninghyckt, die Redoute Tallert, das starke Fort Lier und wahrscheinlich auch die etwas weiter zurückgelegene Schanze an der Eisenbahn bei Dussel, von der die Belgier sagen, dah sie durch die Deutschen stark beschossen wurde. DU die Belgier ferner sagen, die Deutschen seien von Lier vertrieben und nach Ressel ab- marschierl, so heiht das für. den, der die belgische Ausdrucksweise verstehen gelernt hat: Nachdem die Deutschen Lier zusammengeschossen haben, beginnen sie ihre Arbeit bei Fort Ressel.
(Ctr. Bln.) Aus Antwerpen wird nach Rotterdam gemeldet: Die Belgier organisieren noch eine letzte Verteidigung ihres Landes. Der Kommandant der Festung, General de Guise, hielt eine Ansprache an die Truppen, worin er das baldige Erscheinen englischer HilsstrUppen ankündigtc. Grohe Enttäuschung erregte aber die Meldung, dah die Deutschen die Stadt Tornay, die die Verbindung zwischen den französisch-englischen und den belgischen Truppen bilden sollte, zurückerobert haben.
WTB. Grohes Hauptquartier, 6. Okt. abends. (Amtlich.) Die fortgesetzten Umsassungsversuche der Franzosen gegen unsern rechten H e e r e s f l ü- g e l haben die Kampffront bis nördlich Situs ausgedehnt. Auch westlich Lille und westlich Lens trafen unsere Spitzen aus seindliche Kavallerie. In unseren
Gegenangriffen über die Linie Arras-Albert- R o y e ist nioch keine Entscheidung gefallen.
Auf der Schlachffront zwischen Oise Und Maas bei Verdun und in Elsaß-Lothringensind die Verhältnisse unverändert.
Der amtliche sranzösische Schlachtbericht vom 5. Oktober, 3.20 Uhr nachm., hebt hervor, dah aus dem linken französischen Flügel die Schlacht einen äußerst heftigen Fortgang nimmt, dah der Kamps jedoch bisher unentschieden ist. An verschiedenen Puickten muhten die Franzosen zurückweichen und das Terrain ausgeben.
Stockholm, 6. Okt. (Ctr,. Bln.) Die belgische Regierung trifft alle Vorbereitungen, um Antwerpen aus dem Wasserwege zu verlassen und nach London überzusiedeln. Deq ganze äußere Be- sesiigungsgürlel südlich der Stadt ist in deutschen Händen. Die Bresche ist 13 Kilometer lang. Die inneren Werte werden seit dem 4. Oktober mit schwerer Artillerie beschaffen, die jetzt kaum 18 Kilometer von^ den wichtigsten Hafenbauten entfernt steht. Auch die Stadt L a k a e z e n an der holländischen Grenze ist von den Deutschen besetzt. (Voss. Ztg.)
Die Belgier liehen vor einigen Tagen ein halbes Dutzend schwere, mit Sand gefüllte Eisenbahnzüge in rasender Fahrt führerlos ins Blinde auf die deutschen Linien losfahren uUd dachten wohl, damit grohen Schaden anzurichten. Einer dieser Züge kam in Hal _ an, als gerade ein deutscher Truppentransport die Stadt verlassen hatte, so daß glücklicherweise nur zwei deutsche Bahnbeamte dem Anschlag . zuM Opfer sielen. Der Zug liegt nun als wirre Masse bei Hal. Sofort wurden mm zwei kleine Brücken westlich von Hal durch die Deutschen gesprengt. Die kurz daraus ankommenden wilden Züge stürzten in den Abgrund, ohne jeglichen Schaden anzurichten. — Im Kriege mag allerhand erlaubt sein, aber diese gemeinen Streiche charakterisieren trotzdem die niedere Denkungsweise der Belgier. Darum: diesem Volke und diesem Laude kein« Schonung.
Die Berichte aus Belgien lassen eckcnnen, dah man auch in Belgien sich aus den Krieg gegen Deutschland gerichtet halle. Die Vorbereitungen, die sür den Franktireurkrieg getroffen wurden, konnten nicht mehr getros- sen werden in der Zeit nach Ausbruch des Krieges, sie waren vorher getroffen worden. Die Belgier sind nicht besser einzuschätz-en wie die Franzosen, ihnen gebührt das gleiche Schicksal.
Vom Kr^ea im Oüen.
Aus dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatz ist der russi- sche Vormarsch gegen Ostpreußen im Gouvernement Suwalki zum Stehen gebracht. Bei Survalki wird der Feind seit gestern erfolgreich angegriffen.
3000 Russen gefangen.
In Russisch-Polen vertrieben deutsche Truppen am 4. Oktober die russische Garde-Schützenbrigade aus einer befestigten Stellung zwischen Opatow Und Ostrowiec und nahmen ihr etwa 3000 Gefangene, mehrere Geschütze und Maschinengewehre ab. Am 5. Oktober wurden 2 l /t russische Kavalleriedivisionen Und Teile der Hauptreserve von Iwangerod bei Radom angegriffen und aus Iwangerod zurückgeworsen.
In Galizien kämpfen an der Seite der Oe- sterreichcr nun auch deutsche Truppen. Diese Truppen - Verschiebungen haben in den letzten Wochen gut statt- gefUnden; die Oeffenllichkeit erftlhr nichts davon, weil sie über solche Dinge nichts erfahren darf. Nun aber die Deutschen dort sind, hören wir auch schon, dah die so verstärkle verbündete Armee zum Angriff gegen die Russen übeigegangen ist.
Der Zar im Feld.
Aus Petrograd wird gemeldet, dah der Zar nach dem Kriegvschauplatz abgereist ist.
Von Petersburg wird telegraphisch nach Paris gemeldet, dah der Zar am Samstag in Lublin eingetroffen ist, um den kriegerischen Vorgängen persönlich beiwohnen zu können.
Ocstcrrcichische Waffencrfolge.
WTB. Wien, 2. Okt. Amtlich wird bekannt gegeben: Unsere in Serbien befindlichen Truppen stehen seit zwei Tagen im Angriffskampf. Bisher schreitet die eigene Offensive gegen den überall in stark verschanzten und mit Drahthindernissen geschützten Stell - ungen postierten Gegner zwar langsam, aber günsttg vorwärts. Mit der Säuberung der von serbischen und montenegrinischen Truppen und Irregulären beunruhigten Gegenden Bosniens ist energisch begonnen worden. Hierbei wurde gestern ein komplettes serbisches Bataillon umzingelt und entwaffnet und als kricgsge - fangen abtransportiert. Die von den Serben verbreitete Behauptung über die Vernichtung der 40. Honveddivi- jion ist ein neuerlicher Beweis der lebhaften serbischen Phantasie. Diese Division befindet sich, wie die Serben sich zu überzeugen in den letzten Tagen wiederholt Gelegenheit hatten, in bester Verfassung in der Gesechts- front und nahm ebenso wie bei Visegrad auch an den Kämpfen der letzten Woche rühmlichsten Anteile P o t i o r e k, Feldzeutzmeistcr.
WTB. Wien, 6. Okt. Die Operationen in Russisch-Polen und Galizien schreiten rüstig vorwärts. Schulter an Schulter kämpfend warfen deutsche und österreichungarische Truppen den Feind von Opatow und K l i m a t o w gegen die Weichsel zurück. In den Karpathen wurden die Russen am Uszakerpaß vollständig geschlagen.
Berlin, 6. Okt. Bei den letzten Kämpfen östlich der D r i n a sind die serbischen Schumadja und Mo- rawa-Dimsionen fast votilständig aufgerieben worden. Im ganzen haben die Serben bisher 13 000 Tote und über 50 000 Verwundete. (Ctr. Bln.)
Vom Seekrieg.
Ueberall ist null auch der Kolonialkrieg entbrannt. Die Japaner stehen an den Grenzen von K i- a u l s ch o U, die Engländer und Franzosen sind in deutsche Kolonialgebiete in Afrika und dem indischen Ozean eingefallen. Wenn wir auch wissen, dah die Deutschen sich nirgends kampflos ergeben werden, kann das Schicksal verschiedener Kolonien doch nicht Zweifel - hast sein. Die dort stehenden deutschen!Besatzungen stehen eben bald einer grohen englischen Und französischen Ue- bermacht gegenüber, der sie aus die Dauer nicht standhalten können. Daraus braucht man aber nicht zu schließen, daß wir diele Kolonien verlieren. Wenn wir in Europa siegen,, müssen die Engländer die Kolonien wieder herauSgeben. widrigenfalls — nun, wir würden sagen, widrigenfalls London in einen Trümmer - Hausen verwandelt wird.
ttiautschou verteidigt sich.
WTB. Berlin, 6. Okt. (Nichtamtlich.) Die,.B. Z. a. M." meldet:
Bon unserem besonderen Berickllerstatter aus Rotterdam wird uns heute mitgeteilt:
Beim ersten Sturniangrifs aus die Iiffantericwerkc vcn Tsingtau wurden die vereinigten Japaner und Engländer mit einen, Verlust von 2500 Mann z u rück- geschlagen. Die Wickung der deutschen Minen, Geschütze und Maschinengewehre war vernichtend. Der rechte Flügel der Verbündeten wurde von dem öfter - rcichisch-ungarischen Kreuzer „Kaiserin Elisabetl." und


