Ausgabe 
3.10.1914
 
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Samstaq, den 3. Oktober 1914. rel°ph°n,-r. ns. 26. Jahn .

Vom weltEvieg.

Deutsche Waffenerfolge vor Toul, im Nordwesten Frankreichs und vor Antwerpen.

Im Osten gemeinsame Vom Krieg im Westen.

Berlin, 2. Okt. (Ctr. Bin.) DerBerliner Lok.- Anz." schreibt: Die Nachrichten' vom westlichen Kriegs­schauplatz sind sehr erfrischend. Die sranzösifche Offen­sive ist im Zsifanrmeubruch begriffen. Unsere Truppen haben dem Feind die Ortschaften Roye und Fres- n o pentrissen^. Dieser Erfolg setzt uns in den Be­litz der Linie Chau!nes-Roy e-N oyon, Der Ort Fresnoy '»egt 25 Kilometer nordwestlich von Noyon aus dem Lege nach Amiens. Der Feind ist demnach beträchtlich orückgeworfen worden.

Südwestlich Miliel wurden am 1. Oktober Angriff«

Soul mit schweren Verlusten für den Feind zw rückgewiesen.

Ebenso erfreulich ist das Fortschreiten des Angriffs auf Antwerpen. Kein Mann der Antwerpener Bela- gerungsarmee brauchte seinem ursprünglichen Zweck ent- r'gen zu werden. Wir verfügen in Belgien und in Frankreich über «inen Reichtum an Truppen, der uns gestattet, gleichzeitig eine der stärksten Festungen der Welt zu bekämpfen und die wütenden Angriffe engli­scher und sranzösischer Heere blutig abzuweisen und von der Verteidigung zum, Angriff überzugehen.

Tie Deutschen gehe» weiter vor.

Eine Depesche derTimes" aus Nancy vom 24. Sept. besagt: Die Deutschen rücken wieder vor. Sie besetzten Domevre, Blamont, Eirey, Badou- villers sowie Thiaücourt und Nomeny. Der Ort- meny ist dem Erdboden gleichgcmacht, ebenso wie Ger- beviliers. Die Deutschen rücken durch das Vezoüsetal vor. (Ctr. Bin.)

Tic Kämpfe bei der Stadt Albert.

Der Berichterstatter desDaily Mail" in Frankreich drahtete nach Rotterdam, daß die Deutschen in den letz­ten Tagen fockfcrpen, ihre Front in nordwestlicher Rich­tung auszudehnen. Am letzten Samstag beschlossen die Deutschen anscheinend, einen Keil in die Front der Ver- bürrdeten zu treiben. Die Spitze jenes Keils war die Stadt Albert. Am Sonntag singen die Deutschen an, sichtbar an Gelände zu gewinnen und am Montag rück­ten sie noch immer vor. Am Dienstag setzten die Deut­schen ihre Anstrengungen noch fort.

Der BerlinerBörsenkurier" meldet aus Amster - dam. DieTimes" bestätigen es, datz P e r o n n e am 26. September von den Deutschen genom­men worden ist. Die Einna!,me von Pervnnc bestä­tig' die Annalme, datz Unser, rechter Flügel in siegrei - chem Vordringen begriffen ist. (Ctr. Bln.)

Der Rotterdamer Korrespondent derSei!.. .sie Tidende" meldet: Von Süden heranrückende deutsche Truppen haben T o u r n a y und M o n s besetzt. Das Ziel der Deutschen ist, die belgischen Truppen nach Antwerpen zurückzutreiben und alle Orte Westbelgiens , u besetzen, die den Engländern als Landungsplätze dienen. Oestlich Antwerpens sind die Deutschen bis gam in die Nähe der holländischen Grenze vorgerückt. De. Korreipondent derTimes" in Belgien glaubt nicht, datz der deutsche Angriff aus Antwerpen irgend ein Er­gebnis haben werde, da Antwerpen eine der stärksten Festungen Europas sei. 164 060 Mann befänden sich in der Stadt, deren Befestigungswerke und Batterien von großer, Stärke seien. (Kriegsztg.)

* * *

Indische Truppe» in Tüdsrankrcich gelandet.

DernPetit Marseillais" zufolge nahm der Kom­mandierende General des 15. Inspektionsbezickes am

Dienstag in Marseille eine Parade über dort ange - kommen« indische Truppen ab. (Nun kann also der europäische Krieg beginnen.)

Operationen der deutschen und

Der Handstreich des Leutnants von der Linde.

Berlin, 29. Sept. (Ctr. Bln.) Leutnant Otto von der Linde, der für die Einnahme eines zum Fest­ungsgürtel von Namur gehörigen Forts den Orden ! Pour le Merite erhielt, hat seinen Eltern solgende Schil- ! derung seiner Heldentat gegeben:

Ich ging mit 500 Mann auf ungedecktem Gelände j gegen das Fort vor. Ueberall starrten mir Schietzschar- ! ten entgegen, aus denen es jede Sekunde losgehen konnte oder ich hätte auf eine der vielen Minen treten können. Von den Mannschaften, die sich freiwillig ge­meldet halten, sonderte ich aus. Ich nahm nur 4 Man» mit und in gemätzigtem Marsche näherten wir Uns dem Fort. Hinein konnte ich selbst nicht, weil die Brücke über den großen Graben hochgezogen war. Als der Kom- mandat uns erblickte, redete ich ihn an und sagte ihm,

; datz ein ganzes Regiment und Artillerie draußen im Walde stünden und das Feuer sofort eröffnen würden,

! wenn er noch einen Augenblick mit der Uebergabe- ! gerte. Der Kommandant ließ die Brücke herunter, und wir betraten das Fort. Ich ließ jeden einzeln vortre- ten und untersuchte sie: die Waffen mutzten sie im Fort i lassen. Der Kommandant übergab mir seinen Säbel, h Darauf lieft ich die Belgier in eine Ecke treten, damit ! sie nicht sehen konnten, wer hereinträte. Neben dem . Kommandanten nahm ich 5 Offiziere und 20 Mann ! gefangen, die übrigen 400 waren schon vorher gefllohen. ! Ich lieh nun meinen kleinen Zug Nachkommen. Die ! Gesichter der belgischen Offiziere hättet Ihr sehen sollen.

! Ich lieft die belgische Fahne herunterholen, und meine j Leute verfertigten aus einer Hose, einem Hemde und i einer roten, französischen Bauchbinde eine Fahne und j hiftten sie. Voriger hatten sie die Weinkeller aufgemacht ! und liehen beim Hochziehen der Flagge ein paar Sekt­korken knallen. Bis zur Meldung muhte ich das Fort,

! das gänzlich unbeschoffen war, besetzt halten. Ich er- f beutete 4 schwere 21 Zenlimeicr-Knnonen und eine An- j zahl kleineren Kalibers, viele Gewehre und Granaten,

! sowie mehrere tausend Gewehrpatronen. Ich wurde erst am nächsten Morgen abgelöst.

...

Die Möglichkeit eines Zeppelin-Angriffes auf London.

Haag, 29. Sept. (Ctr. Bln.) Ein zur Instruk­tion der Londoner Militärbehörden eigens aus Ant- i werpen verschriebener hervorragender belgischer Aviati- j ker hat ein bemerkenswertes Gutachten über die U n - ! angreifbarkei 1 der Zeppelinluftschiffe j abgegeben. Er erklärte:

Es bestehen wenig Hoffnungen, ein eventuelles ! Bombardement Londons durch Zeppe- I I i rt e wirksam zu verhindern. In Antwerpen sei ein Zeppelin nachts erschienen. Er warf 7 Bomben ab, die mit ungeheurem Getöse erplodierten. Eine Prü u g der Bombensplitter habe eine Ungeheure Durchschlagskraft er- j geben. Die Verfolgung des Zeppelins, sagt der ! Fachmann, war vollständig unmöglich, denn als der ZeppcliU sich durch Scheinwerfer entdeckt sah,

! flog er in eine Höhe von 1500 Metern, wo man ihn verlor. Aritzzlüem mutzte man das gegen das Luftschiff eröffnetc (wxnbardement entstellen, weil die nutzlos ge­gen den Ballon geschleuderten Geschosse wieder auf die Stadt niedersielen und dort mehr Schaden anrichteten, als der Zeppelin gestiftet hatte, und mehrere Einwohner töteten. Die Beschietz- ung eines Zeppelins scheine also ganz aus­sichtslos, trotz aller Scheinwerfer und Spezialka - nonen. Ebenso nutzlos sei aber auch die Ver­folgung eines Zeppelinlustschiffes durch Aero- p l an e. Man denke nur daran, wie lange ein Aero- plan brauche, um höher zu kommen, als ein Lenkbal­lon, und zugleich den, Feuer auszuweichen. Man denke ferner an die Schwierigkeit eines nächtlichen Fluiges unter so gefährlichen Umständen. Man denke schließlich an die Schwierigkeit, einen Zeppelin bei Nacht rasch zu

österreichischen Truppen.

entdecken, wählend der Flieger durch das Lichtmeer der unten liegenden Stadt und durch «die Reflektoren geblen­det würde und obendrein, wie in Antwerpen, in steter Gefahr sei, in das Feuer der auf den Zeppelin schietz^- enden Kanonen und Gewehre zu geraten. Dazu kommt, datz jeder Zeppelin 30 Mann Besatzung hat und vier überaus stacke Maschinengewehre in der vorderen Gon­del, in der Hinteren Gondel, sowie oben auf dem Bal­lon selbst besitzt. Beim Kreuzfeuer dieser Mitrailleufen besiehe schlechterdings keinerlei Möglichkeit sür die Flie­ger, sich einem Zeppelin nähern. Es wäre nutz-loser Heroismus belgischer Aviatiker. Kurz und gutr gegen den Zeppelin gibt es kein sicheres Ab­weh r m i t t e l. Es sind furchtbar bewaffnete Lust - schiffe. Sie sind außerdem leicht manövrierbar und be- ' fähig?, eine Fahrt von 700 bis 800 Kilometern mit größter Leichtigkeit aUszuführen. Ein Zeppelin- Angriff auf London erscheint den, belgischen ! Fachmann als durchaus möglich. Man wisse ja in Antwerpen, datz zu diesem Zwecke bereits eine An- i zahl Zeppeline nach Belgien gesandt worden sei.

Vom Krreg im Osten.

Unsere Truppen haben mit den österreichischen Trup­pen enge Fühlung genommen und sind im Vormarsch. Der Czenstochauer Bezirk ist unter deutsche Verwaltung gestellt.

Der Versuch der Serben, die österreichische Offen - ; srve durch neuerlichen! Einbruch über die Save zu stören,

! endete mit vollständigem Mißerfolg, da uusere in der ; Nähe befindlichen Grcnzschutztruppen die serbischen Trup- ! pen, die von untergeordneter Qualität und minderer Anzahl waren, sofort aus dem Lande vertrieben.

von Hindeubur».

Hannover, 2. Ottober. Aus Anlatz des heu­tigen Geburtstages des Generalobersten v. H i n- denburg liefen in der hiesigen Wohnung zahlreiche Glückwunschtelegramme, Blumenfpenden und Geschenke für den Sieger von Tannenberg ein.

DasN. Wien. Tagebl." widmet anläßlich des Ge­burtstages des Generals v. Hindenburg dem siegreichen > Heerführer, einen Festartikel, in dem es sagt: Heute feiert General v. Hindenburg sein Wiegenfest im Jubel seines Vaterlandes.' Aüch wir, mit ihm und seinem tapferen , Heere Schulter an Schulter kämpfend, vereint in Not,

! Gefahr und Sieg, senden dem Feldherrn unseren treuen Gruß, ihm, dem Blücher des modernen Weltkrieges.

Seekrieg.

(Ctr. Bln.) Nach einer in Amsterdam vorlicgcn - den Nachricht hat der kleine KreuzerK a r l s r u h e" j im Atlandischen Ozean sieben englische Dampfer, : versenkt.

Da» deutsch amerikanische Kabel zerschnitten.

A m st e r d a m, 2. Ott. (C.r. Fft.) DasHan - delsblad" machte in Sörabaja auf Java den Versuch, über Amerika Nachrichten aüs deutscher Quelle zu er­halten. Jedoch mißglückte dieser Versuch, da die Eng­länders das deutsch amerikanische Kabel durchschnitten. England besitzt die Insel Jap, wo das deutsch-amerika­nische Kabel mündet.

Line große Nundgebung der deutschen Wirtschafts­organisationen.

Die am Montag in der Philharmonie in B c r - l i n veranstaltete gewaltige Kundgebung der Deutschen