Ausgabe 
23.9.1914
 
Einzelbild herunterladen

g e n gelassen. Mie nunmehr versautet, gab der Krön- ! prinz. ^«jetzi, dem Kommandanten den Degen wieder kdzunehmen, nachdem sich herausgestellt hat, dafe bei der ! Veptechigung von Longwi) Dum-Dum-Eeschosse verwendet worden sind.

WTB- Berlin, 21. Sept. (Amtlich.) In der Nacht vom IS. zum 20. September ist Major Char­les Alice Bote vom Bockftfire-Lrgfet-Jnfanterie-Regi- meM aus der Kriegsgefangenschaft in T o r g a u. ^ nt w t n. Bote ist der englische Stabs­offizier, von dem jungst berichtet wurde, er habe aus Befragen nicht bestritten, dag den englischen Truppen Dum-Düm-Eeschofse ausgehäudigt worden seien und der im Verlauf jenes Berb'örs erklärte, man müsse doch mit der Munition schießen, die die Regierung geliefert habe. Der Entflohene ist etwa 1,5 Meter'groß) schlank, blond und spricht fertig Deutsch.

WTB. Strafe bürg i. E., 19. Sept. . (Nicht - amtlich.) Wie das Kriegsgericht Strafeburg bekannt gibt, ist gegen den Rechtsanwalt Justizrat B l u m c n t h a l die Untersuchung wegen Hoch- und Landesverrats ein- geleitet und sein Vermögen mit Beschlag belegt worj den. - > i ..i i

Wien. Der Kaiser hat der 12jährigen Rosa H e n o ch, die während des Labedienftes bei den Käm­pfen unz Rawaruska durch einen Schrapnellschufe schwer verwundet wurde, ein« goldene ^Halskette geschenkt. In den letzten Tagen sind hier 81 deutsche K r a n- k ui f ch w estern aus Berlin eingetroffen und haben sich »» feas Allgemeine Krankeichaus und das Rudolf - spilai begeben, wo sie zur Pflege der Verwundeten ver­wendet werden.

London, 21. Sept. (Telgr.) DerGkobe" mel­det,, ,daß tz or d John Hamilton, der Hofmar - scha-ll des Königs, gefallen ist. Lord Hamilton war Offizier in der irischen Garde und ein Bruder des Her­zogs von Abercorn.

Gleiwitz. Bei dem Militärgottesdienst in der katholischen Allerheiligenkirchc stimmten auf Veran­lassung dgs Pfarrers Langer die Soldaten sowohl wie die GemeindeD i e Wacht a,pi Rhein" an.

Jetzt vor Paris.

Aefet vor Paris! Hörst Du es dröhnen?

. Eggländ zu Dir schreit's über's Meer,

J t,.,'feiner, Strafeen Angst und Stöhnen Patis das deutsche Heer.

,, Hchwarz ziehn die Wolken sich zusammen,

Die hcilger Zorn aufwogen liefe,

Bald lodern der Vcrgeltunjg Flammen,

Her, We Zgrn steht vor Paris I ,iD och wpaM, scheint, was Frankreich fehlte.

Zzzi Dlfje«^Lchn,ach und Schuld Gewicht, l Und Go», der Deutschlands Waffen stählte,

Gebt auch mit Dir noch ins Gericht.

Das ' Völkerrecht Haft Du geschändet,

Not 'tota bet Weltgeschichte Buch Elarrn^Deine Blätter, und es endet Ein jeder Satz mit einem Fluch.

Die halhc,Welt hast Du gedungen "ZU' tückischem Vernichtungskrieg.

- (Doch, als der Kampfruf kaum erklungen,

- Schritt Dcutsthland schon von Sieg zu Sieg.

' Im Aobeskampfc heult die Meute,

, Ter Eber hat ihr Fell zersetzt,

Jcckfi vor 'Paris", klingts drohend heute,

HWill's Gott, klingt's bald:Aor London jetzt!"

' ' * L o rki s Engelbrecht.

Xus Stadt und Eaud.

Der Grofeherzc g hat am 31. August die Tapserkeitsmcdaille seinem Eeneraladjutanten General - leutnant von Hahn verliehen.

In den Ruhestand versetzt wurde am 26. August der Lehrer an der Volksschule zu Gedern, Karl S ch w a r tz auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. September 1914 an. Aus diesem Anlafe erhien er das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Grofe- mütigen mit der Krone.

* Liebesgaben für die Truppen im Felde. Zur Annahme von Liebesgaben an die im Felde stehenden Truppen sind, wie schon berichtet wurde, bei jedem Armeekorps zwei Abnahmestellen er­richtet, welche dieselben an bestimmte Sammelstationen weiterfendcn, Mrd von da aus geschieht die Weiterbe - förderung an die der fraglichen Armee oder dem Ar­meekorps angehörenden Truppenteile. In letzter Zeit werden, soweit Kraftwagen von den immobilen Kraftwagendepots und Privaten zur Verfügung stehen, auch diese zum Weitertransport von Liebesgaben an die Truppen mitbenutzt. Der Bedarf an Liebesgaben ist bei der glofeen Tncppenzahl ein sehr grofeer. Laut Ver- sügung des Militär-Inspekteurs für freiwillige Kran - kenpsiege wird besonders dringend weiter um Spendung von wollenen Hemden, Unterjacken, Wolldecken, Pan - löffeln, Beinkleidern, Strümpfen, Fußlappen, Taschen - lächern, Pulswärmern, Leibbinden, besonders aber Zi­garren, Zigaretten, Tabak und Tabakspfeifen, Schoko - lade gebeten; weiter erwünscht sind Kakao und andere Nahrungsmittel.

Jahrprciscrmäßigung zum Besuch verwundeter Krieger.

Zur Erleichterung des Besuchs kranker oder ver­wundeter deutscher Krieger, die sich innerhalb Deutsch - lands in ärztlicher Pflege befinden, werden mit soforti­ger Güliigkeit für das Gebiet der deutschen Staatseisen- bahncn nachstehende Tarifbestimmungen eingesührt:

1. Angehörige kranker oder verwundeter, in ärztlicher Pflege innerhalb Deutschlands befindlicher deut­scher Krieger werden zu deren Besuch in der zweiten, dritten oder vierten Klasse zum halben Fahrpreis, in Schnellzügen außerdem gegen tarismäfeigen Zuschlag, befördert.

2. Ms Angehörige gelten Eltern, Kinder, Geschwister, Ehefrau und Verlobte.

3. Zwei Kinder vom vollendeten 4. bis zum vollende­ten 10. Lebensjahre werden für eine Person ge­rechnet; für ein einzelnes Kind innerhalb dieser Al­tersgrenze ist ohne weitere Ermäfeigung eine halbe Fahrkarte zu lösen.

4. Tie Fahrpreisermäßigung wird nur für Reisen über 50 Kilometer gewährt.

5. Die Fahrkarten zum halben Preise werden von den Fahrkartenausgaben auf Grund der von der zustän­digen Ortspolizeibehörds ausgestellten Aus­weise verabfolgt.

6. Die Ausweise müssen enthalten: Namen der Reisen­den, Anfangs- und Endstation der Reise, Reiscweg, Bescheinigung mit Stempel und Unterschrift der Orts- volizeibehörde, daß die Reisenden Angehörige kran­ker oder verwundeter deutscher Krieger sind. Vor­drucke zu den Ausweisen werden von der Fahrkar­tenausgabe kostenlos an die Drtspofizeibehörden ab­gegeben.

7. Die Ausweise werden von den Fahrkartenausgaben bei jeder Lösung einer Fahrkarte abgestempelt und

den Inhabern zurückgegeben, die sie dem Fahrtzer - sonal auf Verlangen vorzuzeigen haben. Bei Been­digung der Rückfahrt sind die Ausweise mit den Fahckarten abzugeben.

»

n Giefeen, 20. Sep. Im Alter von 71 Jahren st a r b am Samstag hier der bekannte Musikalienhänd­ler E r n st C h a l l i e r, der in Gicfeener Kunstmusik - kreisen einen hervorragenden Ruf als Kunstfreund ge­noß >»nd sich ein großes Verdienst um das Giefeener Musikleben erworben hat.

n Gießen. Die Stadt Gießen hat sich an der Kriegsanleihe des Reiches mit 250 000 Mk. be­teiligt.

n Giefeen, 21. Sept. Ein 1 5 j ä h r i g e r Frei­will i g e r ist mit unserer Einquartierung in Gießen eingezogen. Der junge Krieger ist der Sohn eines vor dem Feinde gefallenen Hauptmanns; feine Mutter ist schon früher gestorben, und so hat es den jungen Men­schen, der auch die Offizier,slaufbahn bcschreiten will, ge­drängt, mit derselben Kvmpagni« im Heere einzurücken, die fein Vater in den Kampf und zum Siege geführt hat. Die älteren Kameraden sind stolz auf ihren jungen Mitstreiter, der bereits vollständig ausgebildet ist und die Anstrengungen der Hebungen in der Garnison gut überstanden hat.

o Nidda, 20. Sept. Am Freitag hat der Sturm den 50 Pieter langen Neubau der Himmelsbachschen Holzschneiderei u m g e ft ü r z t.

):( Wetzlar. Die Budcrusschen Eisenweckc in Wetzlar bewilligten denFrauen ihrer ins Feld gerufenen Arbeitet eine monatliche Unterstützung von 5 Mark, während für jedes Kind 3Mack bezahlt werden. Außer­dem hat die Arbeiterschaft eine freiwillige Gabe von 1 Prozent bewilligt.

):( Frankfurt a. M., 20. Sept. Gcneralquär- tiermeister Eizellenz v. Stein vom Großen Haupt­quartier ist über Frankfurt a. M. abgereist nach Bres­lau zur Uebernahmc eines neuen Postens.

:: Die Firma C. H. Knorr A.-E. in Heil­bronn a. Neckar, welche schon dem Roten Kreuz ihres engeren heimatlichen Kreises reichliche Unterstützungen zu­teil werden liefe, hat der Zentralverwaltung des Roten Kreuzes in Berlin eine Million Knorr-Bouillon - Würfel unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Verantwocklich: Al bin Klein, Gießen.

Kartoffellieferung.

Die Lieserung von ca. 90 000 Kg. Speise- k a r t o- f s e l n für die hiesige Anstalt soll öffentlich ver­geben werden.

Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis spätestens

Samstag, den IO.Oktober 1914,oorm.lOUbr,

hierher einzureichen. In den Angeboten find die Kar- toffelsorten zu benennen und die Bedingungen, dir auf dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten offen liegen, anzuerkennen. Die Proben sind getrennt von den An­geboten einzureichen. Es bleibt Vorbehalten, die Liefer­ung Zu teilen.

Zufchlagsfrist 8 Tage.

Giefeen, den 22. September 1914.

Grosili. Direktion der LandeS-Hcil- und Pflege­anstalt bei Giessen.

I. A.: L o tz, Erofeh. Hausverwalter.

Udj# inner Schluchzen, ne war jo aliick

io unsagbar glücklich, dar, ne alle Dualen, die c batte, vollständig vergast und sich ganz den vcseligenverl Gesicht hingab, eine gute Tal getan, ihre, Liebling gerettet, zu haben, j - Ahes,, cltdtich besann sic sich doch und sagte mi Wörtliche», Vorwurf:

vH* r 5KV Cl '* ~ u nur so maßlos erschrecken ÄaZTlst.denn vorgcfallcn. dast Tu so cnorn viel chcld. gsbranchl hast?"

Ta würde c- rot und antwortete hastig:Bitte

Taittchg,^, sgrsche nicht weiter! Tn mir die Liebe, las es dabei' bewenden! Es kommt nicht wieder vor, da- vcrsvreche »h Dir back» und heilig!" j ' nfichu Natürlich glaubte sie ihm. Dennoch abe fragje sic sorgltch:. ..Llber nun ist doch auch alles geord lret, ürcht wahr. Ich meine, Tu hast doch jetzt keiiu .^Lchutdcn pmhr, wich"

Purfiiirro, stand er da Und schnell entflog es ihm .Aber selbstverständlich, liebstes Tantchen, alles ltivt und klar!"

Beruhigt wandte sie sich ab.

Auch er sah fort, aber nur. um seine' Lerlegcnhei zu vcrberacn. Er batte gelogen. Ader er konnte nich anders. Rein, cs war ibm unmöglich, absolut unmög , lich. Er konnte cs nicht sagen, dast morgen noch eir Kcchse! über J2 00Ö Mark fällig war Dasebrachte ei in,dicseuz, MoiNsiu nicht über die Lippen. Da mustt, et eben anderswo Na, schaffen. Deshalb log er hie» lieber!

slib'^lic^sken jklltgcnblick ries der Vater nach

geritchsic'

, Mi'

* cdm

WWf-, na, lqchclnd wieder hinaus.

^^.fifioe'sgrgl, (Deinem Liebling geschieht nicht da

bciffst auch an Dich? Und wird Dich nick " Besorgt sab sie ihn an.

N^VfM.t^Nlcht.^ >ch bin ganz ruhig." r ging ne leise und behutsam hinaus

Ätff tcbs^äm?^ ^' e C ' n Qtmcr Sünder. Er

.Komm', setz' Dich, mein Junge." Mit auiber

tot

gcm Lächeln reichte der alte Herr ihm die Hand bin.

Tausend Mal Verzeihung, lieber Papa, dah ich Dir gestern nicht Sldien gesagt habe, ich glaubte. Du würdest schneller zurück sein."

Last nur gut sein. Du hattest wohl eine Verab­redung. wie?"

.Ja Papa, im Klub mit Kameraden."

Lächelnd sah der Vater auf. .Du chrichst, als wärest D» noch immer Offizier. Es wäre mir lieber. Du kehrtest jetzt mehr den Zivilisten heraus, mein Sohn. Du bist jetzt Kaufmann. Wenigstens wünschte ich, daß Du cs von nun an mit Leib und Seele bist."

Errötend schwieg Kurt.

.Nun, Du sagst nichts dazu? Trägst Du Dich viel- leicht noch iinmcr mit dem Gedanken, umzusattcln, wie? Hat Dir gar Tante wieder die Hölle heißt gemacht, wie? Nun, so sprich doch!"

.Nein, Papa, Tu kannst unbesorgt sein," antwor­tete er endlich zaghaft.

.Das bii: ich leider durchaus nicht, mein Sohn," entgegnet« der alte Herr mit tiefem Atem,ich habe gestern Dein Konto gesehen, und ich bin hast erschrocken darüber Wo hast Du denn all das Geld gelaffen? Nun, bitte, schenk' mir mal ganz klaren Wein ein. LH muß nämlich jetzt, wenn ich Dir diesmal verzeihen soll, die reine und volle Wahrheit hören! Also?"

Kurt saß wie aus Kohlen. Er wußte nicht ein noch aus. Das alles hier zu beichten, nein, das war ihm unmöglich, schier undenkbar.

Endlich hatte er sich ein wenig gefaßt.

»Mein lieber Papa," begann er leise zitternd, .wenn Du mich lieb hast, dann wirst Du es mir erlaffen. Dir hier ein Geständnis zu machen, das mich tief, sehr tief beschämen müßte. Und wenn Du. wie bisher. Vor- trauen zu mir hast, wirst Du mir glauben, wenn ich Dir hier mein Wort gebe, daß sich so etwas nicht wie- verholt."

Schweigend sah der Later ihn an. Er dachte an sein- eigene Jugend. Er fühlte, daß es richtiger war, hier nicht weiter zu fragen, sondern einfach und still zu vertrauen. Deshalb reichte er ihm stumm die Hand bin. die Kurt, wie in einem Glücksrausch, hcrzinnigst küßte.^ ...

O, wie leicht, wie belreii. wie froh verließ er dies Gemach! Nun war ja alles wieder gut! 'Nun konnte er wieder hoffen.

Aber kaum war er draußen, siel ihm ein, daß ja moraen dieser zweite Wechsel fällig war.

Verdammt! Daß er auch so bodenlos leichtsinnig gewesen war! Einfach unverzeihlich war das!

Was sollte denn ietzt nur werden!? Er hatte ia gar keine Zeit zu verlieren. Morgen mußte das Geld zur Stelle sein, sonst kam der andere Wucherer auch hierher. Und das mußte um jeden Preis vermieden werden.

Anqstbeklommen gino er umher. Dabei mußte er noch ein sorglos heileres Gcstckit machen, damit man ihm bier nickit anmerkte wie-es aus.

sah. Jurchtbar war das, denn er konnte sich nicht gut so verstellen.

Mit jeder Stunde wurde leine heimliche Angst im­mer größer, denn noch immer fand er keinen Rat, trotz­dem er sich das Hirn zermarterte.

Gestern, als er seinem Jreund Stetten die ganze Affäre gebeichtet, batte er das in einem forciert sröb- lichen Ton getan, um ffcki den Anschein zu neben, als berübre ihn so ein Streich nur ganz obcrttäcblich. als gaukle er, wie ein richtiger Leb-mgnn. svielend über so ein Vorkommnis binwea, beute aber, nun er die Konseauenzen seiner Tat sab. beute war er ties beschämt und niedergedrückt, denn er kam ffch in diesem solid bürgerlichen Hause der Arbeit wie eine Drohne vor. Bei iedem Gedanken daran trat ihm das Blut in das Gesicht.

Während des M'ttaas saß er der Tante allein ge­genüber, denn der alte Herr sollte sich noch weiter aus­ruhen

Er gab sich die erdenklichste Mühe, seine heimliche Angst zu verbergen, und sprach mit heiterer Lonne von allen möglichen Dingen und Ereianiffen des Taaes.

Aber das Tannben. obgleich scheinbor zubörend. sah ihn doch oft von der Seite an. denn sie merkte, daß seine Heiterkeit nicht ganz echt war.

Focksetzurig folgt.

i