Ausgabe 
23.9.1914
 
Einzelbild herunterladen

(S!e»este «achrichte»)

Vezvgrprelr 25 pfg. monatlich

merreljährttch 7b Pfg., «orautzahlbar, frei in» Hau». 8bgeh«lt tu untrere Expedition oder in den Zweig- andgabrftellen oierteijShiitch 60 Psg. Srschctul Mittwochs und G««»t««s. Redaktion: Seiler»- weg 88. MK Sufbewahrunft oder Rückiendung Nich t verlangter Mmmffripte wird nicht garantiert. » vertag der«iacheaer Zeitung" «. m. b. ».

CtptlftUn Selter,»«- 85

«nzei-enpnir 15 pfg.

die 44 uun breite Petitzeile für Auswärts 30 Pfg. Die 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bet Ueberschreiiung des Zahlung«, ziele» (80 Tageh bei gerichtlicher Beitreibung oder drt Konkurs in Wegiall. Playvorschristen ohne Verbindlichkeit. Druck der Sticsiener BerlagSdruckerci. Albi» Mein.

mm

Nr. 77.

Mittwoch, den 23. September 1914.

Telephon Nr. 362.

26. Jahrg.

Vorn Weltkrieg.

Die deutschen Stellungen zwischen Paris, Reims und Perdun vorzüglich, v. Hindenburg weiter nach Rußland hinein. Deutscher Sieg zur See.

4.2 Milliarden für die deutsche Kriegsanleihe. Die französische Anleihe in Amerika abgelehnt.

Eine Auskläruug des Reichskanzlers.

Die deutsche Gesandtschaft in Kopen­hagen hat dem Bureau Ritzau folgende die Ereig - nisse im Osten ziisammensassende Mitteilung zugesandt, die wir in Politiken vom 18. ds. Mls. lesen:

Der, deutsche Reichskanzler sendet aus dem Haupt­quartier folgende Mitteilung: Gegen die in der engli­schen und französischen Presse erschienenen Nachrichten, stelle ich sest, datz deutscher Boden nirgend's im Besitze französischer oder russischer T r u p p e n i st. An der Llsatz-lothiingischcn Front sind die Franzosen zur Mosel zurückgeworfen: sie stehen an dem oberen Laus der Maas hinter den dortigen Lperr- festuUgen. Mle ihr« Versuche, zwischen dem Mittellauf der Oise und dem Mittellauf der Maas die deutschen Stellungen anzugreisen, sind unter schweren Verlusten für, sie mißlungen.

Es herrscht vollständige Ordnung in Belgien.

Von Samsonows Heer (Narewheer) find geringe Teile, die sich nach der vernichtenden Niederlage bei Tan- neirberg rellelen, in aufgelöstem Zustande über den dia- lew geflüchtet. Rennenkampss Heer (Njcmenheer) hat eine ähnliche Niederlage südlich von Jnslervurg er,>ittcn. Was von ihm zurückblieb, rettete sich nur durch eilige Flucht über den Njemen hinter die Festungen LIila und Kowne. Nach einer vorläufigen Zählung sind allein bei Taneienbcrg und in den Masurischen - een 150 000 Russen umgekommen.

Bis Mittwoch waren iu den deutschen Lagern 260 000 Gefangene, darunter 5000 Offiziere, un- tergebracht. Die Gesamtzahl der Gefangenen beträgt meik über 80000 0, davon ist die Hälfte Russen. Es sind über 2000 Geschütze verschiedener Art erbeutet worden.

Katsche Fricdensnachrichten im 'Ausland.

DieNew Park World" meldete am 17. Septem­ber aus Washington:

Deutschland hat die vertrauliche Anfrage der Bereinigten Staaten mit Bezug aus weitere Friedens - «röffnungen mit einer unverbindlichen Erörterung be­antwortet, deren Inhalt Präsident Wilson, wie er Leu­ten sagte, die bei chm vorsprachen, mitzutcilen sich wei­gert. Die Aittwort kam vom deutschen Reichskanzler. Wir erfahren von der berufensten diplomatischen Stelle, datz der Kaiser folgende Stellung einnimmt: 1. Deutsch­land würde gern auf Vermiltlungsvorschläge hören, allein die Haltung Englands verbietet ihm das. 2. Deutschland wird nicht aufhören zu kämpfen, so lange England erklärt, datz es ein Krieg bis zum Ende sein müsse. 3. Deutschland kann aus die Frage, nach Vermittelung und Frieden erst ein - gehen, wenn die Verbündeten bereit sind, ein« gleiche versöhnliche und rücksichtsvolle Haltung einzunehmen. 4. Da dies ein Krieg bis zum Aeuhersten sein soll, wie England täglich erklärt, so wird Deutschland d urckiha lt e n. Da die Verbündeten entschlossen sind, es zu zerschmettern und zu zerstückeln, so werden wir bis zuw letzten Wann kämpfen. 5. Wenn die Welt im allgemeinen'eine Abrüstung erhofit. dann ist die Zer­schmetterung der Deutschen der wenigst geeignete Weg dazu. Ein niedergcwcasenes Deutschland würde eine Zeit erleben wie diejenige, die de» napoleonischen Krie­gen folgte; cs würde jedermann, jedes Kind, Katze und Hund, im Reich sich den Tag der Rache bewafinct wer­den. 6. Deutschland will zugcstebcn, datz der Krieg u u- e nt schieden geblieben sei. Eine solche Lösung^ so behauptet Deutschland, würde am besten für den Frie­den in Europa und die Abrüstung wirken. Ein r oller Sieg auf dich einen oder anderen Seite würde keine stetigen Verhältnisse ergeben.

M-.e in der Mittags-Ausgabe mitgeteilt. hat die Nordd. Allg. Ztg." über das Friedensgercdc geschrie­ben, es sei darauf berechnet, den Eindruck zu erwecken,

als ob Deutschland trotz des Siegeslaufes seiner Heere im Westen und im Osten lämpsesmüdewäre. Deutsch­land denke im gegenwärtigen Augen­blick gar nicht daran, irgendwelche Frie­densangebote zu machen. Damit sind auch die obigen Ausstreuungen auf ihren wahren Wert zu­rückgeführt.

* * *

Frankreich sucht Geld und Soldaten.

Ein Londoner Telegramm an dasStockholms Dagblad" teilt mit, datz die s r a n z ö s i s ch e n An­leiheversuche in Amerika endgültig ge­scheitert sind, da die amerikanische Regierung ilchc Zustimmung verweigerte. Frankreich soll Ersatz in London suchen.

Französische HilsskorpS.

Berlin, 20. Sept. (Etr. Bln.) Wie dem ,^8erl. Lokaianz." aus Gens berichtet wird, wurde General Pau zur Organisierung von Hilsskorps nach dem Süden Frankreichs entsandt. Der "Beil. Lokal-Anzg." bemerkt dazul: Diese Nachricht ist nicht ohne Interesse. Wir wissen, datz Frankreich nicht nur alles Menschen - material herangezogen hat, auf das es gesetzlich An­spruch haben könnte, sondern es hat auch die von den Aushebungskommissinen als unbrauchbar Bezeichnelen zu einer nochmaligen ärztlichen Untersuchung beordert. Wenn nun General Pau ganz nach der Art gewisser einslützreicher Männer im Jahr« 1870 und 1871 Hilfs­korps in Südfrankrcich organisieren will, so ist dies ein verstärkter Beweis dqfür, datz man in Frankreich die Lage als sehr ernst betrachtet.

Pom Krieg im Westen.

WTB. Grotzes Hauptquartier, 19. Spt. (Amtlich.) Die Lage im Westen ist im allgemeinen U n- veränderl. Auf der ganzen Schlachtfront ist das englisch-sr,anzösische Heer in die Vertei­digung gedrängt worden.

WTB. Grotzes Hauptquartier, 21. Spt. (Amtlich.) Bei den Kämpfen ums Reims wurden die festungsarligen Höhen von Craonelle er­obert und im Vorgehen gegen das brennende Reims der Ort Betheny genommen.

Derk Angriff gegen die S p e r r f o r t s l i n i e südlich Verdun überschritt siegreich den Ostrand der vorgelagerten, vom französischen 8. Armeekorps ver­teidigten Lote Lorraine. Ein Ausfall aus der Nordcstfront von Verdun wurde zurückgewie- s e n. Nördlich von T o u l wur.den französische Trup­pen im Biwack von unserer Artillerie überrascht. Im übrigen fanden aus dem französischen Kriegsschau - platz keine gröberen Kämpfe statt.

Tie Lage in Belgien und im Oste n ist u n - verändert.

WTB. Berlin, 21. Sept. Wie Münchener Blät­ter berichten, sollen bayerische Offiziere sestgestellt habe», datz bei den Kämpfen mit Frankreich aus sicherem Hin­terhalt aus unsere Truppen mit 2 1 a h l p s e i l e n ge­schossen wurde.

Pom Krieg im Orten.

Im O st e n ist am 17. September die 4. F i n n- ländische Schützenbrigade bei Augusto- wc geschlagen worden. Beim Vorgehen gegen O s s o v i e c e wurde E r a j e w o und S Z o z u c z i n nach kurzem Kampf genommen.

DieBoss. Ztg." meldet aus Stockholm: Die Lon­donerDaily Mail" hat Nachricht aus Petersburg, datz man dort autzerordentliche Matznahmen trifft, um den ©cncral v. Hindenburg a u f z u h a l I e n, der mit 750 000 Mann schon aus russischem Boden stehe, be­reit, die Offensive zu ergreifen und auf Warschau zu marschieren. Hierdurch wäre man genöttgt, einen beträchtlichen Teil von den in Galizien gegen die Oe- sterreicher operierenden russischen Armeen gegen v.Hin- dcndürg zu senden. (Ctr. Bln.)

Kurz nach der Vernichtung der serbischen Timok- divisiwn bei Mitrowitza drangen reguläre serbische Trup­pen sowie größere Banden Komitatschis, nach anttlichen Meldungen etwa 15 000 Mann stack, gleichzeitig an niehreren Stellen in Syrmien und Banat ein. Unsere Aufklärungstruppen^ stellten ihren Vormarsch bereits im ersten Augenblick sest; man lieh sie aber ebenso wie vockier die Timokdivision unbehelligt über die Save ein­marschieren. Als die Serben gegen Jndia vorrückten, wurden sie von unseren Truppen gestellt. Bald griffen auch unsere Verstärkungen aus Peterwardein ein,' wo­rauf der Kampf einen raschen uNd für den Feind un - günstigen 'Verlauf nahm. Die Serben eckitten durch unsere Artillerie furchtbare Verluste. Ein glückliches Um- gehungsmanöver schnitt einen Teil der Serben von dem Rückzugswege ab, so datz die eingedrungenen Serben eine katastrophale Niederlage erlitten. Die Zahl der gefallenen Serben dürfte mit 3000 Mann eher zu nied­rig als zu hoch veranschlagt sein. Viele Tausende wur­den gefangen. Auch die in Süd-Ungarn (Banat) ein° gcsallenen Serben wurden von einer fast völligen Ver­nichtung ereilt, so datz kaum ein Bruchteil wieder auf serbischen Boden zurückgelangte.

Pom Seekrieg.

WTB. Berlin, 21. Sept. (Nichtamtlich.) Nach einer Mitteilung aus Amsterdam hat die englische Ad­miralität am 20. Septeniber folgendes bekannt gegeben: Der deutsche KreuzerEmde n" von der Chinastation, der 6 Wochen lang aus unserem Gesichtskreis ver - schwanden war, erschien am 10. September plötzlich im Golf von Bengalen und nahm sechs Schiffe, ver­senkte 5 und sandle das sechste mit der Bemannung nach Kalkutta. Der englische kleine KreuzerPegasus", der von Sansibar kam, zerstört^ Daressalam und versenkte daselbst das KanonenbootMöve". Der Pegasus" wurde heute morgen, als er in der Bucht von Sansibar lag und die Maschinen reinigte, von dem kleinen KreuzerKönigsberg" angegriffen und vollständig Unbrauchbar gemacht. 25 Mann sind tot, 30 wurden verwundet.

3 englische Kreuzer vernichtet.

(WTB.) Berlin, 23. Sept. (Nichtamtlich.) Aus London wird uüterm 22. September amtlich gemel­det: Deutsche Unterseeboote schossen in der Nordsee die englischen Panzerkreu­zerAboukir" undHogue" undCressy" in den Grund. Eine beträchtliche Anzahl Mannschaften wurde durch hepbeigeeilte englische Kriegsschiffe und holländische Dampfer gerettet.

Wie dem WolffiBureau von amtlicher Stelle mit­geteilt wird, kann die Bestätigung der, Nachricht deut­scherseits noch nicht erfolgen, da die Unterseeboote in­folge der grotzen Entfernung eine Meldung noch nicht erstatten konnten.

Aus anderen Quellen wird bckannt, datz der Zu- sammenstotz am 22. September zwischen 6 und 8 Uhr