Ausgabe 
19.9.1914
 
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Nr. 76.

Samstag, den 19. September 1914. r°l,ph°n Rr. 3«s. 26.. Jahrg.

Weltkrieg.

Zwei französische -lrmeekorps entscheidend geschlagen. Weitere deutsche Waffenerfolge.

Große Verluste bei den Franzosen und Serben.

Vorn Krieg im Westen.

WTB. Großes H a u p t q u a r 1 i e r, 18. Spt. vonn. Zur Ergänzung der Akeldung von gestern abends Das französische 13. und 4. Armeekorps und Teile einer weilcrcn Division sind gestern südlich Noyon ent­scheidend geschlagen und staben mehrere Bat­terien verloren. Feindlickse Angrifse gegen verschiedene Stellen der Schlachlsront sind blutig zusammengebro­chen. Ebenso ist ein Vorgesten sranzösischer Alpenjäger am Veigesenkanrm im Breusch-Tal zurüclgewiesen.

Bei Erstürmung des Chateau Brimont bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene und Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht zu übersehen ist.

Die grossen Erfolge in der Schlacht im Westen, die das Grosze Hauptquartier gestern vormittag meldete, las­sen erkennen, daß die ftanzösische Offensive zusammenzu- brechen beginnt. Sie sind ein glänzendes Zeugnis für die Unerschültcrlichkeit unseres Willens zum Siege und sie geben froste Bürgschaft dafür, dasz die Entscheidung, die jetzt inrmer näher heranrückt, zu unseren Gunsten sein wird.

Gens, 18. Sept. (Ltr. Bln.) Rach Privatmcld- ungen aus Paris bewährten sich die deutschen Höhen- stcllungen nördlich der Aisne gestern vorzüglich. Die Verluste des englischen Korps, dem der, jetzige Hauplangriff gilt, waren bedeutend.

15000 russische »oldatcn iit England.

, Es verlautet nunmehr als ganz bestimmt, dag ein russisches Armeekorps in Archangelsk eingeschifft und den 4000 Kilometer langen Seeweg nach dem westlichen Kriegsschauplatz vollendet habe. Die Russen wurden erst quer durch England mit der Bahn gebracht und wieder nach eincinl unbekannten 'Bestimmungsort eingeschifft. Nunmehr sollen diese Truppen, deren Eiistenz zunächst abgeleugnet worden war, in Ostende gelandet 'worden sein. Man kann das ganze auch für einen großen Bluff halten.

Militärischer Kiihrcrwcchscl.

Für den erkrankten Generalobersten v. Hausen übernimmt der, General der Kavallerie v. E i »e nr die Armecführung; für diesen wird General der Infanterie v. L l a e r kommandierender General des 7. Armee - korps. General der Artillerie v. Schubert, zuvor bei dem 14. .Reservekorps, zu anderweitiger Verwendung; für ihnl wird der Ecneralquarlicrmcistcr v. Stein kommandierender General des 14. Armeekorps. General der Infanterie Graf v. Kirchbach vom 10. Reserre- korps, zu anderweitiger Verwendung; für ihn wird General der 'Infanterie v. Eben kommandierender Ge­neral des 10. Reservekorps.

Generaloberst Frhr. v .Hausen, der bisherige Führer der stritten Armee, der bekanntlich wegen Er krgirkunq sein Konrmando niedcrlcgen mußte, befindet sich in Wiesbaden zur Wiederherstellung seiner Gesund - heit. Er ist an der Rtthr erkrankt. Der Kaiser hat ihn für die Dauer seiner Krankheit vorübergehend vom Kom­mando enthoben und ihm ein Handschreiben unter An­erkennung der hervorragenden Leistungen des Sächsischen Korps zugehen lassen.

Wan» Deutschland die Waffen nicdcrlcgt.

DieRordd. Allg. Ztg." schreibt: In dem Lügen- seldzug, der den Krieg des Dreiverbandes gegen Deutsch­land begleitet, treten seit einiger Zeit auch Meldungen über ein deutsches Friedcnsbedürfnis, die sich mehr und mehr zuspitzen, arff. Bald wird von einer angeb­lichen Aeuszerung des Reichskanzlers über Deutschlands

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Geneigtheit zum Friedensschluß gesprochen, woraufhin Greg durch die Vermittelung von Amerika eine stolze Antwort erteilt habe. Bald heißt es, der deutsche Bot­schafter in Washington bemühe sich, den Frieden sür Deutschland zu erlangen. Tie Neutralen sollen durch solche Ausstreuungen den Eindruck empfangen, das Deut­sche Reich sei kampsesmüde und müsse sich wohl oder übel den Friedensbedingungen des Dreiverbandes- gen.Wir setzen diesem Gaukelspiel die Erklärung ent­gegen!, daß unser deutsches Volk in dem ihm ruchlos aufgezwungenen Kamps die Waffen nicht eher nicder- lcgen wird, bis die für seine Zukunft in der Welt er­forderlichen Sicherheiten erstritten sind.

Ein englischer Angriff auf die dänische Neutralität.

K r, i st i a n i a. 16. Sept. (Ctr. Bln.) Das größte Aufsehen erregt solgende Meldung des Pariser Korre - spondenten der hiesigen ZeitungAftenposten": Das

Echo de Paris" gibt zusammen mit anderen Blättern offen der Ansicht Ausdruck, daß der Große Belt unbedingt für die englische Flotte ge­öffnet werden müsse, selbst wenn Dänemark da­bei seine Neutralität aufgeben mühte. (Frkf. Zeitung.) Hierzu schreibt das dänische RegierungsblattPolitiken": Dänemark kann darauf nur. antworten, daß die Kriegs­begebenheiten auf dem Kontinent, wie sie sich auch ent­wickeln mögen, nicht aus den Entschluß des dänischen Volkes einwirken können, während des Weltkrieges die st r e n g st e Neutralität aufrechtzucrhalten.

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Ehina gegen unsere Kcindc.

In Peking herrscht, wie derRundschau" ge­meldet wild, die größte Erregung über die For­derung Japans, ihm freie Haust in China z u g e w ä. h r e n, die zu lebhaften Protesten Anlaß gab. Die Erregung gegen die Ententemächte, nament­lich England und Rußland, wächst. Man beschuldigt Großbritannien, daß es Japan gegen China Hetze und auf Kosten der chinesischen Republik Japan Gefäl­ligkeiten erweisen wolle. Die Mißstimmung gegen Ruß­land ist darauf zurü^uführen, daß der Petersburger Stadthauptmann für die Dauer des. Krieges die Aus­weisung sämtlicher chinesischer Kaufleute aus seinem Amtsbezirk verfügte. Ucberdies behauptet man in Pe­king, daß zwischen Japan und Rußland jetzt eine Ver­einbarung dahin zustande gekommen sei, daß Japan provisorisch und allein die Mandschurei und Mongolei besetzen solle. In PekingerRcgierungskrei- sen macht man kein Hehl aus der warmen Sympathie für Oesterreich-Ungarn und Deutschland, die in China immer stärker zutage tritt.

Vom Krieg im Osten.

Neue Erfolge.

Unser O st h e e r setzt seine Operationen im Gou - verneincnt 2 u w a l k i sott. Teile gehen aus die Fest­ung O s o w i c c vor.

MTB. Wien, 17. Tept. (Nichtamtlich.) Nach Bläi- tcrmeldungcn bat die schwere Niederlage der Russen in Ostpreußen aus die russische öffentliche Meinung einen nicderdrückenden Einfluß ausgeübt. Amtlich wird zuge­standen, daß zwei Korps vernichtet worden sind.

Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß auch das Er­gebnis der schweren Kämpfe bei L e m b e r g in Pe­tersburg eine Depression hervorgerufen hat, da die russischen Operationen nicht den erhofften Er­folg erzielt haben, sondern an dem hattnäckigen Wider­stand der österreichisch-ungarischen Armee gescheitert sind. Die Zahl der in Rußland eingetroffenen Verwundeten ist überaus groß, so daß beispielsweise in Mcskau kaum mehr Platz zur Aufnahme der Verletzten vorhan­den ist.

Der russische General Marios, der befahl, die von seinen Truppen besetzten Ortschaften Ostpreußens zu verbrennen und die männlichen Einwohner zu er­schießen, ist in Halle gefesselt eingebracht wor­den. Er kommt vor ein Kttegsgettcht. (L. A.)

Nach dreiwöchiger Herrschaft der Russen ist die Stadt Tilsit wieder von den Eindringlingen b e s r e i t. Am Dienstag ist die Tilsiter Zeitung wieder von neuem erschienen, die einen begeisterten Artikel über unsere Trup­pen bringt und feststellt, daß cs das Verdienst der Stadt­verwaltung sei, die Russen zu einer Haltung in Tilsit veranlaßt zu haben, wie sie eine solche in keiner an­deren von ihnen besetzten Stadt gezeigt haben.

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Oesterreictnsclie Waffenerfolge.

Die Oesterreicher haben die in Syrmien uttd Banat eingefallenen 15 000 Serben vernichtend geschlagen und viele Taufende gefangen. Kein i Serbe weilt jetzt mehr auf österreichischem Boden.

Agram, 12. Sept. (CIr. Bln.) Die Oesterreichcr i haben Belgrad beschossen, dos in wenigen Stun- l den einem Trümmcrhauscn glich, der an vielen Stellen in Flammen stand.

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Der serbische Thron vor seinem Zusammenbruch.

Graz, 18. Sept. (Ctr. Bln.) Eine aus Risch in Saloniki eingetroffene hervirrragende Persönlichkeit er­klärte, in Serbien sei keine Täuschung mehr über die verhängnisvolle Politik des Herrscherhauses Karageorgc- witschr gegen Oesterreich möglich. König Peter bleibe nichts anderes übrig, als mit seiner Familie und seinen Ratgebern Serbien aus immer zu ver­lassen. Mit dem inilitärischen Zusammenbruch Frank­reichs werde Rußland auch Serbien mit in das Ver­derben reißen.

Die Serben ziehen in M o n a st i r auch die 4 5jährigen Männer zum Militärdienst heran.

In Risch ist die Cholera aufgetrclen. Es sind bereits zahlreiche Fälle sestgestellt.

Das türkische Aegypten--

Der deutsche Konsul in Aegypten meldete am 12. September amtlich:Bis morgen müssen die deut­schen und österreichischenKonsuln Aegyp­ten verlassen. Die übrigen Deutschen stehen un­ter schärsster polizeilicher Aufsicht. Sie glauben, dem­nächst auch ausgewieseu ztt werden. Bei den Englän­dern macht sich eine starke Nervosität bemettbar; vor allem befürchten sie einen Angriss derTürkei aus Aegypten.

Wiener Geschäftsleuten sind aus Aegypten Nach­richten zugegangen, wonach die Lage in Aegyp­ten äußerst e r n st sein soll. Auf den Straßen Kai­ros und Alerandriens finden Revolten statt. Das geschäftliche Leben liegt darnieder und die Verhängung des Standrechtes wird erwartet.

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Amerika ans der Wacht.

WTB. Stockholm, 16. Sept. (Ctr. Bln.) Die Flotie der Vereinigten Staaten im Stillen Ozean ist verstärkt worden und ein starkes Geschwader ist nach den Philippinen abigegangen. Diese amerikanische Maß - nähme, so schreibt dieVoss. Ztg." dazu, gewinnt eine große Bedeutung, da sie zweifellos die Antwort auf Englands Hilfenif an Japan zur Unterdrückung der indischen Aufstandsbewegunq darst.ellt.

Allerlei Nriegsnachrichten.

Der Kaiser hat dem Prinzen Friedrich Jftarl von Hessen, Generalleutnant und Chef des | 81. Infanterie-Regiments, das Eiserne Kreuz 1. ! Klasse verliehen. Seinem verwundeten Sohn, Prinz