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Nr. 74
Samstag, den 12. September 1914.
Telephon Nr. 362. 26. Jührg.
Weltkrieg.
Fraurreichs letztes Aufgebot. Die Muffen wieder geschlagen. Deutschlands Kriegsanleihe. Die deutschen Armeen auf der Linie Paris-Verdun-Toul-Nancy-Belfort.
Pom Krieg im Westen.
Nene Erfolge.
WTB. ($ r o e s Hauptquartier, 10. Sep. Der deutsche Kronprinz bat heule mit seiner Armee die befestigte feindlich« Stellung südlich von Verdun gcuom- men. Teile der Armee haben die südlich von Verdun liegenden Sperrforts genommen; die Forts werden seit gestern durch schwere Artillerie beschossen.
WTB. Großes Hauptquartier, fo. Sep. (Amtlich.) Die ö st l i ch P a r i s in der Verfolgung an und über die Marne vorgedrungenen Heeressäulen sind aus Paris und zwischen Meaur und Montmirail von überlegenen Kräften angegriffen worden. Sie haben in schweren ^tägigen Kämpfe» den Gegner aufge- halten und selb st Fortschritte gemacht. Als der Anmarsch starker feindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr Flügel zurückgenommen worden. Der Feind ist an keiner Stelle gefolgt. Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind bisher 5 0 Geschütze und einige Tausend Gefangene gemeldet.
Die westlich Verdun kämpfende Heeressäule befindet sich in fortschreitenden Känipfen.
In Lothringen und in den Vogesen ist die Lage Unverändert.
Auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatz hat der Kampf wieder begonnen.
Am Sedanlage war zwischen Reims und Verdun durrt, die Befiegung von 10 franzöfifchen Armeekorps
■: der Durchbruch des französischen Zentrums gelungen.
Unter Anlehnung an Verdun zogen sich die rechts von der Durchbruchsstelle stehenden französischen Truppen - teiie nach Süden zurück, wo sie bisher die zahlreichen
- Speryforts zu beiden Seiten der Maas zwischen Verdun und Tont als Rückendeckung hatten. Run ist cs dem
- deutschen Kronprinzen gelungen, die Höhe» südöstlich von Verdun zu nehmen. Die notwendige Folge war
. das Zurückgehen der Franzosen hinter die Sperrsort - Linie, gegen die — wie aus der Meldung des Gene -
- ralquart.crmeistcrs hervorgeht — der Angriff nun ebenfalls eingeleitct ist. Ein Durchbruch zwischen Toul und Verdun würde den Fall dieser beiden grotzen Fesmn-
r gen sicher beschleunigen, die sich mit zäherer Ausdauer
S halten, als die bisher eroberten. Immerhin wird die
Arbeit hier nicht allzu leicht werden; denn ohne die den. Maasübcrgang mitbeherrschendcn Außcnforts von Verdun und Toul liegen zwischen diesen beiden güoßen Festungen nicht weniger als 6 starke Sperrscrts, die einzeln beschaffen und gewonnen sein wollen. Es sind dies (von Norden nach Süden): Geincourt (bei Diene),
Troyon, St. Mihiel, Lionville (Aprcmont), Gironvillc und Iouty sous les Lotes (Boucq).
Verdun selbst, der n ö r d l i ch st c Kops der langen Maas—Mosel-Sperrlinie, ist gleich Toul in einem ilnckreise von 40 Kilometern, also mit einem Durch - messer von 13 Kilometer, mit Befestigungen umgeben. Nach der deutschen Seite hin, auf dem rechten Maas - ufcr, liege», nördlich angcsangen, in einer wcslösllickicn Linie die Forts Cote de Froidc, Terre, Dormuinont, Vaur, in einer südlichen Linie gleicher Erstreckung die Forts Belleville, Souville, S. Michel, Tavannes. Vanr. Tavannes, Mouiainville und Rozellier bilden die vor geschobene Nord-Südlinie, hinter der westlich im Zwischenräume zwischen den beiden letztgenannten Forts die Befestigung von Belrupt liegt. Alle diese Forts find möglichst auf beherrschenden Anhöhen angelegt, ebenso das südlichste Fort Hauhüville. Links der^Maas liegt im Süden auf einer steidrn Anhöhe das Fort Dugnv, mit H-rubainville das Maastal sperrend, westlich das Fort Landrecout. dann nördlich die Befestigungen Re- qret, Ehaume und Marie, letztere auf der Höbe der erstgenannten Westostlinie Cote de Froide a.erre-Dam- loup. Die Stadt Verdun selbst hat eine alte Befestig - ung, die von Vauban herrührt, und eine Zitadelle; sie
hielt 1870 die Deutschen vom 13. Oktober bis 8. November auf, an welchem Tage sie sich ergab.
Die vorliegende erste Meldung zeigt dann scrner, das; der deutsche Kronprinz mit seiner Armee sich bis -
Zeichnet die Kriegsanleihe!
Wir stehen allein gegen eine Welt in Waffen. Vom neutralen Ausland ist nennenswerte finanzielle Hilfe nicht zu erwarten, auch für die Geldbeschaffung sind wir auf die eigene Kraft angewiesen. Diese Kraft ist vorhanden und wird sich betätigen, wie dyautzen vor dem Feinde, so in den Grenzen des deutschen Vaterlandes jetzt, wo es gilt, ihm die Mittel zu schaffen, deren es für den Kampf um feine Errftenz und seine Weltgeltung bedarf.
Die Siege, die unser herrliches Heer schon jetzt in West und Ost errungen, berechtigen zu der Hoffnung, das; auch diesmal wie einst nach 1870-71 die Kosten und Lasten des Krieges schließlich auf die - jcnigen fallen werden, die des Deutschen Reiches Frieden gestört haben.
Vorerst aber müssen wir uns selbst Helsen.
Großes steht auf dem Spiele. Noch erwartet der Feind von unsrer vermeintlichen finanziellen Schwäche sein Heil. Der Erfolg der Anleihe mutz diese Hoffnung zerstören.
Deutsche Kapitalisten ! Zeigt, daß Ihr vom gleichen Geiste beseelt seid wie unsere Helden, die in der Schlacht ihr Herzblut verspritzen! Deutsche Sparer! Zeigt, daß Ihr nicht nur für Euch, sondern auch für das Vaterland gespart habt! Deutsche Korporationen, Anstalten, Sparkassen, Znftitme, Gesellschaften, die Ihr unter dem mächtigen Schutze des Reichs erblüht und gewachsen seid ! Erstattet. dem Rriche Eue in Dank in dieser schicksalsschweren Stunde! Deutsche Banken und Bankiers! Zeigt, was Eure glänzende Or>;anisation, Euer Einfluß aus die Kundschaft zu leisten vermag!
sfticht einmal ein Opfer ist cs. was von Euch verlangt wird! Man bietet Euch zu billigem Kurse Wertpapiere von hervorragender Sicherheit mit ausgezeichneter Verzinsung!
Sage Keiner, daß ihm die flüssigen Mittel fehlen ! Durch die Kriegsdarlehnskassen ist im weitesten Umfang dafür gesorgt, daß die nötigen Gelder sltis- sitz gemacht werden können. Eine vorübergehende kleine Zinseinbuße bei der Flüssigmachung mutz heute jeder' vaterländisch gesinnte Deutsche ohne Zaudern auf sich nehmen. Die deutschen Sparkassen werden den Einlegern gegenüber, die ihre Sparguthaben für diesen Zweck verwenden wollen, nach Möglichkeit in weitherziger Weise auf die Einhaltung der Kündigungsfristen verzichten.
Näheres über die Anleihen ergibt die B e- kannimachung unseres Reichsban k-Direkt o r i u m s, die heute an anderer Stelle dieses Blattes erscheint.
> des bayerischen Kronprinzen, deren Vordringen durch ; die Panzerkctte ToustNancy-Epinal-Belfortz gehemmt ! wird.
Die zweite deutsche ununterbrochene'Front steht an der Marne im Raume Paris-Reims. Und wie für die sranzöfifchc Ostarmec Verdun der Stützpunkt des linken Flügels ist, so bildet hier die Hauptstadt des Landes, deren weitere Befestigungen mit fast unmenschlicher Anstrengung betrieben wird die äußerste linke Spitz«. Deutsche Truppenteile, die östlich von Paris bis zur Marne und über dieselbe vorgedrungen waren, sind autz strategischen Gründen zurückgcnommcn worden, wie es in diesem Kriege bei uns und den Verbündeten bereits häufig vorkam.
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Frankreich braucht Soldaten.
Der französische Ministerrat unterbreitete dem Präsidenten Poincaree zur Unterschrift einen Erlaß, durch den diejenigen Männer, die bisher d i c n st u n- tauglich oder zurückgestellt waren, aufgesordcrt werden, sich einer neuen ärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Diejenigen, die als diensttauglich befunden werden, sollen Unverzüglich ausgebildet, und diejenigen, die sich nach dem Erlaß nicht stellen!, als d i e n st t a u g l i ch angesehen werden.
Vom törica i n Osten.
Tic Runen ii» Riickzuqe.
WTB. Großes Hauptquartier, 10. Sep. Generaloberst v. Hindenburg hat mit dem Ost - Heer den linken Flügel der noch in Ostpreußen befind - lichen russischen A r m e e geschlagen und sich dadurch den Zugang in den Rücken des Feindes geöffnet. Der Feind hat den Kampf aufgegcben und be- sindet sich in vollem R ü ck z n g e. Das Osthcer vcr- solgl ihn in nordöstlicher Richtung gegen den Njemen.
Das 22. nisjische Armeekorps (Finnland) hat versucht, über Lyck in den Kampf in Ostpreußen einzu - greifen. Es ist bei Lyck von dem 17. Armeekorps unter Führung seines kommandierenden ' Generals von M a ckle n s o nn z U r ü ck g e s ch l a g c n worden. Die 8. Armee hat jetzt den Weg frei zum Angriff in den Rücken der russischen Truppen.
Wien, 10. Sept. (Etr. Bln.) Der Kricgskorre - spoudcnt des „Neuen W. Tg'ok." meldet von den neuen Kämpien bei Lemberg, daß die österreichisch-ungarischen Truppen es waren, die dort neuerdings die Offensive ergriffen loben. Er bestätigt, daß eine große Schlacht im Gange sei.
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^österreichische Wuffenerfolge.
Eine etwa ans 1500 Mann bestehende Abteilung
der bei M i t r o w i tz a zersprengten Serben wurde bei Iudia nach kurzem Gefecht teils getötet und teils gefangen gestammen.
Wien. Nach zuverlässigen Mitteilungen beträgt bisher die gesamte Za' I der Anineldungen von Kriegsfreiwilligen für die österreichisch-ungarische Armee über 1 250 000. — Die freiwilligen Sammlungen fiir das Rote Kreuz und die Kriegsfürforge in den öfter - re isiben Kronlondcn weisen bis jet;t über 205 Müli onen 'Kronen auf.
her an dem Vorstoß gegen die Marne nicht beteiligt bat, wie wir es am 5. September annahmen. Seine Truppen bilden jetz-t eine gradlinige Front mit den in Fran- zösifckpLothringen stehenden Armeen v. Heeringen und
Allerlei Uriegsnachrichten.
WTB. Berlin. 10. Sep. (Amtlich.) Prinz Joachim von Preußen ist gestern durch einen Schrapnellschuß verwundet worden. Die Kugel ging durch den rechten Oberschenkel, ohne den Knochen zu verletzen. Der Prinz war als Ordonanzoffizier auf dem Gefechts-


