Ausgabe 
29.8.1914
 
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Nr. 70.

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Samstag, den 29. August 1914.

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He 44 nun breite Petit,eile för Auswärt« 90 Psg. Die 90 mm breite Re k l« m e . Z e i l e 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grötzr berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung des ZahlungS- ztele» f30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei »onkur» in Wegfall. Platzvorfchriften ohneBerbindlichkcit. Druck der «iesteucr Verlagsdruckerei, Altt» Klein.

T c l e v d o n Rr. 303.

26. Jahrg.

Namur. St. Quentin. Mnnvnviller. Löwen.

'i*om Uric^-tm Westen.

Bei 4! o m u r sind sämtliche Forts gefallen, ebenso ist Longwy nach tapferer Gegenwehr genommen. Ge­gen den linken Flügel der Armee des deutschen Kron­prinzen gingen von Verdun und östlich starke Kräfte vor, die zurückgeschlagen sind. Das Ober-EIsaft ist bis aus unbedeutende Abteilungen westlich Kolmar von den Franzosen geräumt.

Deutscher Lieg über englische Truppen.

Amtliches Telegramm.

Graftes Hauptquartier, 28. Aug. (2B. T.-B.)

Die englische Armee, der sich 3 sranzösischc Territorial-Divisionen angeschlossen batten, ist nördlich St. Quentin vollständig geschlagen und be- sindet sich in vollem Rückzuge über St. Quentin. Meh­rere tailsend Gesängen«, 7 Feldbatterien und eine schwere Batterie sind in unsere Hände gesallcn.

(England erkennt jetzt Deutschlands Macht.

Kopenhagen, 28. Aug. lPrivatt.)

Die LondonerEvening Post" schreibt hiesigen Be­richten zusolge in ihrer Ausgabe vom lebten Dienstag:

Dii Nachricht von den ernsten Verlusten unserer Verbündeten und von der Tatsache, daft unsere eigenen Leute auch schon im Feuer standen, gibt für viele unter uns ein Erwachen zu der harten Wirklichkeit, vor der roir stehen. Wir sind tatsächlich in einen harten Kamps mit der mächtigsten Militärmonarchic der Welt rcrwik- kclt. England ist in einer ernsten, sehr ernsten Lage. Die letzten Nachrichten lehren, daft die Tage des behag­lichen Lebens vorüber sind. Jetzt, da unsere Truppen und die unserer Verbündeten Niederlagen erlitten ha­ben, ist kein Platz mehr unter uns für Tagediebe und Bummler.

Frankreichs stärkstes Iperrfort erobert.

Berlin, 28, Auguft. (Amtliches Telegramm.tz Manonviller, östlich von Luncville, das stärkste Sperrsort der Franzosen, ist in unserem Besitz.

Belgischer Neberfall deutscher Lohn.

Berlin, 28. August. Aus dem graften Haupt- quonicr meldet der Kriegsberichterstatter derVossischcn Zeitung" noch folgende Einzelheiten über den bereits berichteten U.'berfail der Bevölkerung von Löwen aus die deutschen TrUppcn und über die sosortige gerechte Strafe für die Stadt:

Ausl dem vollständig abgeschnittenen Anlvx , '» machte die belgische Armee gestern mit 4 Divisionen einen heftigen Aussall, der aber nach kurzer Zeit vollständig abgeschlagen wurde. Zu gleicher Stunde überschüttete plötzlich die Bevölkerung von Löwen, die bisher völlig friedlich gewesen war, aus allen Häusern, Fenstern, Kellern die aus der Strafte befindlichen wehrlosen deut­schen Wachen, Kolonnen und durchmarschierenden Trup­pen mit Gewehr- und Pistolenseuer. Es entwickelte sich dann ein fürchterliches Handgemenge, an dem sich die gesamte Zivilbevölkerung beteiligte. Unseren Soldaten gelang es in kürzester Zeit, der rasenden Bevölkerung Herr zu werden. Es unterliegt keinem Zweifel: der

Ueberfall in Löwen war behördlich organisiert und sollte den Aussall aus Antwerpen unterstützen, denn beides ereignete sich genau zu gleicher Zeit.

Immer weiter noch Frankreich hinein.

Südöstlich Mezieres haben unsere Truppen unter fortgesetzten Kämpfen in breiter Front die Maas über­schritten.

Unser linker Flügel hat nach neuntägigcn Eebirgs- kämpscn die sranzösischcn Eebirgslruppen bis östlich Epi- nal zurückgetrieben und besindet sich in weiterem sieg­reichen Fcrtschrciten.

Belgien von seinenGetreuen" verlassen.

Der Bürgermeister von Brüssel teilte dem deutschen Kommandanten mit, daft die französische Regierung der belgischen Regierung die Unmöglichkeit eröffnete, sie ir­gendwie offensiv zu unterstützen, da sie selbst völlig in die Defensive gedrängt sei.

Grotze Unlust in Belgien.

In Antwerpen macht sich bereits eine heftige Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Regier­ung bemerkbar, die durch ihre doppelsinnigen Bekannt - machungen das Publikum so lange in völliger Unge - wiftheit gelassen hat. Eine Schlacht bei L o c w e n dau­erte 3 Tage. Die Soldaten berichteten: Unser Vonnarsch ist 3 mal abgeschlagen worden. Wir kämpften wie Lö­wen, aber wir konnten gegen die Uebcrmacht nicht an. Für jeden gcsallenen Feind standen zehn neue aus, und doch hätten wir ausgehaltcn, wenn unsere Leute nicht von dem grauenhaften Feuer der deutschen Maschinen - gewehrt buchstäblich niedergemäht worden wären. Diese entsetzlichen Mordwerkzeuge speien den Tod aus und mähen mit rasender Geschwindigkeit in ihrem Umkreise alles nieder. Da gibt es keinen Widerstand. Seit 14 Tagen, sagten sie, wurde uns beständig Hilse von Frank­reich und England versprochen, und wenn es daraus an­kam, standen wir allein und mutzten uns totschieften lassen. Mit allem Eifer werden die Befestigungen von Antwerpen verstärkt! inzwischen rücken die deutschen Trup- pen vor. Sie haben alle Verbindungen mit Antwerpen durchschnitten.

* * *

Wir werden dem Feinde ans Leder gehen.

Der DortmunderTremonia" zusolge versammelte der Kaiser im Hauptquartier die Truppe», zur Parade und hielt bei dieser Gelegenheit folgende An­sprache :

Kameraden, ich habe Euch hier um mich versam­melt, um mich mit Euch des herrlichen Sieges zu er­freuen, den unser« Kameraden in mehreren Tagen in heiftem Ringen erfochten haben. Truppen aus allen Gauen halsen in unwiderstehlicher Tapferkeit und un­erschütterlicher Treue. Sie haben mitgeholfen zu den groften Erfolgen. Es standen unter der Führung des bayerischen Königssohnes nebeneinander und fochten mit gleichem Schneid Truppen aller Jahrgänge, auch die Reserve und Landwehr. Diesen Sieg danken wir vor allen Dingen unserem alten Gott. Er wird uns nicht verlassen,, da wir sür eine heilige und gerechte Sache einstehen. Viele unserer Kameraden sind bereits im Kampfe gefallen-, sie sind als Helden für das Vaterland gestorben. Wir wollen derselben hier in Ehren gedenken und bringen zu Ehren unserer auherstehenden Helden ein dreifaches Hurra aus. Wik haben noch manche blu­tige Schlacht vor uns. Hoffen wir auch weiter auf gleiche Erfolge. Wir lassen nicht nach und werden dem Feinde ans Leder gehen. Wir verlieren nicht die Zu­versicht nn Vertrauen arff unseren alten guten Gott da droben. Wir wollen siegen und müssen siegen!

Ei» deutscher Protest gegen feindliche Verdächtigungen.

Groftes Hauptquartier, 28. Aug. <W. T.-B.)

Die deutsche Heeresleitung protestiert gegen die durch Gegner verbreiteten Nachrichten über Grausamkeiten der deutschen Kriegssührung. Wenn Härten und strengste Mahnahmen nötig geworden sind, so sind sie veranlaht und herausgescrdert worden durch Teilnahme der Zi­vilbevölkerung einschlieftlich Frauen an den heimtückischen Ueberfällcn aus unsere Truppen und durch die bestiali­schen Grausamkeiten, die an ünseren Verwundeten ver­übt worden sind. Die Verantwortung sür die Schärfe, die in die Kriegsführung hineingebracht wurde, tragen allein die Regierungen und die Behörden des von uns besetzten Landes, die die Bürger mit Waffen versehen und zur Teilnahme am Kriege ausgehetzt haben. Ueber- all, wo sich die Bevölkerung feindseliger Handlungen enthielt, ist von unseren Truppen weder Mensch noch Gut beschädigt worden. Der deutsche Soldat ist kein

Mordvrenner und Plünderer. Er sührt nur Krieg ge­gen das feindliche Heer. Die in ausländischen Blättern gebrachte Nachricht:Die Deutschen trieben die Bevölker­ung des Landes im Gefecht vor sich der", ist eine Lü­ge, die den moralischen Tiefstand ihres Urhebers kenn­zeichnet. Jeder, der die hohe kulturelle Entwickelung un­seres Volkes kennt, wird sie als solche von vornherein bezeichnen. v. M o l t k c.

Unsere tapferen Hessen.

Das hessische Leibgarde-Jnsanterie- Regiment Nr. 115 hat am Samstag, den 22. Au­gust, von 1 bis 9 Uhr abends im Gefecht eine franzö­sische Artilleriestellung gestürmt, wobei ihm 40 Geschütze und 1 Fahne in die Hände sielen. Das Regiment hat, entgegen anderslautenden Meldungen, nur geringe Ver­luste, wenig Tote, meist Leichtverwundete, da die Fran­zosen sehr schlecht schieften. (Diese Darstellung, welche die Tapferkeit hessischer Truppen in schönstem Lichte er­strahlen lätzt, ging derDormst. Ztg." von seilen eines dem Regiment angehörigen Offiziers zu, der selbst an der Schlacht teilnahm. Sie ist zu ihrer Veröffcntlichupg behördlicherseits ermächtigt und hoffen, daft dadurch die unsinnigen Gerüchte über ungeheure Verluste hessischer Truppen in aller Form zurückgewiesen sind. D. Red.)

Bom Krieg im Osten.

Oefterreidnfcbe Wassenersolge.

Auf dem österreichisch-russischen Kriegsschauplatz fal­len setzt die groften Schläge auseinander. Dem für un­sere österreichischen Bundesgenossen so erfolgreichen Kampf bei Krasnik ist jetzt eine Riesenschlacht gefolgt, über deren bisherigen Verlaus der Kriegsberichterstatter des Berli­ner Lokal-Anzeigers im österreichischen Kriegspressequgr- tier unterm 28. August folgendes meldet:

Anscheinend gleichzeitig mit dem Vorstoft gegen Ost- preulften nahm das russische Heer auch die Offensive in Galizien bei Brodi und Kabucz aus. Eine weitere seindliche Truppe steht zwischen Weichsel und Bug, wäh­rend andere bei Krasnik erfolgreich abgewiesen wurden. Die mittlere Gruppe, vermutlich die stärkste, konnte in Galizien eindringcn. Aus der Linie RawaruskaZol- kkyew wurde die russische Offensive gebrochen. Aus der , ganzen, fast 400 Kilometer langen Schlachtlinie wird jetzt seit 26 Stunden gekämpft. Der österreichische linke Flügel hat der mittleren russischen Gruppe schwere Ver­luste beigebracht. Die österreichischen Truppen, die bei Krasnik gesiegt haben, sind sehr erfolgreich im Kampfe gegen die russische rechte Flügelgruppe.

Wien, 26. Aug. Ans dem Kriegspresseqnartier wird amtlich gemeldet: Nach den letzten Nachrichten ha­ben die österreichischen Truppen in den Kämpfen um Krasnik über 3000 Gefangene gemacht und 3 Fah­nen. 20 Geschütze und 7 bespannte Maschinengewehre erbeutet. Gesängen genommene russische Offiziere, die den Feldzug gegen Japan mitgemack» haben, sagten über­einstimmend aus, daft die Angriffe unserer Strcitkräfte viel stürmischer als diejenigen der Japaner gewesen sind.

» * * .

Petersburger Sorgen Amsterdam, 28. Aug. <W. T.--B.)

Teleqraas meldet aus London: Nach Telegram­

men au- Petersburg hat die Nachricht, daft sich die französische Armee zurückziehen mutzte, dort grofte Be­sorgnis erweckt.

Vom Seekrieg.

Berlin, 27. Aug. Sr. M. Kleiner Kreuzer M a g d e b u r g" ist bei einem Vorstoft im finnischen Meerbusen in der Nähe der Insel Odensholm im Ne­bel auf Grund geraten. Hilfeleistung durch andere -schisse war bei dem dicken Wetter unmöglich. Da es nicht ge­lang, das Schiff abzubringen, wurde cs bei einem An­griff weil überlegener russischer Streilkräste in die Lust gesprengt und hat so einen ehrenvollen Untergang ge-