Ausgabe 
26.8.1914
 
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sich mit diesen zu einer Kriegsversicherung aus derselben Grundlage inr Interesse einer Ausgleichung des Risikos zufammenzujchlietzeu.

D a r m st a d t, den 20. August 1914.

Größt,crzoglichcv Qbervcrsichcrungöamt.

Verband der Krankenkassen und Gemeinden als Träger der Krankenversicherung im Grogherzogtum Hessen.

srrankcnkassenvcrband sür daS Großherzogtum Hessen.

Belgien unter deuifcber Verwaltung

Berlin, 25. Aug. Mit der Verwaltung der ok­kupierten Teile des Königreichs Belgien ist von Sr. Majestät dem Kaiser unter Ernennung zum General - gouoerneur Generalseldmarschall Freiherr von der G o l tz beauftragt worden. Die ZivilvepwaltuNg ist dem zum Berwaliungschef ernannten Regierungspräsidenten v. Sandl in Aachen übertragen worden, dem für die Dauer seiner Tätigkeit das Prädikat Erzellenz beige­legt ist. Dem Verwaltungschef sind beigegeben Ober­regierungsrat v. Wujsow in Kassel, Landrat Dr. Kauff- mann in Euskirchen, Justizrat Trimborn, Mitglied des Reichstags, in Köln, der bisherige Konsul in Brüssel Legationsrat Kempff, sowie der Bürgermeister v. Loe- bell-Oranienourq. Die Berufung weiterer Beamter, ins­besondere von Technikern der Berg- und Bauverwaltu-ng ist in Aussicht genommen. Generalgouverneur General­feldmarschall Freiherr von der Goltz hat sich zur Ueber- nahme seiner neuen Tätigkeit bereits nach Belgien be­geben.

Die belgischen Zeitungen müssen in deutscher Sprache erscheinen.

Bom Weltkrieg.

Luneville von den Deutschen beseht.

Berlin, 23. Aug. Die Truppen, die unter der Führung des Kronprinzen von Bayern in 'Lothringen siegten, haben die Linie LunevilleBla­nko ntEirey überschritten. Das 21. Armeekorps zog heute in Luneville ein. Die Verfolgung beginnt reiche Früchte zu tragen. Außer zahlreichen Gefangenen und Feldzeichen hat der an und in den Vogesen vor­gehende linke Flügel bereits 150 Geschütze erbeutet.

Die Armee des deutschen Kronprinzen hat heute den Kampf und die Verfolgung vorwärts L o n g w y fortgesetzt.

Glänzender Sieg in Südbclgien.

Berlin, 23. Aug. Die zu beiden Seiten von NeufchateaU (Südwinkel von Belgien) vorgehende Ar­mee des Herzogs Albrecht von Württemberg schlug heute eine über den S e m a i s (rechter Neben - stütz der Maas) vorgedrungene französische Armee voll­ständig und befindet sich auf der Verfolgung. Zahlreiche Geschütze, Feldzeichen und Gefangene, darunter mehrere Generale, sind ihr in die Hand gefallen.

Englische Kavallerie in Belgien geschlagen.

Berlin, 23. Aug. Westlich der Maas gehen un­sere Truppen gegen M a u b e u g e vor. Eine vor ihrer Front austretende englische Kavalleriebrigade ist ge­schlagen. (Maubeuge ist die erste französische Festung an der Sambre, dem linken Nebenfluß der Maas, dicht an der belgischen Grenze.)

Namur gefallen.

Berlin, 25. Aug. Von der Festung Namur sind 5 Forts und die Stadt bereits in unserem Besitz. Vier, Forts werden zurzeit noch beschossen, doch steht der Fall kurz bevor.

Der Generalquartiermeister: (gez.) v. Stein.

Russische Truppen in Ostpreußen.

Berlin, 24. Aug. Während auf dem westlichen Kriegsschauplatz die Lage des deutschen Heeres durch Gottes Gnade eine unerwartet günstige ist, hat auf dem östliche» Kriegsschauplatz der Feind deutsches Gebiet be­treten. Starke russische Kräfte sind in der Richtung der Angcrapp und nördlich der Eisenbahn Stallnpönent Insterburg vorgedrungen. Das 1. Armeekorps hatte den Feind bei Wirballen in siegreichem Gefechte aufgehalten. Es wurde zurückgenommen auf weiter rückwärts fleh­ende Truppen. Die hier versammelten Kräfte haben den auf Gumbinnen und südlich vorgeheirden Gegner ange­griffen. Das 1. Armeekorps warf den gegenuberstehen- den Feind siegreich zurück, machte 8 000 Ge­fangene und eroberte mehrere Batterien. Eine zu ihm gehörende Kavallcriedivisivn warf zwei russische Kavalleriedivisivnen und brachte 500 Gefangene ein.

Die weiter südlich kämpfenden Truppen stictzen teils auf starke Befestigungen, die ohne Vorbereitung nicht genommen werden konnten, leis befanden sie sich in siegrcicheni Fortschreitcn. Da ging die Nachricht ein vom Vormarsch weiterer, feindlicher Kräfte aus der Richtung des Narews gegen die Gegend süd - westlich der masurischen Seen. Das Oberkommando glaubte, hiergegen Matznahmen treffen zu müssen und zog seine Truppen zurück. Die Ablösung vom Feinde erfolgte oftne jede Schwierigkeit-, der Feind folgte nicht. Die Operation auf dem östlichen Kriegsschauplatz mutzte zunächst durchgesührt und in solche Bahnen gelenkt wer­den, datz eine neüe Entscheidung gesucht wer­den kann. Diese st e h t unmittelbar bevor.

Der Feind hat die Nachricht verbreitet, datz er 4 deutsche Armeekorps geschlagen habe. Diese Nachricht ist unwahr. Kein deutschesAymeekorps ist ge­schlagen. Unsere Truppen haben das Bewußtsein des Sieges und der Ueberlegenheit mit sich genommen. Der Feind ist über die Angerapp nur mit Kavallerie ge­folgt. Längs der Eisenbahn soll er Insterburg er­reicht haben. Der beklagenswerte Teil der Provinz, der dem feindlichen Einbrüche ausgesetzt ist, bringt diese Opser im Interesse unseres ganzen Vaterlandes. Daran soll sich dasselbe nach erfolgter Entscheidung dausbar erinnern.

Der Generalqüartiermeister: (gez.) v. Stein.

In den Becher der Siegesfreude über unsere gro­ßen Erfolge gegen Frankreich, die unsere Heere auf der ganzen Linie, von Mülhausen über die Vogesen, Metz, Lcngwp bis Namur und Brüssel, in unaufhaltsamem Vorwärtsdrängen erscheinen liehen, fiel diese vorstehende Nachricht wie ein Wermutstropsen hinein. Aber wenn diese strategische Maßnahme nicht erfolgt wäre, so hät­ten die vom Narew herandrängenden Russen heute viel­leicht schon im Rücken unserer in östlicher Richtung vor­dringenden Truppen des 1. Armeekorps gestanden, für die alsdann eine unheilvolle Lage geschaffen gewesen wäre. Bei Insterburg wird daher zunä chst die Entscheidung fallen müssen gegen den erneut aus deutschem Boden aufgetauchten Feind.

Die richtige Antwort für Japan.

Deutschland hat Japans Ultimatum nicht beantwortet. Dem japanischen Botschafter in Ber­lin wurden die Pässe zurückgegeben uüd der deutsche Botschafter in Japan hat seine Pässe zurückgesordert.

Deutsche u. österreichische Waffenqemeinfchaft.

Das deutsche Marine -Detacherne nt von S k u 1 a r i hat irn österreichischen Armeeverband sich be­reits an einem Kampf gegen Serbien beteiligt und sich siegreich, bewährt.

Das österreichische KriegsschiffKaiserin Elisabeth" in Tsingtau hat den telegraphischen Befehl erhalten, dort mit den Deutschen gemeinsam zu kämpfen.

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Oesterreichische Waffenerfolge.

Oesterreichische Truppen haben die Rus­sen weiter zurückgetrieben und russische Ka­vallerie in die Flucht geschlagen. K i e l z e wurde ge­räumt. Zahlreiche Gefangene gemacht.

30 serbische Bataillone sind von denOe- sterreichern geschlagen.

Französischer Bruch des Völkerrechts.

Berlin, 24. Aug. Laut einer aus Palermo ein- getro'ffenen DrahtmeldUng des kaiserlichen Geschäftsträ­gers in Tanger hat diesem die marokkanische Regierung am 19. Aügust seine Pässe zugestellt, und ihn mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft überraschend und gewaltsam an Bord des französischen KreuzersEassard" geschafft, um sie nach Palermo zu transportieren.

Dieser brutale Uebersall in der Hauptstadt der in­ternationalen Zone Marokkos, in der die diplomatischen Vertreter der Signaturmächte der Algecirasakte noch heute die Kontrolle der Regierung ausüben, bedeutet von feiten Marokkos uNd Frankreichs einen derartig un­erhörten Bruch des Völkerrechts, wie er in der Geschichte ärger kaum vorgekcmmen sein dürfte. Datz dieser Ee- waltstreich nur mit Zustimmung Englands möglich war, versteht sich bei der Lage Gibraltars von selbst, des - selben England, das seine Kriegserklärung gegen uns mit dem Eintreten für die Unverletzbarkeit internationa­ler Verträge beschönigt hat.

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Allerlei Uriegsnachrichten.

Der Kaiser hat folgendes Telegramm an den Kö­nig von Württemberg gerichtet: Mit Gottes gnädiger Hilfe hat Albrecht, mit seiner herrlichen Armee einen glänzenden Sieg erfochten. Du wirst mit mir dem Al­lerhöchsten danken. Ich habe soeben Deinem tapferen Sohne das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse verliehen. Gott segne weiter unsere Waffen uüd unsere gute Sache. Wilhelm.

Zürn Tode des Prinzen Friedrich Wil­helm zur Lippe wird berichtet: Die Fahne hal­tend, starb er den Heldentod mit dem Ausrufe:R e t- t e t d i e Fahne!"

Die erste französische Fahne, die im Ge­fecht bei Luneville in deutsche Hände fiel, ist, wie wir in derRhein. Wests. Zig." lesen, von einem Westfalen genommen worden. Der Infanterist Fischer aus Rimbeck bei Paderborn entriß sie im verzweifelten Nah­kampf dem französischen Fahnenträger.

Berlin, 24. Arög. DieNordd. Allgem. Zeitg." schreibt: Wie wir, aus zuverlässiger Quelle hören, kön­nen deutsche Zeitungen wieder ungehindert in das neutrale Ausland gelangen.

Laut einer offiziellen Nachricht aus C e t i n j e ha­ben sich von dem österreichisch-ungarischen kleinen Kreu­zerZent a", der am 16. August im Kampfe mit der französischen Flotte untergegangen ist, 14 Stabs­und 170 Mannschaftspersonen, darunter 50 Verwundete, auf montenegrinischen Beben gerettet. Alle sonst in

der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten über I Verluste der österreichischen Kriegsmarine, die mit See- | gcsechten in der Adria irn Zusammenhänge stehen sollen, » sind vollständig aus der Luft gegriffen.

Aus Kon ft autln cpel wirb derWiener Rund- I

schau" gemeldet: In O st i n d i e n herrscht unter den | Mohammedanern eine tiefgehende Gärung ge- I gen England, die an einzelnen Orten zu offenen, I nur mühsam unterdrückten Ausbrüchen geführt hat. Tür- > kische Emissäre bereisen das Land und finden überall 1 in der Bevölkerung begeisterte Ausnahme. Die Revier - I ung ist nicht imstande, die von London geforderte Ent- I senbung von britischen Truppen aus Osllndien . nach : Aegypten durchzusühren, da alle Streitkrüste im Lande j dringend benötigt würden. Der Vizekönig fft von sei- j nem Sommersitz nach Kalkutta zurückgekehrt und hält - täglich Beratungen mit den Höchstkommandierenden.

>lur Stadt und Land.

* Wer wissen will, ob ein Verwandter im

Feldzüge verwundet wurde oder fiel, benutze für die Anfragen die vorgeschriebenen, bei der Post erhältlichen Verlustmeldekarten", denen gleich «ine Antwortkarte an­gebogen ist. Auskunft erteilt das Zentral-Nachweisbüro des Kriegsministeriums Berlin NW. 7, Dorotheenslraß« 48.

' Gießen, 26. Aug. Die vorgestern und ge­stern hier eingetroffenen Verwundeten unseres Kaiser-Re­giments haben dutchblicken lassen, daß das Regiment mit großer Ausdauer auf schwierigem Posten in den Schlachten vom 21. und 22. August dem deutschen Na­men alle Ehre gemacht haben. Wir wünschen allen Ver­wundeten volle Genesung. Leider sind manche Kame­raden nicht allein vor dem Feind in der Schlachtlinie gefallen, sondern auch einzelne der Kugel der französi-, scheu Meuchelmörder zutn Opfer gefallen. Die deutschen Truppen sind daraufhin mit unerbittlicher Strenge ge­gen das Gesindel vorgegangem

! Frankfurt a. M. Die Universität Frankfurt a. M. wird zu' Beginn des Winter-Se­mesters ihre Vorlesungen, wenn auch in bescheidenerem Umfange, als geplant war, aufnehmen.

! Kassel. Sämtliche Kasseler Vvlksschulleh- rer wollen am 1. Oktober einen bestimmten Prozentsatz ihres Gehaltes zur Unterstützung von Frauen und Kin­dern irn Felde stehender Krieger abgeben.

! H anaU. Der in Nizza so schändlich hingemor­dete Kasinodirektcr Kurz stammt aus HanaU. Seine Gattin ist eine Darmstädterin.

Neueste Meldungen.

Aus Wien wird heute am 26. August gemeldet: Rach hartem Kampfe bei Kosnick wurde die rufsifcbe Armee von den österreichischen Trup­pen auf Lublin zu in die Flucht geschlagen. Die Kämpfe erstreckten stch auf eine Länge von über 70 Kilometer. Die Rüsten haben große Verluste erlitten.

Literarisches.

?Belle-AIliance. Von Karl Vleibtreu. Illus- triet von Chr. Spryer. In farbigem Amschlag geh. 1. Mk. clcg. geb. 2 Mk. Karl Krabbe Verlag Erich Gußmann in Stuttgart. Der Dichter schuf hier das vielleicht glänzendste seiner berühmten Schlachtgemälde, indem er hier nur das Poetische und Malerische der Schlacht des 18 Juni 1815 zu einem farbensprühcnden Bilde vereinte, ohne auf das Historisch Militärische des Feldzugs einzugehen. Umfassende Studien sind hier nur in dichterischer Gestaltung cingesenst. Besonders die weniger bekannten Vorgänge auf englischer Seite sind mit vielen packenden Ein lebenstreuen Echtheit als handelnde Personen vor uns hin, wie dies kaum je ähnlich geschah. Tie gewaltige Glut und Kraft der Schlachtschtlderung reibt jede» Leser mit sich fort, die erschütternde Großartigkeil der ebenso realistisch scharfen als dichterisch schwungvollen Sprache läßt uns die weltgeschichtliche Katastrophe miterleben, als wären wir selber >m Kampfe.