Ausgabe 
22.8.1914
 
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schwere Verluste. Oesterreichische Truppen besetzten das ganze Gebiet.

W i e 19. August. Die österreichischen Truppen nahmen heute Obrenovac bei Valjevo ein. Obre- novac liegt zwischen Sabatsch, das kürzlich von den Oesterreichern genommen wurde, und Belgrad an den Usern der Laue.

Oesterreichische Truppen finü in Serbien weiter vorgerückt und haben bei Schabatz den Feind geschla­gen.

Der österreichische Landsturm ist nun auch eingerusen worden.

Aus Wien wird gemeldet, datz das österreichische SchlachtschiffZryni" nicht untergegangen ist.

Zuspitzung der türkisch-russischen Beziehungen.

Frankreich und Rußland übten auf die Pforte neuer­dings einen Druck aus, um die Gewährung der Durch­fahrt der russischen Flotte durch die Dar­danellen und die Entlassung der d e ü t s ch en Militärmission zu erlangen. Da die Türkei beide Verlangen ablehnte, erfolgte eine wesentliche Zuspitz­ung der türkisch-russischen Beziehung en. * * *

(Hin englisches Neutralitätskomitee.

Unter dem Druck eines Teiles der Londoner! Presse, die auch jetzt noch, nach dem Kriegsausbruch, die hin­terlistige Politik Sir Edward Greys verurteilt, hat sich in England ein Neutrvlitätskomitee gebildet, um die Teilnahme Englands an dem Kriege zu verkürze n". Zu den leitenden Persönlichkeiten die­ses Komitees gehören der Lordmayor von Manchester, die Bischöfe von Lincoln und Heresord und viele Poli­tiker und Gelehrte hohen Rufes. Dieses Komitee hat be­reits einen Aufruf veröffentlicht.

Aus Rußland.

Die Mobilmachung in Rußland stützt aus große Schwierigkeiten; in manchen Gouvernements entziehen sich bis zu 80 Prozent der Militärpflicht.

Im russischen Kaukasus ist volle Re­volution. Abordnungen der kaukasischen Grenzorte er­scheinen bei den tückischen Truppenkommandanten und bitten um den Einmarsch der türkischen Armee.

4000 russische Soldaten gesunken.

Ein russischer Transportdampfer mit Munition und 4000 Soldaten stieß im Schwarzen Meer auf eine Mine und ist gesunken. Die meisten Soldaten sind ertrunken.

Holland und Dänemark werden Vieh und Le­bensmittel nach wie vor ausführen.

Norwegen hat 15 000 000 Kronen bewilligt für militärische Zwecke.

* * *

Allerlei Kriegserscheinungen.

Köln, 20. August. Der Kommandant der Fest­ung Lüttich, General L e m a n , ist gestern im Auto - mobil als Gefangener in Köln eingetroffen.

AUs allem Gegenden Deutschlands kommt die er­freuliche Nachricht, daß sozialdemokratische Vereine und Eewerkschaftskartelle sich bei dem Roten Kreuz und der Kriegsfürsorge betätigen.

Die Nachricht, datz in S t u t t g a r t dortige Damen sich an sranzösische Gefangene herangemacht hätten, um denselben Schokolade uud Blumen zu überreichen, wird vom Stuttgarter Oberbürgermeister für unwahr be­zeichnet.

flu$ aller Uleli.

* Rom, 20. August. Der P a p st, Pius X., ist morgens 2,10 Uhr gestorben.

Die Oesterreichisch-Ungarifche Bank ermäßigt von morgen ab den Diskont auf 6 Pro­zent.

Die Bank von Norwegen fetzt von heüle ab den Wechseldiskont auf 5% Prozent herab.

Aus Stadt und Land.

* Gießen. Die städtische Pferdemarkt-Depu­tation hat dem Oberbürgermeister aus ihrem Reserve­fonds für den Fonds zur Unterstützung der Familien der zum Feldzug nnberufencn Mannschaften den Betrag von 5000 Mk. überwiesen.

** Gießen. Fabrikant Georgi hat den beiden Landwehrbataillonen des Regiments Nr. 116 je 6000 Zigarren geschenkt. Die hiesige Rabatt Sparvcreinig- ung des Vereins der Detallistcn hat 1000 Mark für wohltätige Zwecke während des Krieges bewilligt.

! Die Gemeinde Nieder-Jngclheim hat der Militärbehörde ein fertig eingerichtetes Laza­rett von 100 Betten zur. Verfügung gestellt. Die Mit­tel wurden teils von der Gemeinde, teils von Privaten aufgebracht. Eine Sammlung bei der Einwohnerschaft ergab nahezu 4000 Mark.

):( Frankfurt a. M., 21. August. Nach 19 Ta­gen ist heute wieder der erste D-Zug von Hamburg hier angekommen.

::: Köln. So ernst die Zeiten sind, denen wir entgegen gehen, so überaus erfreulich ist es doch, zu sehen, welche B e g e i st e r u n g unsere Jugend ersaßt hat. Die Meldungen von Freiwilligen steigern sich von Tag zu Tag. Im ganzen Reiche sollen sich

\ l / 2 Millionen gemeldet haben. Der erste Freiwillige, der sich in Köln meldete, war der 17jährige Obersekun­daner Karl Maria Stollwerck, der jüngste Sohn des Kommerzienrats Ludwig Stollwerck. Wie tief übrigens der Krieg ins Familienleben eingreift, geht daraus her- vcr, datz aus der Farnilie des Genannten ein Bruder, drei Söhne und 14 Neffen, zusammen also 18 Perso­nen ins Feld ziehen. In anderen Kölner Familien ijts ähnlich.

Allgemeines zum Krieg.

* die vom Reich errichteten Darlehenskassen Hypotheken nicht beleihen dürfen, hat sich die L a n - des-Hypothekenbank bis auf weiteres oereit erklärt, Privatpersonen, die ein berechtigtes Kreditbedürf- nis glaubhaft machen, gegen Verpfändung erststelliger Hypotheken an Grundstücken, die im Grotzherzogtum Hessen gelegen sind, Darlehen zur Verfügung zu stellen.

* Wi r wollen sein ein einig Volk von Brüdern! Ein hiesiger Richter, dessen nach­stehenden Wocken wir lebhaft zustimmen, schreibt uns: Welch gewaltigen Eindruck hat es in der ganzen Welt gemacht, datz in dem Augenblick, in dem der Krieg un­vermeidlich war, alles Trennende in unserem deutschen Volk verschwunden war,: keine Parteien, keine Konfes­sionen, keine Rassen und keine Standesunterschiede gab es mehr.Einer für Alle und Alle fiir Einen" war die Losung. In solchen Zeiten sollten alle Streitigkeiten im Volke beseitigt werden. Darum ergeht an alle, die ir­gend welche Rechtsstreiligkeiten führen, die Mahnung, laßt die Prozesse ruhen, einigt Euch mit Enten Geg­nern und opfert das so gesparte Geld dem Vaterland!" Auch die Rechtsbeistände sollten heute in diesem Sinne zu wirken bestrebt sein. Wieviel Bagatellsachen werden jahraus jahrein vor unseren deutschen Gerichten unter Aufwendung ganz erheblicher Kosten unnötigerweise ver­handelt. In so großer und ernster Zeit darf das nicht sein. Man denke auch an die Richter, denen es gerade­zu widersteht, jetzt noch solche Streitigkeiten zu schlichten. Also fort mit allen Prozessen 1

* Kriegs ft iftung aus Mitteln der Säuglingsfürsorge. Die Grohherzogin hat bestimmt, datz entbehrliche Gelder aus dem Patro­nat der Gr. Zentrale für Mutter- und Säuhlingsfür - sorge dem großen vaterländischen Zweck zugeführt und verwundeten Kriegern und ihren Pflegerinnen in hessi­schen Lazaretten zugute kommen sollen. Vorerst sind 5000 Mark zum Ankauf von Krankensesseln Und K r a n k e n t i s ch e n, die in den neu eingerichteten La­zaretten nicht vollzählig vorhanden sein können, vorge­sehen; sie bringen Verwundeten und Schwestern eine große Erleichterung. Anträge zuy Ueberweisung von Krankensesseln und Tischen sind von den hessischen Lazaretten zu richten an Freiin Georgina von Rots - mann, Darmstadt, die Schriftführerin des Patronats.

? Die Pflege der Verwundeten geschieht auch in den Privat-Lazarelten mit einer rührenden Liebe und Sorgfalt, wie jede besorgte Gattin und Mutter aus der soeben in dritter Ausluge (bei Krüger u. Co. in Leipzig) erschienenen, mit einem Geleitwort von Eeneral- oberarzt a. D. Dr. M i g e o d versehenen Broschüre mit größter Genugtuung entnehmen kann. Diese aus dem Tagebuch der Vorsteherin eines Sanitätsvereins, Frau M. Weber, 1870-71 ausgezeichneten anspruchslosen, aber packenden Kranke»EchilderuUgen entrollen Bilder gro­ßen Heldenmutes, stillen Duldens und tiefster Tragik. Sie 'dürsten viele Frauen und Mädchen auch der bes­seren Stände veranlassen, sich dem erhebenden Dienst der Krankenpflege zu widmen, denndreierlei Engel in Menschengestalt gibt es, die den Kranken und Verzwei­felnden ihre Schmerzenszeit erleichtern, das sind die Aerzte, die Geistlichen und die Krankenpflegerinnen". Ein Teil des Reinertrages dieser Broschüre fließt dem Ro­ten Kreuz zu.

Krieas - Erfrischungen. Wir berichteten schon kürzlich an dieser Stelle, daß die bekannte Scho­koladenfabrik von Gebrüder Stollwerck A -G., in Köln sehr praktische Feldpostbriefe mit Schokolade und Pkef- ferwünzpastillen zum Preise von 1 Mk. (einschließlich 20 Pfg. Porto) in den Handel bringt. Wst haben un­serer damaligen Notiz heute noch hinzuzusügen, daß die Firma für die Besteller, die es vorziehen, statt der et­wa 225 g schweren, mit 20 Pfg. zu frankierenden Feld- pöstsendungen kleinere Feldpostbriefe, für die Porto nicht nötig ist, zu versenden, drei neue Packungen im Gewichte von je etwa 50 g zum Preise von 30 Pfg. hergcstellt bat. Das Nähere ist aus dem Inserat in der heutigen Nummer zu ersehen.

Literarisches.

Eine Seekriegskarte, vmfaßend den nördlichen Kriegsschauplatz von der Loiremündung bis St. Peters­burg mit Angabe aller für den Seekrieg wichtigen Tat­sachen (Häfen Docks usw.) kommt dieser Taoe im Ver­lage von J.F. Lehmann in München zum Preise von 1 Mk. zur Aisgabe und kann unseren Lesern warm empfohlen werden. Eine Seekriegskaete des Mittelmecrs ist in Vorbereitung. Im gleichen Verlag sind Aufsleck­fähnchen mit den Kriegsflaggen der Kriegführenden er- schienen, die zu dieser wie zu jeder anderen Karte ver­wendet werden können. Preis für eine Reihe von 60 Stück Mk. 1

Brieflassetten mit Namen

empfiehll als Geburtstagsgeschenke Albin Klein,

Papierhandlung. Buch- u. Akzidenzdruckerei

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde in Wehen.

Sonntag, den 23. August, 11. nach Trinitatis. Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.

Vormittags 9% Uhr: Professor D. Eck.

Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Maühäusgemeinde.

Mittwoch, den 26. "August, abeieds 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe.

Nächstkünftigen Sonntag, den 30. August, sindet Beichte und hl. Abendmahl für die Matthäus- u. Mav- kusoemeinde im Hauptgottesdienst statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde er­beten.

In der Johanneskirchr.

Vorm. 8 Uhr: Psarrassistent Hossmann.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus Johannesgemeindc. Pfarrer Ausfeld.

Vormittags 9 l / t Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Beichte und hl. Abendmahl für die Lukas- und^ Johannesgemeinde gemeinsam.

Versuchsweise sollen jeden Samstag zwischen 7 und' 8 Uhr beide Kirchen geöffnet und darin bei Orgelspiel Gelegenheit zur stillen Andacht gegeben werden.

Katholische Gemeinde m Gießen.

Samstag, den 22. August.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele­genheit zur heiligen Beicht.

Sonntag, den 23. August.

12. Sonntag nach Pfingsten.

Vorm. 6 1 / 2 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. >

Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vyrm. 8 Uhr: Austeilung der, hl. Kommunion.

Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vorm. 11 Uhr: Heilige Messe mit Predigt.

Nachmittags 2 Uhr: Andacht.

Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donners­tag, Freitag Samstag, abends um 7% Uhr ist Kriegs- Bittandacht.

Montag und Donnerstag 7 Uhr hl. Messe mit Se­gen..

Diaspora.,

In E r ü n b e r g um 8 Uhr,

In Hungen um 10 Uhr.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Feldpost -Bezug der Gießener Zeitung.

Um unseren Soldaten auch im Felde regelmäßig

Nachrichten aus der Heimat zu verschaffen, haben wir eine besondere

Feldpoftbestellung

auf dieG i e ß e n e r ZeitUng" eingerichtet.

Die Einrichtung ist so gedacht, daß Angehörige oder Freunde von Feldzugsteilnehmern bei unserer Eipedition den Namen des Feldzugsteilnehmers, der die Zeituiig erhalten soll, mit den erforderlichen Angaben (Armee­korps, Division, Regiment, Bataillon, Kompagnie, Es­kadron oder Abteilung und Batterie) angeben.

Der Bezugspreis von nur 15 Pfg. für den Mo- 1 nat ist franko beizulegen. Daraus wird von unserer Erpedition die Zeitung an die angegebenen Feldadres- sen als Streifbandfcndung verschickt.

Bestellungen aus diese Feldpoftsendungen, die im August einlausen, werden für den Rest des Monats Au>- gust k o st e n f r e i erledigt.

Wir hoffen, daß von dieser Einri^Ung, die von uns unter Verzicht auf jeglichen Gewinn getroffen ist, reichlich Gebrauch gemacht wird und bitten jedermann, für ihre Verbreitung besorgt zu sein.

Verlag der(Yiepener Zeitung".