Ausgabe 
15.8.1914
 
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Bekanntmachung.

Mit Bezugnahme aus den Ausruf des Landsturms warne ich die unausgebildeten L a n d st U r m - pflichtigen, voreilig ihre Stellung oder ihren Be­rus auszutzeben. Alle Arbeitgeber ersuche ich.dringend, diesen Leuten wegen Verbleibens in ihren Stellungen oder beim Suchen neuer Stellungen keine unnötigen Schwierigkeiten zu machen, weil diese Leute, die sich nach Ziffer 5c des Aufrufs zunächst nur zur Stammrolle zu melden hatten, voraussichtlich nicht oder nur zu einem ganz geringen Teil zur Aus­hebung kommen werden. Ziffer t des Landsturmauf­rufes besagt ja auch bereits ausdrücklich, daß zunächst nur militärisch ausgebildet» Landsturmpflichtige zur Einstellung kommen werden; auch von diesen wird voraussichtlich zunächst nur ein geringer Teil zur Ein­stellung gelangen.

Frankfurt a. M.. 1t. August 1911.

Der kommandierende ckicncral: Freiherr v. Eall,

General der Infanterie.

Bekanntmachung.

Zur Vermeidung von Mißverständnissen wird hier­mit öffentlich bekannt gemacht, daß die im Bahnbewach­ungsdienst befindlichen Leute angewiesen sind, alle Mi­litär- und Zivilpersonen, die sich in Krastsahrzcugen ver Bahn nähern, anzuhalten und nur nach Vorzeigung einer Legitimation weiter fahren zu lassen.

4. Mob.-Tag, 5. August 1914.

Eroßh. Bezirkskommando.

Bekanntmachung.

Bclr.: Die Einstellung von Kriegsfrei­willigen.

Junge Leute, die das wehrpflichtige Alter das vollendete 17. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, haben bei etwaiger Meldung als Kriegs freiwilliger zwar kein Recht artf Einstellung, können aber, da gesetz­liche Bestimmungen nicht entgegenstehen, dennoch einge­stellt werden, wenn ihre Unbedingte Tauglich­keit festgestellt wird. Bei der Meldung ist beizubrin­gen :

die Eimvilliguirg des gesetzlichen Vertreters der Eltern oder des Vormundes und ein obrigkeit­liches Führungszeugnis.

Gießen, den 15. August 1914.

Grotzh. Kreisamt Gietzcn.

Dr. U s i n g e r.

Bom Weltkrieg.

Wien, 13. Aug. Heute mittag 1% Uhr ist der, englische Botschafter im Ministerium des Auswär­tigen erschienen und hat erklärt, datz sich England von gestern (Mittwoch Mitternacht) an als mit Oesterreich - Ungarn im Kriegszustand besindlich betrachte. Gleichzeitig hat der Botschafter seine Pässe gefordert. Für Deutschland bietet Englands Kriegserklärung an Oeitsrrcich-Ungarii den Vorteil, daß wir, jetzt im streng­sten Sinne des Wortes Völkerrecht die Möglichkeit ha­ben, im Mitlclmcer mit der Seemacht der Donaumo­narchie gemeinsam zu operieren und österreich-ungarische Häsen wie die eigenen zu behandeln.

Die Kriegserklärung Frankreichs an Oesterreich-Ungarn hat die Lage wesentlich geklärt und damit auch die verruchte Tat der serbischen Mörder und Mordhelfcr an dem österreichischen Thronsolger nun un- tcrftützt. Armes Frankreich, wie ist es so tief gesunken.

Der ägyptische Ministerrat erklärte Aegypten mit Deutschland im Kriegszustand und vertraute das Land dem englischen Schutz an. Die englischen Streiikräste können daher im ganzen Lande und in allen Hafen Kriegsrecht ausüben.

*

Sofia, 13. Aug. Das BlattEambana" führt in einem Leitartikel aus, daß Bulgarien keines­falls mit Rußland gehen dürfe, weil selbst in dem unwahrscheinlichsten Falle eines russischen Sieges nur

Crpcöttfoi: Zeltersweg 88.

Samslag, den 15. August 1914.

Serbien auf Kosten Bulgariens groß werden würde. Bulgarien müsse jedenfalls alles ausbieten, um zur Ver­nichtung Serbiens beizutragen und mit der Türkei und dem Dreibund innigen Anschluß sru chen. Jede andere Politik könne für Bulgarien böse Folgen haben.

Rußland hat an Bulgarien in dringender Form das Verlangen erneuert, daß es gemeinsam mit Ser­bien vorgehe. Bulgarien lehnte ab, seine Neutrali­tät aufzugeben.

Aus Sofia wird gemeldet, daß Mazedonien von serbischen Truppen fast ganz geräumt wurde. Bulgarisch sprechende Mazedonier und Mohammedaner weigern sich, einzurücken.

*

Die Stimmung in Finnland.

Nach Mitteilungen aus H e l s i n g f o r s macht es den russischen Behörden ungeheure Mühe, die dienst- pfiichtigen Reservisten zur Stelle zu schaffen. Aus Holz­kellern hat man Kriegspslichtige heraustreiben müssen; viele hatten sogar Heringstonnen als Schlupfwinkel be­nutzt. Alles in Finnland hofft auf bal­digen Einmarsch der Deutschen.

Sympathien der Nordländer.

Die in München lebenden Schweden, Norweger u. Finnen haben ein Komitee gewählt, das Hilfsmaßnah­men für die Deutschen in die Wege leiten will. In einer Versammlung brachte man die warmen Sympa­thien für Deutschland zum Ausdruck. In der gleichen Versammlung sprachen die Schweden die Hoffnung aus, mit ihrer Flotte und ihrem Heere Deutschland zu Hilfe kommen zu können, um an der Niederlage Rußlands milzuwirken.

Schweden hat die Mobilisierung be­endet. Amtlich wird erklärt, daß die Mobilisierung nur zur Verteidigung der schwedischen Neutralität er­folgt sei. Prinz Wilhelm von Schweden begab sich zur Flotte, um das Kommando eines Torpedoboots zu übernehmen.

Dänemark und Spanien haben strickte Neutra­lität auch jetzt wieder beschlossen, nachdem Oesterreich - Ungarn mit Frankreich und England im Kriegszustand sich befindet.

Die ersten 4 eroberten französischen Ge­schütze stehen bereits vor dem Kaiserpalast in Straßburg i. E. und 4 eroberte russische Geschütze stehen be­reits vor dem Generalkommando in Allenstein in Ost­preußen.

Die österreichisch-ungarischen Truppen sind weiter in Russisch-Polen eingerückt. Ungefähr 700 russische Deserteure wurden nach Linz, Salzburg und Innsbruck eingebracht. Bezeichnend für den Geist der österreichischen Truppen ist die Tatsache, daß ein in Ge- sangenschast geratener Husar am nächsten Tage auf einem Kosakenpserde zu seiner Abteilung einrückte.

150 i n a kt ive deutsche Generale haben sich in Berlin als Kriegssreiwillige gemeldet, um in Reih und Glied ohne Rang uird Chargen mit ins Feld ziehen zu dürfen.

* * *

Als deutsche Warnung

ist an Frankreich und Belgien durch Vermittel­ung einer neutralen Macht mitgeteilt worden, daß Pri­vatpersonen, welche meuchlings auf deutsche Soldaten schießen, Telegraphendrähte durchschneiden, Sprengungen vornimmt, kurz : in irgend einer Weise u nb e r e ch - t i g t an der .Kriegsbandluna teilnimmt, als Franktireur behandelt und sofort standrechtlich erschossen wird.

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Die französisch-russischen Abmachungen.

DieWiener Allgemeine Zeitung" schreibt bezug­nehmend aus frühere Meldungen über die französisch - russische Militärkonvention und den Besuch Pojncarces in Petersburg 1912:

Anzeigenpreis 15 vfg. »

dte 14 nun breite Petitzeile für Auswärts 90 Pfg Die 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grötze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberichreitung des Zahlung», ziele? «30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder ve, Konkurs in Wegiall. Piayvorichriiteit ohneBerbinblichle'.. Druck der «iiegener Berlagsdruckerei. Blbiu Klein.

Telephon Nr. 362. 26. IlltW.

Wir können heute aus guter Quelle den Zweck des letzten Besuches Poincarees in Petersburg im Juli 1914 enthüllen. Poincaree stellte mit Sasonow in lan­gen Unterredungen fest, daß die russische und französi­sche Armee Ende 1915 mit ihren Vorbereitungen fertig werden, um eventuell eine kräftige Offensive gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn führen zu können. Es wurde diese Frage in allen Details sowohl nach der militärischen wie nach der finanziellen Seite erörtert und 1916 als der Termin festgestellt, in dem das Ue- bergewicht Rußlands und Frankreichs in Europa, sei es auf Grund zweier schlagfertiger Armeen, sei es mit den Waffen, feftzulegen sei. Wie sich jetzt zeigt, ver­folgten die beiden Poincarees Ziele, die für die Erhal­tung des europäischen Friedens sehr gefährlich waren. Die Abmachungen, die Poincaree mit Sasonow in die­sem Jahre in Petersburg getroffen hat, sind ein deut­licher Beweis der wahren Absichten, die bei den in Pe­tersburg und Paris maßgebenden Stellen herrschten.

Die 4000 gefangen genommenen Belgier sind nach dem Sennelager bei Münster i. W. gebracht und werden dort zu Straßenbauten verwendet.

Prinz Heinrich von Bayern hat in einem der letzten Gesichte mit seiner Eskadron eine Abteilung französischer Dragoner attackiert und vernichtet.

Kriegsfreiwillige Flieger

werden noch gesucht. Dieselben müssen entsprechende tech­nische Vorbildung haben.

* * *

Schweigen ist (Kold.

In den ernsten Zeiten, die über uns hereingebro­chen sind, fordert das Vaterland neben vielen und gro­ßen Opfern auch eine unbedingte Verschwie­genheit über alle Maßnahmen, die mit dem Kriege in Zusammenhang stehen. Dies gilt nicht nur von den militärischen Maßnahmen, sondern auch von den An­ordnungen der Zivilbehörden, den Vorgängen in Pri­vatbetrieben und sonstigen Verfällen irgend welcher Art, die von dem alltäglichen Leben abweichen und dadurch den Feinden zu Schlüssen über die militärischen Maß­nahmen Veranlassung geben können. Insbesondere dür­fen Nachrichten, die Angehörige vom Kriegs­schauplatz senden, nicht weitergegeben werden. Auch über Vorkommnisse und Maßnahmen bei unseren Verbündeten muh Stillschweigen beobachtet werden.

Achtung!

Daß Spione immer noch im Lande sind, besagt folgende Nachricht:

Köln, 12. August. Aachener Meldungen zufolge wurden dort 5 Zivilisten standrechtlich erschossen, weil sie aus dem Hinterhalt aus deutsche Soldaten ge­schossen hatten. Aus dem gleichen Grunde wurde ein weiterer Belgier zum Tode verurteilt. Ein schwer verwundeter deutscher Soldat ist in Aachen eingetroffen. Man hatte ihn in ein belgisches Haus gebracht, an dem die Bewohner die Rote-Kreuz-Fahne aufgesteckt halten. Der hilflose Mann wurde aus dem ersten Stockwerk auf die Straße geschleudert.

Danzig, 13. August. Das Garnisonkommando teilt mit, daß während der letzten Nächte mehrere rus­sische Spione in Hast genommen worden sind, die sich aus den Dächern in die Anschlußieitungen nach dem Bezirkskommando und dem Garnisonkommando eingfr - schaltet halten. Anscheinend sollte die Kriegstelegraphen­bereitschaft durch Auffangen der amtlichen Depeschen ge­stört werden. Die Spione wurden kriegsgerichtlich zum

Tode verurteilt und erschossen.

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Keine Verschleuderung von Vieh.

' Alle Landwirte undViehbesitzcr können beruhigt sein, daß Futter in Deutschland reichlich vorhanden ist und die einzelnen Regierungen dafür sorgen, daß die Futterpreise nicht allzu hoch werden. Darum Achtung! Denn gewissenlose Viehhändler sind bereits an ihrer sträflichen Arbeit, den Landwirten das Vieh unter Vor­spiegelung falscher Tatsachen zU ganz niedrigen Preisen abzulockcn.

Allo Deutschen, auch die Frauen,

werden von vielen Erwerbs- und Fabrikanten-Organisa­tionen gebeten, nur deutsche Waren zu kaufen und