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8.8.1914
 
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Nr. 64

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Samstag, öen 8. August 1914.

Telephon 9(r. 862.

20. Iahrg.

Kaiser Wilhelm

Im deutschenReichsanzeiger" hat am Donnerstag der Kaiser folgenden Ausruf veröffentlicht:

An das deutsche Volk!

Seit der Reichsgründung ist es durch 42 Jahre Mein und Meiner Vorfahren heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und in Frieden unsere kraftvolle Entwickelung zu sondern. Aber die Gegner neiden uns den (Erfolg unserer Ar­beit. Eine offenkundige und heimliche Feindschaft von O st und West, von jenseits der See haben wir zu ertragen im Bewußtsein unserer Verant- wcrtung und Kraft. Nun aber will man Uns de­mütigen. Man verlangt, daß wir mit verschränkten Armen zUsehen, wie unsere Feinde sich zu tückischem U c b e r s a l l rüsten. Man will nicht dulden, daß wir in entschlossener Treue zu unserem Bundesgenossen stehen

II. an sein Bolt.

der um sein Ansehen als Großmacht kämpft und mit dessen Erniedrigung auch unsere Macht und Ehre verloren ist. So muß denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt Uns der Feind. Darum auf zu den Massen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Vä­ter sich neu gründeten. Um Sein oder Nichtsein deutscher Macht und deutschen Wesens. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Rvß, und wir werden diesen Kamps bestehen auch gegen eine Welt von Feinden. Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war. Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war.

Berlin, den 6. August 1914.

Die Deutschen in Belgien.

(Ein .tzandstrcict, auf die Festung Lüttich.

Deutsche Vortruppen rückten längs der Grenze in Belgien ein. Eine unbedeutende Tnippenab- teilung versuchte einen Handstreich aus Lüttich mit gro­ßer Kühnheit. Einzelne Reiter drangen in die Stadt «in und suchten sich des Kommandanten zu bemächtigen, der sich nur durch die Flucht retten konnte, Nachdem die deutschen Abteilungen verstärkt worden waren, wurde der Angriff durchgcsühtt. Gestein Freitag mor­gen 8 Uhr war die Festung in deutschem Besitz. Lüttich ist die drittgrößte Stadt Belgiens, hat 200 000 Einwohner, und ist ein Mittelpunkt des In- duftriebezicks. Sie hat einen ziemlich stacken Festungs - gürtel, der sich in einer Entsernung bis zu 9 Kilometern um die Stadt herumziehl.

Der Kaiser, der den Chef des Generalstabs em- psangen hatte, schickte gestern Abend einen seiner Flü- geladsutantcn nach dem L u st g a r t e n und ließ dem Publikum Mitteilen, die Festurrg Lüttich sei gefallen. Das Publikum brach in begeistecke Hoch- und Hurra - rufe aus. General der Infanterie v. Emmich, der persönlich den Sturm aus Lüttich befehligte, erhielt den OrdenPour le merite". Er war 1891 Bataillons- Kommandeur im .Infanterie-Regiment Nr. 116 in G i e- ß e n. Kommandeur des Kurh. Iägerbataillons Nr. 11 in Marburg wurde er 1894. In dieser Stellung wurde er, 1895 Oberstteutnant. Im Jahre 1912 er­hielt er den erblichen Adel. Seit 1880 ist er mit Elise von Grabcrg verheiratet. Der Ehe ist eine Tochter ent- ! sprossen.

Die Stille vor dem Sturm. Vertraut unserer Heeresleitung:

Unter den Lesern wird es nicht wenige geben, die ermatten, möglichst bald von entscheidenden Waffen - taten zu hören. Für größere Operationen und erst recht für ausschlaggebende Kämpse ist aber die Zeit noch nicht gekommen. Bei unseren modernen Riesenheeren vergeht eine Reihe von Tagen, bevor die aktiven Trup- pen, die ja nur den Rahmen für das Kriegsheer bil­den'. durch Einziehung von Ergänzungsmannschaften und Pferden auf Kttegssuß gebracht sind. Trotz höchster Ausnutzung aller Transpottstraßen vergeht nach been­deter Mobilmachung aufs neue längere Zeit, bevor «in Millionenheer, operalionsbereit versammelt ist und in

den Entscheidungskamps eintreten kann. Damit soll nicht gesagt sein, daß sich inzwischen, besonders in den Grenzgebieten, nichts ereignen würde, was von mili­tärischer Bedeutung ist. Im Gegenteil haben die ersten Kriegslage ja gezeigt, daß schon früh damit begonnen wird, dem Feinde durch allerlei Unternehmungen Scha­den zuzufügen. Aber allen diesen Ereignissen wohnt keine entscheidende Bedeutung inne. Ihre Tragweite dack deshalb nicht überschätzt werden. Die wirklichen Ent­scheidungen fallen nur dort, wo die großen M a s - s e n aufeinander platzen.

Der Krieg nacti drei Fronten wird zun» Weltrieg.

Oesterreich hat Rußland den Krieg erklärt, da Rntzland die serbischen Frevellaten unterstützte.

Montenegro hat Oesterreich den Krieg erklärt.

Aus Belgien, das jetzt mit Deutschland auch in den Krieg verwickelt wurde, weil es die sranzöfifchen Truppen "in ihren Bewegungen begünstigte, werden Greueltaien der dottigen Bevölkerung gemeldet.

Italien bleibt vorerst neutral und das ist vielleicht besser als manche glauben, damit die Lebensmittelzufuhr über Italien nach Deutschland länger bestehen bleibt.

Japan wird seine Vorteile au's dem europäischen Krieg vorerst nicht auf militärischem, sondern aus wirt­schaftlichem Gebiete suchen.

Holland hält strikteste Neutralität! seinen vettrag- lickicn Verpflichtungen: auch in diesem Kriege Getreide auf den Rhein durchzulasscn, kommt es nach.

Die Schweiz beruft feine Miliz-Reserven an der französischen Grenze ein.

Nord-Amerika verstäckt sein« Flotte in Ost-Asien.

Deutsche Waffenerfolgc.

Briep westlich von Metz, auf französischem Boden gelegen, ist von deutschen Truppen besetzt wor­den.

Der Grotzherzog von Hessen rückt mit ins Feld. Der Kaiser wird nach dem Aufmarsch der Armeen ihm seine Verwendung durch Handschreiben mitteilen.

Allerlei Kriegserscheinungen.

Die Herzogin Viktoria Luise von Braun - schweig (die Tochter des Kaisers) hat die Regentschaft übernommen, da ihr Gemahl mit in den Krieg zieht.

Oesterreich-Ungarn hat ein 14tägiges Mora­torium angeordnet.

In Rußland ist die Cholera ausgebrochen

und außerdem besteht Revolution. Die Polen erlassen

einen Aufruf gegen Rußland.

* * *

Allgemeines zum Krieg.

Auf Ersuchen der Landesversicherungsanstalt Grohh. Hessen machen wir die Interessenten darauf aufmecksam, daß die Auszahlung der von der Landes­versicherungsanstalt Eroßh. Hessen auf Grund der Reichs- versichcrungsordnung angewiesenen Rentenbeträge (In­validen-, Alters-, Witwen- und Waisenrenten pp) durch den Kriegszustand nicht beeinträchtigt wird.

vaz Kriegserfatzgefcbäft im Krtife Giefzen

findet wie folgt statt:

I. In Gießen in der Turnhalle (am Oswalds- gatten).

Am 10. Mobilmachungstag, also am Dienstag, den 11. August 1914, vormittags V/ A Uhr für die Mi- lilärpsiichtigen aus den Gemeinden Allendorf (Lahn), Allcndorf (Lumda), Alten-Bufeck, Annerod, Bersrod, Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden und Täublingen.

Am 11. Mo'bilmachungstag, also am Mittwoch, 12. August 1914, vormittags 1/ Uhr, für die MilitärpsSich- tigen aus der Stadt Gießen.

Am 12. Mobilmachungstag, also am Donnerstag, den 13. August 1914, vormittags 7 % Uhr, für die Mi­litärpflichtigen aus den Gemeinden Großen-Bufeck, Gro- ßen-Linden, Hattenrod, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang- Eöns und Leihgestern.

Am 13. Mobilmachungslag, also am Freitag, den

14. August 1914, vormittags 7 / Uhr, für die Mili - tärpflichtigen aus den Gemeinden Lollar, Mainzlar, Op­penrods Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kilch­berg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. Lumda, Trohe und Wieseck.

II. In L i ch in der Turnhalle (Eießener Straße).

Am 14. Mobilmachungstag, also am Samstag, den

15. August 1914, vormittags 8% Uhr, für die Militär- pslichtigen aus den Gemeinden Albach, Bellersheim, Bet- tenhatrsen, Birklar, Dvrf-Gill, Eberftadt mit Arnsbulrg, Ettingshausen, Garbenleich, Erüningen, Hausen, Holz­heim, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Lich mit Hof Albach, Koknhaufen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof-Gill, Nieder-Bessingen, Nonnen - roth, Obbornhosen, Ob.-Bessingen, Ober-Hörgern, Ra- bettshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff-, Utphe, Villingen und Watzenborn-Steinberg.

III. In Grünberg im GasthausZum Hirsch".

Am 15.-Mobilmachungstag, also am Sonntag, den

16. August 1914, vormittags 8 % Uhr, die Militärpflich­tigen aus den Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Oden­hausen mit Appenborn, Queckborn, Reinhardshain, Rüd- dinysbaufen, Saasen mit Bollnbach, Veilsberg und Wir- bcrg, Stangenrod, Stockhaufen, Weickartshain und Wei­lershain.

Zur Stammrolle anzumelden und in den oben be- zeichneten Terminen zu stellen haben sich:

1. alle Militärpflichtigen, die sich überhaupt noch nicht gestellt haben, oder durch die Ersatz- U. Ober­ersatzkommission in diesem Jahre zurückgestellt wor­den siftd,

2. alle zum einjährig-sreiwilligen Dienst Berechtigten, die bis zum 1. Oktober 1914, 1915, 1916 und 1917 von der Aushebung zurückgestellt worden sind.

3. die auf Grund bürgerlicher Verhältnisse oder we- aen einqetretener Dienstunbrauchbackeit von den Truppen-(Manne-)Teilen zur Verfügung der Er­satzbehörden entlassenen Mannschaften,

4. die bis zum AuShebungsgeschäst 1915 vorläufig beurlaubten Rekruten,

5. die von den Truppenteilen als untauglich abqe- wiesenen Einjährig-Freiwilligen.

Unterlassene Meldungen und Gestellungen haben die in den Reichsmilitärgesetzen ausgesprochenen Strafen zur Folge.

Die obenbezeichneten Militärpflichtigen haben sich sofort bei den Großh. Bürgermeistereien anzumeldcn.

Bitte an die Kaufmannschaft.

Der Ausbruch des Krieges gibt uns Veranlassung, an die gesamte Kaufmannschaft unseres Bezickes die ein­dringliche Bitte zu richten, in diesen ernsten Zeiten die den deutschen Kaufmann so auszeichnende Besonnenheit zu bewahren und ihre Betriebe, soweit dies die Um­stände gestatten, aufrecht zu erhallen. Entlassungen von Angestellten und Arbeitern sollten nach Möglichkeit ver­mieden und statt dessen, wenn erforderlich, die Arbeits-