Ausgabe 
29.7.1914
 
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Nr. vtt.

2. Blatt.

Mittwoch, den 29. Juli 1914.

Telephon Nr. 362.

26. Jahrg.

Das Ägaretten-Monopsl

-k- Bon maßgebenden Kreisen der Tabakindustrie wird ein Zigaretten-Monopol erwartet. Nach neueren Erscheinungen ist dasselbe bei den oberen Ver­waltungsbehörden als Fabrikationsmonopol mit einem damit verbundenen freien Verkaufsmcnopol gedacht. Das Reich soll sänrlliche größere und kleinere Fabriken im eigenen Bclricbe übernehmen. Die Wcrtabschätzung soll aus einen bestimmkenBerechnungsschlüssel aufgebaut sein. Die größeren Fabriken sollen weiter betrieben, die klei­neren stillgelegt werden. Das Reich tritt künf­tighin als Tabttkkäuifer auf dem Weltmarkt auf, doch sollen die bisherigen Großhändler an den Lie­ferungen beteiligt bleiben. Die Leiter und Angestellten der staatlichen Tabakfabriken sollen nicht den Cha­rakter als Staatsbeamte erhalten, sondern zu dem Staate nur in ein vertragliches Verhältnis treten. Der Staat soll seine Fabrikate zu fest bestimmten Prei­sen an die Zwischenhändler liefern und diese die Ver­kaufsgeschäfte versorgen. Außerdem denkt man an die Errichtung von großen Niederlagen in den größeren Städten. Sollte das Zigarettenmonopol kommen, so ist auch ein S p e r r g e s e tz erwarten, das bestimmt, daß die Zigarettenfabrikation von einem gewissen Zeit­punkt ab für Rechnung des Reiches zu erfolgen habe und das die Errichtung neuer Zigarettensabriken ver­bietet. Die Herstellung von Blech- und Kartonverpack- ungen, lithographischen Arbeiten, Zigarettenpapier und ähnliches mehr, soll auch fernerhin der Privatindustrie überlassen bleiben.

Die Ablösungssumme wird auf 500 Mil­lionen Mark geschäht, die im Wege einer Anleihe auf- zubringen wäre. Der Ertrag des Monopols wird auf 100 bis 120 Millionen jährlich angenommen. Die Zigarettenbanderolenfteuer käme natürlich in Wegfall. Die ausländischen Zigaretten, die seht für den Doppel­zentner mit 1000 Mark verzollt werden, würden künf­tighin eine erheblich stärkere Zollbclaftung zu tragen ha­ben, damit die Produktion des Reiches wirksam geschützt wird. Reben dem finanziellen Ergebnis für das Reich würde das Monopol ferner bewirken, daß der englisch- amerikanische Tabaktrust, der heute schon mehr als ein Viertel unserer Zigarettenproduktionkontrolliert", voll­ständig ausgeschaltet würde.

Jlrbeitertürforge im Bergbau.

Bochum, 23. Juli. Für die Beurteilung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Bergarbei­ter sind die Verwaltungsberichte des Allgemeinen Knappschastsvereins zu Bochum von gro­ßer Bedeutung. Der Bericht für das Jahr 1913 ist so­eben erschienen. Der Verein verwaltet 3 Kassen, die Kranken-, Penstcns- und Invaliden- und Hinterbliebe- nen-Dersichcru'ngskasse. Die Einnahmen der drei Kassen stellten sich im Jahre 1913 auf 69,45 Millionen Mark, die Ausgaben auf 42,19 Mill. Mk., sodah ein Ileber- schnß von 27,26 Mill. Mk. verbleibt. Der Bilanzwert des Vermögens betrug Ende 1913 264 Mill. Mk. (Ende 1912: 228 Mill. Mk.). Das Gebiet des Allge­meinen Knappschaftsvereins ist in 361 Kurbezirke ein- geteilt; jedem Bezirk steht ein vom Knappschaftsverein angeftellter Arzt vor. Für den Verein waren Ende 1913 483 Aerzte tätig, darunter 98 Spezialärzte. Aus dem Bericht über die Verwaltung der Krankenkasse ist als ersreulich zu bemerken, daß sich die Gesund- heitsverhältnrsse der Bergarbeiter in den letzten Jahren gebessert haben. Die Zahl der Er-, krankungen (auf 1000 Mitglieder berechnet), die im Jahre 1912 schon erheblich zurückgcgangen war, ist im Berichtsjahre weiter gesunken. Ebenso ist hinsichtlich der Dauer der einzelnen Erkrankungen ein Rückgang zu ver­zeichnen. Aus 1000 Mitglieder berechnet betrug die der eiugetretenen Erkrankungen 607 (gegen 644 und 712 in den beiden vorhergehenden Jahren). Auch die durch Betriebsunfälle herbeigeführtcn Erkrankungen haben sich vermindert. Unter 1000 Versicherten erkrankten insolge eines Unfalls 175 (179 und 186). Die Zahl der Kran- kcngeldbezugstage und Krankenhauspflegctage betrug insgesamt 4,15 Millionen (1,24 und 4,37 Millionen) oder durchschnittlich je Mitglied 10,1 (11,3 und 12,2) Und durchschnittlich je Krankheitsfall 15,9 (17,4 und 17,9). Im Berichtsjahre wurden sür 1289 Mitglieder

I Badekuren angeordnet; die Kosten dafür beliefen sich auf 162 694 Mk. oder im einzelnen Falle auf 126,22 Mark. Insgesamt wurden für die Gesundheitspflege 17,32 Mill. Mk. aufgcwandt. Die Krankenkasse zählte 409 271 Mitglieder. Die Beiträge der Arbeiter und Werksbesitzer sind gleich. Insgesamt wurden 23,32 Mill. Mk. (22,01 Mill. Mk.) vereinnahmt. In der Pensionskasse waren durchschnittlich 336 535 Per­sonen (1912: 310 587) versichert; davon waren 321132 Arbeiter und 15 403 Beamte. 1913 kamen in Zugang 2826 (1912: 3605) Invaliden, aus dem Rentengenuß schieden aus 3294 (3483) Invaliden. Renten bezogen 33 881 Invaliden, 23 569 Witwen, 40 582 Kinder, zu­sammen 98 032 Personen im Gesamtbeträge von 15,89 Mill. Mark. Bon der Invaliden- und H i n - terbliebenen-Versicherungskasse wurden im Jahre 1913 16 565 Renten im Betrage von 3,56 Mill. Marl oder durchschnittlich je Rente 214,97 Mk. (1912: 211,17 Mk.) gezahlt. Seit dem Inkrafttreten der Reichs-Versichcrungsordnnng, die hinsichtlich der Inva­liden- und Hinterbliebenen-Versicherung mit dem 1. Ja­nuar 1912 in Kraft trat, werden auch aus dieser Kasse an die Hinterbliebenen der Versicherten Renten gezahlt. Der Bestand an Witwenrenten betrug Ende 1913 358 (Ende 1912: 126), der Jahresbetrag dieser Renten Mk. 29 035. Der Bestand an Waisenrenten bezifferte sich auf 4189 (1358). der jährliche Rentenanspruch der Wai­sen auf 134 545 Mk. oder je Waise auf 32,12 Mk.

Ber Kampf gegen Cuberkulofe und Im.

Von Dr. von R e u- ß.

Auch Krankheiten scheinen Moden unterworfen zu sein. Im Altertum und noch bis tief in das Mittel- alter hinein wüteten Aussatz und Pest auch in den Kulturländern, autz denen sie jetzt fast gütlich ver­schwunden sind. Dann traten Pocken und Cholera an ihre Stelle, und diesen folgten In neuerer Zeit Tuber­kulose und Lues.

Aber dieseMode" ist nur eine scheinbare. Der Wechsel der Krankheiten beruht einerseits auf demjeni­gen der Lebensbedingungen, andererseits auf den Fort­schritten der medizinischen Wissenschaft, welche Epide­mien durch zweckmäßige sanitäre Maßnahmen zu ver­hindern weiß.

Tubekulose und Lues sind zwar ansteckende, aber nicht epidemische Krankheiten, beide auch vererblich. Neuere Forscher behaupten allerdings, daß das, was man als Vererbung ansehe, überwiegend auf Ansteckung von Generation zu Generatton zurückzusühren sei. Auf die Verhütung der Ansteckung ist daher höchster Wert zu legen. Morbus sanare difficile, morbos prohibere facile Krankheiten heilen ist schwer, Krankheiten verhüten ist leicht, sagt ein altes Wort.

Mit 'der Entdeckung des Koch'fchen Tuberkulin glaubte man ein Specisicum gegen die Tuberkulose ge­funden zu haben. Aber diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Der große Bakteriologe hatte ein ausgezeich­netes diagnostisches Mittel gefunden; es läßt sich mit ihm leicht seststellen, ob wirklich Tubeckulose vorhanden ist, wozu die Sputum-Untersuchung oft nicht genk-gt, dann besonders nicht, wenn es sich um Knochentuber­kulose oder Darmtuberkulose handelt. Aber «in eigen! - liches Heilmittel ist Tuberkulin nicht. Bei der Lungen­tuberkulose sind Rückbildungen bis zur vollständigen Airsheilung durch Inhalationen, verbunden mit genau geregelter Diät und sonstiger Lebensweise, sowie mit Atemgymnastik erzielt worden, bei der Knochen- und der Darmtubeckulose durch operative Eingriffe unter gleicher Gestaltung der Diät und der Lebensweise. Aber die Zahl der Besserungen und der Heilungen ist gegenüber, derjenigen der Verschlimmerungen und der Todesfälle doch nur eine verschwindend geringe, und wir müssen eingestehen, daß wir im wesentlichen der Tubeckulose nahezu machtlos gegenüberstehen.

Aehnlich war es bis vor kurzem bei der Lues. Aber gelegentlich des Naturforscher- und Aerztekongres- ses in Wien 1913 wurde über eine aussehenerreqende Erfindung von Dozent Dr. Buchtala und Professor Dg. R. Matzenauer an der Universität Graz in Steiermark ein Bericht erstattet, laut welchem es denselben gelungen ist, ein neues Mittel unter dem NamenMeckufan" ge­gen Lues zu finden, diese Blutkrankheit, die^ noch ge­fährlicher als die Tuberkulose und in allen Schichten der

Bevölkerung weitverbreitet ist. Meckufan ermöglicht es, in unschädlicher und diskreter Weise ohne Berufsstörung durch innerlich zu nehmende Tabletten diese Volksseu­che in bisher nicht geahnter, wirksamer Weise zu be­kämpfen.

Das neue Mittel wurde seit seiner Erfindung in zahlreichen Kliniken des In- und Auslandes erprobt. Die seinerzeit von Pros. Matzenauer in der Wiener me­dizinischen Wochenschrift Nr. 48 und 49 publizierten Er­fahrungen sind, seit Merlusan in den allgemeinen Apo- lheken-Vcrkehr gelangte, vollinhaltlich bestätigt worden. In großem Maßstabe angestellte Versuche am Garni­sons-Spital Nummer 14 in Lemberg ergaben, daß in 62 Prozent aller behandelten Fälle die sogenannte Was­sermann-Reaktion negativ aussiel, also eine überraschend große Anzahl von Patienten einer vollkommenen Heil­ung zutzeführt wurde.

Bessere oder raschere Heilerfolge wurden mit kei­nem anderen Mittel, seien es Injektionen oder Ein - reibungskuren, erzielt, und Merlusan ist ein sür den Kranken sehr bequemes Heilmittel.

Möge nun auch in nicht zu ferner Frist ein ebenso gutes Heilmittel gegen die Tubeckulose gesunden wer­den, wie Merlusan es gegen die Lues ist!

Eiterarifcbes.

? Halt! Steh' st i l l mein Freund, das neueste Bändchen derLebensfreude" erhebt seine Stim­me und fordert auf, über die Zukunft nicht die Gegen­wart zu vergessen. Es zeigt, wie so viele Menschen, wie von Blindheit geschlagen, an all den tausend kleinen Freudön des Lebens vvrübereilen, stets hoffend, ein Ziel zu erjagen, das sich sür manche immer weiter zurück- zieht, je mehr man sich ihm zu nähern scheint. Solcher mahnender Bücher bedarf unsere Zeit. Es ist in Köln

? Ilnterpädagogik? Zeitgemäße Besprech­ungen unter Schulmännern über Volks- und Einheits - Heils schule ocn R. Krafft. 160 Seiten. I. Pelz, Verlag, Franlenstein Schl. Preis 1.50 Mk. Der Verfasser sucht die seinerzeit vielfach gehörten Klagen über den Rück - gang der Leistungen der Volksschule damit zu erklären, daß der heutige Unterricht unter dem Drucke des Zeit - geisies materialistisch geworden sei und die vielfachen Re­formen zu einer Verkümmerung geführt hätten. Daneben viel positive Vorschläge, sogar Lekirproben, die darauf abzielen, der sogenannten Einheitsschule durch Annäher­ung der Methode der Volksschule an die der höheren Schulen näherzukommen.

?Aren a". Nichts bleibt heutzutage mehr ver­borgen. Was hinter den Kulissen der Theater passieck, wissen wir schon, und von Ateliergeheimnissen einer Ki- nosabnk kann auch nicht mehr gesprochen werden, weil Ernst Schmidt sie im Hest 10 derArena" verratet: Kinematographische Kunststücke und Tricks heißt der Aufsatz, deä ohne Zweifel manchem Ueberraschungen schenken wird. Erstaunt werden auch viele sein, wenn sie den Ackikel von Dr. Zell über Grausamkeiten in der Tierwelt gelesen haben; denn was wir da erfahren, übersteigt doch unsere Begriffe über die Handlungsweise der Tiere unter sich um ein bedeutendes. Ileberhaupt macht uns der Inhalt dieses prächtig illuftriecken Heftes weiter stutzig: wir lesen da von Eisenbahnzügen mit Telephonanschluß, die es zum Glücke erst in Amerika gibt; aber wer weiß, wie lange es iwch daueck und auch wir haben sie. In fremde Länder führen uns Abhand- limgen über literarische Erinnerungsstätten Roms, über die französische Originallithographie, über die Wedda u. über die neuen tückischen Briesmacken. Zeitstimmungcn werden ausgelöst durch die Bilder: Frühlingsblumen, Am Balzplatz und durch Gedichte. Einen tiefen Blick in das Schicksal Lenaus und Hölderlins gibt uns Herm. Kienzles Aufsatz über Verzweifelte Dichterliebe. Die Ru­brik: Kultur der Eegenwack ist ein Spiegel der Künste, der Literatur und Wissenschaft, in den hineinzusehen eine Freude ist. Nehmt alles in allem: auch dieses Arena Heft (Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart) darf sich aus dem Mackte deutschen Zeitschriftenwcseiis sehen las­sen.

?R e i n i g u n g, A u s f r i s ch u n g, V e r j ü n g- ung des Blutes durch Pflanzen U. K r ä u- t e r". Von Dr. med. Paczkowski, Arzt. 13. Anflüge. Mk. 1.50. Hofverlagsbuchhandlung Edmund Demmc, Leipzig.