ungen gefährdet haben, die zu pflegen sich die König!. Regierung durch ihre Erklärung vom 31. März 1909 feierlich verpflichtet hat. Die Königliche Regierung, die jeden Gedarrten oder jeden Versuch einer Einmischung in die Geschicke der Bewohner, welchen Teiles Oesterreich - Ungarns auch immer, mißbilligt und zurückweist, erachtet es für ihre Pflicht, die Offiziere und Beamten u. die gesamte Bevölkern^ des Königreichs ganz ausdrücklich aufmerksam zu machen, daß sie künftig mit äußerster Strenge gegen jene Personen Vorgehen wird, die sich derartiger Handlungen schuldig machen sollten, Handlungen, denen vorzuoeugen und sie zu unlerdrük- ken, sie alle Anstrengungen machen wird."
Diese Erklärung wird gleichzeitig zur Kenntnis der Königlichen Armee durch einen Tagesbefehl Sr. Majestät des Königs gebracht und in dem offiziellen Organ der Armee veröffentlicht werden.
Die Königlich serbische Regierung verpslichlet sich überdies:
1. jede Publikation zu unterdrücken, die zum Hasse und zur Verachtung der Monarchie aufreizt und deren allgemeine Tendenz
gegen die territoriale Integrität des Landes gerichtet ist;
2. sofort mit der Auflösung des Vereins „Rarodna Obrana" vorzugehen, dessen gesamte Propagandamitlel zu konfiszieren und in derselben Weise gegen die anderen Vereine und Vereinigungen in Serbien einzufchrei- ten, die sich mit der Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn beschäftigen. Die Königliche Regierung wird die nötigen Maßregeln treffen, damit die aufgelösten Vereine nicht etwa ihre Tätigkeit unter anderem Namen oder in anderer Form fortsetzen;
3. ohne Verzug aus dem öffentlichen Unterricht in Serbien, sowohl was den Lehrkörper als auch die Lehrmittel betrifft, alles zu beseitigen, was dazu dient oder dienen könnte, die Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn zu nähren;
4. autz dem Militärdienst und der Verwaltung im allgemeinen
alle Offiziere Und Beamte zu entfernen, die der Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn schuldig sind, und deren Namen, unter, Mitteilung des gegen sie vorliegenden Mgterials, der Königlichen Regierung bekannt zu geben, sich die K. K. Regierung vorbehält;
5. einzuwilligen, daß in Serbien Organe der K. K. Regierung bei der Unterdrückung der gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichteten subversiven Bewegungen Mitwirken;
6. eine gerichtliche Untersuchung gegen jene Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten, die sich aus serbischem Territorium befinden. Von der K. K. Regierung hierzu delegierte Organe werden an diesbezüglichen Erhebungen teilnehmen;
7. mit aller Beschleunigung die Verhaftung des Majors Voja Tankovic und eines gewissen Milan Eigano- vic, setbischen Staatsbeamten, vorzunehmen, welche durch die Ergebnisse der Untersuchung kompromittiert sind;
8. duvch wirksame Maßnahmen die Teilnahme der serbischen Behörden an dem Einschmuggeln von Waffen und Erplosivkörpern über die Grenze zu verhindern und jene Organe des Grenzdienftes von Schabatz und Loz- nica, die den Urhebern des Verbrechens von Sarajewo beim Uebertritt über die Grenze behilflich waren, aus dem Dienste zu entlassen und streng zu bestrafen;
9. der K. K. Regierung Aufklärung zu geben über die nicht zu rechtfertigenden AeUßerungcn hoher serbischer Funktionäre in Serbien und im Auslande, die, ihrer offiziellen Stellung ungeachtet, nicht gezögert haben, sich nach dem Attentat vom 28. Juni in Interviews gegen Oesterreich-Ungarn auszusprechen;
10. die K. K. Regierung von der Durchführung der in den vorigen Punkten zusammengcsaßten Maßnahmen zu verständigen.
Die K. K. Regierung erwartet die Antwort der, Königlichen Regierung spätestens
bis Samstag, den 25. d. Mts., um 6 Uhr nachmittags.
Ein Memoire über das Ergebnis der Untersuchung von Sarajewo, soweit sie sich auf die in Punkt 7 und 8 genannten Funktionäre bezieht, ist dieser Note beizuschließen.
Die bei dem Gericht in Sarajewo gegen Gabriele P r i n c i p u n d E e n o s s e n wegen des am 28. Juni d. Js. begangenen Meuchelmordes bezw. wegen Mitschuld hieran anhängige Strafuntersuchung hat bisher zu folgenden F e ft st e l l u n aje n
geführt:
1. Der Plan, den Erzherzog Franz Ferdinand während seines Aufenthalts in Sarajewo zu ermorden, wurde in Belgrad von Gabriele Princip, Ndoljko, Ea- brinovic, einem gewissen Milan Ciganovic und Trifko Grabez unter Beihilfe des Majors Voja Tankovic aus- gcheckt;
2. die sechs Bomben und vier Browningpistolen, deren sich die Verbrecher als Werkzeug bedienten, wurden dem Princip, Eabrinovic und Grabez in Belgrad von einem gewissen Milan Ciganovic und dem Major Voja Tankovics verschafft und übergeben;
3. die Bomben sind Handgranaten, die aus dem Waffendepot der serbischen Armee in Kiagujewatz entstammen;
4. um das Gelingen des Attentats zu sichern, unterwies Milian Ciganovic Princip, Eabrinovic und Grabez in der Handhabung der Granaten uNd gab in einem Walde neben dem Schiehfelde von Topschider, dem
Princip und Grabez Unterricht im Schießen mit Brow- ningpislolen;
5. um dem Princip, Eabrinovic und Grabez den Uebergang über die bosnisch-herzegowinische Grenze und das Einfchmuggeln ihrer Waffen zu ermöglichen, wurde ein ganz geheimes Transportsiiftem durch Ciganovic organisiert. Der Eintritt der Verbrecher samt ihren Waffen nach Bosnien und der Herzegowina wurde von den Erenzhauptleuten von Schabatz (Rade Popovic) und Loznica, sowie von den Zollorganen Rudivoj Grbic von Loznica mit Beihilfe mehrerer anderer; Personen durchgeführt.
Die Ltellungnabme der (Großmächte
Das österreichische Ultimatum an Serbien hat in Europa alle anderen politischen Interessen in den Hintergrund gedrängt. Diesmal glaubt man nicht mehr, sondern man weih, daß es ernst wird, wenn Serbien sich nicht bedingungslos unterwirft. Alles hängt zunächst von Serbien ab. Ob es die Blutschuld von Sarajewo durch fortgesetzte Haksstarrigkeft vervielfachen oder sich, wenn nicht in ReUe, so doch im Gefühl seiner militärischen Minderwertigkeit den haften, aber gerechten Befehl Oesterreichs ftigen wird, muß über Krieg und Frieden entscheiden. Oesterreich kann sich aus Ausflüchte nicht einlassen und muh marschieren lassen, wenn bis Samstag nachmittag 6 Uhr nicht alles bewilligt ist, was es verlangt. Zwar droht die österreichische Note den Kfteg für den Weigerungsfall.Serbiens nicht ausdrücklich an, Oesterreich würde sich selbst unmöglich machen uNd um allen Kredit dftngen, wenn es nicht die letzten Konsequenzen aus seinem Vorgehen zu ziehen entschlossen wäre. Es ist schwerlich anzunehmen, daß Oesterreich nach einer militärischen Unterwerfung der Serben Ansprüche auf allserbisches Gebiet machen würde.
Viel eher wäre denkbar, daß es den Fehler, den es mit der freiwilligen Rückgabe des Sandfchak Noviba- zar an die Türkei gemacht hat, endlich wieder gutzumachen gedächte und den Sandfchak von neuem okkupierte. Damit würde es Serbien einen sehr wichtigen Teil der Errungenschaften des Sieges über die Türken nehmen und einen Keil zwischen Serbien und Montenegro treiben, was bei den serbisch-montenegrinischen Verschmelzunasplänen, von denen jüngst die Rede war,, von großer Wichtigkeit sein würde.
In Deutschland steht man trotz der bedeutenden wirtschaftlichen Schädigung, die schon mit der diplomatischen Einleitung der österreichischen Aktion verbunden ist, und die sich im Kftegsfalle noch wesentlich steigern muß, ganz auf Seiten Oesterreichs, weil man die Gründe des Vorgehens der Wiener Regierung kennt und billigt, und weil man keine Freude daran haben kann, seinen nächsten Bundesgenossen zu> einem Objekt des Hohnes werden zu lassen.
Das Reutersche Bureau meldet aus Petersburg: Der heutige Ministerrat dauerte vier Stunden. Man versichert, daß Rußland unverzüglich intervenieren und von Oesterreich-Ungarn verlangen wird, die F r i st des Ultimatums h i n a u s z u s ch i e b e n, um der europäische Diplomatie Zeit zu geben, ihren Einfluß geltend zu machen.
Das amtliche russische Organ veröffentlicht folgendes CommuniqUee: Die Kaiserliche Regierung, lebhaft besorgt durch die überraschenden Ereignisse und durch das an Serbien von der österreichisch-ungarischen Regierung geftchtete Ultimatum, verfolgt mit Aufmerksam - keit die Entwickelung des österreichisch-serbischen Konflikts, in dem Rußland nicht indifferent bleiben kann.
Wien, 24. Juli. In hiesigen informieften Kreisen wird die Lage als sehr e r n st angesehen. Große Befriedigung ruft die Haltung Deutschlands hervor. Im übrigen hält man die Weltlage derart, daß si« aus eine Lokalisierung des österreichisch-serbischen Konfliktes hindeutel. Unter allen Umständen hätte die Monarchie nicht anders handeln können, als sie es jetzt tut. Ihr Blick ist nicht nur nach Belgrad gerichtet; sollte es sich zeigen, daß Rußland für die serbischen Umtriebe «intritt, so wird auch das für die Monarchie keine Ueber- raschung sein. Der Weltkrieg ist kein Schreck- geivenst für die Monarchie, deren Regierung alles erwogen hat und bereit i st. Die Forderungen der Monarchie müssen in ihrer Gesamtheit angenommen werden.
Der österreichische Gesandte in Belgrad, Freiherr v. G i e s l, hat den Auftrag, falls die serbische Regierung bis Samstag abends 6 Uhr pünktlich die vorbehaltlose Annahme der in der Note vom 23. Jüli angeführten Forderungen nicht notifiziert haben sollte, mit dem Personal der Gesandtschaft Serbien zu verlassen.
Sofort nach Ablauf der Antwortfrist des österreichischen Ultimatums wird im Falle einer ablehnenden Antwoft Kaiser Franz Josef sich in einem M a n i f e st an seine Völker wenden. Dieses Manifest wird die Kriegserklärung an Serbien enthalten. Es besteht die Absicht, daß dieses Manifest schon in der Nacht aus Sonntag durch Ertrablätter zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gebracht werden soll. Alle militärischen Vcftehrungen sind bereits getroffen. Schon gestem Freitag abend sind an 6 Korps Mobilmach Ungs- o r d e r s ergangen. Der Schlag gegen Serbien soll mit aller Kraft und sehr schnell geführt werden. 350 000 Mann werden gegen Serbien und Montenegro diftgiert
werden. Außer den 6 Kops macht auch die Kriegs - inarine mobil. Einberufene Reservisten in großer Menge treffen bereits mit allen Zügen in Wien ein. Die Bevölkerung ist ernst und erwartete ruhig die weitere Entwickelung.
Nach Gesprächen, die der Vertreten der „Telegra- phen-Union" mit serbischen maßgebenden Politücrn und Diplomaten hatte, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die serbische Regierung der österreichisch-ungarischen Note ein glattes Unannehmbar entgegenfteklen wird. Wahrscheinlich wird die Regierung den AuSwea wählen, die Note Oesterreich-Ungarns gar nicht zu beantworten. Man erwartet, daß die Garnison der HaUpt st adt zurückgezogen und in das Innere des Landes verlegt werden wird. Man glaubt, daß die Regierung die Archive und Staatsgelder gleichfalls ins Innere schaffen lassen und den österreichischen Truppen gestatten wird, Belgrad ohne Schwert- st r e i chl e i n z u N e h m e U. Di« serbische Regierung rechnet damit, daß mit dem Einmarsch der österreichischen Truppen in Belgrad die Mächte zu einer Intervention gezwungen werden.
Die österreichische Note an Serbien ist von der österreichischen Regierung vorbereitet worden, ohne daß diese sich vorher mit der Berliner Regierung in Verbindung gesetzt hat. Man hat sich nicht einmal in Berlin einen Rat erbeten und hat auch nicht andeutungsweise Ton und Inhalt der Note vorher mitgcteilt.
Das Berliner Auswärtige Amt sieht die Situtztion zwar nicht hoffnungslos, aber sehr ernst an.
Die diplomatischen Vertreter der Balkanstaaten waren für heute zu Besprechungen ins Auswärtige Amt geladen. Der serbische Geschäftsträger Dr. Jowa- nowitsch und der griechische Gesandte Teotokis hatten heute längere Besprechungen mit Herrn von I a - g o w und dem Unterstaatssekretär Dr. chimmermann. Der rumänische Gesandte Dr. Beldiman trifft Montag in Berlin ein. Auch der türkische Geschäftsträger weilte heute längere Zeit im Auswärtigen Amt, um mit den deutschen Diplomaten über die eventuelle Haltung der Türkei Rücksprache zu nehmen.
>iU5 Stad t und Land.
n Gießen, 23. Juli. Das Urteil des Provinz i a l a u s s ch u s s e s in Sachen! der Stadtoer - ordnetenwahl vom November voftgen Jahres, nach dem die Mandate der Stadtverordneten u n g i l t i g find, ist jetzt ausgefertigt und den Beteiligten znge- stellt worden. Wenn kein Einspruch dagegen erhoben wird, ist das Urteil nach 8 Tagen rechtskräfüg.
n Gießen, 24. Juli. Das gestern staitgefundene 38. I u g e n d f e st ist in allen seinen Teilen gut verlausen. Oberbürgermeister Keller war auch mit melh reren Stadtverordneten inmitten der großen Festverfamm- lang. Es war wieder eine Lust, den Kindern bei ihren Spielen mit Zusehen zu können. Gießen kann aus dieses Fest mit seiner zweijährigen Folge nur stolz sein.
s Darm st adt. 230 000 000 Mark hinterlasscu hat der in London verstorbene „Diamantenkönig" Bare net Sir Julius Wern her. Er war ein geborener Darmstädter und hat doft am 9. April 1850 das Licht der Welt erblickt als Sohn des um die heffffchen Bahnen verdienten Eisenbahntechnibers August Wernher. Der spätere Multimillionär hatte in Mainz die Schule besucht, dann in einem Bankhaufe zrt Frankfurt a. M. sein« Lehrzeit durchgcmacht, war von 1869 in Pafts, von 1871 ab in London im Bankfach« tätig, begab sich noch 1871 nach dem Kaplande und hat sich dort bis 1877 mit dem Einkäufe von Rohdiamanten abgegeben.
JTu$ aller Mit.
* Eine ungemein reiche Aprikvfenernt«
steht in diesem Jahre in sicherer Aussicht. Nach - dem Ufteil der Landwirte standen die Bäume seit Jahrzehnten nicht so vielversprechend da wie jetzt. Alle Zweig« sind förmlich überladen von Früchten, die bereits di« Größe einer starken Nuß zeigen und durchweg gesund sind. Selten findet man unter vielen tausenden von Aprikosenbäumen einen Baum, der nicht reiche Ernt« verspricht.
::: Madrid. Das Flugzeug des spanischen Flie gers Avaro stürzte, als dieser eine Rotlandung uu ternahm, bei Aranda auf einen mit 8 Personen besetzten Bauernwagen. Ein Kind wurde getötet, die sieben anderen Insassen des Wagens wurden schwer verwundet. Auch der Flieger erlitt ernste Verletzungen.


