ihre Künste vorführen. Dies zeigt aber auch die Grenzen, die solchen Unternehmungen gezogen sind: Sie werden sich nur dort durchsetzen und behaupten, wo große Iu- schauermengen ein reiches Erträgnis sichern: in den Großstädten.
Trotzdem sollten wir auch dort nicht müssig Zusehen, wie ein großer Teil unserer tüchtigen deutschen Jugend durch den neuen Sport förmlich hypnotisiert und dem Turnwesen entfremdet wird. Um die Jugend, um den Nachwuchs handelt es sich vor allem und deshalb nützen alle theoretischen Erörterungen über den Wert oder Unwert des Fußballsportes nichts, solange es uns nicht gelingt, der Jugend für diesen Sport einen vollen Ersatz zu bieten. Und einen solchen Ersah finden wir in dem frischfröhlichen Iugendwandern, wie es insbesondere in den Vereinigungen der „Wandervögel" gepflegt wird. Welchen Wert Altmeister Jahn dem Wandern beilegte, darüber lese man Näheres in seinem „Deutschen Volkstum" nach, dessen ganzes 10. Kapitel von den „Vaterländischen Wanderungen" handelt. Längst hat mancher weitblickende Turnwart in der Erkenntnis, daß das Turnen im geschlossenen Raume trotz all seiner Mannigfaltigkeit die Turnzöglinge nicht dauernd zu fesseln vermag und daß es sich vor allem darum handelt, die „gefährlichen" Sonntagnachmittage zweckdienlich auszufüllen, mit seinen Turnzöglingen planmäßige Sonntagsturngänge, ganz im Sinne der Wandervögel, veranstaltet, aber an einer entsprechenden allgemeinen Organisation des Iugendwanderns im Rahmen der Turnvereinstätigkeit fehlt es bisher noch.
Die Art, wie die „Wandervögel" wandern, ist zu gut bekannt, um darüber viele Worte zu verlieren. Solche Wanderungen mit all ihrer Romantik, mit ihrer Robinsonade des Abkochens und Uebernachten im Freien, mit der Poesie der zur Zupfgeige gesungenen Volkslieder, finö überaus geeignet, das Herz der idealgesinnten, abenteuerlustigen, wanderfrohen Jugend zu gewinnen. Sie verdienen aber auch deshalb die kräftigste Förderung aller jugendfreundlichen Kreise, weil sie der Jugend Gelegenheit geben, das Natur- und Volksleben an der Quelle kennen zu lernen und weil sie eine treffliche Schule darstellen, aus der selbständige, entschlossene und hilfsbereite Charak- I tere hervorwachsen, junge Männer mit offenem Sinn und | warmem Herzen. So undeutsch und in erziehlicher Hinsicht wertlos der Fußballsport erscheint, ebenso kerndeutsch und erziehlich wertvoll ist dieses deutsche Iugendwandern, wie | es die Wandervögel pflegen.
Deshalb sollte jeder deutsche Turnverein diesen Be- I strebungen die größte Aufmerksamkeit zuwenden; er sollte zunächst aus den Mitgliedern seiner Iöglingsriegen, dann aber auch unter der übrigen deutschen Jugend des Ortes Wandergruppen zusammenstellen, an deren Spitze die erprobtesten Turner als Führer treten. Allerdings wird 1 er diesen Wandergruppen bei der ersten Beschaffung des unbedingt notwendigen Wanderqerätes (Kochgeschirr, Schiafsäcke usw.) helfend zur Seite stehen müssen, doch I werden zur Deckung dieser Auslagen sicherlich auch die Gemeindevertretung, der Ortsschulrat, die Sparkasse und I Sie Schuhvereinsortsgruppen gerne beitragen, handelt es | ich doch um eine nützliche und völkisch bedeutsame Sache.
Es ist dringend notwendig, daß die Turnvereine und I alle völkisch gesinnten Vereinigungen Hand in Hand mit )em „Oesterreichischen Wandervogel" ans Werk gehen,
I >m das deutsche Iugendwandern in großzügiger Weise iu organisieren, damit diese prächtige Jugendbewegung lucht von anderen Kreisen, denen das Gedeihen unseres f Volkstums gleichgültig ist, in ein seichtes internationales 1 Fahrwasser gelenkt werde. Es gibt für die deutschen iurner keine dankbarere Aufgabe, denn sie schöpfen aus Ihr neue Iugendkraft und Volkstümlichkeit, sie erziehen ich einen kräftigen Nachwuchs, sie bauen damit in die | Zukunft!
Die Kimjt der Tauziehens.
Von Carl Diem.
Deutschland besitzt Männer von ungeheurer Körper- ! raft. Als die acht stärksten von ihnen nach Malmö esandt und dort, nach zwei Siegen im Gewichtheben,
I er schwedischen Tauziehmannschaft gegenübergestellt I mrden, da schienen die Stockholmer Polizisten wenig I lussicht zu haben. Der Kampf Davids gegen Goliath j einahe. Allein an Gewicht übertraf die deutsche Mannhaft ihre Gegner um fast drei Zentner. Wer sollte iese deutschen Lichen fällen können? Und siehe da, leradezu spielend wurden die unseren nacheinander von I vei schwedischen Mannschaften besiegt und schieden ruhm- |'5 aus.
Wie ist dies möglich?
Weil wir Leibesübungen dieser Art bisher zu spie- | risch und ohne sportlichen Ernst betrieben haben. So ie wir hundert Jahre nach festgesetztem Schema über i e Schnur sprangen, bis uns die Amerikaner zeigten, ! ie man mit seitlichem Anlauf den Zweck des Hoch- I rungs, nämlich möglichst hoch zu springen, erreicht, so Ussen uns die Schweden erst nach bitteren Erfahrungen ! r das Volk der Denker und der Gründlichkeit uns vor-
! erleiht ein zartes reines Gesicht, rosiges jugendfrisches Aussehen | od ein blendend schöner Teint. — Alles dies erzeugt die echt»
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machen, wie man eigentlich zweckentsprechend tauzieht. Es genügt eben nicht das Tau in die Hand zu nehmen und los zu rucken.
Die Schweden machen es so: Ein Fuß, z. V. der rechte, wird in den Erdboden eingegraben, das Vein dient gestreckt als Standbein, der Körper wird nach rückwärts gelehnt, die rechte Hand faßt das Tau vor dem Körper, die linke hinter der linken Hüfte. Das linke Bein wird gebeugt, so daß der Mann fast auf seinem linken Hacken sitzt. (Das Sitzen auf dem Erdboden ist verboten.) Das Seil wird mit der linken Hand hinter der Hüfte herabgedrückt, um so einen festeren Halt zu gewähren. Das ist die Ruhelage, in der man den Gegner durch gleichmäßigen Zug des eigenen Gewichts mürbe zu machen sucht. Im Augenblick des Angriffs, beim Beginn oder während des Gefechts, wird der linke Fuß neben den rechten gesetzt, beide Beine fest durchgedrückt. Der Körper wird kerzengerade mit hohlem Kreuz nach hinten übergelegt und nun mit den Armen kräftig, taktmäßig geruckt. Fängt der Gegner an zu weichen, so wird nicht etwa der Stand gewechselt, sondern nur das Tau herangeholt, wie es die Matrosen machen, oder wie man die Angelschnur mit einem widerspenstigen Hecht einholt. Während auf diese Weise unsere deutsche Mannschaft glatt von ihrem Fleck weggezogen wurde, sah man die gleichwertigen schwedischen Parteien einander nach minutenlanger Arbeit erschöpfen: einer Partei glitt, ohne daß sie den Stand wechselte, das Tau schließlich aus den Händen.
Diese Zeilen sollen unseren deutschen Sportvereinen einen Anhalt geben, wie sie sich mit der Technik des Tauziehens zu beschäftigen haben. Denn es ist doch ein gar zu dummes Gefühl, der stärkste zu sein und doch besiegt zu werden. Das wollen wir uns im Jahre 1916 ersparen. Nicht mit Gewicht, söndem mit kluger Technik und mit sportgestählter Kraft wird ein olympischer Sieg im Tauziehen errungen, und das ist gut so.
Citerarifcbes.
? Unzufriedene Hausfrauen gibt es bekanntlich eine große Menge, und natürlich sind sie vor allem dann unzufrieden, wenn sie Wünsche haben, aber keine Mittel, um sie zu befriedigen. Und doch gibt es eine ganze Reihe von Wünschen, die sie ganz leicht selbst befriedigen könnten, wenn sie nur ihre Energie zusammenrafften. Wie oft sagen sie: „Ich habe keine Zeit dazu!" und doch handelt es sich oft nicht um die Zeit, sondern um die Lust. So ist die Sehnsucht jeder Hausfrau seit undenklichen Zeilen eine schöne und dabei doch billige Wäscheaulsstatlung. Sie möchte, sofern sie sparsam ist, ihre Ausgaben mit den Einnahmen des Mannes in Einklang bringen und doch mit ihrem Hauswesen Staat machen. Nun denn, die Sache ist nicht so schwierig, wie sie autzfieht! Wie man sich die ganze Wäsche mit geringen Ausgaben selbst Herstellen kann, das lehrt die oekannte im Verlage von John Henry Schwerin, G. m. bv H., Berlin W. 57, erscheinende „I l i ust r i e rt e Wäsche-Zeit un g", die über alle Neuheiten aus dem Gebiet der Wüsche am besten informiert. Abonnements auf „Illustrierte Wäsche-Zeitung" für nur 25 Pfg. pro Nummer oder 75 Pfg. pro Quartal frei Hautz durch alle Buchhandlungen und Postan- stalten. Probenummern bei elfteren und durch den Versag John Henry Schwerin, E. m. b. H., Berlin W. 57. Man achte genau auf Titel und Verlag dieses im 25. Jahrgang erscheinenden Blattes!
? „Der Postsekretär im Himme l." Lustige Geschichten von Ludwig Thoma. Verlag Ullstein u. Eo., Berlin-Wien, Preis 1 Mark. Urwüchsige Münchener Stadtanekdoten, Bauern- und Jägerschnurren und die behäbigen Grobheiten Peter Schlemihls stehen in diesem neuen Thoma-Band, dem einer der besten Späße den Namen leiht: ein derber Schwank aus einem blau- weißen Bayernhimmel. Wie der Postsekretär Martin Angermayer vom Jenseits träumt, und wie die beiden Engel, die ihn in die Mitte nehmen, plötzlich in zwei stämmige Hausknechte aus dem Bräuhaus sich zurück- oerwandeln, das wird mit volkstümlicher Drastik erzählt. Die ganze bayerische Kleinstadt ist in Thomas vierschrötigen Spießersatiren. Doch nicht nur ein überwältigender Humor, auch die Kunst, durch einfache Geschichten von den rauhen Menschen der Berge zu erschüttern, ist dem starken Dichter Ludwig Thoma gegeben. Glanzstücke seiner Prosa sind die Wilderer-Noveslen dieses Bandes, die in ihrer heidnischen Unbekümmertheit den Geist uralter Sitten offenbaren. Mit sparsamer Krast ist Mart für Wort gesetzt, und alles ist herb und gegenständlich wie auf einem Holzschnitt.
? Die Pharus-Wanderkarte durch den Odenwald, die Bergstraße und das Neckartal (mit f a r- b i g e n Weazeichnusigen) ist in der Hofbuchhandlulng von H. L. Schlapp in Darmstadl erschienen. Touristen und Wanderern, die diese wirklich schönen Gegenden durchstreifen wollen, kann diese Karte nur empfohlen werden- sie ist sehr deutlich gezeichnet und die Wegzeichnung läuft erkennbar.
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Kirchliche Nachrichten.
Evangilische Gemeinde in Gießen.
Sonntag, 12. Juli, 5. nach Trinitatis. Gottesdienst.
In der Stadlkirche.
Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.
Vorm. 9% Uhr: Professor D. Eck.
Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pft. Schwabe. Nachm. 2]/ t Uhr: Kinderkirche für die Matthäusge- meinde. Pfarrassistent Hoffmann.
In der Johanneskirche.
Vorm. 8 Uhr: Pfarrassistent Hoffmann.
Zugleich Christeirlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde.
Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Bechtolsheimer.
Im K o n s i r m a n d e n s a a l in der Liebigstr.: Nachmittags 1 Uhr: Taubstummengottesdienst.
Pfarrer Bechtolsheimer.
Katholische Gemeinde in Hießen.
Samstag, den 11. Juli.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele- genheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 12. Juli.
6. Sonntag nach Pfingsten.
Vorm. 614 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Vorm, um 7 Uhr: Die erste hl. Messe.
Vormi um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt.
Nachm, um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Diaspora:
In Hungen um 9% Uhr.
In Grünberg um 9 l / 2 Uhr.
:: Das unserer heutigen Nummer beiliegende Flugblatt der Deutschen Ammoniak-Verkaufs-Vereinigung gibt beachtenswerte Winke, insbesondere für die Düngung der Wiesen und Weiden im Monat Juni-Juli, und ist deshalb für jeden Landwirt und Ackerbautreibenden sehr interessant. Im eigenen Interesse versäume kein Lan- wirt, die Ausführungen eingehend zu lesen.
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Die ausserordentlich wichtige und folgenschwere Nieren- arbeit wird erleichtert und angeregt, die Zylinder, welche die Nierenkanälchen verstopfen, werden herausgespült, der Eiweiss- gehalt des Harns verliert sich, Beklemmungen und Atemnot nehmen ab, die überschüssige Harnsäure, welche die Ursache zu allen rheumatischen u. gichtischen Leiden ist, wird abgetrieben. Gries und Nierensteine gehen ohne besondere Schmerzen ab. das Drücken und Brennen beim Urinieren fällt weg, der Magen. Nieren und Blase werden gereinigt und der Urin wird klar. Es tritt ein Wohlbefinden ein, welches früher nicht vorhanden war.
Man frage den Arzt. Literatur frei
durch Reinhardsquelle G. in. 1 ). II. bei wiidungeu.
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