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Nr. 55. Telephon: Skr.302. Samstag, den 11. Juli 1914.
Polinrede Rmtdfcöau.
Deutschland.
lieber die weitere militärische Verwendung des Kronprinzen erfährt man, dag der Kronprinz, der jetzt mehrere Monate hindurch zum Großen Eeneralftab iommairdiert gewesen war, im Laufe des nächsten Monats an den großen Kaoallerieübungen auf dem Truppeniidungsplatz Warthelager bei Posen teilnehmen wird. Hier wird er, die Leibhusarenbrigade führen. An die Posener Uebungen schließt sich dann die Fortdauer der informatorischen Beschäftigung im Großen Eeneralftab in Berlin. — Während der diesjährigen Kaisermanöver wird der Kronprinz dem Stabe eines Armee-Oberkommandos zur dienstlichen Verwendung zu- gemiesen werden. Nach den Herbstmanövern übernimmt der Kronprinz als Nachfolger des Generalmajors von Friedeburg das Kommando des 1. Garde-Regiments zu Fuß in Potsdam.
* Der „Nationalzeitung" wird aus Neuwied gemeldet, im Schlosse Neuwied seien in den letzten Tagen große Transporte der fürstlichen Hoshallung aus Durazzo eingettofsen. Die früher von dem Fürstenpaare Wilhelm bewohnten Räume des Schlosses seien in aller Stille wieder zur Aufnahme des Fürstenpaares hergerichtet worden.
* Das Ergebnis des W e h r b e i t r a g s für, Preußen ist auf rund 603 Millionen Mark festgestellt worden. Das entspricht dem von der Finanz- Verwaltung err,ecbnelen Voranschlag.
* Dem Reichstag ist eine Eingabe der deutschen Eewerkvereine zugegangen, in der beantragt wird, auf gesetzlicher, Grundlage für alle Arbeiterinnen einen freienSamstag-Nachmittag ein- zuführen. Diese Frage wird auch den im September in Bern tagenden internationalen Kongreß für gesetzlichen Arbeiierschutz beschäftigen.
* Die noch nicht behobenen Schwierigkeiten hinsichtlich der Auswahl des Ortes, an dem der oberste Kolonialgerichtshos in Deutschland errichtet werden soll, werden wahrscheinlich dazu führen, daß der Entwurf über die Errichtung dieses Gerichtshofes dem Reichstage noch nicht im kommenden Winter vorgelegt werden wird. Die drei Städte, die sich bekanntlich um den Sitz des obersten Kolonialgerichtshoses bewerben, sind Berlin, Hamburg und Leipzig.
* Ein jungkonservativer R eichsver- b a n d ist in Bonn gegründet worden. Er hat sich die Aufgabe gesetzt, die konservativen Ideale innerhalb der Jugend zu pflegen.
.Oesterreich.
* Nach Blättermeldungen genehmigte Kaiser Franz Josef in Ischl nach einem l^stündigen
Vortrag Berchtolds die Anträge des letzten gemeinsamen Ministerrats anläßlich der Sarajewoer Mordtat. Sie betreffen eine Reihe von Veränderungen verwaltungsrechtlicher Natur auf dem Gebiet der Polizei, der Schule und des Versammlungswesens sowie Verschärfung der Grenzbewachung, ferner eine» in kürzester Zeit zu unternehmenden Schritt beim serbischen Kabinett, wodurch dieses aufgefordert werden soll, einerseits ^ die an l der Anstiftung der Mordtat beteiligten Personen serbi- | scher Staatsangehörigkeit der Bestrafung zuzuführen, an- l dererseits die Uebelstände abzuftellen, deren Weiterbe- ! stand den korrekten nachbarlichen Verkehr zwischen Ser- , bien und Oesterreich-Ungarn ausschließen müßte.
Frankreich.
* Der Kongreß des sozialistischen Verbandes des Seine-Departements in Frankreich hat mit 364 gegen 68 Stimmen beschlossen, dem nächsten Internationalen Sozialistenkongreß einen Antrag vorzulegen, in dem der allgemeine Streik und namentlich der Streik in den für die Armee tätigen Industrien als das wirk - samste Mittel gegen den Krieg empfohlen wird.
England.
* Der englische König und die Königin wurden aus ihrer Reise durch Schottland wiederum von S u f- s r a g e t t e n belästigt. Diese vernichteten sämtliche auf den Brücken angebrachten Dekorationen, ehe das Königspaar sie passierte. In Ciyde Bank in der Graf - schast Sembarten entfaltete sich beim Empfang der Stadtvertreter durch das Herrscherpaar von einem der Hos- tribüne gegenüberliegenden Restaurant ein Banner mit der Aufschrift: „Majestät, tun Sie der zwangsweisen Ernährung und Folterung der Frauen Einhalt!" Eine der Suffragetten sprach durch einen Megephon zum König. Das Herrscherpaar nahm keinerlei Notiz von ihnen. Schließlich machten sich die Suffragetten aus dem Staube, als die Volksmenge sie zu lynchen drohte.
* Belfast, 10. Juli. Die heutige Ankunft Car- sons gab Gelegenheit zu einem allgemeinen Feiertag. Die Angestellten der Schiffswerft verließen heute früh die Arbeit. In den Straßen bildeten Taufende von Menschen Spalier und bereiteten Carson einen begeisterten Empfang. Die erste von Larson Unberufene Versammlung der provisorischen llfiterregierung ist heute zusammengetreten. Die Verhandlungen werden geheim geführt. In der Versammlung befinden sich der Herzog von Wercron, der Marquis von London Derry und ! unionistische Parlamentsmitglieder Ulsters. Es wurde ein ! Antrag angenommen, in welchem es Carfon überlassen wird, zu sagen, wenn ein entscheiaender Schritt unternommen werden soll, und in welchem erklärt wird, die Freiwilligen seien jeden Augenblick für die Mobilmachung bereit. Carson sprach in sehr ernstem Tone, l
Eine erfolgreiche Kottsultatiorr.
Humoreske von Adolf Thiele.
(Fortsetzung folgt.)
Als das geduldige Mädchen zurückkehrte, war ihre Herrin bereits in das Stadium der nervösen Zuckungen geraten.
„Und da behauptet mein Mann", ries die>würdie Dame aus, „daß ich mir meine Krankheit nur einbilde. Es ist doch gräßlich, wenn ein Mann so etwas behauptet. Meinen Sie nicht, Sophie?"
Dabei fuhr sie mit den Geberden eines im Kriegstanz begriffenen Indianers im Zimmer umher.
„Freilich", bemerkte Sophie mehr kurz als aus - führlich.
„Was wollen Sie mit freilich sagen?"
„Nun, begann Sophie schüättern, „ich meine, der Herr Geheimrat hätten — dies nicht zu sagen brauchen."
„Was soll das heißen ?" rief die gnädige Frau zornig. „Hiermit verbitte ich mir ein für alle Mal, daß Sie sich Bemerkungen über meinen Mann erlauben."
Erschöpft sank sie auf das Sopha und brachte dann durch Weinkrämpfe, Erschlaffungen und wildes Toben die mannigfaltigste Abwechselung in ihre Krankheit. Sophie 3. aber ward gleich einer schwarzen Verbrechen» behandelt und weinte bittere Tränen. — Während die gnädige Frau sich selbst und ihr Mädchen noch mit dieser Fülle von Krankheitserscheinungen aus eine sehr fragwürdige Weise unterhielt, wurde Dr. Rulf gemeldet.
Doktor Rulf, ein noch junger Mann mit ernsten, intelligenten Eesichtszügen, war ein sehr tüchtiger und gewissenhafter Arzt. Indessen war seine Praris in der Gesellschaft nicht sonderlich ausgedehnt; war er doch viel zu wenig glatter Salonmann und liebenswürdiger Plauderer, als daß es sich verlohnt hätte, seinetwegen ein wenig mit der Krankheit und dem Arzt zu kokettieren.
Der Grund, warum die Frau Geheimrätin seit
einigen Wochen seinen Rät suchte, war ein sehr einfacher; Doktor Rulf war bei der Dame, die ihre Aerzte fast so oft wie ihre Dienstmädchen und Gardinen wechselte, gerade an der Reihe.
Wie er auf den ersten Blick erkannte, hatte er es mit einem vielgestalteten Leiden zu tun, das sich aus Hystena 25 Prozent
Hypochondria 25 Prozent
Phantasie 50 Prozent
SuMma 100 Prozent zusammensetzt und däs die Aerzte fast ebenso quält als die Kranken selbst.
Denn ist ein solcher armer Arzt nicht verurteilt, täglich neue Klagen mit ruhigem Gesicht anzuhören, und läuft er nicht Gefahr, falls er den Kranken zur Vernunft bringen will, an die frische Lust befördert zu werden ?
Wie immer widmete Rulf auch heute seiner hohen Patientin die größte Aufmerksamkeit, wenn ihr auch diese Art, „sie mit Fragen zu belästigen", wenig gefiel. Sie hätte es lieber, gesehen, wenn er ihr einige interessante Neuigkeiten ausgetischt hätte.
Telephon Nr. 363. 26. Jllhrg.
Er beklagte es, daß die Haltung der Regierung sehr unbefriedigend sei und erklärte, für die Getreuen Ulsters sei der Augenblick gekommen, ihr Wort in die Tat umzusetzen. Ulster habe sich um den Frieden bemüht, weide aber keinen Frieden mit Unterwerfung annehmen.
Serbien.
* Belgrad, 10. Juli. Gestern abend um 9 Uhr erschien der russische Gesandte Hart- w i g beim österreichisch-ungarischen Gesandten Freiherrn v. Giesl, um ihm einen Besuch abzustatten. Mitten in der in freundschaftlichem Tone geführten Konversation wurde der Gesandte Hartwig plötzlich von einem Unwohlsein befallen und ist trotz Hilfe zweier sofort her - deigerusener Aerzte nach wenigen Minute» g e- st o r b e n. Die Leiche des russischen Gesandten wurde kurz darauf in die russische Gesandtschaft übergesührt.
Das Londoner Wochenblatt „John Bull" veröffentlicht eine Aufsehen erregende Mitteilung, in der es die dortige serbische Gesandtschaft der Mitschuld an dem Attentat von Sarajewo anklagt.
Albanien.
* Durazzo, 9. IM. Morgen findet unter dem Vorsitz des Fürsten ein K r i e g s r a t statt, bei dem über weitere Schritte beraten werden soll. — Die Regierung fordert in einem Aufruf alle Bürger auf, die ihnen nach der Schlacht von: ! l 7 . Juni zur Verteidigung der Stadt übergebenen Waffen wieder abzulie- ser.n. — Die rumänische Regierung soll dem hiesigen Bankier C h r i st e s e u die finanzielle Ermöglichung der Entsendung eines 3000 Mann zählenden rumänischen Frerwilligenkorps nach Albanien übertragen haben.
* Die albanische Regierung hat den Vertrag mit der Schiffahrtsgesellschaft Dalmatia betreffend den Dampfer „Herzegowina" verlängert.
Dänemark.
* Bei den Landstingswahlen in Dänemark wurden 20 Rechtsstehende, 5 Freikcnservative, 20 Linksstehende, 5 Radikale und 4 Sozialisten gewählt. Die Rechte verliert 5 Sitze. Von den 12 vom Könige ernannten Mitgliedern sind 9 Anhänger der Regierungsvorlage betreffend die VersaffuNgsänderung, so« daß der neue Landsting aus 38 Anhängern und 28 Gegnern der Vorlage besteht. Der aufgelöste Landsting zählte 33 Anhänger und 33 Gegner der Vorlage.
Mexiko.
* Meldungen aus den merikanischen Grenzstädten besagen, daß eine Frau den General Villa in Torreon erschossen habe.
„Also gnädige Frau klagen über Appetitlosigkeit? Haben Sie vielleicht etwas Außergewöhnliches genossen?"
„Nicht das Geringste."
Des Pstaumenkuchens tat die Patientin, wahrscheinlich autz Bescheidenheit, keine Erwähnung.
„Was haben gnädige Frau gestern Abend gespeist?"
„Kleinigkeiten!" erwiderte die Gnädige etwas indigniert.
„Was, wenn ich bitten darf?"
„Hummer und Aalpastete."
„Aber das ist ja das Schwerverdaulichste, was es gibt! Haben Sie viel davon gegessen?
„Aber Herr Doktor,, ich habe so selten Appetit; soll ich ihm denn wehren, wenn er sich einmal einfindet?"
„Gnädige Frau, alles mit Maß! Wie ist Ihnen die Medizin bekommen?"
„Ich habe nicht gerade viel Wirkung verspürt."
Rulf war etwas verwundert hierüber. Er wäre dies vielleicht weniger gewesen, wenn er, gewußt hätte, daß kein anderer als der Rinnstein die Arznei eingenommen.
„Wann gingen Sie zu Bett?"
„Wie gewöhnlich, um 1 Uhr."
„Ich muß nochmals Mt Entschiedenheit darauf dringen, gnädige Fraü, daß Sie sich eher schlafen legen. Dieses Wachbleiben macht nervös —"
„Aber, Herr Doktor, das muß ich doch am besten aus Erfahrung wissen, was mir nützlich ist. Gerade in den späten Abendstunden fühle ich mich am wohlsten. — Hatten Sie die Güte, Herrn Geheimen Sanitätsrat Bergrath um eine Konsultation zu bitten?"


