Ausgabe 
4.7.1914
 
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Premierminister Asqui 1 h hatte Donnerstag nachmittag «ine Audienz bei König Georg, um dem Herrscher über die drohende Lage in Irland Bericht zu erstatten. Aus Belfast wird gemeldet, daß die Hausbewohner Vorräte und Proviant in ihren Häusern ausslapeln, um sich auf den Bürgerkrieg vorzubereiten.

Aus B e l f a st wird dem ;,Berl. Lokal-Anz." ge­meldet: Der Besehl des Rebellengenerals Sir George R i ch a r d s o n an die Ulsterrevolutionäre, der ihnen erlaubt, öffentlich Waffen zu ttagen und jeden Versuch, sie zu belästigen, mit Waffengewalt zu verhindern, er­regt großes Aufsehen. Das nationalisttsche Komitee hat an das irische Volk einen neuen Ausruf gerichtet zur Sammlung vvn Geldmitteln für die irländische Natio­nalarmee. Es heißt, daß es in Irland kaum eine Ortschaft gibt, die nicht ihr eigenes gut eingeübtes Korps besitzt. Die allgemeine Erregung in Ulster ist so ge­waltig, daß selbst Frauen zum Losschlagen drängen. Wie berichtet wird, sagte «ine in Gesell­schaftskreisen sehr einflußreiche Dame:Ulster wird ganz England lehren, daß es noch Frauen und Männer gibt, die für ihre Ueberzeugung sterben können."

Serbien.

* Der WienerReichspost" wird aus diplomati­schen Kreisen zu dem zwischen Montenegro und Serbien beabsichtigten Abkommen über die Ver­schmelzung dieser beiden Staaten zu einem serbi­schen Bundesstaat mitgeteilt: Es soll ein serbischer Bun- dcsstaat aus den beiden serbischen Einzelstaaten gebil­det werden, ohne daß jedoch die Souveränität des mon­tenegrinischen Herrscherhauses und der montenegrinischen Gebiete berührt würde. Die praktische Durchführung die­ses bereits abgeschlossenen Vertrages wird nicht lange mehr auf sich warten lassen. Es besteht kein Zweifel, daß die Vereinigung Montenegros und Serbiens zu einem Bundesstaat da? Werk der russischen Diplomatie ist. Serbien gelangt dadurch über Montenegro unmit­telbar au das adriatische Meer. Die Gerüchte von einer Abdankung des Königs Nikolaus sind ebenso unbegründet wie die Errichtung einer Personal-Union zwischen Montenegro und Serbien.

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Rußland.

* Petersburg. Ein kaiserlicher Ukas erklärt die Ehe der Großfürstin Maria Pawlow- n a mit dem Prinzen Wilhelm von Schweden für y e l ö st.

Xus Stadt und Land.

* Gießen. Durch den Beschluß des Provinzial- tags der Provinz Oberheffen vom 27. Juni d. I. kann das Zieh die ganze Provinz mit elektrischer Energie versorgt zu sehen, nunmehr als erreicht gelten. Der Provinzialtag hat nämlich einen langer Hand vorbereiteten Vertrag mit der Rheinischen Schuckert- Gesellschaft in Mannheim angenommen, wonach diese Gesellschaft verpflichtet wird, in Gemeinschaft mit der Provinz den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und dem nördlichen Teil des Kreises Schotten in einer verhält­nismäßig kurzen Zeit Elektrizität zuzusühren. Von den in Betracht kommenden Gemeinden der genannten Kreise find 83 innerhalb zweier Jahre vom Abschluß des Vertrages an gerechnet, die übrigen voraussichtlich innerhalb weiterer vier Jahre anzuschließcn. Die Ver­sorgung der genannten Gebietsteile gemeinschaftlich durch die Provinz und ein industrielles Unternehmen hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß die beteiligten Gemeinden viel rascher und früher zu Elektrizität kommen, als dies die Provinz in alleiniger Recke im Hinblick auf die Höhe der aufzubringendcn Mittel und des damit verknüpften Risikos hätte ermöglichen können. Gleichwohl werden die Gemeinden daraus, daß die Provinz nicht unmittelbar und allein die Ver­sorgung übernimmt, keinerlei Nachteile verspüren. Denn abgesehen davon, daß der Bau der Fernleitungen und eines Teils der Ortsnetze auf eigene Rechnung der Provinz erfolgen wird und damit schon eine Gewähr gegeben ist, da^ man den Interessen der Gemcinven nach Möglichkeit Rechnung trägt, hat sich die Provinz auch darüber hinaus besonders für den Betrieb ein weitgehendes Aufsichtsrecht gesichert, das eine cinwa-ed freie unb den übrigen Gemeinden glcicknvertigc Ver­sorgung und Bedienung bedingt. Der Charakter des überwiegend kommunalen Unternehmens hat vor allem auch die Einheitlichkeit in der Versorgung zur Voraussetzung. Dies ist dadurch gewahrt worden, daß die Elcktrizitätlieferung an die Gemeinden und ihre Einwohner auf Grund desselben Vertrags erfolgen wird, den die Provinz mit den Gcmcindcn ihrer Uebcrland- anlage abgeschlossen hat. Die Elektcizttätsiieferung wird also in der ganzer Provinz unter gleichen Be­dingungen erfolgen. Außerdem hat sich die P ovinz

das Recht Vorbehalten, den Betrieb schon nach kurzer Zeit ganz in eigene Regie zu übernehmen.

" Drei goldene Hochzeiten fanden die­ser Tage in Oberhessen statt: in Harheim fei­erte das Ehepaar Heinrich Schmidt 2., in Staden die Eheleute B e ck e l, in Lollar Karl Schmidt 3. das seltene Fest.

* Kurse für Säuglingspflege. Die Gr. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen veranstaltete in ihren Räumen in Darmstadt, Heinheimerstraße 21, in der Zeit vom 15. bis 30. Juni 1914, abends 8 bis 10 Uhr einen Schwestern-Fortbil- dungsknrsus mit Demonstrationen. Der Kursus um­faßte 12 Besprechungen an aufeinander folgenden Wo­chentagen und behandelte die gesamte Pflege und Er­nährung des Säuglings. Gleichzeitig fand vormittags von 10 bis 12 Uhr ein ebensolcher Kursus für junge Mädchen und Frauen statt. Die Kurse waren zusam­men von insgesamt 32 Teilnehmerinnen besucht, die den Besprechungen außerordentlich lebhaftes Interesse cntgegenbrachten. Da bereits weitere Meldungen ein­gegangen sind, beginnt ein neuer Kursus am 15. Juli d. Is., abends 8 Uhr. Die Teilnehmerkarten sind im BulkeaU der Gr. Zentrale zum Preise von 1 Mk. er­hältlich.

n Gießen. Donnerstag früh wurde in der Nähe der Badeanstalten die Leiche der 14jährigen Toch­ter des verstorbenen Dienstmannes R. geländct. Dav Mädchen hat Selbstmord verübt; bestimmte Gründe zu der Tat sind nicht bekannt.

o Crainfeld. Die Söhne des ermordeten A. Stein treiben nun wieder in Crainfeld und in der Umgegend ihr Geschäft weiter. Das medergebrannte Haus, in dem die schauerliche Bluttat verübt wurde, wollen sie nicht wieder aufbauen lassen. An den Nach­bar, dessen Haus bei dem Brande auch ein Raub der Flammen wurde, haben sie einen Teil des Platzes ab­getreten, den anderen hat die Gemeinde gekauft, um an jenem Orte die Straße weiter auszubauen. Die Fa­milie Stein bewohnt ein anderes Haus, das sie im Ort besitzt.

0 Ilsdorf. Wegen Ausbruches der Diphtheritis unter den Schulkindern, wurde die Volksschule bis auf weiteres geschlossen.

01 Büdingen. Vom 25. Juli bis 2. Autzuft wir,d hier das 500jährige Bestehen der Büdinger Schüt- zengescllschaft gefeiert. Der Wert der bis jetzt gestifteten Ehrenpreise übersteigt schon 7000 Mark. Auch der Grptz- herzog von Hessen hat sein Interesse durch Stiftung eines herrlichen Ehrenpreises bekundet.

o. Mamba ch? Gestern vormittag zwischen 8 und 9 Uhr zog ein Gewitter über unsere Gegend. Es war so heftig, daß der Lehrer die Schulkinder aus der Schule entlief;; kaum war die Schule leer, da erfolgte ein gewaltiger Donnerschlag. Der Blitz hatte in das Schulgebäude eingeschlagen, im Schulzimmer die einzel­nen Gegenstände, wie Schulbänke, Schultasel, Gestell, Tisch usw. zerstörend.

* Fra n kfu rt a. M. Die Strafkammer verurteilte ein elternloses 17 jähriges Dienstmädchen wegen Erkran­kung sein-s neugeborenen Kindes zu 9 Monaten Ge­fängnis. Die Verurteilte wird der bedingten Begna­digung empfohlen.

):l Frankfurt a. M., 3. Juli. Wegen um­fangreicher Betrügereien verurteilte gestern die Straf­kammer den 26jährigen Kraftwagenführer Karl B a l l- m e r t aus Gießen zu 3 Jahren Gefängnis. Ball­merl hatte erst vor kurzem eine 18monatige Gefängnis­strafe verbüßt und betrieb seitdem am Frankfurter Bahn­hof Bauernfängerei, indem er stellensuchenden Butschen die Barschaften abschwindelte und dann die Leute mit­tellos sitzen ließ.

):( Obe rwie s b. Nassau. In der Nacht auf .Freitag ging im ganzen Unterlahntal ein schweres Gewitter nieder, wobei der Blitz hier in das An - wesen der Familie Pfaff einschlug und zündete. Das ganze Besitztum wurde ein Raub der Flammen.

o O s f e n b a ck a. M., 3. Juli. Die Offenbachcr Stadtverordneten-Versamrnlung beschloß gestern endgil- tig den Ausbau des städtischen Elektrizitätswerkes zur U e b e r l a n d z e n t r a l e für den Kreis Of­fen b a ch und bewilligte hierfür eine erste Rote im Betrage von 1 520 600 Mark aus Anleihe.

* Worms. Die Stadtverordnet n bewilligten eine Nacbtrogsfordernng von 22 000 Mo,k zum Bau eines Stadions in Worms, das insgesamt 72 000 Mk. kostet.

* Mainz. Wie gefährlich es namentlich für Kinder ist, beim Kirschenessen Kerne mit hinunter zu schlucken, zeigt ein Fall aus hiesiger Stadt. Die 10jährige Schülerin Ehristtna Engel hatte am Samstag noch den Schulunterricht besucht und mußte am Sonntag wegen heftiger Blinddarmentzündung zur Operation ins Krankenhaus gebracht werden. Es zeigte sich, daß das Kind einen Kirschkern verschluckt hatte, der sich im Blinddarm festsctzte und dort eine Eiterung hcrvorrief.

Das Kind ist kurze Zeit nach der Operation gestorben. Eine ernste Mahnung zur Vorsicht für Kinder und

Eltern.

! M a i n z. In dem vorgestrigen ersten Vorlauf

zum Grand Callenge Cup trat dem Mainzer Ruderver- ein die vorzügliche Mannschaft des Jesus College-Cam­bridge entgegen. Nach harter Gegenwehr gewann der Mainzer Ruderverein mit dreiviertel Längen, indem er die Strecke in 7.22 Minuten zurncklegte.

(.) Mainz, 2. Juli. Die größte Herren- und Knabenkleiderfabrik Süddeutschlands, SchcuerLPlaut, feierte am 1. Juli ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Im verflossenen Jahre hat die Firma an Gehälter und Löhnen 1 007 752 Mark ouSgcgeben. Die Bürger­meisterei und Handelskammer brachten ihre Glückwünsche dar. Montag nachmittag war das Geschäft geschloffen. Das Personal, 360 Perfonett, unternahm eine Rhein­fahrt. Die Firma stiftete für ihre Leute ein Kapital von 25000 Mark; die Zinsen sollen an in Not geratene Familien des Personals alljährlich verteilt werden. An Wohltätigkeitsvercine der Stadt hat die Firma 3000 Mk. verteilt.

* Lampertheim. Vor dem hiesigen Schöffengericht sollte der Zigeuner Keßler nebst Frau obgeurteilt wer­den. Keßler war wegen Landstreicherei in Haft genom­men worden und wurde auch wegen Betrügereien ver, folgt. Gegen Stellung einer Kaution von 700 Mark waren Keßler und seine Frau wieder in Freiheit gesetzt worden. Zu dcm Termin waren die Beiden nicht er­schienen, so daß die Kaution dem Staat verfallen ist.

):( Erbach (Odenwald). Biele Gemeinden des

Kreises Erbach sind durch die Niederschläge der letzten Wochen schwer geschädigt. Ganze Ernten sollen ver­nichtet sein. Zahlreiche Familien sind in bittere Not ge­raten. Daher wendet sich ein Komitee, bestehend aus dem Fürsten von Erbach-Schönberg, den Kreisbehörden, Landtagsvertretern und Bürgermeistern an die Oeffent- lichkeit mit der Bitte, öffentliche Sanrmelstellen für die Wassergeschädigten zu errichten, zUr Linderung der Rot. Dte eingehenden Beträge sollen zur Verfügung des Kreisausschusses stehen.

):( Gernsbach (Rhön). Der Rechnungsamt - mann 2 ! a p e s ist nach Unterschlagungen von 150 000

Mark geflüchtet.

Xus aller Welt.

::: Malmö. Das endgültige Resultat der F üß- ballkämpfe bei den baltischen Spielen fft folgen­des :' Deutschland erhält den e r st e n Preis, Schweden den zweiten und Rußland den dritten.

::: Wien? Der eiiste Internationale Kaufmanns­lag in Wien hat einstimmig befchloffen, aen nächsten Kausmannstag im Jahre 1916 in Berlin abzuhal­ten.

* Stanisla u, 3. Juli. Gestern fanden a n - tideutsche Demonstrationen statt. Einetau- scndköpfige Menge warf Steine gegen die Wohnung des

Pfarrers Zöckler, des Führers der Deutschen in Ga­lizien und zertrümmerte die meisten Fensterscheiben des Pfarrhauses, der, evangelischen Schicke, sowie der unter Leitung des Psarrers stehenden Wohltäligkeitsanstallen. Auch die evangelische Kirche wurde nicht verschont. Das Geschäft eines deutschen Kaufmanns wurde verwüstet. Die Polizei verhaftete mehrere Unruheslisteiz Die De­ine siftrationen sollen die Rache für das den Polen in Bielitz zugefügte Unrecht sein.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Riiht de» Garten nlS Erhol un^stätte aus »nd macht ihn nutzbringend für den Haushalt durch Gemüsebau. Die wachsende Einwohnerzahl der Tlädlc »nd die damit zusammenhängende Dichtigkeit der Bevölkerung haben es mir sich geluncht, das, der Mensch der Nalnr, wenigstens dem eigenen Schaffen in der Natur, mehr und mehr befremdet wird. Dies ist vom Standpunkt der VolkSgcsundheit niis sehr zu bedauern. Tic Berrvaltungen der Grohslädte haben dies auch erkannt »nd find schon seit Jahren bemiiht, durch Schaffung von Schrebergärten einen Ausgleich herbcizusühren und die Freude an der Natur wieder z» beleben. Die gesteigerten Ansprüche an geistige nud körperliche Arbctls- leistung mache» andererseits aber eine gute Ernährung und a»s- gleichendc Erholung nötig. Beides zu fördern ist der Zweck eines praktischen Buches betiteltDr. Cclfcro Anleitung zn>» Ge »inscbau für den Hausgebrauchs. Jeder, der es eben ermög­lichen kan», einen Garten oder ein Stückchen Land sei» eigen zu nennen oder zu pachten, sei in Gottes freie Natur verwiesen.

Das erwähnte Buch gibt in schlichter Darstellung nichl nur die Grundregeln slir den Geiniiscba», sondern auch zugleich Rat­schläge, wie nian die verschiedenen Gemüse richtig zubercstct.. Es ist somit in ziveisacher Hinsicht ein iverivotter Ralgcber, sowohl für den Haushern, ivie slir die Hausfrau. Interessenten erhallen daS Buch umsonst zugesandt von der Rähirnitielfabrik Dr. A. Oetker in Bieleseld.

Die Beliebtheit der Ä«0rr-SUpPtNW Ürfel nimmt ständig zu. Das liegt an den, besondere» "BJohlgeschmaek und der Ausgiebigkeit der Marke: ,,Knorr"!

Versuchen Cie: Knoil-Reissuppe, Rumiordsuppe, Erbsensuppe.

1 Würfel 3 Teller 10 Pfg.