Ausgabe 
4.7.1914
 
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Ml* 53. Telcp hon: Otr. 363.

Nach dem Attentat.

93_u' d a p est, 3. Juli. Der die Untersuchung führ­ende Staatsanwalt hat 11 junge Serben verhaften las­sen, die zweifellos an dem Attentat beteiligt find. Ihre Namen werden geheimgehaltcn. Wie die Abendblät­ter melden, weisen sichere Anzeichen daraus hin, daß der Sekretär des großserbischen VereinsNarodna Ob- rana", namens Ijan Pribitschewitsch, Major der ser­bischen Armee, an dem Attentat beteiligt ist.

In Bosnien Und derH e r z e g o w i n a herrscht jetzt das S t a n d r e ch t. Die österreichische Regierung geht jetzt energisch gegen jede Ausschreitung von serbi­scher Seite vor. Einer der Hetzer hat bereits die ganze Schwere des Standrechts gespürt, ein serbischer Agita­tor ist es, der aufreizende Reden an das Volk gehalten hat. Er ist von Beruf Kaufmann und heißt Rikolic. In einer seiner Hetzreden hatte er gesagt:Fürchtet Euch nicht, bis übermorgen werden viele Tausende serbische Soldaten da seien, die dann die Plünderungen an den Serben rächen werden. König Peter und Kronprinz Alerander sind mit der serbischen Armee bereits an der Grenze und werden übermorgen, um 3 Uhr nachmit­tags, bereits in Sarajewo einmarschicren. Auch die rus­sische Atome ist mobilisiert." Die Gendarmerie ver­haftete den Rikolic. Er wurde sofort dem Kriegs­gericht überstellt.

DerKöln. Zig." wird aus Sarajewo gemeldet: Die Polizei verhörte bisher mehr als 700, das Gericht an 400 Personen. Der Untersuchungsrichter verhörte Princip und Tschabrinowstsch wiederholt. Das Ergeb­nis war die Bestätigung der Annahme der Budapester Geheimpolizisten, daß «ine Verschwörung vorliegt und die 7 Verhafteten noch Mittäter haben. Aus die Frage, woher Bomben und Waffen zu beschaffen seien, seien sie zu Milan Pribitschewitsch gegangen, einem gewese­nen österreichischen Oberleutnant, der jetzt Major und «ine wichtige Person beim serbischen Eencralstab sei, der sie an Tschiganowitsch, «inen bekannten Komitadschi, ver­wies. Es würden ihnen Bomben aus dem Kragufe- watzer Arsenal versprochen, wenn sie die Weisungen pünktlich befolgten. Sie sollten 6 Bomben und 6 Re­volver erhalten, wenn sie noch 4 Attentäter beizulbrin- gen wüßten. Rach dem Wurf der ersten Bombe sollten sämtliche anderen Bomben geworfen werden. Sie seien mit der rechten Hand zu werfen und aus der linken sei bereitgehaltenes Zyankali sofort einzunehmen, das sie gleichzeitig erhielten. Tschabrinowitsch und Princip fan­den in Belgrad noch Helfer in der Person der bosni­schen Studenten Trisun und Laresch. Princip bekannte im Verhör, daß er wirklich die Bomben von Tschiga­nowitsch erhalten habe. Er verweigert aber die Angabe der Mittäter und der Herkunft des Geldes. Plötzlich von Todesfurcht übcrmannt, schrie er auf:Ich be­reue meine Tat, weil mich meine feigen Gesithr- ten im Stiche ließen; auch sie hätten ihre Bomben zur Erpiosion bringen müffen; dcch taten es die feigen Schurken nicht. Deswegen werde ich mich an ihnen rä­chen und sie verraten. Jetzt laßt mich in Ruhe. Mor­gen früh um 8 Uhr werde ich alles gestehen."

Samstag, den 4. Juli 1914.

Wien, 3. IM. Um 4 Uhr nachmittags fand in der Pfarrkirche der Hofburg die L e i ch e n s e i e r statt. Der Kaiser, der gesamte Hofstaat, die Minister, die Prä­sidenten und Abordnungen der Parlamente, der päpst­liche Nuntius, sämtliche Botschafter und Gesandten, viele militärische Deputationen, die Bürgermeister von Wien, Budapest und Agram wohnten der Feier bei. Unter großer Assistenz nahm Kardinal-Fürstbischof Palffi die feierliche Einsegnung vor. In tiefer; Ergriffenheit folg­ten die Trauergäste der Handlung, nach deren Beendig­ung die Kirche geschlossen wurde. Das Publikum be­reitete dem Kaiser und dem Erzherzog Karl Franz Joses bei der Rückfahrt nach SchönbiUNu stürmische und begeisterte Ovationen. Während der Vormittagsstunden vor der Trauerseier defilierten Tau­sende und Abertausende in der Hofburg-Pfarrkirche vor den geschlossenen Särgen, an deren Kopfende 2 weiße Blumenkränze von den Kindern der Verblichenen lagen.

Die Leichen des Erzherzogspaares wurden dann am Abend 10.50 Uhr in Begleitung des Hofstaates des Erzherzogs nach Groß-Pöschlarn übergesührt, und mit der Fähre um 2 % Uhr nachts über die Donau nach Artstetten gebracht, und dort in der Pfarrkirche auf- gebahrt. Heute vormittag erfolgt die Beisetzung der

Särge in der Gruft des Schlosses zu Artstetten.

Kaiser Wilhelm hat den deutschen Botschaf­ter Freiherrn v. Tschirsky und Bögendorff mit sei­ner Vertretung bei der Trauerseier für den Erzherzog und seine Gemahlin beauftragt.

Ein weiter«» Opfer von Terajcwo.

Der Generalstabs-Oberstleutnant von Merizzi, der bei dem Bomben-Asüentat, das dem Revolvev-At- tentat auf den Thronfolger vorausging, leicht verletzt wurde, liegt im Hauptspital von Sarajewo im Sterben. Die Wunde, die er bei dem Attentat davongetragen hatte, führte zu Blutvergiftung und es ist StaÄrampf hinzutzeireten.

Albanien.

Während F ü r st Mi l h e l m sich den moham­medanischen Rebellen gegenüber, die unausgesetzt Du- razzo bedrohen, in äußerster Bedrängnis befindet, so- | daß bereits von der Zurückberufung Essad Paschas die Rede ist, verschlimmert der erneute Aus­bruch nordepirotischer Unruhen seine Lage. Die Epi - roten haben überall ihre eigene provisorische Regier­ung wieder ausgerichtet und die albanische davongejagt. Da Griechenland auch hinter der neuen Aufstands-Be­wegung steckt, so haben die Regierungen der Groß - Mächte auf Albaniens Ersuchen ernste Vorstellungen in Athen erhoben. Natürlich ist man dort mit der Ant­wort keinen Augenblick in Verlegenheit: Griechenland fügt sich durchaus den von der internationalen Grenz - regulierüngs-Kommisfion getroffenen Anordnungen und verurteilt die Taten griechischer Irregulärer in den Ort­schaften, die Albanien zugesprochen wurden. Wie stark das offizielle Griechenland an dem nordepirotifchen Aüf- stand beteiligt ist, geht daraus hervor,, daß der Führer der epirotifchen Aufständischen, Zographos, in Athen

Telephon Nr. 863. 26. Jühkls.

nicht nur vom Ministerpräsidenten Veniselos, sondern auch vom König Konstantin empsangen wurde.

Die WienerN. Fr. Pr." erfährt aus informierten politischen Kreisen, daß F ü r st W i l h e l m sich in einer so gefährlichen Lage befindet, dah j e d e n A w genblick eine Krise eintreten könne. Der Fürst verfügt über keine Hilfstruppen mehr. Die Großmächte sind bereit, die Regierung Albaniens durch die Inter­nationale Kontrollkommission übernehmen zu lassen, und es fanden auch bereits Besprechungen über eine eventuelle Nachfolge des Fürsten statt. Der Regier­ungswechsel könne in den nächsten Tagen ein­treten.

Ministerpräsident Turkhan Pascha ist vorgestern nachmittag von Rom nach Wien abgereist.

" Bukare st, 2. Juki. Fünfzig Frei­willige für Albanien sind unter der Führung von drei rumänischen Reserveoffizieren heute nach Al­banien abgegangen.

Politifebe Rnndfebau.

Deutschland.

* In der zweiten Aüguftwoche wird der Kai­ser für kurze Zeit nach Homburg v. d. H. kom­men. Während der Kaisermanöver wird sich der Kaiser zur großen Truppenschau nach Mainz begeben und der Einweihung der Waldeck-Talsperre bei­wohnen.

* Das Erträgnis des Wehrbeitrages in Baden beläuft sich auf etwa 32 Millionen Mark. Bei einer, Einwohnerzahl von 2 122 000 Personen ent­fällt aus den Kopf der Bevölkerung der Betrag von 14,94 Mark.

* Herzog Bernhard 3. Dort Sachsen- Meiningen beabsichtigt autz Anlaß seines Regier - ungsantritts einen umfangreichen Gnadenerlaß er­gehen zu lassen. Der Landtag des Herzogtums ist für den 13. Juki nach dem Residenzschloß in Meiningen ein­berufen. Dem Vernehmen nach hat der verstorbene Her­zog größere Summen für künstlerische und kulturelle Zwecke seines Landes ausgesetzt.

Oesterreich.

* Wien, 3. Juli. Wie hier bekannt wird, hat Kaiser Wilhelm an Kaiser Franz Joses die An­frage gerichtet, ob sein Besuch in Ischl genehm wäre. Nachdem eine zustimmende Antwort nach Berlin abge- gaugen ist, wird Kaiser Wilhelm im Laufe der nächsten Woche in Ischl dem greisen Monarchen persönlich kondolieren.

* Wien, 3. Juli. Kaiser Franz Joses empfing gestern abend den deutschen Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff in einstündiger Audienz.

England.

* London, 3. Juli. Der frühere Staatssekre­tär für die Kolonien Sir Joseph C h a m b e r l a i n ist gestern abend g e st o r b e n.

Das Glas des Erasmus.

Humoreske von A. Thiele.

(Schluß.)

,Unglaublich! Ganz eigentümlich! ries in diesem Augenblick, der Rentier Blume mit dem Ausdrucke höch­ster Verwunderung.

Die Gesellschaft blickte erstaunt aus den Unterbrech­enden, dieser faßte sich jedoch und rief:Bitte fahren Sie fort, Herr Justizrat!"

Während ich nun das Glas von allen Seiten be­trachte, erschallt plötzlich hiMer meinem Rücken ein ent­setzliches Gepolter, als ob eine Höllenmaschine erplo- dier,le. Mit der Eeberde des eMsetzlichsten Schreckens fährt oder knickt vielmehr Holzbock vor mir zusammen, Und ich von dem so plötzlich Gehörten und Erschauten jählings übcrmannt, lasse das Glas fallen, das auf dem Boden in Scherben zerbricht."

Weiter ! weiter!" unterbrach Blume vor Spann­ung atemlos. Wieder blickten ihn die anderen erstaunt an.

Und was war, zusammengestürzt ?! fragte der alle Oberst von Bärenklau mit seiner ruhigen Stimme.

Es war nur ein aufgetürmter Häufe alten Ge­rümpels", erwiderte der Juftizrat.Doch nun hätten Sie Holzbock sehen sollen! Sein Jammer, seine Ver- zweiftung waren grenzenlos. Auch meine Verlegenheit war ungeheuer und höchst peinlich war mir der Ge - danke, wie ich das kostbare, einzige Stück ersetzen sollte. Endlich gelang es mir, den verzweiselten allen Mann zu beruhigen, allerdings erst, nachdem ich mich schrist - lich verpflichtet, ihm als Sühne meines Ungeschickes Til- lys Reitersprossen nebst dem dazu gehörigen Dokument zu übersenden. Es war ein höchst unangenehmer Autz- weg, aber der einzige, der mir übrig blieb. Doch ich war damals noch jung, und es gelang mir, nach eini­ger Zeit den Verlust der geliebten Sporen zu' ver - schmerzen."

O Fuchs, schlauer Fuchs!" O Spitzbube!" rief in diesem Augenblick der Rentier Blume, seinem aus­fälligen Wesen die Krone aufsetzend.Hören Sie mich, Herr Juftizrat, hören Sie mich meine Herren ! Auch ich bin in früheren Jahren zu dem alten Christlieb Hoiz- bock gewandert, auch mir hat er das Glas des Eras - mus gewiesen, auch ich bin durch das Gepolter und Holzbocks jähes Zusammenfahren erschreckt worden, habe das Glas fallen und zerbrechen sehen." .

Und was hat er Ihnen abgenommen als Sühne?" fragte der Iufttzrat hastig, indes die anderen gespannt aufhorchten.

Ein paar kostbare Vasen und Geld obendrein", rief Blum.

Das ist stark! Ein solch geriebener Bursche!" rie­fen die Anwesenden durcheinander.Gott habe ihn se­lig, den alten Gauner, aber das geht über das Mög­liche."

Meine Herren!" unterbrach jetzt die ruhige, tiefe Stimme des Obersten von Bärenklau das allgemeine Gewirr.

Auch ich besuchte als LeutnaM dem guten Vater Holzbock, auch hinter mir hat es gepoltert und geraffelt, auch vor mir ist der selige LuMp gleich einem Taschen­messer zusammengefahren. Ich hielt jedoch das Glas fest, sah mich genau um und bemerkte, daß von dem Standpunkte des lieben Mannes zu jenem Gerümpel eine Schnur die Wand entlang führte. Ich konnte mir diesen sinnreichen Mechanismus damals nicht erklären, jetzt aber sehe ich ein, wozu er diente

Nämlich zu einem famosen Knalleffekt", ergänzte der Juftizrat lachend.