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OeHcrrcicbs Crontolger
und 6emadlj;r ermordet.
Einem verruchten- Mordanschlag ist der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin erlegen. Das Fürslenpaar hatte am letzten Sonntage Serajewo besucht, die Hauptstadt der neu dem öfter,reichifch-ungarischen Staatsver- bande angegliederten Provinz Bosnien. Dem ersten Mordbuben, der eine Bombe nach dem Kraftwagen des Erzherzogs schleuderte, mißlang seine blutige Absicht. Unversehrt langte das Thronfolgerpaar im Ratzhaufe an. Aber als es dann wiederutn durch die Stadt fuhr, vollbrachte ein zweiter Verbrecher die schreckliche Tat. Seine Revolverkugeln trafen tödlich. — Der Draht meldete folgende Einzelheiten über, beide Attentate:
S e ra jewo, 28. Juni. Als der Erzherzog-Thron- folger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin, der Herzogin von Hohenberg, sich heute vormittag zum Empfange ins RatlMU>s begab, wurde gegen das Automobil eine Bombe geschleudert, die der Erzherzog mit dem 2lrme znrückstiefz. Die Bombe erplodierte, nachdem das erzherzogliche Automobil die Stelle passiert hatte. Die in dem nachfolgenden Automobil befindlichen beiden Herzen Graf Boos-Waldeck und der Flügeladfntant des Landeschefs, Oberstleutnant Merizze, wurden leicht verletzt. Vom Publikum wurden 6 Personen mehr oder weniger verletzt. Der Attentäter, ein serbischer Schriftsetzer aus Tr.ebinfe, namens C a - b r i n o v i c, wurde sofort festgenommen.
Nachdem Empfange im Rathause setzte der Thronfolger mit seiner Gemahlin die Rundfahrt fort. AM Hauptplatze sprang plötzlich ein junger qutgekleidetcr Mann aus dem Publikum hervor und gab auf das erzherzagliche Paar, zwei Schü s e aus einem Revolver ab, von denen der eine den Erzherzog nahe der Schläfe, der andere die Herzogin von Hohenberg im Unterleib traf. Das Autömohil fuhr nach dem Konak im befchleuUigten Tempo. Hier war sofort ein Arzt zur Stelle. Trotzdem war jegliche HilseleisttiUg unmöglich. Gleich nach der Ankunft im Konak verschieden der Erzherzog und seine Gemahlin.
Der Mörder, auch ein Serbe, ist ein Gpmna- iäst der achten Klasse aus Grahove mit Namen P r i n- : i p. Er wurde bei seiner Verhaftung fast gelyncht.
P r i n c i p, der längere Zeit in B e l g r a d studiert hat, ist 19 Jahre alt. Nach seinen Aussagen wr der Polizei hat er lchon lange die Absicht gehabt,
1 rgend eine hohe Person aus nationalistischen Zeweggründen zu töten. Er habe einen Augen- i >lick gezögert, da auch die Herzogin sich im Automobil i lesand, dann aber rasch gefeuert. Er leugnet, Komplien zu haben.
Von beiden jugendlichen Mordgesellen führen Fä- i an noch der serbischen H a u p t st a d t. Die 3luttat in Serajewo erscheint also in irgend einem Zu- * ammcnhange mit den g r o sz s e r b i s ch e n U m t r i e- ' en zu stehen.
Hart lastet die Hand des Schicksals auf dem alte»
’■ urrfcherhaufe der Habsburger. Einsam ragt die ver- hrungswürdige Gestalt des 84jährigen Kaisers Franz ' fosef in unsere Gegenwart hinein. Rund um ihn
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Das Glas des Erasmus.
Humoreske von A. Thiele.
Die Mitglieder des „Vereins für Münzkunde" hat- n den wissenschaftlichen Teil ihrer Sitzung beendet, nn lebhaftes Gespräch entspann sich an dem runden , Ische, der nutzer einer, Anzahl von seltenen Münzen lit verschiedenen Eremplaren der weniger seltenen Spc- es „Bierseidel" bedeckt war.
Man unterhielt sich über Sammlungen von Alter- - imern, und einer der, Herren erwähnte dabei den wohl- , ingenden Namen Hoizbock.
> „Haben Sie ihn auch gekannt, den alten Holzbock
» i Frankfurt a. M.?" rief der Justtzrat Krüger,.
\ „Freilich kannte ich ihn, ihn und seine vortrefflichen i nmmlungen", erwiderte der, Angeredete, der Rentier lume.
„Mir ist mit ihm einmal eine unangenehme Ge- r lichte passiert", suhr Krüger sort, „die ich Ihnen, meine ’ erren, soviel ich weitz, noch nicht mitgeteilt habe."
Mittwoch, den 1. Juli 1914. - 26. Jahr«.
hat der Tod seine Ernte gehalten, als walte ein besonderes Verhängnis über allen den hochgeborenen Menschen, die dem Kaiser lieb sind. Ueber den gewaltsamen Tod des Kronprinzen Rudolf sind immer"noch nicht alle Schieier gelüftet. Vorher war Franz Josefs Bruder Mar bei dem merikanischen Abenteuer ums Leben gekommen. Die Gattin, Kaiserin Elisabeth, starb von der Hand eines wahnwitzigen Meuchelmörders. Eine lange Liste des Unheils lietze sich entrollen von den weiteren Schicksalen, die Kaiser Franz Joseph in seinem engeren und weiteren Familienkreis mit anfehen mutzte.
Schwerer noch vielleicht, als an dem Unglück seines Hauses, mag der Fürst an den Geschicken seines Landes getragen haben. Die 66 Jahre geschichtlicher Wandlungen, die über Oesterreich-Ungarn hinweggegangen sind, seit Franz Josef als Jüngling unvermutet aus den Thron der Doppelmonarchie berufen worden ist, weisen manches schwarze Blatt auf: Der Erwerb von Bosnien war nach manchem Verlust und Mißerfolg der einzige Machtzuwachs, der für Franz Josefs lange, ereignisreiche Regierungszeit zu verbuchen ist. Alber Bosnien kostet das Leben des zum Thronsolger berufenen Neffen des Kaisers, der ihm sei! vielen Jahren nicht nur, ein Berater, der beinahe ein Mitregent geworden war, der die schwere Bürde der Kaiserkrone dem Oheim tragen half.
„Entsetzlich, entsetzlich) auf dieser Welt ist mir nichts erspart geblieben", sagte weinend der Kaiser, als ihn in Ischl die Un- glücksbotschast aus Serajewo erreichte.
Die mannigfachen Vermutungen und Deutungs - versuche für die Richtlinien einer Regierung Franz Ferdinands sind durch das Schicksal weggewischt von der Tafel der politischen Berechnungen. Eine neue, vorläufig unbekannte Grötze ist statt dessen in Erscheinung getreten: die Persönlichkeit des neuen Thronfolgers:
Die Kinder des ermordeten Erzherzogpaares sind auf dem österreichischen wie auf dem Ungarischen Throne nicht nachfolgeberechtigt. Franz Ferdinand mutzte, als er die unebenbürtige tschechische Gräfin S o p l i n A h o t ch ehelichte, ausdrücklich den Verzicht auf alle Ansprüche für seine Nachkommenschaft aussprechen.
Der Erzherzog Karl Franz Josef ist jetzt der nächste am Throne. Er ist der älteste der beiden Söhne des vor wenigen Jahren verstorbenen Erzherzogs Otto, eines jüngeren Bruders des ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand. Erzherzog Otto war der nächste Anwärter auf die Krone nach seinem Bruder. Ein im Uebermut selbst verschuldetes, qualvolles Leiden hat ihn dahingerafft. Sein Sohn, der jetzt als Thronfolger zu gelten hat, der Erzherzog Karl Franz Josef, wird 27 Jahre alt. Er ist vermählt mit der Prinzessin Zita von Bourbon und Parma. Ein \ l / 2 Jahre alter Stammhalter sichert zunächst die Thronfolge in dieser Linie.
Viel mehr weitz man in der Oeffentlichkeit nicht von ihm. Er soll bei seinen Kameraden ein beliebter Offizier sein. Und doch hängt eine unendlich bange Frage an seiner Person: Was soll aus Oesterreich-Ungarn werden, wenn einmal der Tag kommen sollte, da Kaiser Franz Joses ausscheidet' aus dem staatlichen Leben ? Was soll dann werden, wenn der neue, unlbe-
Die kleine Gesellschaft bat den Justizra! zu erzählen und dieser begann:
„Der Trieb, merkwürdige Altertümer zu sammeln, regte sich schon früh in mir. Indessen wird es Ihnen, wohl einleuchten, daß in meinen Studentenjahren und zur Zeit meiner hohen staatlichen Würden als Referendar und Assessor meine Sammlungen in sehr bescheidenen Rahmen bleiben mutzten, Trotzdem war mein Interesse sehr rege, und so suchte ich denn auf einer Reise, die mich durch Frankfurt führte, auch den seligen Holzbock auf. Christlieb Holzbock, Besitzer einer, der verschla- gendsten Physiognomien, die mir in meiner juristischen Praiis vvrgekommen, bewohnte ein altes yrohes Haus in einer abgelegenen Strotze."
„Ganz richtig, ich entsinne mich", unterbrach ihn Rentier Blume, „ich habe ihn dort auch besucht."
„Dieses Haus war von unten bis oben mit Kuriositäten angefüllt, die dey Alte gleich einem Drachen hütete. Sein grötzter Stolz wagen jedoch einige Unika, Geräte und Kleidungsstücke, die im Gebrauche historischer Berühmtheiten gestanden hatten, und die durch
- kannte Mann, der den Thron besteigt, nicht die Eigen-
- ! schäften mitbrintzl, die den Träger der Krone zumfreu-
> j dig anerkannten Mittelputtkte des haderzerspaltenen Rei- l ches machen könnte?
> Serajewo, 28. Juni. Nach dem Attentat be- 1 mächtigte sich der Menge eine ungeheure Erregung. —
Man sah viele Leute weinen. Die Trauer in der Stadt
> ist unbeschreiblich. Die Bevölkerung ist konsterniett. Ue- i befall wehen Trauerfahnen.
Wien, 28. Juni. Die Nachricht von dem Atlen- , tat und von dem Tode des Erzherzog-Thronsolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin wurde in Wien unter dem Ausdruck tiefster Teilnahme und Bestürzung s lebhaft besprochen. Aus der ganzen Monarchie treffen
: Depeschen ein, die den erschütternden Eindruck wieder-
j geben, den die Nachricht des Attentats hervorries. Ue-
’ | berall wurden die Festlichkeiten! abgesagt. An vielen
s j Orten fanden Kundgebungen statt, in denen die unwan- ! dellbare Treue zu Kaiser und Kaiserhaus auSgedrückt ' ! wurde.
Bad Ischl. Der Kaiser Franz Josef, der sofort . I von dem Ableben des Erzherzogs und seiner Gemahlin ! verständigt wurde, zog sich tieferschüttert in seine Ge- [ I mächey zurück und befahl, Dispositionen für seine Rück- i reise nach SchönbruNn zu treffen. Er ist bereits nach . ! Wien zurückgekehrt.
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Wie verlautet, sollen dem Erzherzog schon vor Be- | ginn der großen Manöver zahlreiche Warnun- , I g«n zutzegangen sein. Der Erzherzog soll erklärt haben, er se: entschlossen, unter allen Umständen an den • Manövern teilzunehmen und vor Drohungen nicht zu- ‘ rückzuwcichen.
Ter neue Thronfolger.
W i e n, 30. Juni. Um dem nunmehrigen Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef Gelegenheit zu I geben, den Dienst auf den hohen Kommandoftellen ken- i neu zu lernen, werden ihm ein militärischer Stab und ! militärische Berater zur, Seite gestellt werden, die aus j einigen Offizieren der bisherigen Militärkanzlei des Erz- j Herzogs Franz Ferdinand ausgewählt werden. Die Mi- lilärkanzlei des Eeneralinspektorats als solche wird . aufgelöst.
Die Mutter des neuen Erzherzog-Thronfolgers, die Erzherzogin Maria Josefa, ist eine Schwester des Königs vvn Sachsen. Thronfolger Karl Franz Josef voll- ! endet am 27. August sein 27. Lebensjahr. Er machte ! die Gymnasialstudien durch und trat früh in den militärischen Dienst ein, arbeitete jedoch fortgesetzt wissen - schastlich auf den Gebieten der Philosophie und der Jurisprudenz. Der Thronfolger, der Deutsch, Böhmisch, Ungarisch, Englisch und Französisch spricht, steht als Major im Infanterie-Regiment Nr. 39 in Wien und wird in der preußischen, der sächsischen und der badischen Armee a la suite geführt. Er besitzt ein liebenswürdiges und freundliches Wesen und ist bei Borge - setzten, Kameraden und Untergebenen beliebt. Er besitzt die Rettungsmedaille, die bekanntlich Bismarck von allen seinen Orden am höchsten schätzte, da er einmal einen Soldaten vom Tode des Ertrinkens rettete. Seit dem
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Dokumente als unzweifelhaft echt bezeichnet wurden. So besaß er einen Koller Orenstierna's, ein Paar Schul,e von Kant, eine Schillerlocke, eine Mütze von Ziethen und andere Dinge mehr. Indem er mir dies alles
vorwies, forschte er mich aus, ob ich auch etwa eine solche verbriefte Merkwürdigkeit mein Eigen nenne. Durch einen glücklichen Zufall war ich Besitzer zweier Sporen, mit denen einst der weiland Generalissimus Tilly seinen Gaul gekitzelt hatte. Als ich dem seligen Christlieb Holzbock das Dokument beschrieb, das die Echtheit meines Besitzstückes verbürgte, leuchteten seine scharfen Augen plötzlich auf) dann aber fuhr er ruhig sort, mir seine Unika vorzuweisen. „Und nun", sagte er mit feierlicher Stimme, „werde ich Ihnen die Perle meiner Samm - lung zeigen, ein Trinkglas, das der große Erasmus , von Rotterdam im täglichen Gebrauch hatte." Er ließ mich das dazu gehörige Dokument lesen und reichte mir dann das Glas zur genauen Betrachtung. Ich erinnere mich desselben noch genau, es war ein grüner Römer mit weißen Buckeln!"
(Fortsetzung folgt.)


