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_ Druck der Gicgcncr BcrlagSdruikcrci. Albt« Klein.
Telephon: Rr. SW. _ Mittwoch, VM 24. JUNl 1914. Telephon Rr. »«S. 20. Iahkst.
vom albanischen Nulslaild.
' Durazzo, 23. Juni. Der Fürst hat Meh- med Bei Konetza zum Minister des Aeuhern ernannt.
Durazzo. Die deutsche Gesandtschaft hat zu ihrem Schuhe um 60 Matrosen vom Kreutzm „Breslau" gebeten. Diese wurden sofort gelandet.
Durazzo, 23. Juni. Die Lage des Mbret, die in den letzten Wochen so gefahrvoll war, scheint sich jetzt, dank dern energischen Vorgehen der Großmächte, z» bessern. Die Rebellen wären zwar mit dem Hose von Durazzo vielleicht fertig geworden, indessen den Schiffs- kanoncn und den fremden Truppen sind sie doch nicht gewachsen. Das sehen sie auch ein und deshalb wollen sie klugerweise mit dem Mbret in Verhandlungen treten. Heute sollen sie auf der LaguNenbrück« beginnen. Die Lagune legt sich wie ein gewaltiger Festungsgra- ben an die kaum eine halbe Quadratmeile umfassende und nur durch zwei schmale Landzungen mit dem Feft- lande verbundene Insel an, auf der Durazzo liegt. Während man von Norden aus die Lagune umgehen und auf dem schmalen und langgestreckten Verbindungszipfel auf die Insel und nach Durazzo gelangen kann, hat man von Süden, also von Schiak bezw. Rästbul aus, auf dem Wege nach Durazzo eine Brücke zu passieren, die über einen die Lagune mit dem Meere verbindenden Graben führt. An dieser Brücke, d. h. unmittelbar vor den Gcschützmündmrgen der fremden Kriegsschiffe in der Bei von Durazzo, sollen die Verhandlungen stallfinden. Die Brücke ist außerdem noch durch viele Schützengräben und ein Schnellfcucrgeschütz gesichert. — Es heiht nun, dah die Rebellen von Schiak zur Unterwerfung bereit sind. Sie wollen die Regierung des Fürsten und die albanische Flagge anerkennen.
Uvber die Vorgänge in Albanien liegen folgende Depeschen vor:
Aus Skutari wird gemeldet: In der letzten Zeit konnte vielfach festgeftcUt werden, datz aus Montenegro ein umfangreicher W affenschmuggel nach Albanien zugunsten der Aufständischen getrieben worden ist. Demzufolge wurden strenge Grenzmahnahmen gegen Montenegro verfügt.
Durazzo, 23. Juni. Nachdem ein zweitägiger Waffenstillstand mit' den Aufständischen abgeschlossen worden ist, scheint ein Teil von ihnen jetzt zur b e - ding Ungs losen Unterwerfung bereit zu sein. Mit den Südtruppen bei Semeni und den Nordtruppen bei Slinza ist die Verbindung hergeslellt. — Das Offizierskorps des hier «ingetroffcnen deutschen Kreuzers „Breslau" ist gestern nachmittag vom Fürsten empfangen worden.
Wie in Durazzo verlautet, sollen die Aufständischen bereit sein. Frieden zu schlieszen. Sie verlangen jedoch Belastung der Waffen Und volle Amnestie, und
Um des Raiters willen.
(Schluß.)
„Genug, Herr Kaiser, treiben Sie Ihre» Spott nicht weiter mit mir. Geben Sie den Weg frei, dah ich wieder herau^komme", fuhr Aenne empört auf und wollte hinauseilen.
„Füllt mir im Traum nicht ein", lachte der Unverbesserliche, spreizte Arme und Beine aus, um ihr den Ausgang zu verwehren.
„Was geht denn hier im Korridor, vor?" lieh heb von "oben eine Helle Frauenstimme vernehmen. Lieselottes Eltern kamen die Treppe herunter, um den von ihrem Töchterchen angekündigten, unerwarteten Besuch
zu begrühen. v _ .
„Um Hilfe, Schwesterchen und Schwager, das kleine Fräulein Aenne Groh tötet mich mit ihren Blicken Und will Reihaus nehmen, weil ich noch keine Fran habe und ich nicht Lieselottens Vater bin. Ach, Schwager Kurt, willst Du mir nicht Deine Vaterschaft für kurze Zeit' abtreten? ries Mar in erheuchelter Verzweiflung seinen Verwandten zu.
Diese muhten nicht, wie sie sich das Korndordrama ausdcuten sollten. Dort an der Tür der ausgespreizte, sidcle Mar, eiftigst bemüht, die junge, ftemde Dame zurückzuhalten, die vergeblich dem Ausgang zusteuern wollte.
Aenne Groß wandte sich jetzt dem Ehepaar zu: „Verzeihen Sie bitte, meine Herrschaften, ich
verweigern die Stellung von Geiseln. An ihrem Standpunkt dürste ein etwaiger Versöhnungsversuch abermals scheitern.
Durazzo. Das neutz freiwillige Artille r i st e n k o r p s hat den p r e u h i s ch e n Offizier von der Lippe zum Kommandanten berufen, der seinerseits den holländischen Offizieren unterstellt ist. Der Fürst erklärte sich damit einverstanden.
Der geplagte Fürst Wilhelm hat aber auch noch andere Sorgen. Kriege kosten Geld und er hat keins. Wie wir aus gut unterrichtetet Quelle hören, befindet sich der Fürst von Albanien in schwerer finanzieller Bearängnis. Sowohl die Verwandten des Fürsten, die Familie Wied, wie auch die Angehörigen der Fürstin, die bekanntlich eine Prinzessin von Schönborn-Wald enduNg ist, und aus Sachsen stammt, haben bedeutend Wittel hergegeben, um des Fürsten Stellung zu Durazzo zu stärken. Der Bruder der Fürstin, Prinz Günther von Schönburg-Waldenburg, reiste am Montag von Bukarest ab und ist inzwischen wahrscheinlich in Durazzo angekommen. Hoffentlich kommt die Hilfe nun doch noch zur. rechten Zeit.
Die Gründung der Albanischen Staatsbank ist gesichert. Das Kapital wird 75 Millionen betragen, zu dem sämtliche Mächte mit gleichen Anteilen beitragen. Oesterreich und Italien werden die Direftion beistellen.
Politifcbe Rundfcbau
Deutschland.
* Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete und langjährige Parteiführer, der Mannheimer Rechtsanwalt und Stadtrat Ernst Bassermann, vollendet am 26. Juli sein 60. Lebensjahr. Innerhalb der nationalliberalen Partei werden zu diesem Tage g r o h e Ehrungen vorbereitet.
* In einer Zentrumsversammlung in Berlin erklärte der Abgeordnete T r i m b o r n, die bürgerlichen Parteien mühten sich aufraffen und die Regierung müsse «inen Arbeitsplan vorlegen, der durch das Zusammenarbeiten der bürgerlichen Parteien durchzuführen sei. Bei der zielbewuhten Arbeit gegc»r die Sozialdemokratie habe die Regierung die Führung zu übernehmen.
* Die Zweite badische Kammer hat den Staats-
vertrag zwischen Baden Und Hessen über den BaU einer Eisenbahn von N e ck a r st e i n a ch nach SchönaU im Odenwälder Steinachtal einsttmmig ge- nehmig,. .
' In D a r m st a d t hat der Parteitag der hessischen Fortschrittlichen V o l k s p a r t e i ge-
. tagt. Parteisekretär K u h l m a n n gab den geschäst - lichen Jahresbericht. Landtagsabgcordneter Henrich gab in Stellvertretung des erkrankten Landeskassiereis Sanitätsrat Dr. Kolb den Kassenbericht. Landtagsab- gcordnetcr Prof. II r ft n b 1 erstattete den Bericht der Landtagssraktion. Abg. Henrich erstattete ein Referat über die politische Lage in Hessen und über die bevorstehenden Landtagswahlen. Nach kurzer Debatte, an der sich auch Reichstagsabgeordneter Kopsch beteiligte, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Partei tritt in den Wahlkamps ein mit der Parole: für die politische, kulturelle und wirtschaftliche Vorwärtsentwik- kelung des Landes und gegen alle diejenigen, die die Entwickelung hindern. Demzufolge ist jegliches Zusammengehen mit den Parteien der Konservativen, des Zcir-- trurns, des Bauernbundes, des Bundes der Landwirte und der Antisemiten ausgeschlossen, ebenso eine Unterstützung der Kandidaten dieser Parteien. Der Engere Ausschuß ist ermächtigt, die zur Einleitung der Wahlbewegung erforderlichen Schritte zu unternehmen und etwaige Verhandlungen mit andere» Parteien zu führen. Wahlabkommcn der Einzelvereinc mit anderen Parteien dürfen nur nach vorheriger Verständigung mit dem Parteivorstand abgeschlossen werden."
' Der 9. Kongreß der freien Gewerkschaften Deutschlands wurde in München im , großen Saale des Münchener Kindl-Kellers eröffnet. Aus dem Rechenschaftsbericht der Generalkommission ist zu entnehmen, dah an Arbeitslosenunterstützungen gezahlt wurden im Jahre l91l: 7 368 975 Mk.,' 1912: 8 920 342 Mark und 1913: 13 037 435 Mk. Die Zahl der Abonnenten der Arbeiterjugend ist von 54 000 aus 104 000 gestiegen. Die gewerkschaftlich-genossenschaftliche ! Versicherungsgesellschaft „Volksfllrsorye" hat im ersten j Jahr ihres Bestehens 74 776 Versicherungsanträge mit j einer Versicherungssumme von 13% Millionen aufzu - : weisen. Für Streiks und Aussperrungen wurden in den letzten Jahren 1 573 145 Mk. a» Unterstützungen autz- gegcben.
Oesterreich.
" Wien. Der Kaiser empfing den albanischen Gesandten Suraya Bei Vlora in Audienz. Der Gesandte überreichte sein Beglaudigungsschreiben.
Frankreich.
* Frankreichs Staatsschulden betragen nach Ausnahme der neuen 800 Millionen-Anleih« 32 Milliarden Francs.
* Präsident P oincaree hat offiziell dem Hose in Stockholm mitteilen lassen, dah-er am 24k Juli dem König Gustav einen Besuch abstatten werde.
* Nach einer Meldung aus Toulon wird der ' russische Generalstabschef Russin sich heute in Be-
„Ne, ne, ich bin Erster", rief jetzt Mar Kaiser, verlieh rasch seinen Tskrhüterp osten und stellte vor: „Fräulein Aenne Groß, Lehrerin aus Dingsda im Belgischen, werdende Frau Mar Kaiser, Leutnant der Reserve und Diplomingenieur — Berlin. Mein Schwager Direftor Kurt Sluniberg, ebenfalls Leutnant der Reserve — meine Schwester, geborene Else Kaiser."
Sekundenlanges Schweigen folgte der Vorstellung. Erstaunen und Zweifel kennzeichneten sich in den Mienen der Vorgestellien. , .. . .. „ ,
„Meinen herzlichsten Glückwunsch beidersetts, lreh sich Herr Stumberg zuerst mft seiner tiefen Grabesftrin- me vernehmen uni, schüttelte seinem Schwager und der ganz verdutzt dreinschauenden neuen Schwägerin herzlich
die Hand. ..
„Sichst DU, Else", wandte er sich letzt lachend an sein« "Frau, „jetzt bekommt Mar doch noch eine Frau ohne Dein Dazutun."
Du Teufelsjunge", schimpfte Frau Else, gab dem Bruder einen flüchtigen Kuh und Umarmte und kühle Aenne immer und immer wieder.
Sanft löste sich diese aus der Umarmung und stotterte verlegen: „Ich verstehe nicht, gnädige Frau —— „Was — gnädige Frau?“ Für Dich bin und bleibe ich „Else", Du kleiner, lieber, reizender «obold. Du bist viel zu schade für den Frechdachs von Mar Aber, ich bin ja überglücklich, dah er endlich gewählt hat. Da wir verwaist sind, blieb mir doch nichts anderes übrig als Mutterstelle an ihm zu vertreten, oo- schon Mar noch zwei Jahre älter ist als ich. Nun ist er
in Berlin, und ich bin inKöln, da soll der Kuckuck einen so großen Bengel bemuttern", sprudelte die redelufttge junge Dame hervor und sah dabei Aenne glückselig in die Augen.
„Aber ich — —“
„Ach, Else, Hunger, Hunger, Hunger haben wir alle Drei von der Kaiserbesichtigung mitgebracht", schnitt Mar absichtlich Aennes Rede ab.
„Ach ja, verzeiht, ich will eben noch ein Gedeck mehr auftragen lassen", entgegnete Frau Else und verschwand in der Küche im Erdgeschoß. ^
„Und ich will inzwischen das edelste Nah aus dem Keller holen zur Feier des Tages", rief ihr Gemahl und beeilte sich nach dem Keller zu gehen.
Das Brautpaar war allein. „Um Gottes willen, Herr Kaiser — —“
„Mar", verbesserte der Schelm.
„Wie soll das enden?" rief jetzt Aenne in heller Verzweiflung.
„Mit einem delikaten VerlobUngsschmautz, mein« liebe, lurzige, kleene Aenne. Bin ich denn ein so unausstehlicher, schrecklicher Europäer, dah Du mir nicht ein wenig gut sein kannst, und mir nicht einmal den Verlobungskuh geben willst?" Dabei sah er sie so bittend mit seinen Schelmenaugen in ihr verwirrtes, glückstrahlendes Gesicht, dah sie die Augen niederschlUg--
und sein« Küsse duldete.
„So nun bist DU verrazt", flüsterte er ihr ins Ohr, „und mir auf Leben und Tod verfallen."


