Ausgabe 
20.6.1914
 
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demische Jugend auch im Jahre der 100. Wiederkehr seines Geburislages das Andenken Bismarcks einmütig und in erhebender Weise seiern. Der Bismarckausschuß der deutschen Studentenschaft hat beschlossen, alle deut­schen Studenten zum Sommersonnenwend­tage 19 15 nach Friedrichsruh einzuladen, um an des großen Kanzlers letzter Ruhestätte eine würdige Gedenkfeier abzuhalten und alsdann aus der Bismarck­säule, die die deutsche Studentenschaft aus dem Hamberge bei Friedrichsruh dem Reichsgründer errichtet hat, die vo» jugendlicher Begeisterung culsachlen Flammen em­porlodern zu lassen.

* Wie aüs Windhuk gemeldet wird, ist die Telef unkenverbindung zwischen S ü d w e st- a f r, i k a und Togo hergestellt und wird nach ersolg- 1er Abnahmeprüfung in den öffentlichen Dienst einge­stellt. Es gelingt bereits jetzt, Telesunkendepeschen von S ü d w e st über Togo nach Nauen bei Berlin zu senden, wobei 8200 Kilometer drahtlos überbrückt werden. Diese Entfernung entspricht der von Deutsch­land nach Siam.

Oesterreich.

* Wien, 18. Juni. In Gegenwart des Kai­sers und der Mitglieder des Kaiserhauses, sowie der Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, fand heute vor­mittag in Schönbrunn die seierliche Weihe und U-e b e r- g a b e der Fahne an die Kaiser Franz Joses-Mili- tär-Akademie statt. Die Feier bildete die erste Gelegen­heit, bei welcher der Kaiser, der sehr frisch aüssah, sich der Oeffenilichkeit zeigte.

* Die österreichisch-ungarische Regierung bat wie die anderen Mächte in Konstantinopel und Athen in versöhnlichem Sinne gewirkt. Sämtliche Mächte sind einig, für die Ausrechterhaltung des Friedens tätig zu sein.

England.

* In den letzten Tagen sollen eine große Anzahl türkischer Marineosfiziere in England an­gekommen sein, um 120 000 Tonnen Kohle und auch vier bis fünf Transportdampfer von etwa 6000 Ton­nen und zehn bis 'elf Knoten Geschwindigkeit anzukau- sen. Die Schiffe sollten, im Kriegsfall als Truppen - transportschiffe dienen. Die griechischen Dampfer und mehrere Schlepper aus dem Schwarzen Meer und von Athen sind nach den griechischen (.Gewässern abgefahren. Die griechische Schiffahrt hat den gesamten Dienst in den türkischen Häsen eingestellt.

Bulgarien.

* Sofia, 18. Juni. Nach autz Regierungskrei­sen stammenden Erklärungen hat sich die b u l g a r i - s ch e Regierung entschlossen, bei einem eventuellen Kon­flikt zwischen Griechenland uüd der Türkei st r e n g st e Neutralität zu beobachten.

Türkei.

* Die türkische Regierung hat angeordiket, J> bis aus Widerruf kein Dampfer in den Hasen von Smprna einlaufcn oder herausfahrcn darj. Am Eingang des Golfes von Smyrna sind Mienen ausgelegt worden?

* Berlin. Die deutsche Regierung erklärte sich mit dem Vorschläge der türkischen Regierung einver­standen, daß die Vertrauensleute der Botschaf­ten der Großmächte, sei es in Verbindung mit Talaal Bey, sei es selbständig, die Lage der Griechen in Klein- asien untersuchen sollen.

Ruhland.

* Der russische Minister des Aeußern erklärte einem Vertreter der ZeitungVittorul" vor seiner Heim­kehr nach Rußland, daß künftig nichts die sreundschaft-

Aenne lachte über den kleinen Streit und meinte scherzendeSic begehen denselben Fehler wie der große Hause, welcher den Kindern den Lehrer oder die Leh­rerin als Schrcckbild darstellt."

Danke für die Moralpredigt, leider bin ich noch nicht dazu gekommen, der Kindererziehung näher, zu tre­ten", entgegnete Herr Kaiser,Lieselott wird, als ein­ziges Kind, von ihrer Mutter total verwöhnt."

Deshalb braucht es der Vater nicht auch so zu machen", wollte die allzeit schlagfertige belgische Lehrerin erwidern, verschluckte es aber wieder. Da hatte sie denn doch unter ihren belgischen Rangen eine bessere Zucht.

Mas haben Sie denn nUn zunächst vor,, Fräulein Groß?" srug Herr Kaiser in seiner kecken Weise.

Vor allen Dingen meine im Gedränge verunglückte Speisekammer reinigen", scherzte Aenne, von der srischcn, natürlichen Heiterkeit des Berliners angesteckt und zeigte ihm das geöffnete Pompadour.

Das reine Sodom und Gomorra im Pompadoür", lachte Herr Kaiser.

Wenn ich nur wüßte, wo ich die Reinigung vor­nehmen könnte, daß ich wenigstens zu meinem Gelde und der Rückfahrkarte gelangte."

Ganz einfach bei meiner Schwester auf dem Hohenzollernring. Sie sahren mit uns. Nicht wahr, Lieselott?" wandte er sich dann an die Kleine. Diese schien einen Augenblick zu überlegen, ob es sich wirk - lich lohnte, das Schreckbild mitfahren zu lassen.

Meinetwegen aber dann im Auto", befttmmte die Kleine altklug. Aenne Groß widersprach eifrigst., doch der dreiste Berliner Halle schon einen Chauffeur herbei­gerufen und mit ihm die Route besprochen, was Aenne

lichen Beziehungen zwischen Rumänien und 9t' u h- land trüben würde, die durch gemeinsame In­teressen und eine friedliche Politck verknüpft seien.

* Die Vertreter Rußlands und Rumä­niens haben bei der Pforte einen gemeinsamen Schritt unternommen, um dieser von dem Interesse Kenntnis zu geben, daß beide Mächte an der Aufrechterhallung der kommerziellen Freiheit der Dardanel- l e n Haben. Man ist sich allgemein darüber einig, daß dieser Schritt, der die russisch-rumänische Annäherung bezeugt, seine Wirkung am Goldenen Horn ausüben wird.

Uom albanischen Umstand.

* Nach den zahlreichen, sich vielfach widersprech­enden Meldungen über die vorgestrigen Kämpfe um die Hauptstadt, ist jetzt wenigstens insofern Klarheit darüber vorhanden, daß die Truppen des Fürsten eine schwere, bedauerliche Niederlage erlitten haben. Die Regierung Oesterreich-Ungarns scheint nach Wiener Meldungen je­denfalls entschlossen zU sein, die Gründung Europas, die in erster Linie seine Gründung ist, nicht im Stiche zu lassen, und es kann sehr leicht geschehen, daß die Auf­ständischen im letzten Augenblick aus österreichische Ba­jonette stoßen werden.

* In Dürazzo soll es, so heißt es in Rom, zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Fürsten und der internationalen Kontrollkom­mission, sowie zwischen dem Fürsten und dem eng­lischen Admiral gekommen sein. Der Admiral wünscht, daß der Fürst auf ein Kriegsschiff geht, sobald die Re­bellen Durazzo nehmen, und dieser will unter österreich­ischem und italienischem Schutz in Durazzo bleiben.

* Durazzo, 18. Juni. Der DampferHerze­gowina" gab heute vor Durazzo mehrere Schüsse ab. Die Bewaffnung wurde von der Regierung beschlossen, aber sehr geheim gehalten. Die Italiener bezeichnen das als Neuträlitätsbruch. Der Dampfer Herzegowina war von der albanischen Regierunggechartert". Die Frei­willigen Ingenieur Häßler, der preußische Rittmeister d. Reserve v. d Lippe uNd der Journalist Lorch hatten ein Akodageschütz an Bord gebracht und gaben damit 60 Schüsse ab, die sehr wirksam gewesen sein sollen.

Prenk Bibdoda erklärte, falls K r o j a sich nicht freiwillig ergebe, werde er, um nicht Zeit zU ver­lieren, die Stadt nicht angreiscn. sondern unter Rücken­deckung westlich vorrücken, um sich Durazzo zu nähern. In Durazzo wurde gestern nacht wieder ein Lichtsignal- wechsel zwischen der Stadt und Rasbul beobachtet.

" Fürst Karl z u Schönburg-Harten- st e i n, der Schwager des Fürsten von Albanien, weilte kürzlich in Budapest, von wo aus er nach Dupazzo wei­terreiste. Wie ein hiesiges Blatt meldet, erklärte der Fürst im Nationalkalffno, seine Schwester, die Fürstin, schreibe verzweifelte Briese an ihre Familie in Deutschland. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sagte der Fürst:Wenn auch ganz Europa meinen Schwager im Stiche läßt, wir werden ihn nicht verlassen, und ich eile ihm jetzt zUr Hilfe."

Nutz K o n st a n tz a ist eine Anzahl r u m o n i - scher Freiwilliger eingetroffen, die sich dem Für­sten zur Versügung stellten.

jHus Stadt und Land

* Die E r st e Kammer der Stände wird vor­aussichtlich am 29. Juni zufammentreten, um die noch restierenden Gegenstände zu erledigen. Gleich nach dem Schluß dieser kurzen Tagung, Anfang Juli, soll der offizielle Schluß des Landtages erfolgen.

* Gießen. Die am 28. Mat 1914 von der Stadt­verordneten Versammlung vollzogene Wohl des Regie» rungSbaumeisters Günther Kreuzten zu Gießen zum

nicht verstehen konnte, da beide außer Hörweite stan­den.

Jubelnd war Lieselott schon ins Auto geklettert. Um des Kaisers willen, bitte", nötigte er Aenne, eben­falls einzusteigen.Sie sehen ja, unsere Anstandsdame hat bereits Platz genommen."

Ohne weitere Umstände hob er die noch immer Unschlüssige in das Auto und nahm ihr gegenüber Platz.

Was müssen Ihre Angehörigen nur von mir den­ken ?" Hub Aenne während der Fahrt an,daß ich so mir nichts dir nichts ins HaUs geschneit komme. Ich habe Herzklopfen vor Angst."

Da lachte der große Berliner Junge wieder sein srisches herzliches Lachen, das Aenne wie Musik klang.

Much mir klopft das Herz", bekannte er,aber nicht aUs Angst, sondern vor lauter Freude, daß ich so einen reizenden, kleinen Pechvogel gefangen habe." Da­bei sah er sie mit seinen Schelmenaugen an, als wolle er sie durchbohren.

Aenne scntte den Blick vor ihm und war mit sich selbst nicht einig, ob sie seine Keckheit übelnehmen und heimzahlen sollte oder nicht. Für einen verheirateten Herrn mit einem fünfjährigen Kinde geziemt es sich freilich nicht, so keck mit einem jungen 'Mädchen zu sprechen.

Das aber stand fest bei ihr: nie in ihrem Leben würde sie diesen Mann aus ihrem Gedächtnis streichen können, uNd wenn er hundertmal verheiratet war.

Da sind wir ja am Ziel", meinte Herr, Kaiser-, als das Auto vor einem herrschaftlichen Hause am Hohen - zollernring hielt,uNd da oben erwarten uns schon Schwager Und Schwester."

besoldeten Beigeordneten der Piovinzialhauptstadt Gießen hat der Großhcrzog bestätigt.

* Gießen. Privatdozent Profeffoc Dr. Paul Kahle in Halle a S. wurde zum ordentlichen Profeffoc für semitische Sprachen in der philosophischen Falkultät der Landesuniversität in Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober 1914 ernannt.

"Gießen. In den Ruhestand versetzt wurde am 13. Juni der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Gießen, Emil Geißler, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts feines Nach» folgcrs und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Er ei hielt vom Großheezog die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.

"Gießen, 18. Juni. Unter dem Vorsitz des ProvinzialdircktorS Geheimrat Dr. Usinger tagte heute auf der Liebigshöhe eine amtliche Lehrer- Versammlung der Lehrer und Lehrerinnen der Stadt und des Kreises Gießen. Die Krcisichulbehöcde war vertreten durch den Kreisschulinspektor Prof. Dr Allers und Kirchenrat Psarrer Strack-Leihgestern Provinzial- direktor Dr. Usinger begrüßte die Versammlung und gedachte der Unterstützung, die die Lehrer der Rotcn- Kreuz-Somm'ung erwiesen hätten. Kretsschulinspektor Dr. Allers machte geschäftliche Mitteilungen. Sodann sprockun Privaldozcnt Dr. Kosfka über »Gedächtnis und Denken" und Lch er Ltndenstruth überTer freie Aufsatz in der Schule". Bei dem gemeinsamen Mittagsmahl brachte Kreisschulinspektor Dr. Allers ein Hoch aus den Großherzoz aus.

zu wollen. Würde es schon bisher in der Eichener

Bevölkerung als ein Nachteil für die Eichener Ge­schäftsleute empfunden, daß Sonntagskarten nach Gie­ßen auf der Statton Marburg nicht ausgegeben wirr-! den, so daß das wohlhabende Hinterland vollständig! von Gießen abgeschnitten war, so macht sich jetzt wäh­rend unserer Ausstellung dieser Mangel ganz beson­ders fühlbar. Der Verkehr nach Gießen von Statio- nen, welche Sonnlagskarlen ausgeben, ist weit be­deutender als der von anderen Stationen. Besonders von Marburg fehlt hier der Veckehy gänzlich, obgleich aus diesem Bezick die Mutzstellung reichlich beschickt s

Gießen. Zu erleichtertem Besuche der Gewerbe- Ausstellung ist für Montag, den 22. Juni, rin billiger Taggegen nur 40 Pfg. Eintrittsgeld angesetz Die Frist zur Einreichung des Fragebogens für das Preisgericht ist nunnhr mit endgültigem Schluß bis 25. Juni aus- gedehnt. Die Besuche von nah und fern. Schulen und jeglicher Art von Vereinen, zeigen in bunter Reihenfolge ihre Intasie für die Leistungen des h-imatlichcn Gewcr- beflcißcs. Besonderes Jntereffe errrgen bei dieser die Vorführungen der Mustei bäckerei, die Werkzcugmaschincn- Fabriken, die mustergültigen gesundheitstechntschen Anla­gen, das Bergwerk, die Ausstellungen der Firmen, wie E scnwcike BuderusWetzlar, Gummifabcik Poppe & Co. in Gießen, Glasbläserei Kobe Marburg, die Tuch­weberei GodosarGeorgenhammer. Le newcberci List- Lauterbach, Kunsttöpferet u. a. m. Auch in der Abtlg. Wohnugsetnrichtungen haben inzwiseten angemessene Verkäufe stoltgcfundcn, wie z B. die Oberh. Werkstätten 2 kunstvolle Zimmereinrichtungen nach Noiddcutschland u. s. w. Die Reichhaltigkeit der vorhandenen Becuss- arten wirkt belebend auf den Besuch ein und läßt den Eindruck zurück, der ihr gebührt, nämlich, daß sie in­teressant ist.

* G e w e r b e a u s st e l l u n g Gießen 1914. Der Verkehr,sausschuß hat der Kgl. Eisenbahndirektion in Kassel folgendes Gesuch um Bewilligung von S y n ii I a g s k a r I e n für die Strecke Marburg- Gießen eingereicht:

Die König!. Eisenbahndirektion bitten wir er­gebenst, aus der Eisenbahnstrecke Marburg Gießen die Einführung von Sonntagssahrkarten genehmigen |

Aenne blickte nach der angegebenen Richtung rindig

gewahrte aus dem Balkon der erste Etage einen Offizier, und eine weißgekleidete Dame, welche ihnen zuwinkteuj und etwas erstaunt aus den weiblichen Besuch blickten, dem Herr Kaiser galant autz dem Auto hals.

Lieselott war schon vorher herausgespruNgcn mit! ries:Papa, Mama. Onkel Mar und ich bringen ein«: richtige Lehrerin mit."

Was war das?! Lieselott war nicht sein Kind?! Er war womöglich garnicht verheiratet l Und sie, di, ehrbare Lehrerin aus dem Belgischen war mit diesem i Mädchenjäger im offenen Auto durch ganz Köln ge sahren?"

Mit Gewalt das unwillkürlich oufflackenide Glücks

gesühl niederkümpsend, hielt sie den schrecklichen Men! scheu im Korridor zurück und rief entrüstet:Was sol j das heißen, Herr Kaiser, sind Sie nicht Lieselotten- Vater, und wellt Ihre Frau nicht ebensalks hier zu Be such?"

Erstaunt blickte Kaiser in ihr «Mzürntes Gesicht -! um dann in eine Art Lachkrampf zu verfallen. Er lachte | daß ihm die Tränen in die hübschen Augen traten.

Ich--ich Vater ?! Sehe ich denn mit meinei j

27 Lenzen schon so väterlich aus ? Nein, mein Kind j so weit habe ich es noch nicht gebracht. Und meine FraU Da suche ich ja schon so lang« daran, aber es beißt bc | mir teilen Berliner Jungen kein« an. Wollen Sie « nicht mit mir riskieren? So «ine lleine, tcnrpcrameni volle, boshafte Frau habe ich mir immer gewünscht j Ich glaube, wir beide könnten Uns famos durchs L, ' ben zanken und streiten."

(Fortsetzung folgt.)