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20.6.1914
 
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«lag der »i,tz,»er Zeitung" G. m. b. H,

yit. 40* Telephon: Nr. 362. Smilstllg, dtN 2

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. Juni 1914 :. Telephon Rr. 362. Juhrtf.

Auf der Suche nach der Demokratie.

Unter diesem Titel erscheint im Germania-Verlag G. m. b. H., Bamberg, 277 Seiten, Preis Mk. 2., von Dr. Luirt Abel-Musgrave ein Buch, das sicherlich zu den beachiensrpertesten Erscheinungen unserer Zeit ge­hört. In den neunziger Jahren erregte der Verfasser durch zwei Broschüren:Vier Wochen Vizewachtmeister" undDas Stiefkind des deutschen Heeres" große Auf - merksamteit und hatte die Genugtuung, das; seine Schil­derungen, die wiederholt im Reichstage Veranlassung zur Diskussion gaben, zu Verbesserungen im Heere führten, namentlich auch hatten sie aus die Aenderung des Be­schwerdewesens im Heere wesentlichen Einslus;. Mit den freiheitlichen Verhältnissen Deutschlands unzufrieden, be­gab sich der Verfasser nach den Vereinigte nStaa- t e n, in der Hoffnung, dort ein freies Land kennen zu lernen, in dem der Mensch gilt, was er ist und was er leisten kann. Aber schon aus der Farm begann die Reihe der Enttäuschungen, die sich dann in der großen westlichen Stadt, in der er alsCity Editor" an einer einflußreichen Zeitung tätig war, fortsetzten. Nach mehrjähriger Tätigkeit gelangte der Verfasser zu folgen­der Erkenntnis:Was ich im Urwald gelernt hatte, be­stätigte die Stadt in weil höherem Grade: es gab für die meisten nur eine Ehre: das Geld. Korruption und Humbrbg auf allen Wegen, ohne Scham, fast zum Ideal erhoben. Das Geschick des Volkes in den Händen nied­rigerPoliiiker". Ueber dem Schanktisch verschacherten dieBosse" die Stimmenzahl ihrer politischen Anhänger. Zur Zeit der Wahlen kamen sie in die Redaktions-Zim- mer, mit dem Eheque in der Hand. Wer am meisten zahlte, haste die Zeitung. Jedes Gesetz konnte von den Reichen übertreten werden. Sogar Mord konnten sie ungestraft üben. Der Arme war schutzlos in der Hand der brutalen, schamlosen, zynischen Polizei. Sie duldete und schützte unmenschliches Laster, so lange sie an dem­selben verdiente. Und über diesem Sümpse sündiger Re­gierung und Verwaltung wehte frech die Fahne der Frei­heit". Der Verfasser kehrte nach Deutschland zurück, be­gab sich aber nach kürzerem Aufenthalte nach England, wc er etwa 15 Jahre verbracht hat. Während dieser Zeit stand er mitten in der politischen und sozialen Be­wegung und veröffentlicht nun sein Buch, gewissermaßen ils Quintessenz seiner Erfahrungen, die so merkwürdig, o vielseiftg und wichstg sind, daß kein deutscher Politi- cr an dem Buche vorübergehen darf, welcher Partei er mch angehört. Der Verfasser unternimmt, zu beweisen, ms; das heutige England keine Demokratie, ein freiheitliches Land ist, daß es überdies eine Kolonien nicht mehr Zusammenhalten kann und daß

Um des Hairers willen.

Sine heitere Kaisergeschichte von Ad. Bauer-Opladen.

Nachdruck verboten.

Jetzt sprengte die berittene Gendarmerie heran und nachte freie Bahn für die Majestäten.

Vergessen war alles erlittene Pech sowie Hunger >nd Durst, und nur der eine Wunsch beseelte Aenne öroß, endlich die Kaiserlichen sehen zu können.

Aus allen Fenstern des Domhotels und des Ho- els Savoy wurde schon mit Tüchern und kleinen Fähn- hen gewinkt. Ganz in der Nähe muhte schon der Kai- cr sein.

Da stellte sich ein großer, stattlicher Herr mit einem ier- bis fünsjährigen Mädchen auf dem Arm gerade 'or Aenne auf und versperrte ihr jede Aussicht.

O, bitte, mein Herr, wollen Sie mir nicht -ge­ölten, mich vor Sie stellen zu dürsen, Sie können ja bei mich hinwegsehen," wandte sie sich zaghaft an den )errn.

Dieser drehte sich um und meinte freundlich lächelnd : Damit wäre Ihnen verslirt wenig gedient, mein klei- es Fräulein; Sie sehen ja, wir haben noch vieie Vor- ermänner. Kommen Sie getrost auf meinen richten lrm, wenn Sie was sehen wollen, mein linker ist ja hon besetzt. Aber rasch, bitte, die Majestäten kommen, vollen Sie? und schon bückte er sich ein wenig, um e aufzunehmen.

Einige Sekunden kämpfte Aenne unschlüssig mit sich übst. Mar es denn wirklich so schlimm, wenn ein ver- eiraleler Herr sie einen Augenblick auf den Arm nahm?

Um des Kaisers willen, ja, stotterte die überund

das Resultat dieses inneren und äußeren Zerfalles der Niedergang des Landes und Verfall des Britischen Rei­ches sein müsse. Derartige Dinge sind allerdings von Feinden Englands schon häufiger gesagt worden, aber aus jeder Seite des Buches geht hervor;, daß der Ver­fasser durchaus kein Feind des Britischen Reiches ist. Er stützt seine Behauptungen Schritt für Schritt auf Tat­sachen und Beweise und gibt eine solche Fülle des Ma­terials, daß man an der Hand desselben die Beweis­führung weiter sortführen kann, vergebens nach Grün­den sucht, um zu widersprechen. Vielleicht geht der Ver­fasser darin zu weit, daß er die Verhältnisse der Ver­einigten Staaten und Englands als Beweis für ein mißglücktes Erperiment der Demokratie in beiden Staa­ten anführt, aber jedenfalls sind seine Schlußworte für, Deutschland beherzigenswert:Und trotz alledem bin ich in den demokratischen Ländern monarchisch geworden. Aber an uns liegt es, die Monarchie in die rechten Bah­nen zu lenken, welche zur Freiheit, zum Menschentum, zum Wähle der Gesamtheit führen. Ich weih, daß diese Aufgabe eine sehr schwierige ist und vor allen Dingen, daß sie ohne Hilfe der Herrschenden nicht gelöst wer­den kann. Doch zählen zu denselben in Deutschland vorzügliche Menschen, die jedem Stande Schmuck und Zierde sein würden. Vo lk und F ü rst e n gehö­ren zusammen und können ohne einan­der die großen Aufgaben Unserer Zeit nicht lösen. Möge die Erkenntnis der Vorgänge in England und Amerika dazu beitragen, deutsches Volk und deutsche Fürsten einander näher zu bringen, als ge­genseitig unentbehrliche Freunde, Helfer und Berater." Wir empfehlen das hübsch ausgestattete Buch dringend der Beachtung unserer Leser.

PolilifclK Rundfcbau

Deutschland.

* Der Kaiser traf gestern Freitag srüh 7.45Uhr mit Sonderzug in Hannover ein und stieg im Schlosse ab. Das Frühstück wurde bei dem kommandierenden General von Emmich eingenommen, dann fugr der Mo­narch um 10 Uhr im Automobil zur Wanderausstell­ung der Deutschen Landwirtschaftsgesell- s ch a s t auf der Großen Bult. Als der Kaiser an der Brüstung der Kaiserloge erschien, brachte der Fürst von Schaumburg-Lippe ein dreifaches Hurra aus, das bei den vielen Taufenden, die in dem Vorführungsring ver­sammelt waren, brausenden Widerhall fand. 2 7 0 0 Kmaben Und Mädchen sämtlicher SchU- l e n, die in dem großen Ring aufgestellt waren, sangen die Nationalhymne. Die Kinder führten Freiübungen

über Erglühende. Da schwebte ihre kleine Gestalt aber auch schon, von starken Armen gehoben, in die Höhe.

Es war die höchste Zeit.

Das Kaiserliche Auto nahte heran.

Ein unbeschreiblich glückseliges Gefühl übermannte Aenne, und Tränen der Rührung und Freude entström­ten ihren Augen, als sie sah, wie die Kaiserin und Prin­zessin Vittoria Luise ihr freundlich zunickten. Es schien ihr, als habe die güttge Kaiserin ihr ganz besonders zu­genickt und über das große Kind auf dem Männerarm gelacht.

Der Kaiser grüßte nach der anderen Seite hin und da auch der große weiße Federhut der Kaiserin sein Ant­litz verdeckte, sah Aenne nur den glitzernden Helm.

Mit durstigen Blicken verfolgte sie das Kaiserliche Auto bis es verschwand.

Jetzt sah Aenne nach ihrem sreundlichen Helfer her­ab. Da gewahrte sie zu ihrem Schrecken, daß demselben jede Möglichkeit, etwas zu sehen, durch sie und das Kind genommen worden war. Sanft entledigte der Herr sich jetz' seines Balastes.

Sind Sre nun zufrieden, kleines Fräulein?"

Vollkommen, mein Herr, ich bin Ihnen zeitlebens .dankbar mache mir selbst aber die größten Vorwürfe, daß Sie durch Ihre Opserwilligkeit die hohen Herrschaf­ten nicht zu sehen bekamen."

Ist halb so schlimm", entgegnete lachend der Herr, ich bin ein Berliner Junge und bekommeKaisers" öfters zu Gesichte. Ich verbringe hier in Köln bei meiner ver­heirateten Schwester meine Ferien."

Sie sind wirklich zu beneiden, es ist mein Ver­hängnis, daß ich £e. Majestät überhaupt nicht zu sehen

aus, die vom Kaiser mit Händeklatschen ausgezeichnet wurden. Der Kaiser winkte den Kindern bei deren Ab­marsch andauernd freundlich zu. Es folgte nun die Vor­führung von mehreren hundert preisgekrönten Rindern und Pferden, daraus die Vorführung des Pserdemate- rials des Militärreitinstituts sowie einer kombinierten, vollständig bespannten Batterie in allen Fahrarten. In Gegenwart des Kaisers wurde dann das Toutmier deut­scher Pferde und daraus das des Reichsverbandes für deutsches Halbblut mit einem großen Jagdspringen sort- gesetzt. Der Kaiser besuchte zum Schluß der Vorführ­ungen noch die Sonderausstellung der Landwirtschafts­kammer der Provinz Hannover und verließ dann durch ein Spalier von Schulkindern unter den andauernden Hochrufen des Publikums die Ausstellung um 1 Uhr und fuhr um 3 Uhr mit Gefolge in Automobilen nach Eilvese zur Besichtigung der F u n k s p r ü ch st a - t i o n. Abends speiste der Kaiser, beim OberpräsideMen v. Mentzel. Nach der Tafel trug der Lehrer-Gesangver­ein einige Lieder vor.

" Aus Berlin wird geschrieben: Mit der ge­stern in London erfolgten Paraphierung des deutsch­englischen Abkommens ist ein wesentlicher Schritt in der Fertigstellung des Systems von Uebereinkünften geschehen, die Deutschland, Frankreich, England und die Türkei umfassen und eine vertragsmäßige Klarlegung der, In­teressen der drei erstgenannten Mächte in Kleinasien be­zwecken. Das betreffende Abkommen mit Fraickreich ist bekanntlich schon vor mehreren Monaten paraphiert wor­den. Jetzt steht noch eine Verständigung mit der Tückei aus, um alsdann die Abkommen durch förmliche Voll­ziehung in Kraft setzen. Neben den mit England gepflogenen Unterhandlungen über Kleinasien liefen Ver­handlungen wegen gewisser afrikanischen Fragen weiter, die nach Möglichkeit alle Reibungsslüchen zwischen Deutschland unb England in Afrika beseitigen sollen. Diese Unterhandlungen sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Voraussichtlich wird bis ZU ihrem Abschluß noch länger» Zeit vergehen.

* In einem Ministerialerlah vom 3. Juni wird darauf hingewiesen, daß das Turnen und die Jugend­spiele als Pflichtfach an den gewerblichen und kauf - männischen Fortbildungsschulen einzuführen sind. Die Regierungspräsidenten werden ersucht, die Ausnahme des Turnens und der Jugendspiele unter den Pflichtfächern der Fortbildungsschulen mit Nachdnick zu fördern.

* Wie im Jahre 1895 die deutsche Studenten - schast einmütig zumAlten im Sachsenwald" zog, um diesem zu> seinem 80. Geburtstage eine Huldigung von überwältigender Größe darzubielen, so will unsere aka-

bekomme, heute hatte ihn der Federhut der Kaiserin ver­deckt." .

Na, mein kleines, hübsches Fräulein, dann sehen Sie mich heute als Ersatzkaiser an", lachte der Berliner Junge und stellte sich vor,Mar Kaiser, Leutnant der Reserve und Diplomingenieur aus Berlin.

Aenne stellte sich ebenfalls vor und sah verstohlen zu dem hübschen, kecken Berliner empor. Schlecht konnte er nicht sein, das bewies sein fesches, herzliches La­chen. Und wie kamen dabei seine regelmäßigen, schnee­weißen Zähne uMer dem dicken dunklen Schnurrbart zum Vorschein. Und nun erst seine Augen! Eine Welt voll Frohsinn und Schalkhaftigkeit spiegelte sich in den­selben.

Zum Fressen hübsch", stellte Aenne im stillen fest, ein Ausdruck, der unter den Backfischen im Seminar ge­bräuchlich war. Ob seine Frau auch wohl das Glück, solch einen Adonis zu besitzen, zu schätzen "wußte? !

Dem lleinen Mädchen, der Vater nannte es Liese- lott, dauerte die Unterhaltung der beiden zu lange. Es zog verschiedene Male Herrn Kaiser am Arme, und da er noch immer, keine Anstalten zum Gehen machte, stteh es ihn ungeduldig und boshaft mit seinen Füßchen an.

Mit seiner Autorität scheint es nicht weit her zu sein", dachte Aenne, und der Glorienschein der echten Männlichkeit, den sie um sein Haupt gewoben, erblaßte ein wenig.

W-illst Du wohl artig sein, Liselott, die Dame hier ist Lehrerin und haut gern drüber!"

Dann laß uns erst recht gehen", und ihre Aeuglein blitzten boshaft die schreckliche Lehrerin an,ich mag keine Lehrerin."