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Mi«,»och» uoch >,«»»,,». — Redaktion: Selters- »eg W. — A»r Lufbewabrunl, »der Rü-kiendung nicht »erlangter St nau slr ip ie wird nicht garantiert.
Bert», der „G«eHe«er Zeitung" <S. m. d.
Nr. 48. _ relephont Sir. 363. _ äJiittiüodj, den 17. Juni 1914. Telephon RrH 26. Jahr«.
^U5Z'KUM
Am Sonnlag sind, wie gemeldet, der russische Zar und die Zarenfamilie von Rußland in Konslantza mit der rumänischen Künigssamilie zusammengetroffcn. Obschon die beiderseitigen Minister mit aufgeboteu worden sind, tritt doch die Familienbegegnung in den Vordergrund, Das Mgcirmerk richtet sich von neuem aus die älteste Tochter des Zarenpaares, die Großfürstin Olga, und den ältesten Sohn des rumänischen Kronprinzen - paares, den Prinzen Karl, der sich beeilt bat, von Potsdam, wo er in Garnison steht, nach Konstantza abzureisen. Das rumänische Kronprinzcnpaar weilte unlängst, mit dem Sohne einige Tage in Petersburg. Der Besuch hatte den Zweck, die beiden jungen Fürstenkinder miteinander bekannt zU machen. Was sich da begab, war nach dem, was darüber verlautet, nicht die Liebe ach den ersten Blick. Der, angehende Bräutigam soll von der angehenden Braut ein wenig von oben herab behandelt worden sein.
Diese beabsichtigte Verschwägerung hat natürlich auch ihre politische Bedeutung, doch darf man sie nicht überschätzen. Die Tage von Konstantza indessen als Ab-
I kehr Rumäniens von Oesterreich und damit vom Dreibunde zn betrachten, halten wir nicht für richtig.' Daß eine Abkühlung der Beziehungen Rumäniens zu Oester- 0 reich und Deutschland eingetreten ist, kann und soll nicht
I bestritten werden. Aber datz Rumänien die Lockerung der Bande, die es bisher, mit dem Dreibünde vecknüpst uaben, dazu benutzt, um sich von Rußland in Fesseln schlagen zu lassen, ist nicht gut anzunehmcn.
Rumänien ist augenblicklich sehr umworben. - Aus dem Gewirrder Balkarckrtegc ist es sehr glücklich | hervorgcgangcn, indem es mit ganz geringen Opfern sich
I eine Vonnachtstellung unter den geschwächten Balkan - staaten errungen hat. Für Rutzland scheint gerade jetzt der rechte Zeitpunkt zuM Liebeswerben gekommen zu sein, da in Rinnänien eine starke Verstimmung gegen Oesterreich sich eingestellt hat. Trotzdem glauben wir, wie gesagt, nicht, datz der König und seine Minister sich nun einfach in die Anne Rußlands stürzen werden; denn damit würden sie ihr eigenes Interesse preisgebcn. -on Dann würden sie ein dienstpflichtiges Anhängsel des ]br Zarenreiches, während sie jetzt, so lange sic den Weg >ch nach Wien u n d nach Petersburg sich gleichmäßig freies, .halten, einet gewichtige selbständige Macht darstellen, iq, deren Freundsckraft eifrig gesucht und unter Umständen gut bezahlt wird. nd Ob der russische Minister Ssasancw bei der ZU- in sammenkunft in Konstwntza außer dem Heiratskoittrakt luL auch noch politische Abmachungen zu Papier bringt, werden die österreichischen Diplomaten eher erfahren, als rw wir. Sollte es der Fall sein, dann darf man sich im- db Mer noch sagen: Bange machen gilt nicht ! König Karl '$■ wird gewiß klug genug sein, sich nicht in Fesseln lchla- VOD QU
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Um des Hairers willen.
Eine heitere Kaisergcschichte von Ad. Bauer,Opladen.
Nachdruck verboten.
War doch der Kaiser, der einzige Mann aus der Welt, den die „Niebeqehrte" von jeher angeschwärm! hatte.
Das bewies schon das große Kaiserbild in ihrem Wohnstübchen, der einzige Bilderschmuck außer ihrem und ihrer Nichte Konsirmalionsbild.
< Zwei Stunden vor Ankunft der hoben Herrschaften iam Aenne Groß .in Köln an. In der 'Nähe des Bahn- hofportals, den wichtigen Moment abzuwarten, wie sie vor hatte, war völlig ausgeschlossen. Ihre zierliche Film verschwand förmlich in dem Menschcnschwarm. Sie übwebte mehr, - als sie gehen konwe. Und trafen ihre kleinen Füße nral hin und wieder Gottes Erdboden, so 'rreichle sic dadurch nur, daß ihr von den großen Men- ichen um sie herum auf die Hühneraugen getreten uurde.
3' Mein, dann doch lieber schwebend zugrunde gehn", löhnte die kleine Märtyrerin, zog die Füße an und Lickte wie anllagend gen Himmel. Ach Gott, nabte denn 'es Weltuntergang?! Nur ein kleines Stückchen Him- uel war zu sehen.
Wie -lange würde sie überhaupt die Ouetsch- und ^chwebcsahrt, die sie bald vorwärts, bald rückwärts. 'Äd nach dieser, bald nach jener Himmelsrichtung hin- 'eförderte, ausbalten?
gen zu lassen und Oesterreich kann und soll nach wie vor, seine Beziehungen zu Rumänien aus alle Weise zu verbessern suchen. Jetzt ist es noch Zeit. Also können wir immer noch mit Ruhe der Entwickelung entgegen - sehen, — vorausgesetzt, daß Oestergeich aus dem Posten bleibt — sowohl in Bukarest als in Durazzo.
* Odessa, 15. Juni. Der Zar und die Zarin sind mit ihren Kindern an Bord der Kaiserjacht „Stan- dart" hier eingetrofsen.
Unter großen Ovationen der Bevöllerung hat Sonn- tad abend die Zarenfamilie an Bord der Kaiserjacht „Standart" die Reede von C o n st a n tz a verlassen und die Rückreise nach Rußland ange- tr.eten. Zur Verabschiedung hatten sich an der Reede König Carol, der Thronfolger eingefunden. Der Abschied zwischen den beiden Herrschern trug einen sehr herzlichen Charakter.
Uoni albanischen fluiftand.
Durazzo, 15. Juni. Die Aufständischen haben heute morgen um 4 Uhr die Stadt an drei Stellen angegriffen. Gegen 6 Uhr ist Oberst Thomson gefallen. Es tobt ununterbrochenes Gewehr- und Geschützfeuer. Der Fürst leitet die Verteidigung der Stadt. Die Angreifer kamen von Rastbul una Kowaja.
Der Sturm auf Durazzo ist glücklich abgeschlagen. Die Aufständischen waren der Stadt schon bedenklich nahegekommen, als das Eintreffen von 1500 Malijso- ren bei dem Fürsten ihnen den Mut nahm. Sie sind abgezogen, und da auch an anderer Stelle die Regierungspartei siegreich war, kann die Hauptgefahr als beseitigt gelten. Das Feuer dauerte gestern bis zuni Einbruch der Dmckelheit. Nach kleineren Kämpfen in den Abendstunden wurde festgestellt, daß der erste Versuch der Aufständischen, Durazzo zu überrumpeln, als gescheitert betrachtet werden konnte. Die Aufständischen zogen sich, 3000 Mann stark, nach Norden und Westen zurück. Der Rückzug wurde wahrscheinlich durch die Ankunft von 1500 Malissoren aus Aleffia und durch die Nachricht, daß Bibdoda mit Truppen vorrückt, verursacht.
Die Wiener Allgemeine Ztg. meldet, daß Tirana, der Hauptsitz der Anhänger Essad Paschas und der Aufständischenbewegung gegen den Fürsten, in die Hände der Anhänger des Fürsten gefallen ist. Achmed Bei, einer der führenden Notabeln Albaniens, hat mit 1500 Mann die Stadt genommen. Ein großer Teil der Aufständischen in Tirana erklärte sich nach der Besetzung der Stadt durch Achmed Bei für den Fürsten. Südwestlich von Elbassa kam es zu einem Zusammenstoß, bei dem die Aufständischen in die Flucht geschlagen wurden.
Die Königin empfing den Major der albanischen
Da veckündelen Böllerschüsse die Ankunft der Majestäten. Die Kaiserglocke im Dom Hub an zu läuten, und das Hurrarufen schien schier kein Ende nehmen zu wollen. Verzweifelt rief Aenne unter Tränen: „Soll ich denn nie den Kaiser sehen dürfen?!" Ein waschechter Kölner neben ihr erwiderte aus ihren Stoßseufzer: „Dat sit ühr selber Schuld, Fräulein, ühr sollt dä Likör ufem Lies geloose Hann, dann wärt ühr nitt so klein geblivve — die Flasch lu'hrt jo noch us ührem Handtäschchen
erus." ... • ...
„Da ist doch nur Kaffee dnn", verteidigte ,ich
Aenne. . _
Wer den Schaden hat. braucht fiir den spott nicht "zu sorgen", tröstete sie eine große Dame, die jedoch das Lacken kaum verbeißen konnte.
Inzwischen wurde das Hurrarufen immer schwä- her. "Die Kaiserlichen Herrschasten schienen schon auf der Weitersabrt begriffen.
Allmählich lockerte sich der Menschenknäuel, und als Nenne sicki wieder unizublicken vermochte, fand sie sich ruf der Südseite des Domes vor dem Donchotel wieder.
Wie war das möglich? Vom Hauptbahnhof bis mm Domhotcl hatte sic sage und schreibe 3 stunden zebraurbt. Ein Stück Weges von 5 Minuten bei nor-
nalen Verhältnissen. _ „
Was nun anfanuen? Wieder unverrichteter -a»e ieimkehren und Tante Jettes Lamento über das w>e- oerum vergebens ausgegebene Fahrgeld sowie deren Spöttereien wochenlang anhören?
Gendarmerie, S l u y s, um von ihm Einzelheiten über die Schwierigkeiten zu erfahren, denen die holländischen Offiziere in Albanien begegnen. Der Fürst von Albanien sandte an die Königin der Niederlande ein Tele- ! gramm, in dem er, ihr den Tod Thomsons meldet, dessen heroischer und kluger Führerschaft der Sieg zu verdanken sei.
Die „Neue Freie Presse" erhält aus Durazzo einen Spezialbericht über die Ereignisse des heutigen Tages, dem wir folgendes entnehmen: Um % 5 Uhr morgens ertönten ganz unerwartet Kanonenschüsse, denen bald ein anhaltendes Gewehrfeuer folgte. Die I n s u r g e n- 1 e n, die dieser Tage von vier Seiten angegriffen wey- den sollten, sind dem Angriff zuvorgekcmmen. Sie versuchten, über die Brücke etwa 300 Meter vor der Stadt vorzudringen. Andere durchwateten die daneben liegende Lagune, um in die Stadt zu gelangen. Der Angriff erfolgte anscheinend von zwei Seiten. Die Verteidiger waren etwa 8 0 0 M a l i s s o r e n, serner in geringer Zahl albanische Gendarmen und endlich albanische und europäische Freiwillige. Die letzteren wurden besonders zum Dienst bei den Geschützen verwendet. Ein Schncllfeuergeschütz wurde auf einem Hügel vor der Stadt ausgestellt, das von einem österreichischen Ingenieur und zwei Reichsdeutschen bedient wird. Gegen 6 Uhr morgens wütete der Kampf am stärksten. Dieser Kampflärm dauerte mehr als eine Stunde. Fürst Wilhelm leitete nach dem Tode des Obersten Thomson das Gefcck)t selbst.
Durazzo, 15. Juni. Die albanische Regierung hat ein Schiff des Oefterreichischcn Lloyd geschartcrt, das heute nach San Giovanni di Medua fährt, um dort 1000 Miriditen zur Unterstützung nach Durazzo zu' holen. Aus dringendes Ersuchen des Fürsten gehen zwei österreichische Torpedoboote nach Valona und San Giovanni di Medua, Um den Befehl des Fürsten an die dort versammelten Streilkräfte zu überbringen.
San Giovanni d iM e d u a, 15. Juni. Heute nachmittag sind 1500 Malissoren von Alcssio nach Durazzo abgegangen.
Von deutscher Seite ist der kleine Kreuzer „Breslau^' nach Durazzo entsandt worden, der an der Küste des Ionischen Meeres kreuzte. Die „Breslarck hat etwa 300 Mann Besatzung.
* Die holländische Negierung wird den in Du- razzo gefallenen Oberst Thomson nach Holland überführen lassen.
Poliurcbe Rundschau
Deutschland.
* Köln, 16. Juni. Der 17. allgemeine Ver- iretertag der nalionalliberalen Partei sindet erst am 10. und 11. Oktober d. Js. hier statt.
mMnxTwmrv am mrnmrwm m -x manwimn
I Nein, auf keinen Fall.
Ein sreund??chel Schutzmann, dem sie getreulich ihr Leid klagte, riet ihr, sick) in der Nähe einen Platz zu sichern, da die hohen Herrschaften in ungefähr einen Stunde vorbeikommen würden, um nach dem Gürzenich zu fahren.
Sie lehnte sich an den eisernen Zaun der südlichen Domanlagen, um dort den quälenden Hunger zu stillen. Doch was war das?! Aus dem Innern ihres Pompadours starrte ihr ein Chaos von zerquetschten, mit Eigelb und Eierschalen garnierten Brotkrumen entgegen. Geldtäschchen und Rückfahrkarte schwammen ebenfalls im Eigelb. Sogar ihr Taschentuch hatte eine gelbe Färbung angenommen. Als Aenne damit unwillkürlich über die nassen Augen wischte, erregte sie ein schallendes Gelächter.
O diese Kölner ! Aenne glaubte in die Erde sinken zu müssen vor Scham. Rasch schloß sie ihre uüapipc- titliche Speisekammer und wollte die Flucht ergreisen. Doch das war rascher gedacht wie getan. Der Menschcn- knäuel um sie herum zog sich immer enger wieder z><- sammen.
Der Hunger war Aenne vergangen, aber desto stacker machte sich der Durst bemerkbar. Gar zu gerne hätte sie einen Schluck aus der unversehck gebliebenen Kaffeefvasche genommen. Doch damit hätte sie wieder die Svottlust der unverbesserlichen Kölner wackigerufcu.
| Hatte man ihr doch vorhin ihren hannlosen Mokka alr l Schnapps verleumdet.


