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Nt. 46 Telephon: Nr. 362. MlltW0ch, dkN 10. JllNl 1914.
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Telephon Rr. 362. 26.
Polififcbc Rundfcbau
Deutschland.
• Der deutsche Kaiser besucht deu österreichischen Erzt^rzog-Thronfolger und ist begleitet von Staatssekretär Tirpitz. Die Wiener „Reichspost" gedenkt in anerkennenden Worten der Bedeutung des Staatssekretärs Tirpitz für die Schaffung der gewaltigen deutschen Flotte; Wenn Deutschland heute «ine Seegewalt besitzt, so dankt sie es in allererster Linie seinem Kaiser und seinem Großadmiral von Tirpitz. In Oesterreich aber freut man sich aufrichtig, dah der Kaiser gerade von dem gro- hen Flottenorganisator begleitet ist, wenn er diesmal nach Konopischt fährt. Oesterreich steht am Wendepunkt seiner Flottenpolitik. Niemand hat der Kriegsmarine, wenn sie jetzt sich kräftig zu entwickeln vermag, wärmere Förderung angedeihen lassen, als ihr Admiral, der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand, der unserer Seewehr so viel neue Impulse gab. Unter dem fürstlichen Dach von Konapischt wird der grotze Organisator, der deutschen Flotte ein lieber und hochgeschätzter East sein, dessen Werk ganz Oesterreich zu ehren weih.
• Der Herzog und die H e r, z o g i n von Braunschweig mit'dem Erbprinzen sind in Emünden eingetroffen. Die Stadt ist sestlich geschmückt. Das Kurpublikum Und die Bevölkerung be- grühte das Hegzogspaar mit herzlichen Zurufen.
• Die Vermählung des Staatssekretärs v o n I a- g o w mit der Gräfin Luitgard zu Solms-Latt- b a ch wird am 18. Juni aus Schloß Arnsburg iU Oberhessen stattfinden.
• Der durch den Tod v. Massows verwaiste Rcichstagswahlkreis LabiaU-Wehlau, seit 1884 im Besitze der Konservativen, war 1910 in einer Nachwahl an die Fortschrittler gefallen. Bei den Reichstags- wahlcn 1912 erhielten Oberst v. Massow 8356, der fortschrittliche Kandidat 5850 und der Sozialdemokrat 2961 Stimmen. In der Sttchwahl wurde Herr von Massow mit 9101 gegen 8694 Sttmmen gewählt.
• Nachdem die Münchener sozialdemokratische Presse die Haltung der Liberalen beim Kaiserhoch des Reichttztagspräsidenten als „Pflege einer Tanzmeifterkultur" charakterisiert hatte, erregt es in den dortigen politischen Kreisen nicht geringe Heiterkeit, dah der sozialdemokratische zweite Vorstand des Münchener Eemeindekollegiums, W i t t i, im Königlichen Schlosse nicht nur an der Galatasel zu Ehren des Eroß- herzoglichcn Paares von Hessen teilnahm, sondern auch in die H-o chs auf den Kaiser und die Landes - Herren mit einstimrnte.
' Am Sonntag wurde in Trier eine katholische Frauenvereinigung für die deutschen Kolonien gegründet, die ganz Deutschland umsaht und zur Fürsorge für; Frauen und Mädchen in den deutschen Kolonien dient. Ehrenvorsitzende ist die Fürstin Aloys Löwenstein in Kleircheubach in Bagern. Den Vor
sitz hat Frau Oberbürgermeister von Bruchhausen - in Trier übernommen.
* Das bisherige Ergebnis der Rote Kreuz- Sammlung in Deutschland beträgt nach vorfichttger Schätzung rund 1% Millionen Mark, wovon aus Preußen rund 900 000 Mark entfallen. Da die Sammlung erst am 1. Dezember d. Is. ihren Abschluß findet, ist mit einem bedeutend höheren Gesamtergebnis zu rechnen.
Frankreich.
* Paris, 8. Juni. Heute vormittag wurde hier unter dem Vorsitz des Handelsministers Peret der I n° ternationale Kongreß der Handelskammern und der kaufmännischen und industtiellen Vereinigungen mtt einer seierlichen Sitzung in der Sor,-
I bonne eröffnet, lieber 80 deutsche Handelskammern ! und kaufmännische Vereinigungen haben zu dem Kon- ! greh ihre Delegierten entsandt, darunter den Pgäfidenten I und Vizepräsidenten des deutschen Reichstages Dr.
! Kaempf und Dove, ,ferner Achelis, Andreae, Richard ! Schmidt, Sötbeer, Ravenee, Münsterberg, Richter, Professor Apt usw. Aus Oesterreich sind die Delegierten von 43 Handelskammern erschienen.
England.
* Der König vcn England wird am 19. Juni eine große Flottenrevue in Spitheod abnehmen, wobei 400 Schiffe versammelt sein werden. Dies dürste die größte Flottenparade sein, dse jemals abgehalten wurde.
Bulgarien.
* Zwischen Bulgarien und Oesterretch- Ungarn ist eine Postkonvention abgeschlossen worden, durch welche di! Brieftaren in dem Verkehr, mit den beiden Ländern wesentlich herabgesetzt und den Jn- landtarifen gleichgestellt und auch die Herabsetzung der Telegrammtare Und die Herstellung einer direkten Telegraphenlinie Wien—Sofia in Aussicht genommen ist.
flu$ Albanien.
* Der Hofmarschall des Fürsten von Albanien, v. Trotha, schiffte sich in T r i e st auf einem Lloiyd- dampfer nach Albanien ein.
* Die englischen Kreuzer „Wareior" und „Defend" haben Befehl erhalten, sofort mit voller MunitionsauS- rüstung und Verpflegung in See zu stechen. Es heißt, dah die Schiffe nach Skutari abgegangen sind.
* Rußland habe sich ebenfalls zur Entsendung
von Kriegsschiffen entschlossen. V
* Die Wiener „Neue Freie Presse" erfährt von besonderer Seite aus Belgrad: Hier geht das Gericht, daß die griechische und serbische Regierung den Großmächten mitgeteilt hätten, daß sie unter
km rettender Gedanke.
Eine Studcntengeschichte von Adolf Thiele.
Nachdruck verboten.
(Schluß.)
„Werte Frau Zimpfel", erwiderte Daus für seinen Freund, „Ich will Ihnen sagen, warum unser guter Bernhard die Stelle verloren hat: er war zu — tüchtig dazu. Sie staunen, aber sehen Sie, die Kinder, die er unterrichtete, brachten so glänzende Zensuren nach Hause, daß sich die Eltern sagten, ihre begabten Sprößlinge brauchten keine Nachhilfe mehr, und so wurde Bernhard denn mit innigen Dankwortcn entlassen. Gebe der Himmel, daß die Kinder recht bald wieder jaul und dumm werden."
Frau Zimpfel machte zu diesem sonderbaren Segenswunsch zuerst ein stagendes Gesicht, dann aber fuhr sie in ihrer einem Mühlengcklapper ähnlichen Zungcn- arbeit fort.
„Sehen Sie, Herr Daus, man kann ja nickt, wie man will", sagte sie. „Da fehlen ja die Mittel. Das ist bei unsereinem auch nicht so wie bei dem Herrn Geheimrat, der Ihnen damals aUs Gute ihr künstlickcs Bein geschentt hat. Entschuldigen Sie, daß , ick Sie daran erinnere, aber es ist nun eimnal so! Sehen Sie, Ihr Bein, das tut mir so leid, aber es kann doch nichts Helsen, Ihr Bein, ja ja, es kann nichts Helsen."
In diesem Augenblicke schellte es an der Vorsaaltür, nnd Frau Zimpfel fand so Gelegenheit, sich zu empfehlen.
„Olle Schraube!" brummte Daus, indem er seine ausgegangene Pfeife wieder anzündcle. ;Freiiich kann das Bein nichts helfen!"
Plötzlich verstummte er und versank in ein so tie- ses Nachdenken, daß er seine geliebte Pseife wieder aus- l gehen ließ.
„Was hast du, Daus?" fragst Bernhard er,taunt. !
„Nichts, nichts!" murmelte dieser und blickte starr j auf einen Punkt. Fragend sah Bernhard den Freund ! an, in dessen Seele Großes vorgehen mußte. Lange starrte Daus vor sich hin, dann sagte er halblaut:' „Ja, : ja, ja!"
„Was hast du denn nur, Daus?" fragte Bernhard j jetzt ganz ängstlich.
„Nichts weiter, als eine ganz famose Idee, oller , Schwede!“ rief nun Daus, der plötzlich wieder Leben bekam. „Die Zimpfel meint, das Bein könne nichts ; Helsen. Natürlich irrt sich die alte Tranlainpe. Weiht du was, wir versetzen das Bein!"
„Versetzen — das — Bein? lallte Bernhard und wankte etwas nach rückwärts.
„Na, ja, was ist dabei, ich schnalle das Bein ab, und du trägst es heute zu unserm guten Freunde Silbermann."
Bernhard lachte hell auf.
keinen Umständen zulassen werden, daß ein mohammedanischer Prinz den albanischen Thron besteiget.
• Man hofft jetzt im fürstlichen Palais zu D u - r a z z o auf eine Niederwerfung des Aufstau d e s, da unter den Rebellen ernste Zwisttgkcitcn ausgebrochen sind. Ein Teil der Aufständischen hat sich gegen die Beis, d. h. die türkischen städtischen Beamten, erhoben, ein anderer Teil lehnt sich dagegen auf, daß das Schulwesen modernisiert werben soll.
* Die albanische National! st enpar- t e i, deren Mitglieder zum Fürsten Wilhelm halten, erhob Protest gegen die in ausländischen Blättern verbreiteten Lügenmeldungen über den unvermeidlichen Zusammenbruch des jungen Fürstentums. Sic erklärte, daß das neue Albanien in wenigen Tagen alle Schwierig - keilen überwinden und die von seinen Feinden verführten Söldlinge nlederwerfen werde. Die albanischen Nationalisten sind also davon überzeugt, daß die Aufstandsbewegung in Mittelalbanien von italienischen Agenten angezettelt wurde. — Wegen der Verhaftung italienischer Persönlichkeiten in Durazzo, die sich verdächtig gemacht hatte», mit den Aufständischen vor der Hauptstadt Lichtsignale ausgetauscht zu haben, entschuldigt sich die albanische Regierung und versprach volle Genugtuung. Die Verhafteten waren nach einer Untersuchungsvast von wenigen Stunden wieder in Freiheit gesetzt worden, da ein Beweis für die gegen sie erhobene Anschuldigung nicht zu erbringen wär^
' Die albanische Regierung hat sich mit dem Ergebnis der von dem internationalen Aussichtsausschuß in Korsu geführten Verhandlungen über Epirus einverstanden erklärt. Daher wird der Ausschuß sich demnächst nach Korfu begeben zu? Durchführung der Ein- i richtung der Verwaltung in Epirus. Die Verständig u n g s b e d i n g u n g e n sind die folgenden: Die örtliche Gendarmerie darf nicht außerhalb Epirus verlegt werden, außer wenn dies durch höhere Gewalt erfordert wird. Es wird volle kirchliche Freiheit gewährt. Die griechische und albanische Sprache werden in den drei untersten Klassen gelehrt werden. Die griechische Sprache wird als Verwaltung?- und Gerichtssprache in Epirus gebraucht werden. Der schriftliche Verkehr mit der Regierung in Durazzo wird in albanischer Sprache erfolgen. Die beiden Verwaltungen in Goritza und Agy- rokastro werden durch christliche Gouverneure geleitet werden, die von der albanischen Regierung ernannt werden. Es werden zwei Verwaltungsbeiräte durch allgemeine Volksabstimmung geschaffen, denen die Gouverneure wahrscheinlich verantwortlich sein werden. Die Beschwerden der Chimarioten werden den Mächten unterbreitet werden. Die albanische Negierung wird eine allgemeine Amnestie den Eingeborenen von Epirus gewähren, die ttnter Waffen bleiben werden, um mit ihren Offizieren die Grundlage für die neue Gendarmerie zu bilden; die fremden Freiwilligen werden das Land verlassen. Diese Neuordnung wird eingerichtet und überbracht werden von dem internationalen Aufsichtsausschuß,
„Das ist doch das tollste", ries ei;, „was mir noch vorgekommen ist!"
„Toll oder nicht!" entgegnete ruhig der Dicke. „Es bringt Geld ins Haus. Also bleibt es dabei!"
Und blieb dabei.
Am Abend eilte Bernhard mit einein länglichen, sorgfältig verhüllten Gegenstand unterm Arm nach der , wohlbekannten Stätte, wo bereits die Taschenuhren bci- j der Freunde „studierten".
„Guten Abend! Was bringen Sie denn da?"
„Ein Bein, Herr Silbermann!"
„Wie heißt, ein Bein?" rief der Pfandleiher erstaunt. ;Geh'n Sie mir weg mit dem Bein!"
„Aber Herr Silbermann, solch einen guten Kunden werden Sie doch nicht in einer so peinlichen Lage fitzen lassen!"
Schließlich natbm ihm der Geschäftsmann, der im Grunde eine gemütliche Haut war, das Bein ab, und um 25 Mark reicher kehrte Bernhard zurück.
Daus, der nicht mehr weit vom Eiamen stand, hatte nun die schönste Gelegenheit zrrm „Ochsen". Bernhard, sein „Rabe" ließ Essen und Bier holen, brachte Tabak und Zeitungen herbei, und nach 10 Tagen, als der beliebteste aller Sterblichen, der Geldbriefträger erschienen war, schlich Bernhard unter dem Schleier der Nacht zum hilfreichen Mann und war bald darauf in der angenehmen Lage, den Körper seines Freundes komplettteren zu können.


