Ausgabe 
6.6.1914
 
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Unterftaatsfekretär v. Capelle.

* Mit der Ernennung des Admirals von Ca­pelle ist das Marineamt in die Reihe derjenigen Reichsämter eingetreten, die anher dem leitenden Staats­sekretär noch einen Unterstaatssekretär besitzen. Das Reichsjustizamt ist jetzt das einzige der sieben Reichs - ämter, an dessen Spitze nach dem Staatssekretär gleich die Abteilungs-Direktoren stehen und den leitenden Staatssekretär unterstützende bezw. vertretende Unter- staatssekretär fehlt. Dem Staatssekretär des Auswärti­gen v. Iagow steht der Unterstaatssekretär Zimmermann zur Seite, dem des Reichsamts des Innern, Dr. Del­brück, Unterstaatssekretär Richter. Erzellenz Kühn vvm Reichsschatzamt hat den Unterstaatssekretär Jahn an sei­ner Seite und der Chef des Reichskolomalamts Dr. Solf den Unterstaatssekretär Conze. Im Reichspostamt wird Staatssekretär Krätke von dem Unterstaatssekretär Granzow vertreten. Das Reichseisenbahnamt, das nicht in der Reihe der übrigen Reichsämter rangiert, wird vom Präsidenten Wackerzapp geleitet. Der Reichskanzler wird durch den Unterstaatssekretär im Reichskanzleramt, Wahnschafse, entlastet.

Politifche Rundfcbau

* Metz, 5. Juni. Die vorgestrige B e s i ch - t i g u n g s r e i s e des Großen Generalstabes und des Kronprinzen erstreckte sich auf das Gelände der Schlacht vom 16. Auiguft 1870 und die dort errichteten Befestig­ungsanlagen. Heute wird das Schlachtfeld vom 18. August besichtigt Und morgen die Weiterreise in Auto­mobilen in die Eisel nach St. Vith und Montjoie an- getreten.

' Danzig, 4. Juni. Die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschast wurde heute im Schüt­zenhause mit einer Vorstandssitzung eingcleitet, zU der sich etwa 200 Mitglieder des Vorstandes und Vertreter der Abteilungen unter dem Vorsitz des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg eingefunden hatten. Es wurde beschlossen, die nächstjährige Hauptversammlung in der Stadt Nürnberg abzuhalten.

* Der Termin für die R e i ch s t a g s e r s a tz - wähl im Wahlkreise Ko bürg ist auf den 10. Juli festgesetzt worden.

' Der deutsche Plan, sich eine inländische R h e i n m ü n d u n g zu schaffen, die den Schiffsver­kehr auf unserem gröhtenStrom wegen des neuen Schiff- fahrts-Abgabengesetzes von Holland Unabhängig machen soll, hat die Russen auf ähnliche Gedanken gebracht. Sie wollen jetzt ihren W e i ch s e l v e r k e h r für sich behalten und mit der Holzflößerei deutsches Gebiet nicht mehr berühren. Die DUma nahm einen dahin­gehenden Antrag einstimmig an.

)iur Stadt lirrd Land.

(:) D i e Zuständigkeit der Notare. Zu dem in der Elsten Kammer der Landstände gestellten Antrag, für die Beurkundung von Jmmobiliarver- äußerungsvcrtcäfien, Gesellschastsverträgen, bei denen Immobilien Vorkommen, Hypotheken, Grundschulden, Auslassungen usw. in den Provinzen Staekenburg und Oberhessen die Zuständigkeit der Notare auszuschließen, äußerte sich in der letzten Sitzung der Ha,.oelskammer Offenbach in längeren Ausführungen der Syndikus Dr. Cratz. Ec wies gegenüber der Begründung des Antrages daraus hin, daß durch die Beschränkung des Notariats eine Vereinfachung der Staatsverwaltung immerhin noch sehr fraglich erscheine. Das Notariat sei als eine gesunde und zweckmäßige Einrichtung aner­kannt. Handel und Industrie legten großen Wert darauf, daß sie unmittelbar dm Notar in Anspruch nehmen könnten, der ganz besonders in verwickelten Verhältnissen gute Erfahrungen habe und das V,r trauen der Industriellen genieße. Vermöge seiner Ver­fassung sei das Notariat in ganz anderer Weise geeignet, sich in^dcn Dienst Privater zu stillen, als jedes eigent­liche Staatsamt. Die private Beratung und Dienst­leistung passe u o. nicht in den Namen der Aufgaben einer Staatsbehörde, weil sie eine siete Zugänglichkeit und Dicnstwilligkett voraussetze, die eine Staatsbehörde beim besten Willen nicht dinbieten könne. Zu alledem gingen auch viele Leute deshalb nicht gern zum Richter, weil dieser von Zeit zu Zeit wechsele. Mit großem Vertrauen wendeten sie sich dagegen an den Notar, der seit Jahrzehnten die Familienveihälrnisse kenne und die Familienangelegenheiten besorgt habe. Für die Indu­strie sei aber besonders noch von einschneidender Be deutung: Würde die Zuständigkeit der Notare einge­schränkt, dann würde das zur Folge haben, daß die Urkundentätigkcit der Sache noch aus Rechtsanwälte überginge, die den Parteien die Verträge usw. entwerfen und ihre Entwürfe dem Gericht zur Beglaubigung und Anerkennung überreichen würden. So käme cs dazu, daß Handel und Industrie neben den bisherigen Aus­lagen auch noch die Kosten für den RechrSanwalt be­sonders aufwrndcn müßten. Daß von der beantragten

Beschränkung der Zuständigkeit der Notare kein nennens­werter geldlicher Vorteil für den Staat zu erwarten sei, habe ja auch der hessischeJustizminister ausgesprochen. Schließlich dürfe nach seiner Ansicht die endlich cinge führte Rcchtscinheit für die drei hessischen Provinzen doch nicht wieder bcsritigt werden. Dem Vorschlag des Berichterstatters, sich gegen den Antrag der Ersten Kammer auszusprechen, schloß sich die Kammer an.

' Der Allgemeine Deutsche Anwalts- A n g e st e l l t e n t a g, der gemeinschaftlich vom Ver­band Deutscher Rechtsanwalts- und Notariats-- reaubeamten (Wiesbaden), Verband deutscher Burear»- beamten (Leipzig), Verband der Bureauangestellten Deutschlands (Berlin) und Bund der Süddeutschen An- walts-Eehilfen-Verbände (Augsburg) am 7. Juni 1914 in Leipzig veranstaltet wird, soll sowohl zU der Ablehnung des geplanten Reichstarifs durch den Ver­tretertag des Deutschen Anwaltsvereins wie zu der wie­derum zurückgestellten Reform des Dienstrechtes der Rechts- anwaltsüeamten Stellung nehmen. Die Tagesordnung sieht folgende Vorträge und Redner vor: 1. Die Ab­lehnung des Reischstarifs Referent: Dr. Lahn-Leip­zig, als Vertreter des Verbandes Deutscher Bureaube- amten und des Bundes süddeutscher Anwaltsgehilfen- Verbände. 2. Was ist zu tun? Referent: Bureau­vorsteher Marren-Kiel, als Vertreter des Verbandes Deutscher Rechtsanwalts- und Notariatsbureaubeamten. 3. Die gesetzliche Regelung der Dienstverhältnisse. Re­ferent: Reichstagsabgeordneter Giebel-Berlin als Ver­treter des Verbands der BureaUangestelltenDeUtschlands. Da bereits mehrere hundert Delegierte aus allen Teilen Deutschlands ihre Teilnahme angemeldet haben, dürfte die Tagung zu einer einmütigen Kundgebung der ge­samten organisierten Eehilsenschast der deutschen Rechts­anwälte uNd Notare werden.

n Gießen. Die Sitzungen des Schwurge­richts für das 2. Vierteljahr 1914 beginnen am kom­menden Montag und dauern 5 Tage, bis zum Freitag. Es kommen folgende Fälle ^zur Verhandlung: Mon­tag, den 8. Juni, vormittags 9 Uhr, gegen Heinrich Müller aus Friedberg wegen Urkundenfälschung; Dienstag, den 9. Juni, vormittags 8 % Uhr, gegen O.

L e m p aus Heuchelheim b. Nidda wegen Urkunden - fälschungi Mittwoch, den 10. JNNi,' vormittags 8 % Uhr, gegen Wilhelm Roth aUs Lauterbach wegen Not­zucht ; Donnerstag, den 11. Juni, vormittags 8 l / 2 Uhr, gegen Karl M a g e l aus Flensungen wegen Brandstis- tungi Freitag, den 12. Juni, vormittags 8 % Uhr, ge­gen Marie Keißner aus Grünberg wegen Urkunden­fälschung.

* Gießen. Bet dem am 3. und 4. Juni abge- haltencn Vtehmarkt waren aufgetrieben 1279 Stück Rindvieh und 156 Schweine. Der nächste Markt findet am 23. und 24. Juni statt.

o Steinbach b. Gießen. Ein Bombenattentat gegen die Wohnung des Lehrers Nans hat die hiesige Einwohnerschaft in größte Ausregung versetzt. Am Sonn­tag srüh % 3 Uhr wurde das ganze Dorf durch einen donnerähnlichen Schlag aus dem Schlafe geweckt. Ne­ben dem Schulhaus, in dem Lehrer Nans wohnt, war von Bubenhand eine Bombe gelegt Und zur Erplofion gebracht worden. Die etwa 30 Zentimeter staple Mauer wurde durchschlagen und Steine bis zu der 50 Meter entfernten Kirche geschleudert. Personen wurden nicht verletzt, doch erlitt die Tochter des Lehrers infolge des , Schreckens eine schwere Nervenerschütterung. Bei Ta­gesanbruch war fast die ganze Gemeinde an dem Tat­ort. Die Gerichts- und Polizeibehörde aus Gießen wurde benachrichtigt und traf mit Polizeihunden ein, doch war der Platz schon von einer zu großen Menschenmenge betreten und die Spuren dadurch verwischt worden. Es besteht aber ein bestimmter Verdacht und man glaubt dem Täter auf der Spur zu sein. Auch hat die Frau des hifarrets, die gegenüber wohnt, bei Tagesunbruch einen Mann über den Platz eilen sehen, der Wasser auf die Stelle schüttete, wahrscheinlich um die Spuren zu verwischen. Auf der Stelle, wo die Bombe eiplodierte, fand man Teile eines Gasrohres und eine zwei Meter lange Zündschnur. Die Füllung bestand, wie die Un­tersuchung ergab, aus Dynamit, Pulver, Schrotkörnern und Eisenteilen. Die Ursache des Attentats ist wahr­scheinlich in der Erbitterung mancher Einwohner wegen der Absetzung des Schulverwalters Günther zu suchen. Dieser soll mit der DorsjUgend etwas zu kameradschaft­lich verkebrt baben und war deshalb von Pfarrer Köh­ler und Lehrer Nans bei der Behörde zur Anzeige ge­bracht worden. Der Schulverwalter wurde darauf wäh­rend der Staatsprüfung in Darmsladt entlassen. Da die Ortseinwohner den Verkehr des jungen Lehrers mit der : DorsjUgend für nicht anstößig hielten, ergriffen sie in j Bürgeyversammlungen und Eemeinderatssitzungen ein­stimmig für den gemaßregelten Lehrer und gegen den Pfarrer und Lehrer Nans Partei. Beide find seitdem argen Angriffen au'sgesetzt. D;m Pfarrer wurden wie-

. derholt Zettel und Schriften an HaUstüre und Hoftor geklebt, auch der gute Kirchenbesuch hat bedenklich nach- ! gelassen. 170 Mann haben die Versetzung des Geistlichen ! gefordert, andernfalls würden sie aus der Landeskirche austreten. Der Rotekreuztag, den der Pfarrer arran­gierte, zeigte auch ein mageres Resultat, die Vereine lehnten die Beteiligung ab, sogar der Kriegerverein sah von der schon geplanten Kirchenparade ab. Bezüglich der Sprüche und Aufschriften, die wiederholt an das Pfarrhaus geklebt wurden, haben die Gendarmen bei verdächtigen Einwohnern Farbtöpfe und dergleichen be­schlagnahmt und der Staatsanwaltschaft übergeben. In der folgenden Nacht ist übrigens wieder ein neuer Streich verübt worden, im Schrägarten sind zahlreiche Sträucher beschädigt und Verheerungen angerichtet wor­den. Der Garten wurde sofort gesperrt, damit der Po­lizeihund leichter arbeiten könne, Lehrer Nans fft seit 15 Jahren hier tätig.

* Echzell Präzeptor Luzius, Besitzer des Knaben- institutsForsthous Echzell", hat einen größeren Wald­komplex in unmittelbarer Nähr der Anstalt zur Anlage eines Fußball-, Spiel und Tennisplatzes angekauft.

s Seligen st ad t. Bei dem Gesangwettstreit, den dieGesellschaft der Freunde" veranstaltete, errang den Wanderpreis für Hessen und Hes­sen-Nassau und den Ehrenpreis der Stadt Seli­genstadt der GesangvereinLiederkranz' von Klein-Stein- he>m. Den ersten Preis in der ersten Stadtklasse «prang Mainz-Kostheim und Klein-Steinheim.

* Frankfurt. Die am 7. Juni auf dem Platze des Fra, kfurter Fußballvereins an der Roscggerstratze zur Austragung gelangenden olympischen Auswahl­kämpfe werden, wie sich aus dem Mrldcergebnis ersehen läßt, das bedeutendste Ereignis der Saison werden. 295 Teilnehmer aus fast 60 Vereinen werden an diesem Tage sich messen, und es wird für die Besten nicht leicht sein, sich aus dem großen Kreise herauszuarbeiten. Alles, was in dem großen Gebiet zwischen Milte- berg und Bingen, Schlüchtern und BenSheim als leistungsfähig bekannt ist, wird am Sonntag vertreten fein. Recht erfreulich ist es, daß nicht nur Sport', sondern auch Turnvereine zahlreiche Meldungen abgegeben haben.

Versammlung der Cabak-InfaHrleellen.

In der vorgestern stattgehabten Vollversammlung der Mitglieder des Verbandes zum Schutz der deutschen Tabakindustric in Frankfurt a. M erfolgte die Beratung eines Entwu fcs eines Antitrustvertrages durch die Zigarrenfabrikantcn. Die Händler organistcrien sich zu einer besonderen Gruppe und nahmen alsbald folgende Resolution an:Die am 3. Juni 1914 imFrankfurter Hof" in Frankfurt a. M. im Verbände zum Schutz der deutschen Tabakindustrie tagenden trustsrri n und nam­haften Händler Deutschlands erklären, in Zukunft nur diejenigen Zigarcttenmarken zu forcieren, die nur noch gegen Revers liefern. Sie fordern von den trustfrcien Fabrikanten, daß sie sich sofort dem Vor- t ehen derjenigen Fabrikanten anschließen, welche in Berlin den Revers eingefühlt haben. Nur auf diese Weise kann den schweren Schädigungen der Preis­schleuderei wirksam entgegengetrrten werden." Die Firma Waldorf Asto ia in Stuttgart-Hamburg, Ed. LaurcnsLe Khödive", Wiesbaden und Burrus in St. Kreuz geben die Erklärung ob, daß sie, dem Vor­gehen von Nestor Gtanaclis in Frankfurt a. M. folgend, den verlangten Revers eingrsührt hoben bezw. sofort etnführcn Dem Verband gliedern sich zwei neue Gruppen an, die der Zigarrenfabctkanten und die der Zigarren- Detailhändler. Es wurde von ollen Rednern betont, daß in dieser Neugliederung k.ine Frontmachung gegen die bestehenden Organisationen liegen soll, vielmehr soll die breitere Basis, auf die der Frankfurter schutzverband sich damit stellt, in erster Linie dazu dienen, die oft nur scheinbar widersprechenden Interessen der verschie­denen Zweige der Tabakbranche zu vermitteln und zu versöhnen. Folgende Vorträge wmden auf der, insbe­sondere von Händlern aus ganz Deutschland, Z'garren» und Zigarettenfabrikantcn, sowie Handelsagenten stark besuchten Versammlung gehalten: Vom Vorsitzenden Richard Haupt'Frankfurt a. M. .Der gegenwärtige Stand der Trustbewcgung", ^cneralkonful Georg KrcbS- Frankfurt a. MStellung zur Reichsenqucte', Rechts­anwalt Dr. Elsas Stuttgart:Der Antitrustvertrag, Preisschleuderei und Gesetzgrbung", Heinrich Wachen- dorff München:Die Detoilorgonifatton des Trustes", Julius Götz rankfurt a. M.: .Dir Gefahr neuer Be­lastung des Tabakgewerbes'.

flu$ aller Weit.

* Berlin. Vor der philosophischen Fakultät der Universität Berlin hat der Havptmaun Krause, Batteriechef im Fußarlillerie-Rrgiment von Hindecsin, die Doktorprüfung in Sinologie, Mongolisch, Persisch und Philosophie bestanden. Havptmanu Krause ist im Jahre 1897 ins Großh. Hess. Leibgarde-Jnfantrie-

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