Ausgabe 
3.6.1914
 
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m »der in Ken Zweig. M Psg. Erich-in« . Redaktion: Tetler»- n»rg R. KSr Uncheiiahrunfl oder Rttckiendung Nicht »extangter »hranffnptc wird nicht garantiert. Verlag »ervtechearr Zeitvng" ffi. m. t. 9<

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Nr. 44

Telep hon: Nr. 363.

Mittwoch, den 3. Juni 1914.

Telephon Nr. 363. 20. JatfNs.

PolififcDe Rundbau.

Deutschland.

* v. W i n t e r f e l d 1, Oberstleutnaitt mit dem lange eines Wteilungschcss des Generalstabs der Al­lee, Militärattachee bei der Botschaft in Paris, wurde iNer Eitthebung von dieser Stellung zum Abtcilungs- fef im Großen Generalstabe ernannt.

Berlin, 2. Juni. Hier wird als künftiger eutscher Militärattachee in Sofia, Major Freiherr v. . Goltz, vom Großen Generalstabe bezeichnet. Es ist ies der jüngste Sohn des Generaifcldmarschalls Frei­ern, v. d. Goltz. Er war zuletzt fünf Jahre der deut- hen Militärmission in Argentinien zugeteilt. Nach Athen >11 der Hauptmann v. Falckenhaufen vom Großen Ge- eralstab gelten.

* In einer Rede, die der bayerische Abge- rdnete Dr. Quidde in Lyon hielt, erklärte er, es sei er aufrichtige Wunsch der großen Mehrheit des deut- hen Volkes, mit dem französischen in Frieden zu leben. i>as Anwachsen der deutschen R ü st u n g e n abe seinen Grund in der militärischen Schwächung Oe- errcich-Ungarns infolge der veränderten Lage aus dem !alkan. Der Redner schloß: Eine deutsch-fran- ö s i s ch c Annäherung' sei das einzige Mittel, en anwachsenden Rüstungen, die gegenwärtig die zivi­sirrten Staaten in Europa zu Grunde richteten, ein nde zu machen.

Berlin, 2. Juni. Der zur Zeit in Berlin sich ufl,altende H o s in a r s ch a l l v. Trotha des F ü r- e n von Albanien erklärte einem Berichterstatter

einer Unterredung über die Wirren in Albanien, daß er eigentlich Schuldige an der jetzigen Situ- lion Essad Pascha sei. Er sei vor allem schuld aran, daß der Fürst noch heute so machtlos sei, nach- cm er sich bereits mehrere Monate im Lande befände. !ki? die Organisation von Heer und Polizei anbetrifst, habe sich Essad vollkommen passiv verhalten; er ent- 'ickelte aber eine andere, recht verdächtige Aktivität, in- m er eifrig mit Türken in Durazzo Verhandlungen ikg.

Belgien.

* Brüssel, 2. Juni. Die Hollandreise des lajors Schuchs ist im besonderen Austrage des Fürsten >n Albanien erfolgt. Er will auf Wunsch des Fürsten :u« holländische Unteroffiziere fiir die albanische Gen- irmerie verpsvichten.

Der belgische Landwirtschafts-Ingenieur Lir­en Tack, der bei Thrya an der Eisenbahn Smyrna- idin ein Landgut bewirtschaftet, ist. vorgestern von iner Räil verbände entführt worden. Nach onsulatsmeldungcn soll es sich um eine türkische Bande >ter Führung Hadschi Mustafas handeln. Die Bande rlangt ein Lösegeld von 6000 Pfund oder 128 000 rancs. Auf Einschreiten der belgischen Gesandtschaft hat e Regierung Gendarmen zur Verfolgung ausgesandt id Maßnahmen zur Sicherung des Lebens des ge- ngcnen Belgiers ergriffen.

Türkei.

' Konstantinopel, 1. IuNi. Kriegsminister, Enver Pascha erschien gestern im deutschen Krankenhause und überbrachte den beiden bei dem Brande in der Taschkyschla-Kaserne verwundeten Matrosen des PanzerkreuzersGoeben" Grüße des Sultans und über­reichte ihnen die L i a k a 1(Verdienst)-M c d a i l l c in Gold bezw. Silber. Der Kriegsminister hielt an die Matrosen eine kurze Ansprache in deutscher Sprache, in welcher er sagte, daß der Sultan durch die Auszeichnung ihre Tapferkeit und Opferwilligkeit belohnen wollte.

Albanien.

* Durazzo, 1. Juni. Unter den Aufständi­schen sollen sich Schwierigkeiten ergeben haben, die zu einer Spaltung sichren könnten. Verschiedene Notabeln aus dem Innern boten dem Fürsten ihre Hilfe an. Bei Lußnia stehen 700 regierungstreue Albanesen unter dem Gendarmeriehauptmann Ibeahim. Zum Stadtkomman­danten wurde Oberst Thompson ernannt. Preirk Bib- doda nahm das angebotene Portefeuille noch nicht an. Aziz Pascha Vrioni erklärte sich im Prinzip bereit, in das Ministerium einzutreten.

* Durazzo, 2. Juni. Die Lage des Fürsten Wilhelm in Durazzo ist verzweifelt. Als letzten Rett­ungsanker ergreift der Fürst die Verlegung der Regierung von Durazzo nach S k u t a r i.

* Achthundert M a l i s s o r e n und M i r i d i - t e n, Katholiken, sind mit einigen Mohammedanern aus Alessis in Durazzo angekommen. Der Fürst empfing sie und beauftragte den Finanzminister Noggo, ihnen die Verteidigung Durazzos zu übertragen. Sie erklärten, gegen die Aufständischen ins Feld ziehen zu wollen. In der Stadt herrscht reges Leben. Alles

! ist ruhig. Von den Aufständischen fehlen die Nachrich- ! ten.

Die österreichischen KriegsschiffeTegetthoff", Viri- j bus Unitis" undCrim" sind zu viertägigem Aufent - j halt vor Durazzo eingetroffen.

Mehrere italienische Blätter berichten, daß Essad Pascha nächstens nach Albanien zurückkehre, wo ihm die Ausgabe zufalle, den Fürsten mit den auf­ständischen Mohammedanern auszusöhnen.

Amerika.

* Washington, 2. Juni. Im Ackerbau-De­partement entdeckte ein Beamter unter dem Zimmer des Staatssekretärs Houston 5 anscheinend mit Dynamit ge­füllte Röhren mit brennenden Luttten, die er noch recht­zeitig auszulöschen vermochte.

Die kommendeUstiverfitätFrankfurta.A.

Frankfurt a. M. Auf dem D. W. V.- Tag über Pfingsten in Frankfurt sprach Professor -Di. Voigt überDie wissenschaftlichen Instttute Frankfurts als Grundlage der neuen Universität". Aus dem Vor-

>

Ladnsebmerreri.

Humoreske von Adolf Thiele.

(Schluß.)

In diesem Augenblick bemerkte sie eine Veränderung den ernsten Zügen des Arztes. Er blickte erst ihre ippen an sie waren blühend und schön geschrvun- n dann betrachtete er sinnend ihr Näsckien ein tzückendes Stumpfnäschen und von da klomm sein lick enipor zu den seelenvollen Augensternen.

Hier blieb er haften, wie traumverloren.

Ernestine errötete und schlug die Augen nieder.

Wie aus einem Traum erwachend, ries der Arzt: :in linderndes Mittel! Darf ich Sie bitten, mein Fräu- n, mir zur Apotheke zu folgen?"

Das Heilmittel und die Kur des Doftors, der sich eErlaribnis ausgebeten hatte, Ernestine zu behandeln, lugen gut an.

Freilich mußte es wohl ein surchtbar schweres Lei- n sein, dieses Zahnweh, denn der Arzt ließ cs sich cht nehmen, jeden zweiten Tag seine Patientin zu be- chen.

Dabei konnte sich der ernste Mann der Wissensckiait i dem ungezwungenen Geplauder des jungen Mäd­

chens gar nicht satt hören. - Ja, einmal, als er geäußert, daß er die Mufik liebe, ereignete es sich, daß die Pa­tientin ihrem lauschenden Arzt am Klavier etwas vor- sang.

Das Zahnleiden war geheilt, aber Doktor Wag- I ler setz.'e seine Besuche noch immer fort.

Ernestinens Mutter war wie alle Mütter: das ernste i Wesen des Doftors, seine ringlose Hand und eine Er-

I kundigung, die sie bei guten Freundinnen eingezogen, erleichterten ihr die Stellung einer stillen Zuschauerin.

Eines Tages saß Dr. Wagler, der mit wachsender Freude bemerkte, daß Ernestine ihn zu verstehen suchte und auf seine Intcrttionen einging, wieder ihm Gespräch bei ihr,.

Ja, die Zeit", rief er.ist unser kostbarster Schatz! Wer vorwärts kommen will in der Wissenschaft, muß sie ausnutzen, keine Minute darf er vergeuden mit Ne­bendingen, mit Unwesentlichem!"

Ein leichtes spöttisches Lächeln kräuselte bei diesen Worten Ernestinens Lippen.

Der Doktor stutzte.

Sie lächeln, Fräulein Ernestine?"

Das junge Mädchen versuchte vergebens, ihr Lä­cheln zu unterdrücken.

Sie haben Recht!" rief er, sich besinnend, Me denken an meine Besuche bei Ihnen

trage ist als für die Allgemeinheit Interessantes das Folgende hervorzuhebcn: Die Neugründung von Uni­versitäten ist keine alltägliche Sack)«, nur Berlin, Bres­lau und Strahburg sind Universitäten der Neuzeit. Nun kommt Fraicksurt als jüngste Tochter im Kranze der deutschen Hochschulen hinzu, aber sie ist keine Schaffung aus dem Nichts, denn sie faßt nur, das zusammen, was an Anstalten von mehr oder minder akademischem Cha­rakter hier schon bestand. Als Lehranstalten sind zu nen­nen die Akademie, die Institute des Physikalischen Ver­eins, die Senckenbcrgischen Institute, als Forschuügsin- stitute die medizinischen Institute und schließlich die drei großen Bibliotheken. Schon 1911 hatten alle diese In­stitute zusammen einen Iahresetat von 1,75 Millionen Mark, der den Etat der mittleren Universitäten Güttin­gen, Königsberg, Bonn und Kiel gleichkam. Nicht erst seit 1901. wo> der Universitätsplan der Ocffcntlichkeit übergeben wurde, darf von einem Keim der Universität gesprochen werden, vielmehr reifte der Plan schon min­destens seil 10 Jahren. Die 1900 begründete Akademie wird sterben, um in der Universität zu neuem Leben auferslehen zu können. So war sie denn in der Vor- bereitungszeil der Kristallisationspunkt für die Vorarbei­ten zum Entstehen der Universität. Zunächst widmete sich die Akademie der wissenschastlichen Ausbildung oder besser, Fortbildung der Eroßkausleute. Ganz von selbst kam man dazu, neben der Realbildung zur Vertiefung der Kenntnisse den sprachwissenschaftlichen Lehrvortrag einzuführen, was zur, Folge hatte, daß die Universitä­ten den« Philologie Studierenden zwei Franffurter Se­mester aus seine Studienzeit anrechneten. Das worein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zur Universität, die immer näher rücken mußte, als eine engere Union zwi­schen der Akademie und dem Physikalischen Verein ein­trat. Zwei neue naturwissenschaftliche Lehrstühle wur­den errichtet. Nun dachte man wohl an die Weiterent­wickelung der Akademie zu einer Handelshochschule, aber die sprachwissenschaftliche Abteilung und die Begründung eines pliil^fop! ischen utid zweier juristischer Lehrstühle blieben bestimmend für den Universitätsplan.

Die Akademie verdankte bisher ihre größte Besucher­zahl dem Kausmunnsslande; was sie als Handelshoch­schule lehrte, wird die sozialwissenschastliche Fakpltät der kommenden Universität auch ferner lehren. Diese Hoch­schule wird vorerst 5 Fakultäten zählen, von denen nur die philologische einstweilen noch nicht vollkommen be­setzt ist. Dos Verhältnis der Dozenten der Senckenber- gischen Natmsorschenden Gesellschaft zu ihrer Gesellschaft soll in keiner Weise angetastet werden. Die Besetzung der medizinische nj Fakultät ist so, daß sie außer Berlin von keiner deutschen Universi­tät übertrosfen wird. Die theologische Fakul­tät fehlt noch, ohne daß sie deshalb ausgeschlossen wäre, aber sie wird wohl nur inöglich werden durch private, städtische oder staatliche Stiftungen. Uebrigens besteht insofern schon eine Grundlage der theologischen Fakul­tät, als ein Theologe religionswiffenschaftliche Vorlesun­gen und UebuNgen abhält. Der Iahresetat der Frankfurter Universität beläuft sich auf 2 * l / 2 Millionen

Die Ihnen gewiß viel kostbare Zeit rauben", un­terbrach Ernestine.

Allerdings, Fräulein Ernestine, aber

Einaber" ist auch dabei?"

Ja, doch es gibt ein Mittel, mir diese Zeit zu ersparen."

Ernestine errötete und Nickte hinweg.

Diese weiten Gänge und Fahrten zu Ihnen" fuhr der Doktor mit bewegter Stimme fort,kurz, Er­nestine, wollen Sie die Meine werden?"

Ein Blick gestand ihm alles.

In einer Damcngescllschaft kam kürzlich das Ge­spräch auf den Kagnak.

O, ich liebe den Kognak!" rief plötzlich Frau' Dok- I tor Wagler aus.

Wie, Sie trinken Kognak?"

Ich trinke ihn nie, aber ich liebe ihn. Er, ist gut gegen Zahnschmerzen."

Ja, Zahnschmerzen sind allerdings gräßlich." Aber sie baben doch manchmal auch ihr Gutes", l erwiderte Ernestine.

Gutes? Unmöglich!"

Und doch!" sagte Ernestine mit stillem Lächeln. Sie wußte, warum!