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politische RundTcdau
Deutschland.
* Prinz Heinrich von Preußen ist gestern abend ach 7 Uhr im Automobil in Braunschweig ein- ttroffen und hat im schloß Wohnung genommen.
* Man nimmt nunmehr mit Bestimmtheit au, aß der Reichskanzlei; v. Bethmann Hollweg, achdem die wichtigeren Fragen der äußeren Politik Keils erledigt sind, auch in der dritten Lesung des Etats nd damit in dieser Session des Reichstags nicht mehr is Wort nimmt.
):( Reichstagsersatz wähl in Stendal. Bei er ReichstagScrsatzwahl im Wahlkreis Magdeburg 2 Hielten Hoesch (fonf.) 11877, Wachhocst de Wente (natl.) 965 und BetmS (Soz.) 6943 Stimmen. Es muß Stichwahl zwischen Hoesch und dem bekannten Führer des laucrnbundes, Wachhorst de Wente, erfolgen. — Bei er Hauptwahl am 12. Januar 1912 wurden 26 619 ültige Stimmen abgegeben, von bencij entfielen auf ekonomierat Hoesch (kons.) 10 512, Generalsekretär uhrmann (natl.) 8621, Stadtverordneten Beims (Soz.) 134 und Schriftsteller Ghorikzewki (Pole) 38 Stimmen, «et der Stichwahl am 22. Januar wurden für Hoesch 3288 für Fuhrmann 10 995 Stimmen abgegeben, oesch war somit gewählt infolge der sozialdemokratischen Wahlparole, die auf Stimmenthaltung lautete, weil ran in Fuhrmann einen Feind der Sozialdemokratie blickte.
* DieKolonialverwaltung hat der Kom-
ission für den Reichshaushalt eine kurze Dcnkschrtst
m die Ablösung der vier französischen Konzessionsge-
Ilschafien in Kamerun oorgelegt. Dies sind: 1. die
ompagnie Commerciale de Eolonisation du Congo
rancais; 2. die Compagnie Francais de l'Ouhome et
: la Nana, 3. Die Cocietee de la Sangha Equäto-
ale; 4. die Eocietee de la Mcrmerc-Sangha.
»
Ungarn.
* B u d a p e st, 19. Mai. Um 3 Uhr nachmit- >gs fand im Fechtsaale von Rakosy ein Säbelduell vischen dem Ministerpräsidenten Grasen T i s z a und :m Abgeordneten Stephan Rakosky unter den schwer- m Bedingungen statt. Das Duell wurde mit schweren avalleriesäbeln ohne Bansdagen ausgesochten, wobei ieb und Stich erlaubt war. Es dauerte 20 Minuten td es fanden 5 Gänge statt. Beim ersten Gang er- elt der Ministerpräsident auf dem rechten Arme eine ihwunde infolge Uebekbiegens des Säbels seines Eeg- ns. Beim 5. Gange erhielt der Abgeordnete Rakosky ne 15 Zentimeter lange, aber nicht tiefgehende Schnitt- unde am Unterleib. Die Gegner schieden unversöhnt.
»irheucr Tageblatt)
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t 0 I ! I 0 H : Selterstoeg 85. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröln
berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung des Zahlung», ziele» (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder te- Konkurs in Wegfatl. Platzoorfchriften ohneBerbindlichlett. Druck der Gietzcncr BerlagSdruckerei. Albin Klei».
Mittwoch, den 20. Mai 1914. T-l.ph.n«».«». 26. Iahrif.
Frankreich.
* Aus Tanger wird gemeldet daß die spanischen Truppen gewissermaßen als Gegenstück zur französischen Besetzung von Taze den Berkan-Berg, den Karas-Berg, Sesul und mehrere andere wichtige Punkte im südlichen Teil ihrer Einslußphäre besetzt haben.
Belgien.
* Brüssel, 18. Mai. Das dänische Königspaar wird Dienstag nachmittag, von Paris kommend, zum Besuche des belgischen Königspaares hier eintrefien. Aus Anlaß des Besuches wird eine große Truppenschau und ein feierlicher Einzug in Brüssel stattsinden. Interessant ist die Haltung der Sozialdemokraten in der Stadtverordnetenversammlung. Als die notwendigen Mittel bewilligt werden sollten, gab ihr Vertreter die Erklärung ab, daß die Sozialisten, die sonst bei ähn - lichen Anlässen protestierten, diesmal es nicht tun werden, denn König Christian sei ein demokratischer König, dessen Haltung wiederholt gelobt werden konnte.
Schweden.
' Der schwedische Reichstag ist eröffnet und das Präsidium beider Kammern wiedergewählt worden. -Der neue Reichstag wird bekanntlich in erster Linie die Entscheidung über die kommenden V e r t e i - digüngsfragen zu treffen haben. Die Armee soll durch Verlängerung der Dienstzeit wchrkrästiger gemacht und für den Ausbau der Flotte sollen neue Richtlinien geschaffen werden.
Griechenland.
' A1 h e n, 18. Mai. lieber die südalbanische Frage ist zwischen der provisorischen Regierung von Epiru^ und der albanischen Kontrollkommission eine endgültige Verständigung erzielt worden.
Amerika.
* New - Bork, 17. Mai. Nach hier eingetrof- senen, bisher noch nicht bestätigten Meldungen sind nördlich von Tampico 60 holländische Marinesoldaten zuin Schutz der holländischen Interessen gelandet worden. Es befinden sich dort Oelfelder im Besitz von Holländern. Die merckanischen Konstituttonalisten fordern die Zurückziehung der Matrosen.
»
Mexiko.
* V e r a c r u z, 18. Mai. AUs Tampico wird gemeldet, daß zwischen dem deutschen Konsul und dem Rebellenführer sich ein Zwischenfall ereig
net hat. Der Konsul sandte, ohne sich von den militärischen Führern der Reellen die Erlaubnis zu erwirken, dte deutschen Flüchtlinge an Bord des Hapagdam- pfers „ Bpiranga". Die Rebellen verweigerten darauf dem Schiss die Erlaubnis zur. Abfahrt. Der Konsul er- klörie, daß sein Paß eine genügende Legitimation sei und droht, sich an das Auswärtige Amt nach Berlin zu wenden und dort eventuell wirksamen Schutz zu erbitten.
kssaa pascda verkalket.
* E s s a d Pascha, der albasiische Kriegsminister, ist gefangen gesetzt und an Bord des österreichisch-ungarischen Kriegsschiffes „Szioetvar" gebracht worden, wo er vorläufig zur Verfügung des Fürsten verbleibt. Näheres ist noch nicht bekannt. Die Verhaftung Essad Paschas scheint das erste Anzeichen dafür zu sein, daß der Fürst Wilhelm von Albanien zu der Erkenntnis gekommen ist, daß es endlich Zeit wird, selbst die Zügel der Regierung in dem neuen Staate in die Hand z» nehmen. Es scheint, daß Essad Pascha mit den Aufständischen gemeinsame Sache gemacht hat und bereit war, den Fürsten Wilhelm zu verraten. ^
Außer Essad Pascha und seiner Gemahlin wurden eine größere Anzahl seiner treuesten Anhänger und seine ganze Umgebung in Hast genommen. Die Verhaftung Essad Paschas wurde von holländischen Gendarmerie - offizieren, die sich zur Unterstützung ein Detachement österreichisch-ungarischer Matrosen genommen hatten, antz- gefühst. Als die Abteilung vor dem Konak Essad Paschas eintraf, hatte sich dort bereits eine große Anzahl der Getreuen des Kriegsministers versammelt, die auf irgend eine Weise von der Absicht der Verhaftung Essad Paschas Kenntnis erhalten hatten. Der Aufforderung, seinen Degen abzugeben, setzte Essad Pascha bewaffneten Widerstand entgegen. Es entspann sich zwischen seinen Leuten und dem Detachement ein heftiges Feutzrge- fecht. Erst nach erbittertem Kampfe gelang es, Effads Anhänger zu überwältigen und ihn sowie seine Getreuen gefangen zu nehmen. Dte Verhaftung Essad Paschas hat nicht nur; unter der Bevölkerung, sondern auch in den Kreisen der Beys einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. In der letzten Zeit hatte die öffentliche Meinung gegen Essad wiederholt den Vorwurf erhoben, daß er mit türkischen Agenten Verbindung Unterhalte und an verschiedenen Komplotten gegen den albanischen
Frei! — Frei?
. Novelle von Eugen Werner.
(Fortsetzung.)
Träumend fitzt Margaretha am Sec. Ihre hun- rnbe Seele lauscht mit jäh erwachender Sehnsucht auf ' a liebes Wort. In ihrem Herzen klingt und fingt es: fch Hab' dich lieb!" Und cs hebt sich ein Singen in f'iamn und Strauch voll seliger Luft: weich und schmel- nd klagt eine Amsel, «in Fink stimmt hoch oben im eäst einer Blutbuche einen Abschiedsgesang an. Ein Ei- rlhäher schreit und der Eule Ruf tönt unheimlich in n scheidenden Tag — Und in all die Stimmen Nagt hinein: „Ich Hab' dich lieb ec. o, so lieb!" Aber ne Antwort kommt zurück. Nur höhnisch zieht der rendwind über den See und wie Spott scheint es zu ngen: „Zu spät! Verspielt!" x Wohin sie auch ging, um Zerstreuung zu suchen,
0 imer verfolgte sie sein Bild, sah sie seinen dunsten Lok- el ckopf, seine halb schwermütig blickenden Augen, den
inen, lachenden Mund — hörte jene Worte des Grals >, die er im Märchengarten des Schlosses Pallavicini- 1- rtazzo in Pegli vor dem Bildnis Eanzios gesagt: ünstlcr sind mehr wie Menschen und darum müssen ».r ihre Eigenart oft dort gelten lassen, wo sie schein - $ r eine Verdammung notwendig ettragen mühte..." -r Margaretha hatte erst Gesellschaft gesucht und auch r* rin Zerstreuung gefunden. Seit Tagen mied sie es er, ihren quälenden Gedanken zu entfliehen. Willen- 9> überließ sie sich ihrem Schmerz. Was tat es. wenn igsam Geistesnacht sich auf sie niedersenkte ? War ein f ichender Traum nicht besser als die schmerzende Wick-
1 Leit? — — Um ihren Geist mit überstürzenden Ein
drücken zu jagen, machte sie nunmehr täglich weite Wagenfahrten, hing ihren Gedanken nach und freute sich wie ein Kind, wenn die Natur einen Schemen - gleich oorüberflog. Ihr war dann zU Mute, als wären ihrem Sehnen Flügel gewachsen und sie entschwebe leicht und lind all ihrer Seelenpein ...
Auch heute schloß sie erleichtert das Auge auf der Heimfahrt. Ihr war mit einem Male so wohl! O, so wohl! Sie sah im Geiste die kleine Kindergruppe im Schloßgarten, die vergnügt „Haschen" spielte. Ein zehnjähriger Knabe, ein Mädchen von etwa neun und ein reizendes Bürschchen von kaum vier Jahren. Sie hörte, wie der kleine Blondkopf mit den entsprechenden Harrd- bewegungen feierlich sein Abzählungssprüchlein hersagle und dann mit jauchzendem Jubel krähte: „Erwin muß sein..."
Sie sah, wie er die kleinen Füßchen mehr als nötig schlenkerte, und wenn dann die Reihe an ihn kam, lustig ein anderes einzufangen sich abmühte. Lächelnd vergegenwärtigte sie sich seine Bitte, als die Kinder mutwillig um ihren Tisch sprangen und er keines von ihnen erwischen konnte, wie er da schmeichelnd gebeten hatte: „Allons, heb's, heben sollst sie!"
O selige Kinderzeit! War sie nicht einst auch ein Kind gewesen? Und warum hatte sie geglaubt, Kinder nicht lieben zu können? Ja, Erwin hatte Recht gehabt. O, wie sie seinen Scharfsinn bewunderte. Nun wußte sie auf einmal wieder, daß ihr Glück nicht tot war, daß er, sobald er wußte, wo sie weilte, sie wieder holen würde. —
Sie hatten die Stadt erreicht. Margaretha blickte neidisch auf die fröhliche, geputzte Menschenmenge und leise stiegen mahnende Erinnerungen in ihr auf. Wie
oft war sie am Anfang ihrer Ehe Arm in Arm mit ihrem Manne durch die Alleen gegangen, hatte die herrlichen Blumen bewundert, loelche man an den Ständen feilbot, und es ganz als selbstverständlich gefunden, daß er sie nie ohne einen duftenden Strauß nach Hause gehen ließ.
Als sie das photographische Kunslatelier in der Lichtentaler Allee passierte, erblickte Margaretha einen MenschenaUstauf. Sie gebot dem Kutscher zU halten und winkle einem in der Nähe postierten Schutzmann.
„Ist irgend etwas passiert; oder was bedeutet jene Menschenansammlung?"
„Soeben wurde telegraphiert, daß ein Schnellzug hei Mülheim infolge zu rascher Fahrt entgleist sei. Da sich unter den Verletzten auch ein hiesiger Herr befindet, ist das Interesse des Publikums wohl verständlich, umsomehr, als die Gattin jenes Herrn sich aus Reisen befindet," war die kurze Antwort.
„Und — sein Name?"
„Erwin von Keller — wenn Gnädige ihn kennen!"
Auch der Kutscher hatte aufgehorcht und wunderte sich jetzt über den niederschmetternden Eindruck, den diese Nachricht aus seinen Fahrgast hervor.brachte. Willig lieh er seine Pferde ausgreifen und schaumbedeckt kamen sie vor dem Hotel zum Stehen. Margaretha sprang autz dem Wagen, kleidete sich rasch um, und bevor eine halbe Stunde vorbei war, hielten die dampfenden Rosse vor. dem Bahnhospottal. Keine Minute zu früh, denn kaum hatte sich die Kupeettire hinter ihr geschlcssen, drehten sich ächzend die Räber und der Zug wand sich pustend dem Rheintale zu. wo die gewaltige Mafsei-Maschine den Zug Frankfurt-Basel an seinen Bestimmungsort brachte.
(Fortsetzung folgt.)


