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Nt. 37. Telephon: Nr. 362. SüMstag, dM 9. MM 1914. Telephon Nr. 363. 26.
politische Rundfchau.
Zum Koten - Kreuz ■ Cag
am lo. Mai 1014 *)
Nun kehrt der hehre Iubeltag In deutschen Landen wieder,
Da sühnten eine alte Schmach Die deutschen Waffenbrüder.
Germania reckt die Eisenfaust,
Ist stark und mächtig worden,
Vorbei! die Zeit, wo frei gehaust In Deutschland welche Horden.
Doch wird die holde Friedenszeit Das Szepter ewig führen?
Wird nicht der Völker Haß und Neid Dereinst den Weltbrand schüren?
Ihr Söhne Teuts, vergeht sie nie,
Die Scham aus trüben Tagen,
Als vor dem Korsen auf dem Knie Die Völker Deutschlands lagen!
Bis zornentflammt der deutsche Aar Die mächt'gen Schwingen regte Und Sturmwind gleich die Feindesschar Aus deutschen Gauen fegte.
Blickt auf zu dem Teutonenmut Der kühnen Freiheitshelden,
Die, scheuend weder Gut noch Blut,
Das Zwingherrnjoch zerspellten!
Germania, schirmend in der Wehr,
Trotzt allen Dölkerstürmen Und will mit schlagbereitem Heer Den Weltfrieden schirmen.
Doch hegte, teures Vaterland,
Nicht bloß die Waffenstärke,
Nein, reiche auch die Bruderhand Zu edlem Liebeswerke!
Denn für des Friedens Segensgut Soll Dankbarkeit bezeugen Der Bürger und voll Opfermut Barmherzig sich auch zeigen.
O, laß des Herzens Edelmut Für's Rote Kreuz erblühen Und segne, was es Gutes tut Im Samaritermühen!
Ed. Schneider
's Frankfurter Friede 10. Mai 1371
Deutschland.
„ *' Donnerstag nachmittag war das Kaiser- p a a r in Karlsruhe eingetroffen und am Bahnhof vom Großherzogspaar und dem Prinzenpaar Mar von Baden empfangen worden. Trotz des strömenden Regens hatten sich Taufende von Menschen in den Straßen ein- gefuttden, um das Kaiserpaar zu begrüßen. Der Kaiser hat sich Freitag morgen mit Gefolge im Sonderzutzc nach Dürkheim begeben, wahrend die Kaiserin in Karlsruhe verbleibt. Der Gvößherzog geleitete den Kaiser zur, Bahn. Von Dürkheim wird der Kaiser im Kraftwagen über die Dreiähren nach Eveaur fahren, um einer Ge- birgsübüng bei Kalmar beizuwohnen.
' Aus Anlaß der bevorstehenden Taufe des Erbprinzen wird die Stadt Braunschweig über 20 Fürstlichkeiten und Vertreter fürstlicher Taufpaten zü Gaste sehen. Die Stadt trägt reichen Fkaggenschmurk. Viele Fremde sind angekommen.
* Prinz Heinrich von Preußen ist gestern abend nach London abgeyeist.
* Die Bubgetkommission des Reichstages bewilligte eine zweite Rate von 2,5 Millionen statt der gesorderten 5 Millionen für die Landwirtschastsbank in Südwestafrika und nahm den Entwurf über die Dam- psersubventionen gegen die Sozialdemokraten an.
* Die W a h l p r ü f u n g s k o m m i s s i o n des Reichstages hat bei der Prüfung der Mahl des Abg. Bassermann in Saarbrücken Beweiserhebung beschlossen. Es handelt sich im wesentlichen Um Wahl- beeinfllussuttgen auf Grund des bekannten saarabischen Systems.
* München. Die Stadtgemeinde München hat zü ihrer Vertretung bei der Englandfahrt deutscher Stadtgemeinden den — sozialdemokratischen Gemeinderat Witte, den Führer der Münchener Sozialdemokraten, ausersehen und sür diese Reise Herrn Witte 900 Mark aüs Stadtmitteln zur Verfügung ge- ftellt.
England.
* Nach zweitägiger Beratung lehnten die Lords mit 140 gegen 60 Stimmen den Gesetzentwurf ab, der den Frauen, die das KommUnalwahlrecht besitzen, auch das Parlamentswahlrecht geben wollte. Es war das erstemal, daß im Oberhaus das Frauenwahlrecht zur Beratung stand.
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Schweiz.
' Die Stichwahlen in Innsbruck und Meran, welche die Landtagsneuwahlen abschlos-
scn, brachten den Dcutschsreihcitlichen «inen großen Erfolg, obwohl zwischen den Klerikalen und Sozialdemokraten ein Wahlkompromiß zur gegenseitigen Unterstützung vereinbart war. Sämtliche sechs zur Besetzung gelangenden Mandate sielen mit großer Mehrheit den Dcutschsreiheitlichen zu, welche in den kommenden Landtag 17 Abgeordnete entsenden.
Rußland.
* Die russischen diplomatischen Kreise sagen einen neuen Kurs in der Türkei voraus im Sinne einer Abwendung von Deutschland und Annäherung an Rußland. In Petersburg wird ein russisch-türkisches Komitee gegründet werden, das eine wirtschaftliche Annäherung herbeiführen soll. Aus dieser Basis sollen dann politische Schritte unternommen werden. Der nach Jalta abzufertigenden türkischen Sondergesandtschast, an deren Spitze einer der hervorragendsten türkischen Politiker stehen soll, wird in Petersburg große Bedeutung beigemessen. Ferner verlautet, daß Enver Pascha selbst die Absicht habe, nach Petersburg zu kcnimen, um engere Beziehungen anzuknüpsen.
Albanien.
* Es hat sich gezeigt, daß Albanien nicht imstande ist, aus eigener Kraft N o r d e p i r u s zu besetzen. Nicht genug damit, dringen! die militärisch gut geschulten epirotischen Freischaren, durch griechische Deserteure und kretische Abenteurer verstärkt, mit Kanonen und Maschinengewehren genügend ausgerüstet, nordwärts selbst in Epirus hinein. Nachdem sie Kolonia genommen und sich dadurch den Weg gegen Koritza gehahnt haben, machen sie sich, auf den Weg nach Berat mitten in Albanien und sollen nur noch 5 Stuüden von Berat entsernt stehen. Albanien ist demgegenüber hilflos. Auch der neue Fürst kann an der Lage nichts ändern. Die angebliche albanische Mobilisierung war ein Bluff, die Entsendung von so und so viel Tausend albanesischer Freiwilliger nach dem Süden nicht minder, die Uebernahme des Kommandos der Streitkräfte durch den Fürsten höchstens ein frommer Wunsch. Jetzt versucht es die europäische Kontrollkommission, die ihren Sitz in Valona hat, eine VermitteluNg anzubahnen. Aus Durazzo, 7. Mai, wird nämlich gemeldet: Heute begibt sich die europäische Kontrollkommission in das Ausstandslager nach Santi Quaranta, um neu« Verhandlungen mit den Epiroten zu beginnen, nachdem mit Zographos, dem HaUpt der aufständischen Epiroten, ein Waffenstillstand vereinbart wurde. — Auch s e r b i s ch e r s e i t s geht man gegen Albanien vor. Nordwestlich von Dibya haben serbische
Frei! — Frei?
Novelle von Eugen Werner.
(Fortsetzung.)
Wie im TraUme hörte Margaretha aus das an - lutige Geplauder ihres Ritters, während das Brausen er Menscheirstimmen wie ein fernes Meer an ihre Osten drang. Und wie ein weiches, altbekanntes Wiegcn- ed gaukelten die Tön« des Orchesters um ihre Sinne nd schmeichelten sich in ihre Seele.
Graf von Bissingen konnte sein Auge nicht von dem M so lieb gewordenen Schützling wenden. Er seufzte es auf. Wenn doch seine Frau auch eine solche Seele esessen hätte wie dieses unglückliche Kind. Ah! Er rußte, was ihr fehlte, und er würde nun nicht mehr ögern, und ihr die Wahrheit sagen.
Jetzt kommt etwas für Sie, sagte er plötzlich, sich ltargaretha zUwendend. — „Haben Sie aber gut acht, ie Musik ist bei dem Lärm schwer verständlich."
„So! Was denn l"
Schweigend deutete er auf die Musiker.
Voller Ungeduld wartete sie aus den ersten Eeigen- m. Sie zuckte zusammen.
„Graf von, Lulemburg !" Stumm nickte ihr Be - leiter.
Margaretha durchtobte ein Sturm von Empfind - ngen. Unwillkürlich verschränkte sie die Arme fester ber der Brust, so scst, daß es sie schmerzte.
Jener Abend stand vor ihrer Seele, wo sie zum ften Male in Begleitung ihres Mannes diese Operette »gehört hatte. Damals war in Erwins Brust etwas
erwacht. — Worte voll Liebe und Glück und lange waren sie an jenem Tage aufgeblieben und hatten sich Treue gelobt Und Nachsicht: sie, seinem oft zu ernsten Temperament gegenüber, er, ihrer sprudelnden Lebenslust. — Warum es doch nicht gut getan hatte? Sie wußte es nicht! Es hatte sie etwas fortgetrieben, das ihr nie Ruhe gelassen. Immer wieder hatte sie sich an seinem Wesen gestoßen; weil es anders war als sie selbst. Und weil er wußte, daß Nichtstun Gfft sei, deshalb sollte sie ihrem Leben Inhalt geben: und sie
scheute sich davor. So war die Entsremdung gekommen, langsam, Schritt für Schritt und mit dem Geständnis: „Ich Hab' Dich nicht mehr so lieb wie früher", war vollends alles vorbei gewesen. Und dann war es in ihr aufgesttegen — unaufhaltsam, wie ein mächtiger Bergstrom, und st« konnte die Fessel, die sie so schwer bedrückte, abstreisen.
Bist du's, lachendes Glück,
Das jetzt vorüber schwebt?
Ist das der süße, goldige Traum.
Den man nur einmal lebt? —
Margarethä fuhr sich über die Stirn. Fort mit diesen Gedanken. Sie war srei! frei! und wollte es bleiben. Mit Gewalt schüttelte sie die elegische Stim mung ab. — Doch immer wieder kam ihr die schmeichelhafte Meise in den Sinn und ohne zu wissen, summte sie:
^^^lllar's das lachende Glück,
Das jetzt vorüberschwebt?
War, es der süße, goldige Traum,
Den man nur einmal lebt? —
Sind Sie nun zufrieden?" Mit forschendem Blick
schaute der Graf ihr ins Gesicht, das wie in heißer Sehnsucht verklärt erschien.
„Herr Graf, am liebsten möchte ich jetzt gehen, denn das Getriebe hier ringsum macht mich krank."
Wortlos stand er aus, zahlte und geleitete sie mit sanfter Zärtlichkeit durch das elegante Publikum hinaus an den kühlen Strand.
Während sie die „Promenade des Anglais" hinunterschrieben, blieb er plötzlich stehen.
„Gnädige Frau?', sagte er, „lassen Sie mich Ihnen heute herzlichst danken für Ihre liebe treu« Freundschaft, womit Sie mich während Ihres Hierseins ^beglückten. Es war mir ein unvergeßlicher Genuß, mit Ihrer edlen Seele in südlicher Schönheit zu schwelgen und ich wünschte nur, noch länger Ihre mich so erfreuende Nähe genießen zu dürfen — —“
„Wollen Sie fort?"---
Lange sckoutc der Graf aus sie nieder. Dann sagte er : Sobald Sie abgereist sind, werde auch ich die Riviera verlassen — — —“
„Und wem, ; nicht gehe---?“
Trotzig ( A ' sie ihm ins Antlitz.
„Dann u ie müssen, Sie großes, liebes Kind.
Haben Sie es be>- noch nicht empfunden, daß Sie das Heimweh geoackt hat ? Nicht die Menschen und das Getriebe machen S?e krank, sondern das Heimweh!"
„Das Heimwe !?" Ersckreckt sah sie ihn an. „Heimweh ? — Nach wem, nach was ?" fragte sie mit heimlichen Jubel in der Stimme.
„Vielleicht nur nach der Heimat. Ich weiß es nicht. Es überkommt alle, die einmal aus einem Kreise her-


