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Nr. 35. Telephon: Rr.362. Samstag, den 2. Mai 1914. Telephon Rr.362. 26. Iahrg.
Politifcbe Rundfcbau.
Deutschland.
Berlin, 30. April. Die Ergebnisse zur Beranlagung des Wehrbeitrages im Bereiche, des Iweckverbandes Groß-Berlin sind nach einer amtlichen Statistik folgende: Stadtkreis Berlin 74235600 Mk , Lharlottenburg 28100000 Mk. Wilmersdorf 11500000 Mk., Schöneberg 6500000 Mk., Neukölln 640060 Mk., Lichtenberg 560000 Mk., Spandau 530000 Mk., Landkreis Teltow 19000000 Mk., Niederbarnim 3600000 Mk., insgesamt 144665600 Mk.
V
Frankreich.
' In der offiziellen Wahlstatistik, die das Ministerium des Innern ausgestellt hat, sind sämtliche Ergebnisse des französischen Mutterlandes und der drei Departements von Algerien enthalten, sowie vereinzelte Ergebnisse ans den Kolonien. 340 Mandate sind endgültig besetzt, in 251 Wahlkreisen ist Stichwahl not - wendig in einem Wahllreise konnte das Ergebnis noch nicht festgestellt werden und aus 10 Wahlkreisen der Kolonien stehen die Endresultate noch aus. Die 340 endgültig erledigten Sitze verteilen sich wie folgt: Reaktionäre Rechte, d. h. Monarchisten und Klerikale 66 (bisher 62); Gemäßigte Republikaner 47 (50); Förderation der Linken 20 (21); Linksrepublikaner 38 (40) ; Radikale und Radikalsozialisten 118 (115); Sozialistische Republikaner 11 (13); Geeinigte Sotzialistens 40 (36). — Die linksstehenden Parteien beabsichtigen ein Wahl - bündnts zu schließen, deffen Zweck insbesondere sein soll, eine sichere republikanische Mehrheit zu bekommen. Das Bündnis umschließt die Sozialisten und Linksrepubli- kaner.
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Albanien
* Albanische Banden haben an drei Stellen bei Dschakowitza die montenegrinischen Posten angegriffen, sind aber zurückgedrängt worden. Die Regierung, von den neuen Vorbereitungen der Albaner verständigt, hat sich an die Großmächte mit dem Ersuchen um eine Intervention gewendet.
Amerika.
* New-Pork, 1. Mai. Nach hier kursierenden Gerüchten wolle Huerta mit einigen Anhängern nach B e r l i n s l i e h e n, wo er durch Vertrauensagenten 3 Millionen Dollar sicher untergebracht habe.
" V e r a c r u z, 30. April. Der britische Ge - sandte C o r d i n soll Huerta namens der Union mitgeteilt haben, daß nur sein Rücktritt den Frieden bringen könne.
' Caraca (Meriko), 30. April. Gestern wurde amerikanische Marineinfanterie in Salinacruz gelandet, nachdem der amerikanische Befehlshaber gedroht hatte, er werde den Hafen beschießen lassen, falls die Meri- kaner der Landung Widerstand entgegensetzen sollten.
(Jom Bergbau.
In der 56. ordentlichen Hauptversammlung des Vereins für, die bergbaulichen Interessen am 25. April zu Essen (Ruhr) verbreitete sich der Geschäftsführer des Vereins, Bergaffeffor v. Loewenstein, in seinem Geschäftsbericht über die allgemeine wirtschaftliche Lage uüd gab im Ausblick auf die Zukunft der Hoffnung Räum, daß die Belebung des Marktes, falls Deutschland vor, ernsten politischen Ereignissen bewahrt bleibe, wohl nicht mehr allzulange auf sich warten lassen werde, da ja erfahrungsgemäß infolge der ausgleichenden Tätigkeit der großen Verkaufsvereinigungen die wirtschaftlichen Kon- juicktUrschwankungen in den letzten Jahren sich in immer kürzeren Zeitabschnitten vollzögen.
Auf dem Gebiet der Sozialpolitik wandte sich der Berichterstatter dann gegen die von dem Herrn Staatssekretär Dellbrück gelegentlich der zweiten Beratung des Etats des Reichsamts des Innern gemachten Ausführungen, daß die seit 30 Jahren planmäßig fortentwickelte deutsche Wirtschaftspolitik, die einen allgemeinen großen wirtschaftlichen Aufschwung fast aller produzierenden Stände zur Folge gehabt habe, auch J>er Industrie die Stärke verliehen habe, die Lasten der Sozialpolitik ohne irgendwelchen Schaden zu tragen.^ Es sei falsch, wenn man aus der Fülle der auf den Schultern der industriellen Werke ruhenden öffentlichen Lasten nur «ine herausgreife und diese in Beziehung zU den Ergebnissen der deutschen Wirtschaftspolitik bringe. Daß es sich bei der finanziellen Inanspruchnahme der Industrie auf anderen Gebieten nicht um Kleinigkeiten handle, an denen man achtlos vorübergehen dürfe, das zeige u. a. die ungewöhnliche Belastung der Industrie mit Gewerbesteuern, die im einzelnen mit genauerem Zahlenmaterial belegt wurde.
Gegenüber den immer wiederkehrenden Vorwürfen, daß es den Arbeitgebern des Jndustriebezirks an sozialem Verständnis mangele, wird auf den Gang der sozialpolitischen Entwickelung in den letzten Jahrzehnten hingewiesen, der bei objektiver Würdigung den Beweis
liefere, daß die Sozialpolitik von Arbeitgebcnr nicht gehemmt, sondern im Gegenteil in Erkenntnis der, vielfachen segensreichen Wirkungen in reichlichem Maße gefördert worden sei. Sozialpolitik uiüer gleichzeitiger Berücksichtigung aller Kräfte des deutschen Reiches, das sei der Weg gewesen, aus dem man den Bergbau stets zur Mitarbeit bereitgesunden habe, und wenn man in Sozialsragen hier und da eine verneinende Ansicht vertreten habe, so sei es nur geschehen, wenn das Vorgehen der, gesetzgebenden Faktoren in unpraktische, ungesunde Bahnen eingelenkt habe, wenn die Forderungen der Sozialpolitiker sich mit der nüchternen Wirklichkeit des praktischen Lebens nicht vereinbaren liehen, oder wenn sie die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Nation gefährdeten. Die geringe Beachtung, die man in dieser Hinficht den Vorstellungen und Besürcht- »mgen der Industrie vielfach geschenkt habe, sei durchautz kein Beweis, daß die geäußerten Bedenken unbegründet gewesen, sondern viel eher ein Beweis des geringen Verständnisses für die Lebensbedingungen der Industrie. Das führte den Reserentcn zur Vertretung der Industrie in den parlamentarischen Körperschaften, speziell im Reichstage, die keineswegs der ihr für das gesamte Staatswesen zukommenden Bedeutung entspreche. Von allen den in letzter Zeit, namentlich auch von dem deutschen Handelstag, gemachten wertvollen Vorschlägen, die auf eine Aendcrung der beklagten Zustände abzielten, könne er sich nur dann einen vollen Erfolg versprechen, wenn die Forderung nach einer, engeren Fühlungnahme des Reichstages mit den Kreisen der Praris so verstanden werde, daß die Fühlungnahme von den Abgeordneten selbst aUsgehe Und auch getragen werde von dem ernsten Pflichtbewußtsein, vor Beratung wirtschaftlicher Gesetze durch eingehendes Studium der praktischen Verhältnisse sich die Klarheit und das sachliche Urteil zu verschaffen, ohne die die Mitarbeit an Gesetzen zurecht folgenschweren Mißgriffen führen müsse.
Hinsichtlich der Arbeitslosenversicherung müsse gegen die Durchführung der seitens einiger Kommunalverwaltungen unternommenen/ Erperimente, die Lösung dieses Problems zu versuchen, u. a. um deswillen Einspruch erhoben werden, weil dadurch das Gleichgewicht der von der sozialen Gesetzgebung ausgehenden Segnungen gestört und ein örtliches lieber - maß geschaffen werde, das in seiner Anziehungskraft nur geeignet sei, den Ausgleich zwischen Arbeitsangebot und -Nachfrage zu hindern. Solange noch auf dem flächen Lande und in einzelnen Industrien dauernd Mangel an Arbeitskräften bestehe, müßten alle Mittel verboten werden, die wie die kommunale Arbeitslosenversicheruttg die
Frei! — Frei?
Novelle von Eugen Werner.
(Fortsetzung.)
Nach einem unruhigen Schlaf erwachte Margaretha und tastete vorsichtig um sich.
„Erwin!?" — Die junge Frau besann sich lächelnd. „Ach so! Ich bin ja ftei!"
Schnell stand sie aus und kleidete sich an: zuin
Korso. Nach dem Frühstück hörte sie das Rollen eines Wagens und schaMe hinaus. Ein prächtiger Viererzug hielt vor dem Hotel. Ja — er war es. Leicht grüßend lüftete er den Panama und sie eilte, ihren Platz ein- zuuehinen.
In leichtem Trab ging's hinunter zum Strand und entlang der herrlichen Küste, dann biegt das elegante Eesährt von Posaunentöncn begleitet in die prachtvolle, von breitästigen Platanen beschattete Avenue de la gare immer tieser hinein in die innere Stadt, — vorbei an mächtigen Monumentalbauten: dem Kasino Municipal und so weiter, und endlich rollt der Wagen, gefolgt von vielen bewunderten Blicken über die weltberühmte Jctee- Promenade.
Ein Gefühl seligen Glückes überkommt Margaretha. Ste atmet die salzige Lust des Meeres, den berauschenden Duft der blühenden Bäume und: „wie schön, wie schön" bebt es von ihren schwellenden Lippen.
„Ja, schön ist das Paradies am mittelländischen Meer"" stimmt ihr Begleiter ihr zu, der sie auf alles Interessante mit tiefem Wissen aufmerksam machte, „aber wie schön die Riviera ist, werden Sie erst vollauf verstehen, wenn Sie, einige der verborgenen Feengärten, deren verschiedene diese wilde Romantik verbirgt, bewundert haben werden. — —“
Mitlagszauber! Aus dem Verdeck eine lärmende Menge. Neugierig, bewundernd, achtlos und entzückt schaMn die Augen der Reisenden in die südländische Pracht, je nachdem.
Auch Margaretha steht und schaut in entzückter, Freude auf die ausgesucht reiche, üppige Vegetation, die sich ihren Augen darbictet.
Soeben legt dev Dampfer an. Gras von Bissingen bietet seiner jungen Frau den Arm und strebt sofort, von niemanden verfolgt, mit ihr den Bahnhof und dem in nächster Nähe liegenden Eingang zu dem Märchenschlosse Pallavtcini-Durrazzo, zu.
„Haben Sie schon einmal auf der Bühne Armidens Zauberhain gesehen, gnädige Frau?" sagte ihr Cicerone.
Frau Margaretha bejahte.
„Jene wunderbare Pracht ist eine schön aber dock) ganz schwache Reproduktion der Herrlichkeiten, die Sie jetzt erblicken werden."
„Ist dieser Garten und Palast schon sehr alt?"
„Er wurde im Jahre 1837 von dem Philantrop Jgnazio Alessandro Pallavicini mit Hilse eines genuesischen Künstlers, Michel Lanzios erschaffen."
Zwischen Baumgruppen und Felspartien hindurch führte der Graf die junge Frau und freute sich des kindlichen Entzückens, womit die wunderbare Pracht die Seele Margarethens erfüllte.
„Wahrlich, ein architektonischer Künstler, ein Poet von Gottes Gnaden muß es gewesen sein, der zu diesen vorhandenen Baumgruppen und Felspartien derart paffende Bauten schaffen konnte, die jetzt unser Auge entzücken und verblüffen."
Graf von Bissingen nickte schweigend.
Sie kamen von dem Palaste in eine Steineichen - Allee, an deren Ende sich ein mit Statuen und Malerei
geschmücktes Kasino befand, dann zu einem Triumph - bogen mit den Statuen des Frohsinns und des Ueber- flufses.
Langsam stieg der; Weg bergan, vorbei an einer herrlich gelegenen Esplanade, — immer höher bis zu einem dichten Wald. Aus einer kleinen Bank vor einer Hütte nahmen sie Platz und genossen die sonnenslim- mernde Fernsicht. Dann ging es wieder weiter, vorbei an einem malerisch gelegenen See auf einen Platz all- wo neben einer weiteren Hütte ein Bergbach in überstürzender Hast in die Tiefe flieht.
„Sehen Sie, auch dieses Bächlein treibt seiner Be- stimmuirg entgegen", sagte von Bissingen, „es sehnt sich nach Vereinigung mit der liefen See!"
„Bestimmung des Lebens", flüsterte Margaretha, dte sich eine im Dickicht verborgene gotische Kapelle ansieht.
Im Weiterschreiten macht sie der Gras auf das Ma- rienblld von Jfolani aufmerksam, das sich in jener Kapelle besindet.
„Ich werde mir einzelne vergessene Kunstwecke später einmal gründlicher ansehen." — Margaretha blieb stehen. — „Was ist das?" fragte sie erstaunt.
„Wir sind nun ganz oben; was Sie sehen, ist ein altes Kastell", erläutecke der Graf. Sie überschritten die Zugbrücke und traten in einen prächtigen Rundsaal, gefüllt mit alten Rüstungen Und Waffen. Von dem alten Turm blickten sie dann schweigend hinunter in den licht- strotzenden Nebelschleier, der meerumsäumten Riviera. Vorsichtig stiegen sie die Wendeltreppe wieder hinab, uin unter einem Kastaniendach hindurchschreitend abwärts zu streben, wo autz der Tiefe eine chinesische Hütte grüßte.
(Focksetzung folgt.)


