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Ar. »3.
Delep hon: Skr. 362.
Samstag, den 25. April 1914.
Telephon Jlt. 362.
20. Jahrg.
Uom mexikanifeben Kriegsfcbauplafz.
* Der amerikanische Geschäftsträger O'Shough- nessi, erhielt von der merikanischen Regierung seine Pässe. — Bevor die Amerikaner Veracruz vollsläirdig nehmen konnten, mutzten die Positionen der Meiikaner beschossen werden. Bon dem Gcschützseuer gedeckt, landeten 4000 Mann. — Die Amerikaner landeten auch in Tampico Truppen und besetzten das Zollamt sowie die Kapelstation, anscheinend ohne Widerstand zu finden.
— Sämtliche Bundestruppen im Norden Merikos erhielten den Befehl, sich auf Sastillo zu konzentrieren, mn einen amerikanischen Ginfall zurückzuweisen. Piedras Neqras, das gegenüber, von Eggle Patz liegt, ist -infolgedessen geräumt worden. In der Nacht herrschte dort die grötzte Aufregung; an mehrere eiligst gebildete Freiwilligen-Kompagnien waren Waffen verteilt worden.
• Das amerikanische Kriegsamt schlägt dem Präsidenten vor, sofort 400 000 Freiwillige zu mobilisieren, nicht allein zur Verwendung in Menke, sondern auch
— wie die „Evening Sun" wissen will — um Japan die Opferfreudigkeit und Entschlossenheit der Union zu beweisen. (Die Japaner haben ein Interesse daran, datz die Vereinigten Staaten nicht durch weiteren Länderzu- wachs stärker werden und ihnen die Einwanderung nach Nordamerika erschweren. Infolge sympathiesieren sic mit Meriko.)
Washington, 23. April. Wie das Kriegsamt er- fahren hat, haben sich die Rebellen bei Tampico mit den Anhängern Huertas gegen die Amerikaner vereinigt.
* Wie schlecht dieses plötzliche Losschlagen nicht nur diplomatisch, sondern in jeder Beziehung vorbereitet wuir.de, und wie laienhaft die Politik von dem Präsidenten Wilson betrieben worden ist, zeigt folgende Meldung des „Lok.--Auz." aus London: Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten ist nach den vorliegenden Depeschen sehr wenig zufrieden mit der Erklärung, die Präsident Wilson für sein Eingreifen in Meriko gegeben hat. Diese Unzufriedenheit fand in der Presse und noch mehr im Senat deutlichsten Ausdruck. Senator Lodgc, einer der angesehendsten Staatsmänner der Union erklärte, es sei ein Upglück, daß Präsident Wilson eine so geringfügige Sache, wie der Wechsel von Salutschüssen zunr Anlatz einer kriegerischen Aktion mache. Wenn es schon sein müsse, so hätte der Krieg wegen der Ermordung von 200 fckedlichen amerikanischen Staatsange - hörigen schon früher erklärt werden sollen.
• Die kriegerischen Entwickelungen zwischen den Vereinigten Staaten lind Meriko haben zur Erwägung geführt, zum Schutze der deutschen Reichsangehöri- gen in Meriko mehr Kriegsschiffe hinüberzuschicken. Es ist daher die beschleunigte Ausreise der Kreuzer „Karlsruhe" nach den merikanischen Gewässern beab - stchtigt.
politische Rundfcbau
Deutschland.
* Der Kaiser genehmigte zum 1. Mai das 2lb- schicdsgcsuch des Grafen Wedel unter Erhebung in den Fürstenstand. Zum Nachfolger ist der, Staatsminister v. Dallwitz aUsersehen worden. Der Wirkliche Geh. Rat v. L ö b e l l soll das Ministerium des Innern übernehmen.
* In der Sitzirng der badischen Zweiten Kammer gab Minister Dr. Böhm «ine Erklärung zur Jesuiten - frage dahingehend ab, datz die badische Regierung einer bedingungslosen Aufbebung des Jeftntengcsetzes ihre Zustimmung mcht geben könne. Sie sei aber bereit, bei
Verhandlungen im Bundesrat über die Frage mitzu - wirken und die gemachten Erfahrungen darüber zu berücksichtigen.
* Neue R ü st u n g e n. Durch die deutschen Zeitungen laufen jetzt wieder Artikel, die von der Unvollständigkeit der deutschen Rüstungen und von der finanziellen Kraft unseres Volkes für neue HeeresauS - gaben! reden. Der Besuch des englischen Königs in Paris und die russischen Drohungen geben den geeigneten Hintergrund für solche Forderungen.
* Die Vorschrift über den Waffengebcauch des Militärs und seine Mitwirkung zur Unterdcük- kung innerer Unruhen ist jetzt im Buchhandel erschienen, lieber das selbständige Einschreiten des Militärs bei der Unterdrückung innerer Unruhen besagt die neue Vorschrift:
„Zur Unterdrückung innerer Unruhen und zur Ausführung der Gesetze ist das Militär auch ohne An- r'orderung der Zivilbehöcde selbständig einzuschreiten befugt und verpflichtet in Gebieten, die in Kciegs- oder Belagerungszustand erklärt worden find, wenn in Fällen dringender Gefahr für die öffentliche Sicherheit die Zivilbehöcde infolge äußerer Umstände außer Stande ist, die Anforderung zu erlassen."
Es fehlt in der neuen Vorschrift die Bestimmung, auf die sich der Oberst Reuter berufen hat und auf die hin er freigesprochen worden ist.
* In nächster Zeit werden vier bulgarische Offiziere in das deutsche Heer zu ihrer Ausbildung cintrctcn und zwar je ein Offizier der Infanterie, Kavallerie und Feidartillerie und ein Sanitätsoffizier.
* Dem norwegischen Lotsen des Kaiser ist die Mitteilung zugegangen, er möge sich beretthalten, das die „Hohcnzollern" begleitende Geschwader in den letzten Tagen des I u n i zu treffen. Diese Nachricht kann nur den friedlichen Eindruck verstärken, den die politische Lage durch die Ministerbesprechung in Abbazia erhalten hat.
Schweden.
* Nachdem die Auszählung der abgegebenen Stim
men beendet ist, seht sich die neue schwedische Zweite Kammer folgendermaßen zusammen: 86 Abgeordnete der Rechten, 71 Liberale und 73 Sozialdemokraten gegen 64 Abgeordnete der Rechten, 102 Liberale und 64 Sozialdemokraten im alten Reichstage. Die Rechte hat also 22, die Sozialdemokrie 9 Sitze gewonnen, während die Liberalen 31 Mandate verloren haben. Insgesamt erhielten: die Rechte 286 040, die Liberalen 244 718 und die Sozialdemokraten 229 339 Stimmen gegen 188 639, 239 497 und 170 590 Stimmen im Jah re 1011. _
Die Rrankenwficberuna in den deutschen Knappfcbamkaffen.
Die Verwaltung der Krankenvetficherung obliegt im deutschen Bergbau in der Regel den Knappschaftskassen. In Preußen (seit dem 1. Ianuär 1908), im Königreich Sachsen und im Erotzherzogtum Hessen ist bei den Knappschaftsvereinen die Verwaltung der Pensionskasse von der der Krankenkasse getrennt; bei fast allen anderen Knappschastskassen aber sind Pensions- und KNanken - Versicherung vereint. Vielfach sind die Knappschaftskassen im weseMlichen Pensionskassen; lediglich als solche sind sie in Elsaß-Lothringen tätig, wo ihre Mitglieder für di« Krankenversicherung den reichsgesetzlich organisierten Orts- oder Betriebskrankeickassen zugewiesen sind.
Mit Rücksicht aus die eigenartigen Verhältnisse des Bergbaues und der Bergarbeiter; hat es die Gesetzgeb
ung des Reichs mit Recht vermieden, in die durch Landesrecht geordnete Einrichtung der knappschastlichcn Krankenkassen einzugreifen und nur aus Zweckmätzigkeitsgrün- de» einzelne Vorschriften des Krankcnvcrsichciungsgesctzes auf sie für anwendbar erklärt. Hierzu gehört die Bestimmung, die den Bergarbeitern das Regelmatz der den reichsqesetzlich versicherten Personen zustehendcn Leistungen, d. i. 50 Proz. des Erundlohncs für jeden Arbeitstag. gewährleistet. Einzelne Vereine, wie z. B. der Allgemeine Knappschastsverein in Bochum und der Knappschastsverein der Z e ch e R h e i n p r e u tz e n, gehen indes noch über dieses gesetzliche Regelmatz hinaus, indem sie schon seit vielen Jahren ihren Mitgliedern in Erkrankungssällen 60 Prozent des durchschnittlichen Tagelohnes gewähren.
Das Kaiserliche Statistische Anit Hai unlängst eine bemerkenswerte Zusammenstellung über die Krankenversicherung in den Knappschastskassen im Jahre 1912 veröffentlicht, aus der die durchschnittliche Mitgliederzahl, die Einnahmen, Ausgaben und das Vermögen sowie die Zahlen der Erkrankungssällc und Krankheitstage zu ersehen sind. Hiernach bestanden im Jahre 1912 im deutschen Reich 153 (159) Knappschastskassen (-Vereine) mit insgesamt 932 877 (899 716) Mitgliedern. Davon entfallen auf Preußen 62 Kassen mit 867 451 Mitgliedern, hiervon aus den Oberbergamtsbezirk Dortmund 382 890, Breslau 192 025, Bonn 162 291, Halle 98737, Clausthal 31 508 Mitglieder; im außerpreuhischen (deutschen) Bergbau bestanden 91 Kassen mit 65 426 Mit - gliedern. Die Zahl der Erkrank ungsfälle betrug im Berichtsjahr 539 276 (535 621) oder auf ein Mitglied berechnet 0,58 (0,60). Letztere Zahl hat sich schon seit 1903 auf ungefähr gleicher Höhe gehalten. Die Zahl der Krankheitstagc stellte sich aus 9,12 Millionen (9,24 Mill.) oder je Mitglied auf 9,78 (10,27). Die Gesamteinnahmen beliefen sich aus 47,45 (43,11) Mill. Mk.. oder aus Mk. 50,87 (Mk. 47,92) je Mitglied, die Gesamtausgaben auf 40,97 (40,02) Mill. Mark oder aus 43,9(1 (44,49) Mk. je Mitglied. Das Vermögen bezifferte sich aus insgesamt 31,51 (25,26)
Mill. Mk. oder je Mitglied auf Mk. 33,78 (28,08). Zu bemerken ist hierbei, daß die Einnahme- und Ausgabeposten sowie das Vermögen derjenigen Knappschafts - Kassen, bei denen die Pensions- und Krankenversicherung vereint sind, nur schätzungsweise ermittelt werden konnten.
Jnbezug aus die Erkrankungsgesahrstehen die Mitglieder der Knappschastskrankenkassen den Angehörigen der reichsgesetzlichen Baukrankenkassen ziemlich gleich und etwas ungünstiger als die der Betriebskrankenkassen. Bei den Knappschaftskrankenkassen kamen nämlich 1912 aus ein Mitglied 0,6 Erkrankungsfälle mit 9,8 Krankheitstagen, bei den Betriebskrankenkassen 0,5 Erkrankungsfälle mit 8,9 Krankheitslagen und bei den BaukrankeNkassen 0,6 Erkrankuügsfälle mit 10 Krankheitstagen. Die Krankheitskosten aus ein Mitglied stellten sich in 1912 bei den Knappschastskassen aus 41,7 Mark, während sie bei den reichsgesetzlichen Betriebs - krankenkaffen nur 33,83 Mk. uüd bei den Baukranken - kaffen 32,92 Mack betrugen.
>fu$ Stadt und Land.
* Gewerbe« us st ellung Gießen 1944. Für alle Gegenstände, die auf der vom 16. Mai bis 15. August 1914 in Gießen statffindenden EewerbeauS- stellung ausgestellt und nicht veckaust werden, ist aus den Strecken der sämtlichen preußisch-hessischen Eisenbahndi- reklionen die frachtfreie Rückbeförderung bewilligt worden. Die Sendungen sind in den Frachtbriefen uüd Beförderungsscheinen neben den Inhaltsangaben autz - drücklich als „A u s st e l l u n g s s e n d u n g e n" zu bezeichnen. Bei der Aufgabe der Rückbeförderung, die
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