Ausgabe 
18.4.1914
 
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Expedition: Seitersweg 83.

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Vir. Hl Telephon: Nr. 382. SüMstaq. Dl'il 18. ApNl 1914. Telephon Nr. 8«2. 26. Jadsls.

^rbrilrrversicderung und Äsdl- labnrpllrge.

Das Reichsversicherungsamt veröffentlicht soeben eine intereffante Uebersicht über die Anlegung des Vermögens der Landesversicherungsanstalten, wie z. B. der Knapp­schaftskassen usw. zugunsten gemeinnütziger Zwecke. Da­nach beliefen sich die Gesamtdarlehen für solche Zwecke bis zum Ende des Jahres 1913 auf rd. I 164 Millionen Mark (Ende 1912: 1049 Mill.).

Don dieser Summe entfielen auf den Bau von Arbeiterwohnungen 482,6 Mill. (418,2 Mill.). Hier­von wurden 457,6 Mill. für den Bau von Arbeiter­familienwohnungen und rd. 25 Mill. für den Bau von Ledigenheimen hergegeben. Don den gesamten Wohnungs­baudarlehen sind bis Ende 1913 58,7 Mill. an die Ver­sicherungsanstalten zurückgezahlt worden, so datz am Schluß des Jahres ein Darlehnsbestand von 423,9 Mill. (gegen 365,6 Mill. Ende 1912) vorhanden war.

Recht beträchtliche Summen wurden zur Hebung derWohlfahrt der ländlichen Bevölkerung ver­wendet. Jur Befriedigung des landwirtschaftlichen Kredit- bedürfniffes sind bis Ende 1913 119,7 ( 113 , 8 ) Mill. aus- gegeben worden. Dieser Betrag stellt aber bei weitem nicht die ganze Suinme dar, die von den Verficherungs- trägern zugunsten der ländlichen Bevölkerung hergegeben worden ist. Abgesehen von dem Aufwand für Wohnungs­fürsorge aus dem Land, entfällt von den Darlehen für allgemeine Wohlfahrtseinrichtungen ein Betrag von über 228 Mill. M. auf Gemeinden bis zu 5 OM Einwohnern, also ebenfalls überwiegend auf die ländliche Bevölkerung. Endlich ist die Landwirtschaft mittelbar noch dadurch ge­fördert worden, daß eine große Anzahl von Versiche­rungsanstalten (darunter auch der Allgemeine Knappschafts- vercin in Bochum) landwirtschaftliche Pfandbriefei Rentcn-

briefe, Provinzialanleihescheine, Pfandbriefe von Land­wirtschaftsbanken usw. im Nennwert von über 150 Mill. Mark angekauft haben.

Zur Förderung der allgemeinen Wohlfahrts­pflege haben die Versicherungsanstalten bis Ende 1913 561,9 Mill. M. (bis Ende 1912 517,3 Mill.) ausgeliehen, und zwar a) für den Vau von Krankenhäusern, Volks­heilstätten, Invalidenheimen usw. 133,1 Mill. (117,6), b) zur Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege, ins­besondere zum Bau von Volksbädern, Schlachthäusern, Kanalisationen usw. 181,1 Mill. (172,2), o) für Erziehung, Unterricht und Hebung der Volksbildung 93,6 Mill. (86,6). 6) für sonstige Wohlfahrtszwecke 154,1 Mill. (140,9). Für eigens Veranstaltungen der Versicherungsträger (für Krankenhäuser, Heilanstalten, Erholungsheime usw.) wurden bis Ende 1913 79,8 Mill. M. aufgewandt.

PolitiKbe Rundtcuau.

Deutschland.

* Der Kaiser machte vorgestern früh auf Korsu seinen gewohnten Spaziergang, an dem auch der Reichs­kanzler teilnahm. Der Reichskanzler empfing den grie­chischen Ministerpräsidenten Venizelos und Dr. Streit.

* Das Kaiser paar wird am 9. Mai, vor­mittags, in Braunschweig zu den Tausseierlichkeiten ein- treffen. Die Taufe des Erbprinzen findet abends um 6 Uhr im Dome statt. Um 8 Uhr ist Galatafel. Das 'gz usg BvzuuoD iuo öuartpjumuK qaicn rvvckrsjwz; Mai, wieder verlassen.

* Zwischen den Dreibund- Mächten schweben zurzeit Unterhandlungen, um die gemeinsame Antwort aus -die Vorschläge sestzustellen, die., Eugland, Rußland und Frankreich in Sachen der ägäischen Inseln u. Süd-' Albaniens ebenfalls gemeinsam gemacht haben. Es han-

> delt sich um die Beantwortung der letzten Note des j griechischen Ministers des Auswärtigen Dr. Streit. Wie verlautet, hat sowohl Deutschland wie Oesterreick-Ungarir und Italien noch einige Wünsche mit Bezug auf die Fassung der Antwortnote. Diese Wünsche sind jedoch mehr redaktioneller Art, da der erste Eindruck der Vor­schläge des Dreiverbandes, die sogleich im wesentlichen annehmbar erschienen, sich auch bei näherer Prüfung der Vorschläge erhalten hat. Man darf daher annehmen, dah die von den Mächten des Dreibundes gewünschten leichten Abänderungen die Zustimmung des Dreiverban­des nicht erschweren werden. Dann könnte in nicht fer- ner Zeit eine Kundgebung im Namen sämtlicher Groh- mächle in Athen überreicht werden.

* Das in den südamerikanischen Gewässerri be­findliche deutsche Geschwader hat gestern npch- mitlag in der Richtung nach Punta Arenas die Heim - reise nach Europa angetreten. Vor der Abfahrt dankte der El,es des Geschwaders den Vertretern der Regierung für die herzliche Ausnahme, die das Geschwader in San­tiago und Valparaiso gefunden hat.

* Der, Parteitag der Fortschrittlichen V o l k s p a r l e i für das Erohherzoglum Hessen wird am 14. Juni in D a r m st a d I stattstnden. Alle dem Landesverein angeschlossenen Mitglieder der Fortschritt - lichen Volkspartei können dem Parteitag mit vollem Stimmrecht beiwohnem

* Der frühere Reichslagsabgcordnele A h l mm r bt ist an den Folgen eines in der vorigen Woche erlittenen Unfalls im Leipziger Krankenhause St. Jacob g e - st o r b e n.

Oesterreich.

* Der österreichische K a i se"r empfing am Mittwoch in besonderer Audienz die bulgarischen Prin-

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Frei! Frei?

Novelle von Eugen Werner.

(Nachdruck verboten.) Schaudernd trat Margarethe an das Fenster und schaute in die sunkelnde Pracht. Besah sie nun nicht alles, was den andern für immer mangelte? Selb - ständige Uirabhängigkcit, ein Leben voll eigener Ent - schliissc ohne fremden Einsluh. Dazu kam bei ihr noch der pikante Beigeschmack des(Eeschiedenseins". Um nichts in der Welt hätte sie wieder verheiratet sein wollen. Als Margarethe in ihrem hochmodernen Schneider- lleidc eintrat, allwo man dem menschlichen Bedürfnisse Rechnring zu tragen pflegt, waren die meisten Tischgäste bereits versammelt.

Aber! Ist für mich ein Platz reserviert?

Ich habe dort unten an dem langen Tisch für die gnädige Frau decken lassen, weil er ausschließlich von Deutschen und Oesterreichcrn besetzt ist. Darf ich bitten ? Sie folgte dem ooranschrcitenden Ober und nahm nach leisem, kaum merklichen Neigen des stolzen Haup- ies Platz. Es waren in der Tat fast ausnahmslos Ös­terreicher und einige Deutsche, wie sie leicht aus dem zemütlichen Tonsall der natürlichen Unterhaltung her- irlshören konnte. Zul ihrer Linken sah ein junges, raUkhaft bläh aussehendes Mädchen. Ihr Gegenüber Dar. eme korpulente Dame mit schwarzem Seidenzeug be­langen. Der Stuhl zur Rechten war noch srei. Erst als »au die Suppe herumreichte, kam dessen Inhaber ge- nächlich angeschritten. Es war ein Herr in mittleren Lebensjahren, groh und stark, mit frischem, fröhlichem 5esichte.

Unbedingt ein Deutscher", dachte Margarethe bei ich, während sie einen artigen Eruh, in dem zugleich ine gewisse Kälte lag, dankend erwiderte. Er gestel ibr licht übel. Wenn er es auch noch nicht wagte, sie mzureden, so zweifelte sie doch nicht, dah er es jeden - alls nicht an einer angenehmen Unterhaltung fehlen

> lassen durfte. Jedenfalls war er ein erträglicherer Nach­bar als das kaum den Kinderschuhen entwachsene Mäd­chen. Oder gar die herzleidende Frau vis-a-vis. Vorerst betrachtete man sich gegenseitig, und Margarethe freute sich im stillen königlich über die naiven und mihbilligen- den Blicke, gemischt mit leiser Bewunderung, mit der die Damen ihr modernes Kleid kritisierten.

Auf ihrem Antlitz lag das glückliche Lächeln noch, als sitz nun nach der Flasche langte, um sich einzu­schenken.

Gnädige Frau gestatten?" Galant kam ihr Nach­bar ihr entgegen, ergriff die Flasche und hielt sie über das hohe Kelchglas, langsam den edlen Tropfen hinein­perlen lassend. Fragend suchten seine Augen die ihren.

Pur..... wenn ich bitten dars."

Sie sah es ihm an, dah er sich freute, den Trop­fen unvermischt einschenkcn zu dürfen, und konnte sich nicht enthalten, ihn dieserhalb zu befragen.

Wer Wein trinken will, gnädige Frau", sagte er, sein Glas hochhebend,der soll auch einen echten Trop­fen trinken, und wer ein Gläschen nicht ertragen zu können vermeint, soll in Wasser das Diner schwimmen lassen."

Ihre Kelche glitten aneinander, kristallhell erklang der Ton und unmerklich lächelte sie ihm zu, während sie trank. Um ihren Mund zuckle es übermütig und da sie ihre Blicke gesenkt hielt, sah sie nicht, wie ein sarkastisches Lächeln um den seinen gaukelte.

Was mochte er wohl sein? Etwas nachlässig in Kleidung und Haltung, kein geschnigelt und gebügelter Salonmensch, bewahre voll Natürlichkeit, aber doch von formvollendeter Sicherheit, die gar trefflich zu seiner imponierenden Gestalt patzte. Während ihr Blick der­art interessiert sein AeUhcres zu fragen schien, wes Gei­stes Kind es berge, hob sie plötzlich ihre Augen. Hatte sie das durchdringende Augenpaar gefühlt, das auf ihr ruhte?"

Ihre Blicke begegneten sich.

Gnädige Frau, hüten Sie Ihre Gedanken bes­ser", sagte er scherzend, indem er ihr die Fleischplatte präsentierte.

Während sie Zugriff, fragten ihre Augen um nähere Erklärung.

Sic möchten doch zu gern wissen", fuhr er fort, die Platte dem Kellner zurückreichend,wer und was ich bin? Wäre ich kein prinzipieller Gegner der förmlichen Vorstellung, dann würde ich Ihr, Interesse jedenfalls längst befriedigt haben, allein ich habe schon gefunden, dah man sich als Fremde gegenüberstehend bedeutend besser unterhalten kann, als mit einem Bündnisse der Dutzendsreundschaft. Darum verzichte ich überall und immer auf das hohe Glück und die Ehre : möglichst viele Freunde zu besitzen und strebe nur nach Freundschaft in des Wortes heiligster Bedeutung!"

Margarethe, die leicht errötet war, hörte aufmerksam auf seine Worte während sitz ah und sagte dann, nach­dem ihre leichte Verlegenheit überwunden war:

Sind Ihre Ansprüche nicht etwas zu hoch gestellt? Unmöglich können Sie doch von einer fremden Per­son wahre Freundschaft verlangen!"

Nach Ihrer Auffassung tiicbl; das stimmt, gnädige FrauI entgegnete er.Aber sagen Sie selbst: genügt nicht ein einziger, Tag, um es einem Menschen zu er­möglichen, den andern vollaus kennen zu lernen? Selbst­verständlich darf keinerlei förmlicher Zwang die natür - liche Rede hemmen. Rücksichtslos muh Mund und Auge jeden Gedanken freigeben! So kommt die Freundschaft ganz von selbst und aus solchem Verkehr geboren, ver­dient sitz /iuch dieses Wort!"

Eine eigenartige Lebensansicht", gab Frau Mar­garethe erstaunt zu.Es frägt sich nur, ob Sie auf solche Art etwas erreichen."

(Fortsetzung folgt.)