Ausgabe 
4.4.1914
 
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Nr.

27 .

Telep hon: Nr. 362.

Samstag, den 4. April 1914.

Del

Phon Nr. 302 . 26. Iahrg.

politische RundTcbau

Deutschland.

* Der Kaiser und die Herren des Gefolges waren vorgestern mittag auf Korfu zur Tascl beim- nigspaare der Hellenen im Stadtschloh geladen. Später besuchte der Kaiser wieder die Ausgrabung bei Gayitza.

* Die Kaiserin ist vorgestern in Begleitung des Prinzen Joachim in Venedig eingetroffen und begab sich nach der Begrünung am Bahnhof durch Ver­treter der Regierung und der Stadt an Bord derHo- henzollern".

' Das Prinzenpaar Heinrich von P y c u - tz e n ist auf ihrer Weltreise vorgestern im Sonderzug von Santiago de Chile cingetroffcn und auf dem Bahnhose von dem Minister des Acutzern Villegas und Gemah­lin, dem Biirgermcistcr von Santeagc de Chile, meh­reren Generalen und deutschen Vereinen empfangen wor­den. Villegas hiefz die Fürstlichkeiten willkommen. Ein kleines Mädchen der deutschen Schule überreichte der Prin­zessin einen Blumenstrauß;. In der Stadt herrschte grosze Begeisterung.

* Nationalliberale Partei. Das Be­streben, die jung- und allliberale Gruppe zur Auflösung zu bringen, stützt bei diesen Gruppen aus Widerstand. Die Jungliberalcn sagen:Der Antrag Bassermann Und Genossen geht von falschen Voraussetzungen aus. Der altnationallibergse RcichSverband verfolgt den Zweck, programmatisch Huf die nationalliberale Partei einzuwir- kcn. Der Rcichsverband der nationalliberalen Fügend verfolgt einen solchen Zweck nicht. Er gilt der Heran­ziehung der Jugend zur nationalliberalen Partei." Und daun lehnt man die Auslösung ab. Die nat.-lib.Worm­ser Z." denkt sich die Sache einfacher aus. Sie meint, die Jungliberalcn existierten überhaupt nicht mehr, und den Altnationalliberalen seien, solange ein Bassetmann Füh­rer sei, notwendig. Basscrmann bedeutet nun aber ein Programm, das Programm der mittleren Linie, und die komme auch mit Basscrmann nicht weg. Jedenfalls wird es nichts arrs dem schönen Frieden, den man sich

in Berlin ausgedacht hat. In dieser Partei sind zu viele unterschiedliche Leute, und die werden eben nicht einig.

* Stuttgart. Im Alter von über 100 Jah­ren ist das Ehrenmitglied der Fortschrittlichen Volkspar­tei W-ürttemvergs, Joh. Martin Sämann in Ostdors (Balingen) gestorben. Sämann, der, am Tage der Leip­ziger Völkerschlacht geboren wurde, hat bis in die letz­ten Wochen regen Geistes an den politischen Fragen In­teresse genommen, und mit den politischen Freunden und denr Abgeordneten seines Bezirks Hautzmann Grütze und Wünsche gewechselt.

* Reichstagse rZ-a tzwahl in Stendal. Für die Reichstagsersatzwahl in Oslerburg-Stendal haben die Nationalliberalen nunmehr den Landtagsabgeord - nelen Wachhorst de ® eilte ausgestellt, der die Kan­didatur angenommen hat. Die Wahl des bisherigen Mandatsinhabers Hoesch (kons.) ist bekanntlich vom Reichstage für ungültig erklärt worden.

' Der Deutsche Handwerks- und G e - werbckamm erlag wird diesmal vom 27. bis 20. Juli in Mannheim ftattfinben. Zu den Verhcmd - lungsgegenständen gehört die Frage der Errichtung von Handwerksämtern bezw. Rechtsauskunftsstellen, die Ein­führung einheitlicher Meisterprüfungen für das Buch - druckyandwerk und vor allem die Frage der gewerbe - rechtlichen Behandlung der weiblichen Handwerker. Es handelt sich dabei vor allem um das Wahlrecht der weiblichen Handwerker in die Handwerksorganisationen.

* Von vielen Seiten ist bekanntlich zu der H ö h e der Beiträge, die die Krankenkassen für die Ver­sicherung der Dien st boten festgesetzt haben, Klage geführt worden. Die württembergische Regierung hat nach einer soeben abgegebenen Erklärung des Mi­nisters des Innern diese Klage als berechtigt An­erkannt und beschlossen, aus eine Ermätzigung der Bei­träge hinzuwirken.

Spanien.

* M a d r i d, 2. April. -Die Blätter melden aus Las Palmas, datz der König von Spanien und

der König von England auf den Kanarischen Inseln eine Zusammenkunft haben würden, bei der die internationale Politik Gegenstand der, Besprechung sei. Nach neuesten Meldungen würde auch Kaiser Wilhelm zu dieser Zusammenkunft erscheinen.

Albanien.

* 100 Mann der heiligen Bataillone, diebeiTes- kowiki von 500 Albanesen angegriffen wurden, mutzten ihre früheren Stellungen räumen. Als die Albanesen dann aus griechische Truppen stietzen, zogen sic sich ohne Kamps zurück.

Mexiko.

' Die mexikanischen Rebellen haben Torreon anr Donnerstag genommen. General Villa soll dabei eine grotze Menge Bundessoldaten zu Gcsangenen gemacht haben. Die Einnahme ries in der Stadt grotze Erreg - ung hervor. Der blutige Kamps dauerte 11 Tage. Auf der Sette der Rebellen sind 500 getötet und 1500 ver­wundet worden. Der Verlust der Bnndestruppcn wird auf über 1000 Tote geschätzt. General Villa unterhielt tagsüber Artillcrieseuer und lietz nachts im Sturme Vor­gehen. Die Stellungen wurden wiederholt genommen oder verloren. Die Kampflinie war vier Meilen lang. Die Natur des Geländes erschwerte die Bergung der Verwutideten; viele von ihnen starben an Durst, Hun­ger und mangelnder Pflege. Aus beiden Seilen sind ge­panzerte Züge verwendet worden.

Xus Stadt und Easd.

* Die Parlamentarische Kommission für Verein­fachung der Staatsverwaltung wird am nächsten Dienstag, den 7. April, zu einer Beratung zu- sammentr.eten. Zur Verhandlung stehen die Punkte: Re­organisation dec Bauverwaltung und Vereinfachung des Kassenwesens.

* Erteilung von Wirtschafts-Kon­zessionen an j U r i st i s ch c Personen. Aus die Anfrage des Abg. Dr. Wolf-Gonsenhcim, betreffend

Schafft Spielplätze!

Von Staatsminister v. Podbielski.

Ein Blick aus unsere kulturelle Entwickelung zeigt uns die Forderung des Tages. Unsere Kultur hat die Menschen zusamnrengesührt in die Steinwüsten der Städte, in denen leider auch unsere Jugend gezwungen ist, in de» Fabriken, in. den Kontoren ihre Jugcndjahre zu verbringen. Das Resultat, so vielfach zu sehen, ist ein kränkliches, ein hilflos und unselbständiges Geschlecht. Glauben Sie, datz solche Männer nachher wohl eintrc- tcn können für ihre Ueberzcugung, oder datz nicht viel­mehr schon in ihrer Jugend der Charakter erheblich be­lastet imd in seiner Entwickelung beeinträchtigt worden ist. Sehen Sie doch hinein in dies Leben. Das Kind, das hier in Mauern auswächst, es wächst auf, vom er­sten Augenblick an behütet und bewacht von beihörd - lichen Anordnungen. Sie sind ja notwendig, denn ein Gemeinwesen ist sonst nicht möglich und nicht denkbar. Aber man dcn.e sich hinein in die Seele des Kindes, das vielleicht an dem Blumentopf, der der Mutter Fen­ster schmückt, gezeigt bekommt, wie vorsichtig man sein mutz, wie man ihn vorsichtig herumrückt, wie man ihn begietzt; so vorsichtig ist man dann auch in der Behand­lung des Kindes. Und aus einem solchen Kind soll nach­her ein willensstarker, zielbewützter Mann werden? Es wächst eben nur unter solchen Eindrücken und Einflüssen heran und kann sich nicht zu dem gestalten, was wir alle wünschen. Man klagt in heutiger Zeit, es gäbe keine willensstarken Männer mehr. Wo sind die Führer, nach

denen man so oft rufen hört? Wir sind an ihren Feh­lern selbst schuld, weil wir ihnen nicht den Grundstein legen in der Jugend, um ihnen die Willenskraft zu ver­mitteln, im Spiel den Ernst des Lebens zu begreifen. Ich möchte daraus Hinweisen, datz wir ein Volk der Den­ker, ein Volk der Kritiker sind, das vielfach dem Wort eine höhere Bedeutung beilegt, als der Tat. Doch Alt­meister Eoetye sagt schon':Im Anfang war das Wort. Hier stock ich schon.... Im Anfang war die Tat". Vergessen wir sie beide nicht!

Die Tat aber, die von uns verlangt wird, der sich Staat, Gemeinde und Private nich, entziehen können, diese notwendige Tat ist die Schaffung von Spiel- und Sportplätzen, nach der Erkenntnis, datz das Kind ohne Spielplatz der Vater des Mannes ohne Arbeit ist. Spiel- und Sportplätze brauchen unsere Städler im Innern des Stadtteils, für den sie bestimmt, mit allen sportgerechten und hngienischen Einrichtungen und mit sportlicher und turnerischer Anleitung.

Schafft Spiel- und Sportplätze, damit sich die Kin­der austoben, die Jünglinge im Wettkamps die Kräfte messen und die Männer des Alters ihre Jugend zurück- erobcrn können.

Fort mit der Jugend von der Stratze, hinaus ins Freie, damit sich das Kind ftoh nach seiner Eigenart entfalten kann. Dann freut sich die Mutter an den ro­ten Wangen und der Vater an dem sich entwickelnden Willen und wir haben ein zufriedenes Volk.

Die Forderungen von öffentlichen Sport-, Spiel- und Turnplätzen, die Unterstützung jeder Form der kör­

perlichen Erziehung in der Schule, durch Turnen ebenso wie durch Sport, das soll unsere beste Vorbereitung zu den Olympischen Spielen des Jahres 1916 sein. Aber auch darüber hinaus, über die Vorbereitungen des Jah­res 1916 dürfen wir nicht vergessen, datz ja nicht blotz ' für ein Jahr, datz wir dauernde Arbeit für unser Volk tun müssen, tun wollen.

Wer vorurteilsfrei die Vergangenheit überblickt, wer hineinschaut in die Ergebnisse der Olympiaden, jener alle vier Jahre wiedcrkehrenden, internationalen sried - lichen Wettbewerbe, der kann sich der Auffassung nicht verschlietzen, datz Deutschland nicht die Stelle verteidigt hat, die ihm wohl auf der Erdenrunde zukommt. Es gilt also bei den Spielen des Jahres 1916 mit Erfolg einzutreten für, Deutschlands Kraft, für Deutschlands Ehre. Wir müssen den hingeworsencn Handschuh ausnehmen und unsere Flagge verteidigen. Unsere kaiserliche Regier­ung hat 1912 die Völker der Erde eingeladen, 1916 mit Deutschlands Jugend zu kämpfen, und die deutsche Ju­gend wird mit Freude eintreten zur Vertretung des deut­schen Namens, des bin ich sicher.

Wir aber haben die Pflicht, ihr die Gelegenheit da­zu zu geben, und das sind immer wieder in erster Li­nie : Spiel- und Sportplätze.

In den Runen der Geschichte ist es eingeschrieben, nur dem Volk in der Welt gehört die Zukunft, das star­ken Willens stark und gesund bis in die letzten Gründe seiner Wutczeln ist, und das soll uns das deutsche sein und bleiben. Dafür laht uns sorgen!