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Nr. 26
Telephon: Rr. 862.
Mittwoch, den 1. April 1914.
Telephon Rr. 862 . Ighrg.
Politifcbc Rundfcbau
Deutschland.
* Am Sonntag fand eine Sitzung des Vorstandes w nationalliberalen Partei in Berlin lall. Bassermann erklärtesich bei der Besprechung ki Reichspolitik unzufrieden damit, daß Zentrum und Sozialdemokratie unter Umständen einen ausschlaggeben- '«» EinfHutz haben. Nach Besprechung von Partcisrcigen vurde ein Beschlutzantrag angenommen. Der Central- lorstand beauftragt den geschäftsführenden Ausschutz, Verhandlungen einzuleiten, um die gleichzeitige Aus- ö s u n g des jungliberalen, wie des alten nationallibc- nlcrt Verbandes unverzüglich herbeizuführen.
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' Bclgicn.
* Vielleicht zum ersten Mal hat in einer öfsent - icheu Parlamcntssitzüng ein Sozialdemokrat i n e r Königin ein warmes Lob gespendet. Das
>al der aus dem Bergarbeiterstand hervorgegangene Abgeordnete Mansart getan, indem er der Königin der Belgier, Elisabeth, warme Anerkennung für die Art pendele, wie sic die bei dem letzten Grubenunglück von Rons Verwundeten mehrere Mal besucht hat. Der Ab- ; icokdnete sagte: „Sie ist in die Wohnungen gegangen, .at die Verwundeten getröstet und den Familien der s Hinterbliebenen ohne Ansehen'in bescheidener, Weise jede Öüfe zuteil werden lassen. Sie hat sich damit als eine Nonarchin von Geist und Herz erwiesen, die ein grotzes, lewunderungswürdiges Werk vollbracht hat." Königin Aisabcth entstammt dem bayerischen Königshause.
England.
" Premierminister A s q u i t h macht bekannt, datz der Kriegsminister S e e l y, sowie der Feldmarschall F r e n ch rmd General Ewart demissioniert haben. A s q u i 1 h selbst übernimmt das Kriegsministerium. — Der Lordpräsident des Geheimen Rats, Viscount Morley, wied voraussichtlich ebenfalls zurücktreten.
* London. Das Besitztum des Generalmajors Accalmont, genannt Abbeylands, in Antrim auf Irland ist niedergebrannt. Man vermutet einen Anschlag der Suffragetten. Der angerichtete Schaden beziffert sich aus 15 600 Pfund.
Schweden.
* Die ersten Resultate der Wahlen zur Z w e i- ten Kammer sind jetzt bekannt. Bei der heutigen Auszählung der Stimmen in einem der, beiden Stock - holmer Wahlkreise zeigt sich, datz für die Partei der Verteidigungsfreutide 6220 Stimmen abgegeben wurden, während die Liberalen (Anhänger des ehemaligen Ministerpräsidenten Staas) 3580 Stimmen und die Sozialdemokraten 10 831 Stimmen erhielten. Die Liberalen verloren damit ein Mandat an die Vcrteidigunas freunde. Die Wiederwahl des Führers der Rechten, Admiral L i n d m a n n, und des Führers der Sozialdemokraten, Redakteur B r a n t i n g, sowie des ehemaligen Kultusministers im Ministerium Staaf, Dr. Berg, sind gesichert.
Türkei.
* Marschall Liman v. S a n d e r s ist aus'Kon- stantinopel mit einigen deutschen Offizieren nach Smyrna abgereisl.
Albanien.
" Am Sonntag nachmittag trafen die Kinder des Fürstcnpaares von Albanien, Prinzessin Marie Eleonore und der Kronprinz Karol Viktor,, an Bord der italienischen Pacht „Misurata" von Brindisi kommend in Du- razzo ein. Sie wurden von ihren Eltern empfangen und unter begeisterten Kundgebungen des Publikums, besonders der Schuljugend, nach dcnr Palais geleitet.
China.
* 2000 Mann regulärer chinesischer Truppen waren 20 Meilen von Tschangtschou mit Banden des „Meisten Wolf" in Kampf geraten. Letztere zogen sich gegen Hangtschou zurück, als ob sie sich geschlagen glaubten. Die Truppen folgten ihnen und besetzten Tschangtschou. In der Nacht feuerten Anhänger des „Meisten Wolf" an vielen Stellen der Stadt Schüsse ab, die unter den Truppen eine Panik hervorriefen. Die Banden griffen mm die Truppen an und schlugen sic. 500 Leute wurden verbrannt.
Mexiko.
* Nach einem Telegramm aus ChihuakUa sind dort in Zügen 300 verwundete merikanischc Rebellen aus T o r e o n eingetroffen. Es wird gemeldet, datz die Gesamtzahl der Verwundeten 1000 beträgt.
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® Eme wunderbare Rettung.
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- Douglas Mawson, der Führer der für die Wissen- Hast so erfolgreich verlaufenen antarktischen Eipedilion lustraliens hat nach seiner Rückkehr in Adelaide dem lcrrespondenten eines englischen Blattes fesselnde Ein- .'lheilcn über die Erlebnisse der Eipedilion erzählt, da- untcr. auch die Geschichte seiner Rettung, die er selbst ls einen „glücklichen, fast wunderbaren Zufall" bezeich- et. Mawson war in Begleitung zweier Gefährten, des cutnants Ninnis und des Schweizers Dr. Mertz, zu ner längeren Schlitteneipedition aufgebrochen; Sechs- 'hn Hunde und eine Last v»n rund 17 Zentner führten ie Forscher dabei mit sich. Der Zug über Schnee und üetschcr war anstrengend, aber die drei Männer kamen uhültnismätzig schnell vorwärts, und als die kleine char am 14. Dezember auf eine zurückgeleglc Strecke m 311 englischen Meilen zurückblicken konnte, „waren ir alle in bester Stimmung. Das Schlimmste schien berwunden, wir hatten ein verhältnismästig ebenes latcau erklommen, das von der Küste nach Osten aus- cg. Es war ein herrlicher Tag, wir waren froh, bejahe ausgelassen, als das Unheil kam. Mertz war auf inen Schneeschuhen 400 Meter voraus, ich folgte mit m jrften Hundegespann, dicht hinter mir, kam Ninnis it den Hunden und dem zweiten Schlitten, der unsere lästigsten Proviantvorräte trug. Diese Anordnung hat- a wir getroffen, damit bei einem Unfälle durch etwaige letscherspalten allenfalls nur der erste Schlitten gesähr- t werden könnte. Die gefährliche Zone lang hinter >5, und so war ich nicht weniger, erstaunt, als ich östlich vor mir die Umrisse eines Spaltes unseren Weg uzen sah. Mertz war mit seinen Schneeschuhen hin- 'ergekommen, ohne den Spalt als bedenklich anzufehcn, sine Hunde waren bereits über den Abgrund, ehe ich >r darüber klar wurde; ich war auch nicht besonders gstlich, halten wir, doch schon so viele Abgründe über- ert. Trotzdem hob ich unserer Gewohnheit getreu den Ri und ries laut: „Spalt!" zurück, um Ninnis zu war
nen. Als ich bald daraus zurückvlickte, sah ich zu meinem Erstaunen nur Schnee und Eis. Wo war Ninnis mit seinen Hunden und dem Schlitten? Da siel mir der Spalt wieder ein, wir eilten zurück und standen bald an einem gähnenden Abgrund. Als unsere Augen sich allmählich an den dunklen, bläulichen Schimmer gewöhnt hatten, der über der Tiefe lag, sahen wir an einem Eisvorsprung einen verwundeten Hund, der in diesem Arv- genblick zu heulen begann. Von unserem Kameraden aber keine Spür. Er mutzte geradenwegs in die unergründliche Tiefe hinabgefallen sein und einen sofortigen Tod gesunden haben. Wir riefen stundenlang, aber es kam keine Antwort; dann schwieg auch der verletzte HuNd, er war gestorben, und aus der Tiefe stieg nichts empor als eine dumpfe schwere Stille. Wir versuchten vergeblich, mit Hilfe der Seile den Felsvorsprung zu erreichen, aus dem der Hund verendet war, es gelang uns nur, ein Stück Zeltenleinwand zu bergen. Der Schlitten, der, uns blieb, barg für uns zwei Männer nur noch Proviant für Wochen für die 6 übriggebliebenen, bereits furchtbar abgemagerten Hunde war keine Nahrung mehr vorhanden. Wir kamen überein, datz wir die Hunde schlachten mühten; damit würde es uns wohl möglich sein, die Reise bis zur ersten Hütte zu bewältigen!"
In trüber Stimmung ward die Heimkehr angetrelen, aber infolge einer nun einsetzenden Verschlechterung der, Witterung sowie durch die Herabsetzung der Rationen nahm die Widerstandsfähigkeit von Mensch und Tier schnell ab. Die Hunde versagten, und bald kam ^ der Tag, da keiner mehr übrig war. Die abgemagerten Tiere hatten keinen Nährwert, die Not und der Hunger begannen. „Zu Beginn der ersten Januarwoche 1913 erreichten wir einen 100 englische Meilen von der rettenden Hütte entfernten Punkt. Die knappen Rationen hatten unsere Körper bereits schwer geschwächt, Mertz ging es noch schlechter als mir. Das Wetter wurde immer schlimmer und geradezu unerträglich. Den Tag über herrschte regelmätzig dichter Schneefall und schweres Schneetreiben, und infolge unserer verminderten Widerstandskraft litten wir furchtbar unter der Kälte. Mit den
grötzten Anstrengungen vermochten wir kaum ein paar Meilen am Tage zu überwinden. Mertz war trotzdem heiter und fröhlich, einen treueren und mutigeren Kameraden hätte ich mir nicht wünschen können. Am 6. Januar stürzten wir mehrfach; nun wurde es klar, datz Mertz nicht mehr gehen konnte; er wurde auf den Schlitten gesetzt, aber selbst mit Hilfe eines Segels vermochte ich die Last kautn weiter zu bringen. Mit Mühe und Not brachten wir zwei englische Meilen hinter uns, am 7. Januar ging es Mertz schlechter; und um Mitternacht gab er seinen Geist auf. Mein eigener Zustand war dabei so schlimm, datz ich mir klar war: die Hoffnung auf Rettung war mehr als gering. Aber ich beschloß, bis zum letzten Augenblick auszuharren."
Und nun folgte ein furchtbarer Monat in arktischer; Schneewüsle, ein einsamer Kamps mit dem Hunger und den Elementen. „Ich kreuzte mehrfach Gletscherspalten, stürzte hinab, solang das Seil war, aber der Schlitten rettete mich, obgleich ich kaum noch die Kraft hatte, am Seil wieder cmporzuklettern. Meine Haut begann sich loszulösen, die Fingernägel fielen mir aus. Ich möchte nicht gern in der Erinnerung an diese Tage verweilen. Als ich eines Tages vor mir einen dunklen Punkt im Schnee sah, war. ich hart am letzten Stadium des Verhungerns. Der schwarze Fleck auf der Schneedecke rettete mir das Leben: es war ein Stück Zwieback, das eine der Expeditionen, die zur Suche nach uns unterwegs waren, verloren oder fortgeworfen hatte. Datz ich die Hütte mit dem für uns ausaesetzlen Notproviant fand und erreichte, war nur ein Zufall; ihm aber verdankeich mein Leben."
Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse der dreijährigen Expedition äutzerte sich Mawson sehr befriedigt; die Meeresforschungen erbrachten wertvolle Resultate, das heimgebrachte biologische Material ist außerordentlich umfangreich. „Fast alles, was wir erlangten oder beobachteten, ist für die Wissenschaft neu, und ich darf ohne Zögern sagen, datz die wissenschaftlichen Resultate der Expedition den Vergleich mit allen anderen antarktischen Expeditionen nicht zu scheuen brauchen."


