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Nr. 19.
Del cp ho»: Sir. 302.
-amstag, Len 7. März 1914.
Telephon Nr. 362.
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V*
PoHfifcDc Rundfcbau.
* Wegen Beleidigung des Kronprinzen verurteilt. Ter Schriftsteller H. LeUß erhielt für einen Artikel in der „Welt am Montag", durch den der Kronprinz beleidigt worden sei, sechs Monate Gefängnis. Der Artikel war üöcrschrichcn: „Wilhelm der Letzte", und deutet mit Bezug aus das Vorgehen des Kronprinzen in der Zabernsache daraus hin, das; der Kronprinz nicht mehr zur Regierung kommen werde, indem bis dahtn Deutschland zur Republik geworden sei. Der Kronprinz sei der beste Agitator für eine Republik. t Merkwürdigerweise wurde bei dem Prozeß die Oeffcntlichkcit ausgeschlossen.
' Die neugegründete Liga zur Verteidigung von ElsatzsLoth ringen hielt am Donnerstag im Landtagsgebäude in Strahburg eine Sitzung ab zur Schaffung eines Satzungsentwurfs. Danach ist der Zweck der Liga: 1. unbegründete Angriffe und Verdächtigungen, die gegen Elsaß-Lothringen und seine Bewohner erfolgen, geziemend zurückzuweisen und richtig zu stellen; 2. in erforderlichen Fäilen eine strafrechtliche Verfolgung derjenigen in die Wege zu leiten, die eine» Widerruf der von ihnen ausgcstreuten unrichtigen Behauptungen und Beleidigungen verweigern. Mitglied kann jeder Reichsangehörige werden. — Man darf gespannt sein auf die Leistungen der Liga. Uns scheint eine Hauptsache zu sehlen: die Erziehung der
Elsaß-Lothringer zu guten Deutschen, die Abwehr der nationalistischen Bestrebungen. Hoffentlich kommt das noch!
Oesterreich.
* Triest, 5. März. Die Kriedsjacht „Taurus" mit dem Fürstenpaar von Albanien ist heute nachmittags 5 Uhr in Begleitung der Kriegssch:ffc„Bruir" und „Gloutzester" unter dem Geschützsalut des österreich-
ungarischen Geschwaders nach D U r a z z>» abgegangen.
Frankreich.
* Der Senat hat einen Antrag angenommen, die Entvölkerung durch Maßnahmen zu bekämpfen, die zur Hebung der Geburtenziffer geeignet sind.
England.
* Im Unterhause wurde die H o m e R U l e Bill unter lautem Beifall der Liberalen und Rationalisten wieder eingebracht, ebenso der Gesetzentwurf über die Trennung der Kirche vom Staat in Wales und der Gesetzentwurf über die Abschaffung der Pluralstimmen bei den Wahlen.
Italien.
* Der „Italic," zufolge ist die Zusammenkunft des Königs mit dem deutschen Kaiser in Venedig nunmehr zwischen dem Berliner und dem römischen Hos- amt festgesetzt worben. Die Entrevue wird privaten Charakter tragen, doch wird der König von dem Ministerpräsidenten G i o l i 11 i begleitet sein.
Schweden.
* Schweden erstrebt eine größere Landesverteidigungs-Vorlage, dem sich ein Teil der Bevölkerung widersetzt. Jetzt wird folgende Erklärung des K ö- n i g s bekannt: „Räch meiner AüffaffuNg soll das Volk Gelegenheit haben, durch die Neuwahlen zur Zweiten Kammer seine Ansichten über die Verteidigungssragen erkennen zu geben. Von der LösuNg der Lebensfrage des Landes hängt die Möglichkeit ab, Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren und unsere Unabhängigkeit zu schützen. Ich stimme also der Vorlage des Staats- ministers zu. Ich möchte bei dieser Gelegenheit erklären, dab icder Wunsch oder jedes Streben nach einer per
sönlichen Königs macht mir sremd war, tst und bleiben wird. Rach den Geboten der Verfassung und ihrem Geiste habe ich, getreu meinem Wahlspruch: „Mt Gott für das Vaterland" bisher mein Königsamt verwaltet. Von meinem scsten Entschlüsse, dies auch in Zukunft zu tun, werde ich niemals abwcichen."
In beiden Kammern des Reichstages wurde folgendes Schreiben des Königs verlesen: „Da ich aus Sorge für die Sicherheit des Reiches heraus, die meine königliche Pflicht ist, mich veranlaßt gesehen habe, dem Volke Gelegenheit zu geben, durch Neuwahlen zur Zweiten Kammer seine Anficht über die Ver- teidigungsskage auszusprechen, habe ich beschlossen, den Reichstag a u f z U lösen und im ganzen Rriche Neuwahlen zur Zweiten Kammer anzuordnen. Ich werde später die Zeit bestimmen, wenn der Rtzichstvg aufs neue zufammentreten soll."
Türkei.
* Am Donnerstag fand die Trauung des Kriegs- Ministers E n v e r Pascha mit der P r i n z e s s i n M a d j i e, einer Nichte des Sultans Und Tochter des verstorbenen Prinzen Suleimann statt. Die kaiserlichen Prinzen, Minister und Senatoren wohnten der Traut- ung bei.
* Wie verlautet, kann der türkisch-serbische Friedensvertrag nunmehr als endgültig abgeschlossen betrachtet werden.
Brasilien.
* Die politische Lage im Staate R i o d e Janeiro droht einen revolutionären Charakter anzm nehmen; eine Versammlung im Militär-Klub hat Anlaß zu regierungsfeindlichen Kundgebungen geboten, bei we!-': ' sich einige elemalige Offiziere komyromiticrt haben. Der Kriegsminister hat den Truppenteilen des Heeres und der Marine befohlen, sich für jeden Fall bereit zu halten.
Na. warum n nicbf?
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Humoreske von Adolf Thiele.
(Nachdruck verboten.)
„Ihr Kinder wißt gar nicht, was Eurem Besten dient: Wenn wir Ellern nicht immer die Hände über Euch breiten. — Kurzum, Klara, Du wirst cinsehen, daß ich recht habe. Wenn Herr Schober koinml und uM Deine Hand anhält, dann sage ich Ja und Amen!"
„Liebe Mutter, Du w«kht, ich achte und ehre ihn, aber Franz und ich wir lieben uns, und da kann ich nicht, ich kann nicht!"
„Ach, Liebe, Liebe! Von der Liebe könnt Jgr nicht leben!"
„Aber, Mutter, Franz hat doch sein Auskommen."
„Auskommen, was Rechtes, als Beamter! Aber Herr Schober ist melgcfachcr Hausbesitzer, ist ein reicher Mann, er könnte Dir ein ganz anderes Leben bieten, als Dein Franz mit all seiner „Liebe". Kurz, es bleibt dabei, uird nun kein Wort mehr!"
Damit ging Frau Hartig zur Türe hinaus.
Traurig blieb Klara zurück. — Die alte Geschichte: Sie koniüen zusammen nicht kommen, die Mutier war viel zlt klug..."
Und Herr Schober kam, sah lind siegte. Der noch immer stattliche Mann, den seine 58 Jahre nich drückten, hielt um Klaras Hand an.
Er war mit Mutter und Tochter allein.
„Nicht wahr, liebe Frau Hartig", so schloß er in freundlichem Tone, „Sie vertrauen mir Ihre Kkbra an? Ich kenne sie ja schon seit Jahren; als sie noch so klein war" — er streckte die Hand in Tischhöhe aus — „hatte ich sie so gern; na, warum denn nicht? Sie warim-
, mcr so nett und hübsch und artig, und so habe ich sie I denn immer lieber gewonnen. Gut soll fic’s haben bei | mir; mich kennen Sie ja, Und das andere, was zum ' Leben gehört, ist ja auch da — na, warum denn nicht? Gut und freundlich ist sie ja auch stets zu mir gewesen — nicht wahr, Fräulein Klara, wir waren immer gute Freunde?"
Klara nickte traurig und stumm.
„Der Jüngste bin ich ja freilich nicht mehr", fuhr Herr Schober fort. „Sie hätten vielleicht lieber einen Jüngeren, aber mein Herz ist noch nicht verwöhnt. Lange habe ich auf Sie gewartet, und nun bin ich da."
„Ihre Werbung, Herr Schober, ehrt uns sehr", erwiderte Frau Hartig. „Klara kann sich glücklich schätzen."
„Also gehen Sie mir die Hanb Ihrer lieben Klara?"
„Na, warum denn nicht? Gern und mit meinen Segenswünschen."
„Und was sagen Sie, mein liebes Klärchen?" fragte Schober etwas schüchtern.
„Sie wird Ihr Glück zu schätzen wissen", siel^ die Mutter ein. „Sie verzeihen einige Minuten, Herr Schober !" sagte sie dann in liebenswürdigstem Tone und entfernte sich, um den beiden Gelegenheit zur Aussprache zu geben. Wenn sie zurückkehrte, war ja doch alles im Reinen.
Schober hatte sich erhoben und wandte sich Klara zu; er wußte zunächst nicht, wie er anfangen sollte. Nach einer Pause begann er: „Nun, mein liebes Fräulein Klara, und was sagen Sie? Wollen Sie die Meine werden?"
Klara blickte noch immer stumm vor sich nieder.
„Na, warum denn nicht?" fragte Schober freundlich.
Da erhob sich Klara, trat zu ihm und reichte ihm j die Hand, während Tränen ihren Blick umhüllten.
„Herr Schober", begann sie zitternd, „Sie sind gü- j tig und sreundlich, Sie wollen mich glücklich sehen —"
Sie stockte, und Schober untetzbrach sie: „Ja, natürlich, Fräulein Klara —“
„Und ich kann Ihnen doch nicht angehören —“
„Wie?" rief Schober.
„Ich liebe — einen anderen!"
Schober machte ein erstauntes Gesicht und ließ erschreckt ihre Hand los.
„Wie, Sie lieben einen anderen? Ja, was wird denn das? Ist denn die Sache so schlimm?"
Klara nickte stumm.
„Also wirklich? Können Sie denn den nicht laufen lassen? Na, warum denn nicht?"
„Heer Schober", sagte Klara ernst, „es ist unmöglich, daß wir von einander lassen, wir haben uns Treue gelobt >md werden stets zu einander halten, im Glück und im Unglück!"
Es war, als ob Schober einen Stoß erhielte, er sank plötzlich auf den Stuhl zurück und blickte vor sich hin.
Nach einer Weile sagte er: „Nun gut, glit! Soll sein! Eins gestatten Sie mir aber, liebes Fräulein Klara: Daß ich den Betreffenden erst einmal vornehme, ob er Sie wirklich verdient! Das ist nicht so einfach !"
„O, Sie werden nur Gutes erfahren", rief Klara aus. „Es ist Herr Franz Trenner."
„Schön, schön!" erwiderte Schober mit einem tiefen Seufzer. „Ich komme wieder. Treüner soll übrigens ein anständiger Mensch sein! Aber erst muß er her; na, warum denn nicht?"


