Ausgabe 
4.3.1914
 
Einzelbild herunterladen

.wenig Menschen wissen, was Menschlichkeit ist! Sie vesteht nicht i^ur in der wohUätigkeit der §rauen> vereine, durch die ein paar hungrige Mäuler satt

werden. Sie besteht in erster Linie in dem feinen Sinn - die Seelennot eines andern zu verstehen .. *

EU

SSE

Das Reich der rau.

TOir mögen die UMt kennen lernen, wie wir wollen, sie wird immer «ine Tagseite und eine Nachtseite behalten.

!

i

3

4

1

tarnen Gelegenheit geben, sich im Lreien nützlich zu beschäftigen. ON manchen Städten hat der Staat den Pfadfindern zu diesem Zwecke ein Stück Land geschenkt, da- sic fleißig bebauen und dessen Ertrag sie an Bekannte verkaufen, um aus dem Erlös ihren Gartenbau aufrechtzuerhalten und zu vervollkommnen. In Dresden haben sie in kcllerau von dem Dalcrozeschcn Besitz er» Stück Land gepachtet, das sic mit Lust und Liebe bearbeiten, und ein anderes Stück Land, in der Nähe von Lönigstcin von einer wohlwollenden Dame ebenfalls geschenkt bekommen. ?lur längeren Manderungen wird ihnen Gelegen, heit gegeben, sich hausfrauliche /ienntnisse zu erwerben, da sie sich ihre Mahlzeiten sei er koche» und da- dazu Erforder­liche auch selber beschaffen müssen. Mit l Mark täglich pro Person ist alles zu bestreiten, da heißt es recht praktisch Vor­gehen und die Lcbensii,ittel bcstinöglichst ausnutzc». Das -rochen im Lreien macht ihnen besonderen Spaß, und wenn sie auch, solange sie darin ». ch unerfahren sind, manches Lehrgeld zahlen müssen, so bringen sie cs doch durch wieder­holte Uebungen bald zu einer großen Geschicklichkeit in dieser primitiven Art des Lffcnkochens. tSicbe Adb. 2.) Aber auch für unvorhergesehene Uiigiacksfällc soll di- Pfadfinderin ge- gerüstet sein; deshalb lernt sie in einem Samariterkurfus. wie sie in den verschiedensten Lebenslagen die erste kille zu leisten hat, u.id um das Gelernte auch praktisch zu verwerten, werden auf den Wanderungen hin und iviedcr Unfälle fingiert, bei denen sie mit de» enifacksten Mitteln sofort eine Tragbahre herzustellcn vcrstehei, lernt, falls cs sich um einen verstauchten Suß oder »m ähnliches handelt. Bei wicderbelebungsver- suchen, der Anlegung eines Uotverbandcs, genug: bei jeg- lichem Samaritcrdienste versteht sie cs sachgemäß und geschickt vorzugehen. sSiehe Abb. 3.) von schätzbarstem wert jedoch ist der sittliche Einfluß, der von der pfaLstiiderinnen-Bewegung ausgeht! Jegliche Lüge, kleinlicher -klatsch, Ueberhedung und ähnliche Untugenden sind der Pfadfinderin strenge unter sagt lind werden durch den llnigang Mit gleichgesinnte» Alters- genosstnncn leichter verniieden als sonst. In jeder Genossin soll sie eine Schwester sehen, obne Unterschied des Standes und der Religion. Stets hillsbercit gegen Menschen und Tiere zu sein, keinen Tag vergehen lassen, ohne mindestens eine gute Tat vollbracht zu haben, wird ihr beim Eintritt in die Gruppe zur Bedingung gemacht ©ft wird ihr Ge­legenheit geboten, Einblick ui die sozialen Schäden unserer Zeit und in d>e Not der wirtschaftlich Schwachen zu erlangen, und dieser TTot nach -frästen zu steuern, ist ihr in der Regel eine heilige Pflicht! wo imincr es möglich, wird ihre Selbst- lätigkeit, Selbstbeherrschung. Selbstlosigkeit geübt lind erprobt, damit sie einsehen lernt, daß sie Nicht nur .ihres Selbst willen" auf die Welt gekoniincn rst. Eii, Straucheln, ein Abwcichen von dem vorgefchriebcneii Pfad wird bei ihr weniger zu befürchte» fein, da sie durch das gute Beispiel der Sührerinue» stets zu guten Taten angefcuert wird, wer aber etwa der Meiiiuiig ist, die pfadfindcri» werde durch Ausübung all der genannten Pflichten dem elterlichen kaufe entzogen, möge bedenken, daß es bei unseren heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen sehr viele Mütter gibt, die Lurch häusliche, berufliche ja, auch - gesellschaftlich« Pflichten ab- gehallcn werden, sich so ausschließlich >nit ihren Heranwachsenden Mädchen zu beschäf­tigen. wie es im pfadstndcrbund geschieht. Sie sollten deshalb froh sein, ihre Töchter dort unter guter Aufsicht zu wissen. Und gerade aus diesem Grunde taffen zahlreiche Eltern ihre Linder sich den Pfadfindern an- schließen, die durckauz getrennt organisiert sind, so daß die Mädchen, die vom 10. Jahre an ausgenommen werden, von ihrer Weib- lichkeit nichts einbüßen, sondern im Gegen- teil alle weiblichen Tugenden in ihnen ge- weckt und gepflegt werde«. Die wachsende Anzahl vonpfadfindcrnundpfadfinderinncn in Deutschland ist sicherlich da» beste Zeichen voii der Zweckmäßigkeit der ganzen Bewegung. Ueber 50000 männliche Pfadfinder gehören ihr in unserem vaterlande jetzt schon an. Doch ist die Zahl der Pfad darinnen naturgemäß noch bei wcitcni geringer. Beide Ges ,-ter aber streben da. »all-, den rechteii Pfad durchs Lebeii ; ; finden, für den sie heute mehr den» je körperlich, geistig u,:d sittlich gerüstet sein müssen. Mädchen sowohl als -Knaben! K G.

Oie Vureauangestellten bei der Staats- eijenbabnverwrlltung.

Jungen Mädchen vom lS. bis zum 25 . Lebensjahre soll in Bauern jetzt auch das Amt einer Bureaugehilfin in der Staats- eisenbahnverwaltuna erschlossen werden. Neben guter Schul­bildung müssen sie Stenographie lGabelsberger) und Maschinen­schreiben beherrschen und ihr« -Kenntnisse darin in einer Auf­nahmeprüfung Nachweisen. Außerdem wird tadelloses sittliches Verhalten und gut«, feste Gesundheit gefordert, worüber Atteste beizubringen sind. Nachdem alle geforderten Bedingungen erfüllt, tritt das junge Mädchen gegen eine Entlohnung von 2,20 M. täg­lich an, die nach lSmonatiger Tätigkeit auf 2,70 m. erhöht wird. Bei entsprechender Gualifikation steht die etatmäßige Anstellung in der -Klasse 2S der Gehaltsordnung lAnfangsgehalt 1200 M.. Endgehalt 1S00 M > in Aussicht. Die Anstellung kann frühestens nach Z jähriger Tätigkeit erreicht werden. Gesuche um Aufnahme sind an das Personalamt der -rgl. Bayer. Staatseisenbahnen in München zu richten. Bcizufügen sind: der Geburtsschein, ein Samilienstandszeugnis, ein Leumundszeugnis der Grtspolizei- behörde, ei» Zeugnis übxr die Schulbildung, gegebenenfalls über den Besuch einer sicheren Mädchenschule oder einer chhrb bildungsschule und bei Minderjährigkeit der Bewerberin di« schriftliche Erklärung des gesetzlichen Vertreters, daß er mit d^m Gesuch einverstanden ist- Demnach würde die Bureaugehilfin. wenn sie ihren Dienst mit IS Jahren antritt, mit 23 Jahren 1200 ITT. und, falls sie mit 25 Jahren eintritt, dieses Gehalt erst mit 30 Jahren erwerben, wann das Lndgehalt mit 1800 M. er. reicht wird, ist in den Bestimmungen nicht angegeben. Immerhin ist in Betracht zu ziehen, ob es nicht ratsamer, etwas mehr a»t die Ausbildung zu verwenden und lieber erst mit 20 Jahren an einen Verdienst zu denken, wie es z. B. bei der Elementar­lehrerin, den Lachlehrerinnen, -üunstgewerblerinnen und in ge­wissem Sinne den nach neuzeitlichen Bestimmungen ausge- bltdeien -andwerkerinne« der Lall ist. wer geringer« Au» gaben für sein« Seruf»»rrbildu«g gehabt, muß auch mit gv «ngercn Einnahmen rechne». ft, t,

Gfternl

Recht inhaltsschwer klingt dieses kurze Wort mit den zwei Silben manchem Lamilienvater, mancher schwerkämpfen­den Mutter I Lür den einen knüpft sich daran die Entlassung aus der Schule irgendeines seiner Sprößlinge, bei dem anderen bedeutet es den ersten Schulgang seines bis dahin im kaufe sorglich behüteten Lindes. kier wie dort also immerhin ein Wendepunkt im Leben unserer Lieblinge!

Und wie bei der Ergreifung eines Berufs für den schul- entlassenen Sohn oder die schulentwachsene Tochter oft schivcre Ttlißgriffe gemacht werden, die ihnen hin und wieder ver­hängnisvoll fürs ganze leben werden können, so begehen Eltern, größere Geschwister und andere Anverwandten vor dem ersten Schulgang des gerade schulpflichtig gewordenen Lindes häufig ganz unabsichtlich noch weit größere Lehler.

wie oft hört man sie bei dem geringsten vergehen der kleinen Sechsjährigen sagen: ,17a, warte nur, wenn Du erst in die Schule kommst, da gibt es aber kaue, da sollst Du den Lehrer schon kennen lernen", ohne zu ahnen, welches Unkraut sie damit in die Seele des künftigen Schülers säe»! Zlber die Lurcht vor der Schule ist dadurch nun einmal st«, manchem -Kinde rege geworden, und so ist cs kein Wunder, daß cs sich wehrt und sträubt, wenn der wichtige Moment des ersten Schulbesuchs hcrannaht. Da wird denn aller­dings wieder eine andere Taktik angewandt, und man be­müht sich redlich, das bei dem -iiinde erwachte Mißtrauen gegen die Schule wieder auszumerzcn. Alle möglichen Schmeicheleien werden aufgebote», das begangene Unrecht, von dem mancher, wie gesagt, selber oft gar keine Atniung hat, wieder gutzumachen. Ja, in einigen Gegenden Deiltich. lands. wie z. 2 in ganz Sachsen, wo die-Kinder beim ersten Schulantritt eine große, bunt beklebte, mit Schokolade und allerlei Suckerwcrk gefüllte Tüte bekommen, darf das -Klein­chen einen liefen Griff in die geheimnisvolle Tüte tun, und weit mehr von den in ihr verborgenen Leckerbissen wird ihm in Aussicht gesiellt, wenn cs in der Schule recht brav gewesen. wenn nun diese ominöse Zuckertüte, an und für jich - streng pädagogisch genommen , schon ein Unding ist, so sollte sie wenigstens nicht, bevor das Lind überhaupt in der Schule gewesen, angebrochen und als Lockmittel benutzt werden! Doch jedes Land hat feine Sitten und mancher i»ag vielleicht später in seliger Erinnerung an die große Zuckertüte denken, die er be, seinem ersten Schulganz erhielt und aiiS der ihm, das ganze Jahr hindurch,

»ach jeder guten Leistung in der Schii e die Belohnung gespendet wurde, sofern sie groß genug war. Ui» so lange zn reichen, Ivas jedoch in vielen Läilen, in denen wahre Riefentüten gespendet wurden, vor gekonimcn sei» soll. Ilke gc-'agt, wir wollen mit dieser Si t«, oder vielmehr Unsitte, nicht rechten, mochten :cdoch dafür cintreten, den kleinen 2l B E-Schützen die Schul» nicht als Schreck­gespenst darrustellen, sondern dafür werben, daß ihm dieses neue, ihm »och uneufchlossenc Reich in rechter 1ve.se geschildert ivcrde, man inöge cs aber auch nicht zu rosig malen, daniil er später iiicht enttäuscht iverde, we in alles sich nicht so verhält, wie er es sich der verlockende» Schilderung nach in seinem -Köpfchen zurechtgelegt. Jedenfalls habe» ultern, die ihre -Kinder,>n rechter werfe für d e Schule vorbereiten, nicht die uuan- genehme Erfahrung zu machen, daß die -«leinen in eu> weinen und wehklagen aus» brcchcn, wenn INütterchen, die das -Kindchen in die Schule gebracht, es verlassen muh. um es seinem neuen lserrn und Meister, der» Lehrer oder der Lehrerin, zu überlasse«.

Natürlich wird nicht jede» -Kind traurig und wehmütig zum erstenmal auf der Schul­bank sitzen, selbst rvenn ihm vorher vor dem Lehrer bange gemacht wurde, viele Kämpfen ihre Surcht tapfer hinunter, manch« haben in, kindlichen Leicht­sinn auch vielleicht schon du schlecht angebrachten Ermahnungen ganz vergessen, .»»er jede« dieser -Heine» ist >nieder aiiders ge­artet, uii» deshalb sollten die Erwachsenen sich Hüter«, sie, iven» auch oft nur scherziveise, - gegen die Schule einzunehincn. Die -tindesseele ist ein subtiles Ding, das gar nicht genug studiert werden kann, und denijenigen, der sich bemüht, es recht zu erforschen, fast täglich neue Ueberraschungcn bietet.

Mögen als« all« kleinen Buben uird Mädel, die diese Gstern der Schul« eingereiht werden sollen, recht frisch und mnnter das neu« wilnderland. Schule geuannt, belrelc», sich a«n ersten Tage recht lieb und brav dort verhalten und fröhlich ob all des Neuen »nd Schönen, dar st« dort geschaut und gehört, in- Elternhaus zurückkedrcn, wo ihrer >m schönen Sachsen, lande schon dir -inckerlüte harrt, kelene Grube,

Oie pfcidnnderin in praktischer Tätigkeit und der sittliche wert der Psadfinderinnen-Vewegung.

Leider stehen manche dem Bestreben der pfadfinderinnen- Grtsgruppen, den Mädchen durch Teilnahme an dem Strebe» und Schassen dieser neuen Drganisation einen neuen Wirkungs­kreis zu erschließen, noch recht zweifelnd gegenüber. Ja, einige denken sogar bei dem -Klange des Namens .Pfadfinder" an die Lederstrumpf-Geschichten und alle möglichen Abenteuerlichkeiten, Doch hat der Name Mit all diesem Nicht das Mindeste gemein. Nichts anderes soll durch ihn ausgedrückt werden, als daß die Jugend durch geeignete Lührung befälngt werden soll, IN allen Lebenslagen den rechten Pfad zu finden, und zwar Nicht nur die Lnaben, sondern auch die Mädchen. Daß dabei für beide Geschlechter verschiedene Wege eingeschlagen werden müssen, wird woht jedem einleuchtcn. der sich etwas Mit der psnche der Geschlechter beschäftigt hat. vor allem hat die Erziehung der Pfadfinder,»»«» durchaus keinen militärischen Anstrichs wie manch« glauben. 2«« werden einfach >n Gruppen geteilt, die aus 8t0 Mädchen beste!-«» unter der Leitung einer Lührerin über 20 Jahre. Zwei bis drei Gruppen sind wieder einer Gberführerin zugeteilt, so daß alles teecht zu übersehen ist. und durchaus individuell vorgegange» werde» dann. In der schul­frei«» Seit werde« du Mädchen an «orfch «ebenen Nachmittagen nun in die frisch«, freu Gottes tust htnausgesührt und lerne» dabei durch -Kart,»lesen (sieh. Sich. », wiivden. Gelä»d«. spteb« u. dgt. chr» Stniw schärfen und >chr« Aufmerksamkeit stell wach zu erhalt«!. Durch Tanzen, Lori Übungen und mancher. t«r Spute soll chr Lörper gestärkt wtrdr» und der Gartenbau

Abb. 1. Lartenlesen aus der wauderuLß.

Abb. 2 . Ablschen im Freien.

Briefpapiere, Briefumschläge, Korrespondenzkarten, Siegellacke

in allen färben und Qualitäten empfiehlt

fllbin Klein, Papierhandlung, Giessen. Selter.weg $3