Ausgabe 
25.2.1914
 
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(W«»r»c «»chrichte»)

ieficncr Tageblatt)

vezagrptkeir 25 pfg. monatlich

Mertelithrltch 76 HjG.,raulzahlbar, frei ins Hau» Lb>rh»lt i» u» « s « »er «r»edieU>n oder ln den Zweig, -ulgabeftrllen ^«ettthrlich 80 Pig. Erschein, Vlittt»»chs und »««-tag». Redaktion: Selter», weg 88. Kör Aufbewahrung oder Rücksendung nicht »erlangtrr Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag dervieheaer Zeitnuq" E. m. b. H

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'lir. 16. _ Telephon: Nr. 362. Mittwoch, den 25. Februar 1914. Telephon Rr. M 2 . 26. Iahra. '

politische Rundfcbau

* Das Befinden des Kronprinzen hat sich in den letzten Tagen soweit gebessert, datz er wieder ins Freie gehen konnte. Die Halsentzündung ist völlig ge­schwunden.

* Waldenburg, 23. Febr. Die albani - schc Deputation traf hier ein. Es wurde ihr zu Ehren vom Fürsten von Schönhauscn-Waldenburg, dem Schwager des Herrschers von Albanien, ein Festmahl gegeben. Der König und die Königin von Albanien werden noch einige Tage hier verbleiben. Bei der heutigen Tafel im Schlosse brachte der Fürst von Schön- bnrg einen Trinksprrvch aus. in dem er die sicheren Er­wartung Ausdruck gab, datz das neue Königspaar alles daransetzen werde, um alle die Hoffnungen, die Alba­nien für die Zukunft hege, zu erfüllen. In seiner Er­widerung betonte E s s a d Pascha seine und seiner Begleiter Freude, in dem hohen Hause derer weilen zu können, die Albanien nicht nur eine Königin, sondern auch eine Landesmutter im wahrsten Sinne des Wortes sein werde.

* Zu der Meldung, durch das Generalkommando in Straßburg seien Verhandlungen mit der Stadt­verwaltung in Z a b e r n gepflogen worden wegen einer neuen Garnison, wird an zuständiger Stelle erklärt, cs sei ausgeschlossen, datz solche Verhandlungen slaltgcfun- dcn hätten. Sicher aber sei es, datz die Beseitigung des B ü r g e r m e i st e r s K n ö p s l e r mit zu den ersten Bedingungen gehöre, wenn Zabern wieder eine Gar­nison ertmltcn solle.

* Bestem Vernehmen nach tritt demnächst Sberst- leutnant HeUch vom Infanterie-Regiment Nr. 136 n Strahburq als Divisionskommandeur in türkische Dienste, ebenso Masor v. Legat vom gleichen Regi­ment.

Rumänien.

* Debrcczin, 23. Febr. Die Residenz des Bischofs des neu errichteten griechisch-katholischen Bis­

tums Debreczin, Dr. M i k l o s s y, wurde heute vor­mittag 11 Uhr durch 3 Dynamitpatronen in die Luft gesprengt. Sechs Personen wurden ge­lötet, darunter der Vikar, der Sekretär der Bischofs, ein im Haufe anwesender Advokat, 2 Diener und eine Kö­chin; 4 Kleriker, 2 Advokaten und 2 Frauen wurden schwer verletzt. Der Bischof, unter dessen Schlaszimmer die Hülsen von 3 Dynamitpatronen in dem vollständig zertrümmerten Hause gesunden wurden, ist infolge sei­ner Abwesenheit der Katastrophe entgangenk Die Ur­sache ist in dem rumänisch-ungarischen Ralionalitätenhatz zu suchen und eine Folge der Magyarisierungs-Politik.

* i

Rußland.

* Nachdem Rußland bisher über 37 Armeekorps und 24 Kavalleriedivisionen versügt, wird die Aufstell­ung von vier bis fünf weiteren Korps als dringlich em­pfunden. Kiew, Odessa und Wilna werden die neuen Korpsstationen sein. Dazu soll ein Kops im Kaukasus und eins in Sibirien aufgestellt werden.

* Zum Ausbau der west- und zentralrussischen Eisenbahnen wurde in Frankreich eine. Milliar­denanleihe ausgenommen, deren größter Teil als Rüst­ungsanleihe aufzufassen ist. Im Weichselgebiet werden gewaltige Verpslegungszentren angelegt. Daraus ist zu schließen, datz die Versammlungszone der Armee nach vorwärts in die Linie Brest-Litowsk und Wilna-Iwan gorog-Warschau verlegt worden ist, was offensiven Ab­sichten lehr ähnlich sieht. Schließlich sei einwandfrei fest- gestellt, daß der russische Kundschasterdienst, der bis nach dem südlichen Oesterreich-Ungarn reicht, in der letzten Zeit noch eindringlicher geworden ist.

Aas $tm Hand.

* Generalleutnant von Lindenau, der jüngst s zum Gouverneur von Metz, ernannte srühere ! Kommandeur des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm ! (2. Erlosch. Hess.) Nr. 116 in Gießen, ist am Sonn- ! tag im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier

g e st o r b e n. Er hatte sich einer Operation wegen Drü- scnerweiterung im Ohr unterziehen müssen; die Opera­tion gelang gut, dvch blieb der Zustand des Kranken ernst, da die Krankheit ziemlich weit vorgeschritten war. Nach einer vorübergehenden Besserung ist'der Tod ein- getretcn. Kurt v. Lindcnau war 1856 zu Gotha als Sohn des Hauptmanns a. D. Robert v. LindenaU ge­boren. Nachdem er die unteren Dienstgrade in der Frönt durchmessen hatte, gehörte er den Generalstäben des 7. und des 14. Armeekorps in Münster und Karlsruhe an, war hierauf mehrere Jahre Ches der ersten Abtciluna des Großen Generalslabes und sodann Kommandeur des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm zu Gießen. Am 11. Sep­tember 1967 wurde er Generalmajor und Kommandeur der 76. Jnsanteriebrigade zu Erfurt, am 27. Januar 1911 Generalleutnant und Kommandeur der 16. Divi­sion in Trier. General v. Lindenau hat sich auch als Militärschriststeller betätigt.

Elektrischer Nachkur» in Eietze».

Aus Veranlassung des Eewerbevereins Gießen wird von der Erohh. Zentralstelle für die Gewerbe in Darm­stadt ein am 14. März d. Is. beginnender elektrotcchn. Fachkurs in der Installation elektrischer Lichtleitungen s. Handwerksmeister zu Gießen abgehalten. Die in diesem Fachkurse gegebenen Anleitungen erstrecken sich aus ein­schlägige Material- und Preisberechnungen, die Anfer­tigung von Installationsplänen sowie auch aus die prak­tische Ausführung von Jnstallattonen. Diese Hebungen werden ergänzt durch Vorträge über Elektrizitätslehre u. Materialienkunde. Die Kursteilnehmer sollen in dem Fachkurse soweit ausgebildet werden, datz sie befähigt werden, ebensowohl die bei Lichtleitungen vorkommen­den Störungen zu beseitigen, als auch kleinere Lichtan­lagen vorschristsgemäß auszuführen. Der Unterricht fin­det allwöchentlich an einzelnen halben Wochentagen und an Sonntag-Vormittagen statt, wobei Rücksicht genom­men wird aus die Wünsche der Teilnehmer. Anmeld­ungen sind baldigst, spätestens bis zum 1. März, an die Erotzh. Zentrale für die Gewerbe in Darmstadt zu rich-

Das Gesetz des Herzens.

Roman von Heath Hoskcn.

Autorisierte Uebersetzung von Hans v. Mentzel.

Nachdmck verboten.

Er hatte gesagt, Lady Gressonez' wohltätige Haud- unacn seien nur ein Decknianlel für ihre Intriguen, und >atlc dazu behauptet, datz Wimercur nicht Gressonez' Sohn sei. Dies war dein Jungen zu Ohren gelommen md bildete den Hauptgrund seines Borgehens."

Ich verstehe," sagte Finch.Und was erwiderte lirockford, als Wimereur ihr, wegen dieses schändlichen getragen« zur Rede stellte?"

Er führte die niedrigste Sprache gegen den Kna- >en. Er sagte ihm, er glaube fest an die Dinge, die er erbreitet.habe, und werde sie auch fernerhin verbreiten.

- Das übrige können Eie sich denken."

Der Revolver?" fragte Finch.

Erocksord schäumte vor Wut, weil Wimereur ihn inen gemeinen Verlcrimder genannt hatte. Er erklärte, atz er Wimereur und mich erschießen würde, wie jc- en, der cs wagen sollte, ihm in den Weg zu kommen.

- Der Mann ist jetzt tot, Mr. Finch. Lassen Sic uns nnehmen, daß er nicht bet Verstände war!"

Gab es noch einen anderen Zeugen bei dieser izene?" fragte der Detektiv.War Mrs. Erocksord da- ci anwesend?"

Nur teilweise. Als die Gegner so aufgeregt wur- en, daß ich nicht wuhte, was passieren würde, benutzte h eine Gelegenheit, die Dame sortzubringcn. Sie war em Umsinken nahe. Dte arme Frau, und auch der >unge, als ich ihn schließlich entfernte."

Inzwischen war Mr. Erocksord gestorben?"

Ich blieb nicht so lange, um mich dessen zu ver­gewissern, Ich jagte Wimereur aus dem Haufe. Wie wir es bewerkstelligten, hinauszukommen, ehe die Die­ner auf dem Schauplatz erschienen, ist mir noch jetzt ein Wunder. Ich suhl mit Wimereur zugleich nach Pad- dington, um nock» den Zug nach Orford zu erreichen. Dann kehrte ich in meine Wohnung zurück und traf die Dame, die jetzt Mrs. Tait ist, gerade als sie das Haus verließ. Ich setzte sie in eine Droschke und ging heim, blieb dort eine kurze Weile und begab mich dann in meinen Klub. Das übrige wissen Sie."

Eins weiß ich noch nicht", sagte Finch.Wie kam es, daß Lord Wimereur' Ankunft in dem Haufe von den Dienern nicht bemerkt wurde?"

Ich ging zufällig nach dem Ausgang, um mich in j Mrs. Crockfords Interesse zu überzeugen, ob dte Lust rein wäre. Ich wollte die Dame aus dem Haufe lassen. Dabei traf ich Wimereur aus den Türstusen, und er drängle sich sofort herein.

Ich verstehe. Und Mrs. Erocksord wurde von ihrem Gatten eingelassen?"

So ist es."

Die Sache ist ja nun ganz klar. Ich kann dem Hauptquartier berichten, daß Lord Wimereur in berech­tigter Selbstverteidigung mit Mr. Erocksord kämpfte."

Allerdings. Natürlich kann ich Ihnen nicht sa­gen, ob Erocksord die Masse wirklich gebrauchen wollte."

Das ist unwesentlich. Die Absicht mutz angenom­men werden!" Einige Augenblicke verharrte Finch schweigend; dann blickte er auf und sagte mit einem achtungsvollen Ausdruck:Ich danke Ihnen, Oberst

Sardonis, sür Ihr Vertrauen. Ich verspreche Ihnen, daß ich es nicht mißbrauchen werde, soweit dies in

j meiner Macht liegt. Und nun muß ich Sie um Ihr formelles Ehrenwort als Offizier und Gentleman bit­ten, datz Ihre Angaben der reinen Wahrheit entspre­chen."

Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort," sagte Sardo­nis ruhig,daß dies die volle Wahrheit ist!"

Sie werden natürlich ein dementsprechendes schrift­liches Protokoll unterschreiben."

Wenn es notwendig ist

Es ist notwendig!"

Und was wird nun geschehen?" sragte Sardonis mit einem Aufstieg von Neugier, die er nicht verbergen konnte.

Der Detektiv schüttelte den Kops.Ich bedauere, Ihnen das nicht sagen zu können."

Ich meine, werden Sie mich jetzt verhaften?"

Nein, sicherlich nicht."

Werden Sie Lord Gressonez verhaften? Ich habe ihn darauf vorbereitet." ^

Vor der Hand auch nicht. Natürlich werden wir den Lord ersuchen, auch seinerseits eine Aussage zu ma­chen."

Aber Sie können mir nicht sagen, was Sie schließ­lich in der Sache befinden werden?"

Ich bedauere, es nicht sagen zu können. Sie sehen ein, daß der Fall von jetzt ab sich meiner Amtsgewalt entzieht. Aber ich will Ihnen im Vertrauen sagen, Oberst Sardonis, ich glaube, es wird überhaupt nichts geschehen. Sie sehen, daß es ein sehr ungewöhnlicher Fall ist, bei dem eine verbrecherische Absicht nicht als vorliegend erachtet werden kann. Die einzige Person, der eine verbrecherische Absicht zugetraut werden konrtte,