neralslojje sich in den modernen Ernährungsform. : Gedudel haben. Der Vortragende äußerte seine Meinung inöczug auf das Eiweiß dahin, dag im allgemeinen zu viel Werl auf einen hohen Eiweißgehali der Nahrung, speziell an animalischem Eiweiß, gelegl lüitb; er sindel in den neueren Unlersuchungen den Beweis, daß im allgemeinen der Körper mil viel weniger Eiweiß aus- kommen kann, als bisher gerechnet wurde. Mehr Berücksichtigung sollte das vegetabile Eiweiß finden, das zurzeit (z. B. das von den Cerealien) so gut wie gar nicht verwertet wird, da es in der Kleie ans Vieh verfüttert wird. Die Bestrebungen, das gesamte Korn zum Brot zu verbacken, verdienten Beachtung. Proben solcher Bäckereien wurden vorgezeigt und gekostet. In engem Zusammenhang mil der Frage des Eiweißbedarfs steht die Beurteilung der Bedeutung der Mineralstoffe für die Ernährung. Während für die Eiweißzufuhr ein Zuviel angenommen wirdf ist der Mineralstoffgehalt unserer Nahrung zu gering; speziell bei der vegetabilen liahrung werden bei der Zubereitung die Mineralsloffe eliminiert, und dafür müsse durch Kochsalz (Lhlorna- trium) ein übergroßer Ersatz statlsinden. Die Folge der übermäßigen Eiweiß- und mangelhaften Mineralstoffzui- suhr sei eine Reihe von Schädlichkeiten, die mit dazu beitrügen, die Widerstandskraft des modernen Menschen herabzusetzen. Eine Rückkehr zu einfacher, ungekünstelter Nahrung sei zu empfehlen. Weiter erörterte der Vor - tragende die verschiedenen Theorien zur Erklärung der in diesen Rahmen fallenden Beobachtungen und Ver- suchsergebnijse. — Eine angeregte, eingehende Diskussion schloß sich jedesmal an den Vortrag an, so daß erst in später Stunde die Teilnehmer an der Konferenz auseinander gingen, ein deutlicher Beweis für das Interesse das die Aerzte den Tagesfragen im Ernährungsproblem entgegenbringen. Seine Absicht, die Ausmerk - samkeit der Kollegen auf diese Frage zu lenken, hat der Vortragende in allen drei Städten vollkommen erreicht und sich gebührenden Dank erworben. — An sonstigen, die Beratungsstellen angehenden Fragen wurde besprochen, ob die Mütter bei der kalten Witterung die Säutz- linge lieber nicht zu den Beratungsstnnden bringen möchten, oder nur die älteren. Allgemein äußerten sich die Kollegen dahin, daß das Verbringen der Säuglinge an die Luft und zur Beratungsstunde ungefährlich, ja nützlich sei, da sie aus diese Weise doch wenigstens einmal in der Woche ins Freie kämen. Man dürfe nicht zu ängstlich sein, reichlicher Aufenthalt in sreier Lust -auch im Winter und an kalten Tagen tue den Säuglingen bitter not. Eine weitere Anfrage bezog sich auf das nach der Rcichsversicherungsordnung von den Krankenkassen zu gewährende Stillgeld. Eine allgemeine Regelung dieser Angelegenheit unter Berücksichtigung der Organisation der Großh. Zentrale sür Mutter^ u. Säutz- lingssürsorge in Hessen und ihrer Hilsskräste ist durch Verhandlungen mit den Krankenkassen ungebahnt. Da jetzt ungefähr ein Drittel aller hessischen Mütter (zirka 10 000) die Einrichtungen der Mutter- und Säuglings- sürsorge in Hessen benützt, so ist die Grundlage sür die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen in der Stillbei- hilscnsrage gegeben.
n Gießen. Vom 4. bis 12. März wird ander Landesuniversitäl ein mathematisch imturwissenschastlichcr Fortbildunoskursus für Oberlehrer abgehalten werde».
n Gießen. Die bisherige schwarze Verbinduüg „C b a t t i a" hat sich am vorigen Samstag in eine Landsmannschaft umgcwandelt und ist in den Kobnrger L.-C. ausgenommen worden. Die „Ehattia" ist 1882 als Verbinduttg Blümchen gegründet und meldete sich im Jahr 1896 offiziell beim Senat als Verbindung i an. 1902 nahm sie den Namen „Ehattia" an.
o Leihgestern. In der Nacht auf Montag ! wurde in der Wohnung des Landwirts Will). Jung i ein Einbruch versucht. Die Diebe legten von einem unter der Durchfahrt stehenden Wagen eine Diele nach dem zur Wohnstube führenden Fenster. Diese kam je- ' doch beim Betreten ins Rutschen und weckte die Haus- j bewohner durch den lauten Aufschlag aus dem Schlaf. I Als die Einbrecher sich bemerkt sahen, verschwanden sie. Einige ihnen nachgesandte Schüsse versehlten ihr Ziel, o 2 i di. Bei der Wahl eines Mitgliedes zum j Kreistage für den Wählbezirk L i di wurde Bürgermeister Dörmer mit sämtlichen Stimmen gewählt.
o Holzhausen v. d. H., 19. Febr. Die unausrottbare Unsitte, Nadeln in den M u n d zu nehmen, ist einem hiesigen jungen Mädchen verhängnisvoll j geworden. Das Mädchen verschluckte eine Sicherheits - nadel und muhte sofort,'da Lebensgefahr eintrat, dem Friedberger Krankenhause zugesührt werden.
s D a r m st a d t, 20. Febr. Heute vormittag 10 Uhr ist aus dem hiesigen Flugplatz Sergeant Zimmermann bei der Landung a b g e st ü r z t. Er erlitt sehr ; schwere Verletzungen und wurde in das Garnisons-La- i zarett verbracht.
s Darm ft ad t. Am Samstag, den 14. Febr. 1914, fand die erste Hauptversammlung des Hessischen Landesvereins sür Krebsforschung in Darmstadt statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Herrn Professor Dr. Opitz- Gießen, über die bisherige Tätigkeit sei hervorgehoben, dag es dem Verein durch eine Stiftung ermöglicht wurde, zunächst 200 Milligramm Radium zu beschaffen, sowie einen neuen Röntgenapparat aufzustellen und eine S t r a h l e u h e i l st ä t t e zu eröffne» , die der Frauenklinik in Gießen angegliedert ist und Ende Januar ihre Tätigkeit ausgenommen hat. Es steht schon eine größere Anzahl von Patienten in Behandlung. Für den Ausbau der Strahlenheilstätte fehlen nvch große Mittel, für die die Hilse des Staates, der Gemeinden und wohltätiger Private erbeten wird; denn es sollen unbemittelte Kranke unentgeltlich behandelt werden. Sehr bald ist die Notwendigkeit zu erwarten, die Strahlenheilstätte zu vergrößern; denn obwohl bisher keine Bekanntmachungen erfolgt sind, ist die Zahl der hilfesuchenden Kranken schon jetz>t recht groß, lieber eigene Ersahrungen konnte nicht mehr berichtet werden, als daß sich hier — wie schon längere Zeit an anderen Stellen — unter dem Einfluß der Bestrahlung günstige Veränderungen und wenigstens scheinbare Heilung selbst bei hoffnungslosen Krebskranken manchmal haben erzielen lassen. Die Strahlenheilstätte ist natürlich in erster Linie für Einwohner des Großherzogtums Hessen bestimmt. Hilfsbedürftige, sowohl Frauen wie Männer, wollen sich an den Leiter der Strahlenheil - stätte in der Universitäts-Frauenklinik in Gießen wenden.
):( H e r b o r n. Die Tausendjahrseier der Stadt sindet am 30. und 31. August d. Is. statt; sie soll in erster Linie den Charakter eines großen Heimats- und Volksfestes tragen.
o H e r s f e l d, 19. Febr. Für die Verstärkuttg der Kriegsschule sind vom 15. März 1914 ab eine Anzahl Offiziere hierher versetzt. Vom 17. Mäyz ab wird die Kriegsschule eine Stärke haben von 23 Offizieren, 1 Sanitätsoffizier, 1 Zahlmeister, 1 Unter - Zahlmeister, 141 Kriegsschüler, 8 Unteroffiziere, 111 Mann und 77 Psbrde. Der Lehrgang beginnt am 18. März und endigt am 28. November 1914.
):( Fulda. Die 5 Söhne der Witwe Geistaus Rotensee bei H e r s f e l d traten alle als Freiwillige in die 6. Batterie des Feldartillerie-Regiments Nr. 47 in Fulda ein. Sie zeigten sich als so tüchtige Soldaten, daß sie sämtlich im zweiten Dienstjahr zu Gesreiten befördert wurden. Gegenwärtig dienen beim Regiment
noch zwei Brüder, von denen der eine sich ganz dem Soldatenberufe gewidmet hat.
):( Kassel, 19. Febr. Prinz Joachim von Preußen, der jüngste Sohn unseres Kaiserpaares, der bekanntlich zurzeit bei den hiesigen Heffen-Homburg-Hu- saren steht, ist nach kurzem Aufenthalt in dem Schweizer Badeort Engclbcrg, wohin er sich einer leichten Erkältung wegen begeben hatte, wieder in seine Garnison zU- rückgekehrt.
):( Franksuri a. M., 19. Februar. Elisabeth
Mentzel, die liebenswürdige Erzählerin aus der GoetheckLpoche und eisrigste Erforscherin der Jugendzeit Goethes, ist in der vergangenen Nacht gestorben. Sie wurde am 11. März 1852 in Marburg geboren, hat aber den größten Teil ihres Lebens in Frankfurt verbracht. Die Verstorbene hatte sich im deutsch-sranzö- sisdien Kriege, den sie als Krankenpflegerin mitmachte, auch das Eiserne Kreuz erworben.
! Aus R h e i n h e s s e n. Die Errichtung einer großen Viehweide ist zur Hebung der Viehzucht für die Provinz Rheinhessen geplant. Als geeignetes Gelände wurde ein Terrain in der Gemarkung M o m- m e n h e i m auserschetz, das Gemeindeeigentum ist und von dem Provinzialverbande erworben weiden soll. Das fragliche Gebiet ist zurzeit in kleinen Parzellen als Gemüseland an mittlere Leute verpachtet. Es umfaßt über 40 000 Ouadratmeter. In den letzten Tagen fand eine Besichtigung des Geländes durch Ockonomicrat Dr. Ziegenbein zu Alzey statt.
! W o r m s. Lehrer Hans D e n z e r aus Worms hat den Auftrag erhalten, demnächst in Wien, Budapest, und in den siebenvürgischen Städten Hermannstadt, Kronstadt, Mediasch, Schäßburg Vorträge über A r - beitslschule und Werkunterricht zu halten. Die Vorträge finden teils an den Lehrcrseminarien, teils an einer Hochschule zur Fortbildung von Lehrern statt.
fltis aller Well.
::: Mescri tz, 20. Febr. In dem Prozeß gegen den Grasen Mielczynski, der heute begann, ist die Oeffent- lichkeil sür die ganze Dauer des Prozesses in vollem | Umfange ausgeschlossen worden. Auch die Presse muhte ! den Saal verlassen. Das Befinden des Grase» Miel - j czynski hat sich in den letzten Tagen sehr verschlimmert. ! Die für den Grasen gestellten Haftentlassnngsanträge sind sämtlich abgelehnt worden. Es wurde eine Kaution von 1 Million angeboien.
::: Der Bevölkerung an Stelle der bisher üblichen Zierparkc Volksparkc zum Austummeln zu verschaffen, ist der Endzweck des vor kurzem in Berlin gegründeten Deutschen Volkspark-Bundes. Die Vertreter der bedeutendsten Organisationen auf dem Gebiete der Jugend - sürsorge, Leibesübungen und Gesundheitspflege, wie die Deutsche Zentralstelle für Jugendfürsorge, der Zentral - ausschuß zur Förderung der Volks- und Jugendspiele, die Deutsche Sportbehördc sür Athletik u. a. sind dem i Verwaltunqsrate bereits beigetreten. Gartendirettor Lud- ! wig L e s s e r. Berlin-Steglitz, hat sich bereit ccklärt, vorläufig die Geschäftsstelle zu übernehmen.
Kirchliche Nachrichten.
Evanq, lische Gemeinde in Gieb-n.
Sonntag, den 22. Februar. Estomihi.
Kollekte für die arme evangelische Gemeinde zu Bieber bei Offenbach.
In der Stadtkirche.
Vorm. 9!^ Uhr: Pfarrer Schwabe.
Vorm. 11 Uhr: Militär« ottesdienst. Pfr. Schwabe.
600 bis 3000 Kerzen, für grobe Räume, Säle, Gesrhätr lokale, sowlefüralleZwedcederAu&enbeleuditung.Kciin : lei Wartung und Bedienung. Einfache, billige Installation
sie. Mein Bruder wird ungeduldig und fragt den Kell- ner, wo seine Portion bleibe. Sagt der Mensch: „Ja, das war doch sür zwei Personen!" Und so ist hier alles: Ueberteuerung, Uebervorteilung, Konkurrenz bis auf's Messer! Sie sehen es ja an meinem Geschäft! Wer kommt denn, wer kauft denn?"
Das mußte nun dem fremden Herrn einleuchten, denn in der ganzen Zeit, in der er Künzels Jcrcmiaden anhörte, hatte er keinen andere» Kunden gesehen als eine alte Frau, die sür 5 Psennig Mohnöl holte und einen Jungen, der 2 Psennig in Bonbons umsetztc.
Außerdem blieb zur stillen Freude Künzels,-der sich nun absolut auf den armen Teufel hinausspielte, das Ladenmädchen „ewig" aus.
„Und dann das gesellschaftliche Leben !" ries Kün- zel, und seine Mienen drückten Schauder aus. „Versauern kann man hier. Kliken — Vetternwirtschaft! Der Fremde ist gerade;» geächtet, boykottiert! Nichts wird geboten —“
„Aber", wandte der Fremde ein, „Sie sprachen doch vorhin von Theater, Konzerten —“
Alles nur pro forma !" eiferte Künzel. „Die elende Schmiere, die Stadtpscifer — nicht zum Aushalten! Nee, hier in Rommcrsburg nicht begraben sein!"
„Nun, nun, ganz so schlimm ist's doch wohl nicht!" tröstete der sremde Herr, nahm seine Päckchen zusammen und empfahl sich.
Kaum hatte er den Laden verlassen, als Künzel umherhüpfte und die Hände rieb.
„Dem Hab' ich's gesteckt!" triumphierte er. „Der kommt nicht wieder, der setzt sich nicht fest!"
Und auch als bald daraus der Geschäftsverkehr wieder rege einsctzte, als er und das Ladenmädchen alle Hände voll zu tun hatten, da schmunzelte Herr Künzel wieder.
Am Abend und an den nächsten Tagen zog er bei seinen Bekannten Erkundigungen über den wißbegierigen Kunden ein, aber niemand wußte von diesem männlichen „Mädchen aus der Fremde" etwas zu erzählen.
Einige Tage nach dem interessanten Besuche erhielt Herr Künzel einen Brief aus dem Wohnorte seiner kapitalkräftigen Liebe. Er öffnete bang beklommen uttd las folgende vom Vater des Mädchens geschriebene Worte:
Geehrter Herr!
Es tut mir sehr leid, Ihre Verbindungen mit meiner Familie lösen zu müssen, aber die Sorge für das Glück meiner einzigen Tochter zwingt mich dazu.
Wie Sie selbst — hier wurde Herrn Künzels Gesicht um zwei Zentimeter länger — wie Sie selbst einem von mir nach dort gesandten Herrn versicherten, sind die dortigen Geschäftsverhältnisse sehr schlecht und aruh die gesellschaftlichen Beziehungen sind sehr unangenehm. Wenn ich auch sonst gegen eine Verbindung mit Ihnen nichts einzuwenden gehabt bätte, so werden Sie doch selbst einsehen, daß ich mein Kind derartigen Unannehmlichkeiten nicht aussetzen darf.
Mit vorzüglicher Hochachtung.
B. Malz.
Herrn Künzels Antlitz nahm noch um eine»' Zeu- timeter an Länge zu.
„Und ich habe mir die Geschichte selbst eingerührt!" murmelte er. -
Doch dann, von der Entsagung zur Tatkraft übergehend. stürzte er sich heldenhaft in den Laden.
„Sic wünschen?"
„Einen Hering!"
„Einen männlichen oder weiblichen?"
Und indem er den Traut» seiner entschwundenen Liebe abftreifte, fuhr er mit kühnem Griff in die Heringsgemeinde.
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