Ausgabe 
21.2.1914
 
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1 ».

Telcp hon: Sir. 362.

Samstag, den 21. Februar 1914.

Telephon Rr. 362. 26 . Jühtg.

Politifcöe Rundtcbau.

* Neuwied, 20. Febr. Prinz Wilhelm zu Wied ist gestern vormittag 9.35 Uhr, begleitet von sei­nem Privatsckretär, Hauptmann Armstrong, von Paris aus auf dem Bahnhofe Neuwied eingetrosfen. Zuni Em­pfang hatten sich eingefunden Prinzessin Wilhelm und Prinz Viktor^ zu Wied. Der Prinz begab sich sosort im Auto zutn Schloß. Bei seinem Eintreffen wurde der Prinz von einem zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Die albanische Abordnung trifft heute mittag 12.36 Uhr hier ein.

* Bedeutsame Manöver der inter­nationalen Besatzungstruppen in Tientsin, au denen, wie uns von militärischer Seite geschrieben wird, deutsche, englische, amerikanische, japanische, sranzösifche, russische und österreichische Truppen teil - nahmen, haben vor kurzem stattoefunden. Der beson­dere Wert dieses Manövers mutz vor allem darin er­kannt werden, daß es sich als ein ausgezeichnetes Mit­tel auf dem Wege zur internationalen Verständigung bewährt hat, und weiter darin, daß hier zum ersten Male der Beweis erbracht worden ist, daß cs sehr wohl möglich sei, was bisher von den meisten militärischen Schriftstellern und Sachverständigen geleugnet wurde, trotz der verschiedenen Ausbildungsarten und Sprachen die Truppen so vieler Mächte zu einheitlicher Aktion zu- sammenzufasscn und zu entwickeln. Zwar brachten es die internationalen Verhältnisse zur Zeit des Boicrauf- standcs in China mit sich, dag auch damals schon die Truppen der Großmächte zu gemeinsamer Aktion sich verbanden, aber diese Verhältnisse waren durch die be­sonderen kriegerischen Umstände bedingt, durch eine Zwangslage hervorgerusen. Daher darf man ruhig das Fremdenmanöver der Großmächte in Tientsin als das erste in seiner Art bezeichnen, das vielleicht bahn - brechend zu wirken vermag. Im ganzen waren an die­semGemeinsamen Manöver" der Großmächte rund 7006 Mann der internationalen Besatzungstruppen be­teiligt.

' Die Verlobung des griechischen Kron­prinzen mit der Prinzessin Elisabeth von Rumänien wird halbamtlich als bevorstehend angekündigt.

Xu$ Stadt und Land.

Der Groß Herzog hat den ordentlichen Pro­fessor in der evangelisch-theologischen Fakultät der Lan- desuniversitäl Geheime» Kirchenrat Dr. Samuel E ck in Gießen zürn Rektor der Landesuniversität sür die Zeit vom 1. April bis 30. September 1914 ernannt.

'Die hessische Besoldungsvorlage. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer, der sich mit den Rückäuherungen der Ersten Kammer zur Besold­ungsvorlage befaßte, beschloß inbezug auf die Frage der Volksschullehrergehälter de» Beschlüsse» der Ersten Kam­mer auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage nicht bcizutrcten, sondern aus den früheren weilergehenden Beschlüssen der Zweiten Kammer zu beharren. Einzelne von der 1. Kammer vorgenommencn Abänderungen des Bcamtenbesoldungstarifs hat der Ausschuß seine Zu­stimmung gegeben.

n Sportlehrerkurse i» Gießen. Der Sportlehrer des Deutschen Reichsausschusses für Olym­pische Spiele, W. Dörr autz Frankfurt a. M., beginnt am 26. Februar in Eietzen einen Sportlchrerkursus für aktive Offiziere. Der Unterricht findet nachmittags statt. Um jedoch auch Zivilpersonen die Teilnahme an einem solchen Kursus zu ermöglichen, findet nachmittags von 6 bis 8 Uhr ein zweiter Kursus statt. Die Beteiligung empfiehlt sich für Mitglieder aller Turn- und Sportver­eine, für Schullehrer, Studenten usw., wie auch sür Leute, die sich um das Deutsche Sportsabzeichen bewer­ben wollen. Zur Deckung der Uickosten sind pro Teil­nehmer Mk. 5. zu entrichten. Gelehrt wird die ameri­kanische Spcrttechnik in allen leichtathletischen Uebungcn, die im Rahmen des Standardprogramms der Olym­piade vorgesehen sind. Die Meldungen richte man an der Sportlehrer direkt sFranksurt a. M., Kronprinzen - straße 28). Das Uebungslokal wird noch bekannt ge- geb!n.

i Bcsvrcchiinacu der Iciicndc» Acrzie der Beratungsstellen der ! Grosth. Zentrale für Mutter- und TaugÜngSfnrsorge in Hessen.

-z- Bei der diesjährigen Zusammenkunft der Bera- . tungsstellenärzte in Darmstadl am 20. Januar, in Gie­ßen am 24. Januar und in Mainz am 3. Februar I hatte Dr. S e l l-Lindenfels i. O. das Referat über -

nommen. Er sprach überWichtige Ernährungssragen im Lichte der fortschreitenden Wissenschaft" und erörterte in seinem Vortrage eingehend die verschiedenen Anschau­ungen, die über die Rolle des Eiweißes und der Mi-

Ein enthüllte-; Wlclte Geheimnis.

Ein Interview.

Eine berühmte Pariser Spezialistin der Schönheits­pflege, die sich vor kurzem vom Geschäst zurückgezogen, nachdem sie durch eine erfolgreiche Behandlung welkge­wordener, unschöner Gesichtshaut sich ein hübsches Ver­mögen verdient hatte, gewährte mir jüngst ein Inter­view. Mir lag natürlich sehr daran, die Natur des Ge- hcimmittels zu erfahren, das ihr einen solchen Erfolg verschafft hatte. Ich mußte indessen hören, daß sie über­haupt kein Geheimmittel sür den Teint besitze.Ein un­schöner Teint", sagte sie,ist fast jedesmal auf eine über­mäßige Anhäufung der seinen Hautpartikel zurückzufüh- ren, welche die Epidermis bilden. Die überslüffigen, ab­gestorbenen Partikel sind die Ursache aller Linien und Fältchen, aller Unreinigkeiten der Gesichtshant; ihr ver­gilbte Färbung bildet den mißfarbenen Teint, und sitz verdecken dabei die darunter befindliche junge, frische Haut.

Mein Erfolg ist lediglich der Entdeckung zutzuschrci- ben, daß ein einfaches, vegetabilisches Lösungsmittel, das sogenannte Parinolwachs, diese verhärteten, abge­storbenen Partikel in milder Meise entfernt und der Ge­sichts!,aut ihren zarten, jugendlichen Hauch wiedergibt. Das kann jede Dame selbst ausführen. Parinolwachs kann nian in jeder Apotheke oder Drogerie bekommen am besten eignet sichreines" Parinolwachs dazu und man braucht es nur abends in etwas liberaler Weise aufzutragen; wenn man es dann morgens mit warmem Wasser abwäscht und mit einem weichen Tuch trocknet, wird man finden, wie viel reiner und weicher die Haut geworden ist. Eine drei- bis viermalige Wie­derholung des Verfahrens vervollständigt die Umwand­lung." Allen Damen mit mißfarbener oder runzeliger Gesichtshant rate ich, dies einmal mit reinem Parinol­wachs zu probieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie erfreulich das Resultat ist. M. H.

färbmi 6edr. Rövtr

Frankfurt a. M

und Färberei Hugo Luckner (Inh. Gebr.

Rover) Leipzig

Chrmisohes Reinigen und Färben von Damen-, Herren- und Kindergarderobe, Vorhängen, Decken. Teppichen, Portieren Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, Kindermützen Hand­schuhen etc. Zirka 1000 Angestellte.

Ein ueugicriger Kunde.

Hmncreske von Adolf Thiele.

In einer jener stillen Nachmittagsstunden, wo auch in fkottgehenden Geschäften einige naschhafte Fliegen die einzigen Besucher zu sein pflegen, saß der Kaufmann Künzel mit zufriedener Miene und einer Zigarre im Munde aus dem Sofa seines Ladenstübchens.

Er hatte eben wieder einmal wie er dies gern lat einen kleinen Ueberblick über seinen Umsatz und Reingewinn geworfen, und diese Bilanz war nicht schlecht ausgefallen.

Doch die Gedanken des jungen Mannes flogen weiter, er dachte an ein Paar freundliche Augen und Lippen, er dachte daran, daß die von ihm erhoffte Ver­bindung mit dem jungen Mädchen ihn auch geschäftlich heben mühte.

Ja, mit mehr Kapital, was könnte er da anfangen, er könnte mehr im großen beziehen, könnte Spezialitä­ten einführen.

Ach, die Liebe in so einträglicher Gestalt, wie lockte sie ihn in ihre süßen Bande!

Doch es lag noch ein Hindernis zwischen der Ge­genwart und dem Künftigen Hausvater und Klein-Eros- sisten, weilte sie doch fern, die kapitalkräftige Geliebte !

Wohlgefällig strich Künzel seinen großen, blonden Schnurrbart, denn dem hatte er doch zumeist seine Er­oberung zu danken.

Da ging die Ladentür, und es trat ein Herr ein, ein gutgekleideter, anständig aussehendcr Herr in mitt­leren Jahren.

Der Geschäftsinhaber, der sein Ladenmädchen auf die Post gesandt hatte, schoß mit der Miene eines Stoß- vogels in den Laden und ftagte höflich nach dem Be­gehr des Herrn.

Dieser ließ sich Zigarren vorlegen, kaufte verschie­dene Sorten, wobei er sich als Kenner erwies, und schien nicht abgeneigt zu sein, Nachbestellungen zu machen.

Ganz hübsches Städtchen, dies Rommelsburg!" sagte er dann.Was ist denn sonst hier los für jemand, der nvch fremd ist?" Wie kann man sich denn hier amüsieren?"

O, in verschiedener Weise, mein Herr!" erwiderte Künzel höflich.Wir haben hier ein Wintertheater mit ganz tüchtigen Leistungen, eine gute Stadtkapelle, auch öfters Miiitärkonzert aus der benachbarten Garnison."

So, so, das läßt sich ja hören ! Ja, hier ist an­scheinend Wohlstand zu Hause. Auch die geschäftlichen Verhältnisse scheinen nicht schlecht zu sein. Sie sind doch gewiß zufrieden?"

Ein Verdacht schoß Künzel blitzschnell durch den Kopf:

Ein Konkurrent! Er kennt Zigarren, das ist ein Konkurrent!"

Einen Augenblick starrte er den Fremden etwas blöde an, dann war sein Entschluß gesaht. Na warte!

Die geschäftlichen Verhältnisse ?" begann er dann. Ach du lieber Gott, was ist denn hier zu verdienen? Nicht die Butler zum Brote;"

Ach, was Sie sagen!" erwiderte der Fremde et­was erstaunt.

Die Konkurrenz ist ja zu groß, es sitzt einer aus dem andern. Und die Kundschaft, da muß man sich vorsehen! Was es hier für Leute gibt! Kommt da vor ein paar Tagen eine Frau, kauft für etwa 8 Mark Ware und tut sie in einen großen Topf, den sie in ihrem Korbe hatte. Sie will noch anderswo etwas ho­len, und stellt den Tops einstweilen in die Ecke dort. Als sie nicht wiederkommt, sehe ich mir den Tops näher an. Was denken Sie? hat der Topf keinen Boden, bat das Weibsbild die Ware im Korbe behalten: Und so sind sie hier alle, man setzt mir zu!"

Nicht möglich!"

Ach, miserabel, sage ich Ihnen! Und dann hier die Preise der Wohnungen, des Grünfutters, und die Gastwirte! Wie ich herkam, ging's gleich an. Komme ich da mit meinem Bruder, der sich das Geschäft mit ansehen wollte, hier in ein Hotel. Ich bestelle mir ein Schnitzel, mein Bnider nach einer Weile dasselbe. Der Kellner bringt mir eine mittelgroße Portion, und ich esse