Ausgabe 
7.2.1914
 
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Huz Stadt und Land.

* Eine konservative Partei in H e s- j e n. Etwa 60 Teilnehmer halten sich dieser Tage zu einer Versammlung in Friedberg zusammengefun- d.en, um über die Gründung einer konservativen Ver­einigung in Hessen zu beraten. Der Vorsitzende, Pros. Gebhard-Friedberg, gab Herrn Landgerichtsrat Otto v. Psister das Wort zu einem Vortrag über die Notwen­digkeit einer konservativen Partei in Deutschland und da­mit auch in Hessen. Pros. Gebhard verlas ein Begrüß­ungstelegramm des Vorsitzenden der konservativen Frak­tion, des Abg. v. Heydelnagd, und leitete darauf die Aussprache ein. Der Vorsitzende lieh daraus abstinrmen, ob die Zusammenfassung aller rechtsstehenden Wähler in eine Vereinigung hessischer Konservativen anzustreben und zunächst sür den Kreis Friedbcrg-Büdingen, sodann sür das ganze Groszherzogtum auszubauen sei. Diese Frage wurde einstimmig bejaht, ebenso die folgende, daß ein Ausschuß zu wählen sei, dem die Ausgabe zusaile, die entsprechenden Schritte zu tun.

-z- Gebürte nrückgang und Säugling- st e r b l i ch k e i t. Die Zahl der Geburten nimmt im Deutschen Reich ab. ebenso die Zahl der im ersten Le­bensjahre sterbenden Säuglinge. Diese Erscheinungen gehen nebeneinander her; sic haben verschiedene Ursa­chen; man kann den Rückgang der Säuglingssterblichkeit nicht' mit dem Geburtenrückgang erklären. Die Versuche, die man in dieser Richtung gemacht hat, sind fehlge­schlagen. Die kulturelle Entwickelung eines Volkes weist, insbesondere aus dem Gebiete der Hygiene, oft gleich­laufende statistische Linien aus. Ebenso oft unterliegen unsere statistischen Dilettanten im Gegensatz zu den wirt­lichen Statistikern der Versuchung, diese Linien in ur­sächliche Beziehung zu setzen. Das statistische Material ist geduldig, besonders wenn es 3 oder 4 kleinere Land­gemeinden liefern müssen, wie das hie und da vpr- kommt. Man kann vor diesen statistischen Erperimentcn nicht genug warnen. Ein Beispiel sür vielem Die Zahl der an W o ch e n b e t t s i e b e r sterbenden Ehefrauen hat sich außerordentlich vermindert; ebenso prozentual die Zahl der Eheschließungen. An dem Rück - gang des Wochenbeltsiebers ist also nicht die bessere Ausbildung der Hebaminen, sondern der Rückgang der Eheschließungen schuld. Aehnlich sind die gesuchten Beziehungen zwischen Säuglingssterblichkeit und Gebur­tenrückgang zn beurteilen.

n Eichen. Der hessische Bolkserzähler u. Schrift­steller Rentamtmann G. S ch ä s e r^ ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Er war in Schaafheim geboren, wurde in Friedberg Lehrer und studierte dann Kameral- wissenschast. An seine Amtszeit in Bingenheim erinnert besonders seine VolkserzählungDie Here von Bingen­heim".

n Gieße n. Der 32jährigc Milchkutscher Mlhelnr Lehmann hat in seiner Wohnung seine Frau und vier Kinder im Alter von 313 Jahren ermordet und sich dann kurz vor der Einfahrt im Bahnhof Gießen durch einen Zug überfahren lassen. Man sand den Ver­letzten Donnerstag früh mit abgclrennten Beinen auf dem Bahnkörper noch lebend, doch trat sehr bald nach­her der Tod ein. Als die Polizei gegen 7 Uhr die Wohnung Lehmanns aussuchte, um den Angehörigen Mitteilung von dem Vorgesallenen ;u machen, muhte man die Tür gewaltsam öffnen. Einen gräßlichen An­blick bot das Innere der Behausung. Frau Lehmann, dem 13- und dem 3jährigen Mädchen und den beiden 8- und 9jährigen Knaben waren die Schädel eingeschla­gen. Die Frau sowohl wie die älteren Kinder müssen sich dem Leichensund nach heftig gewehrt haben. Daraus lassen die Verletzungen an den Händen und besonders die durchschnittenen Finger schließen. Oberstaatsanwalt Hofmann und Staatsanwalt Trümpert sowie das Amts­gericht waren sofort zur Stelle. Es wurde sestgestellt, daß niemand im Hause in der Nacht etwas Verdäch­tiges gehört hat. Die Tal muß zwischen 12 und 1 Uhr geschehen sein. Gegen 12 Uhr hat sich Lehmann noch in einer Wirtschaft zwei Zigarren gekauft. In einem zu­rückgelassenen Schreiben gibt der Mörder an, er habe mit seiner Frau nicht gut gelebt. Diese hatte zwei vor­eheliche Kinder und beschuldigte ihn, es mit der 13jäh- rigen Tochter zu halten. Der Mörder gibt in dem Schreiben weiter an, er bereu«, seine Frau geheiratet zu haben. Er habe die Absicht, sie um.zubringen, die ar­men Kinder jedoch werde er schonen. Nachbarn behaup­ten, Frau Lehmann habe ihren Haushalt sehr gut in Ordnung gehalten. Man hat besonders heftige eheliche

Szenen bei den Lehmannschen Eheleuten nicht wahrge­nommen, allerdings wohnten die Leute noch nicht lange in ihrer Wohnung.

n Gießen. Bei dem am 3. und 4. Februar ab- gehaltenen Markte waren aufgelrieben 1403 Stück Rind­rieh und 61 Schweine. Der nächste Viehmarkt findet am 17. und 18. Februar statt.

o Lauterbach. Im Voranschlag des hessischen Staatshaushalts 1914 ist die Summe von 9621 Mark für die Großh. W e b s ch u l e in Lauterbach ausgewor- sen. Es ist die einzige derartige Anstalt in Hessen.

o Melsungen. In verschiedenen Ortschaften unseres Kreises haben die Fortbildungsschüler sich ge­gen die Lehrer wiederspenstig gezeigt, und j eigenwillig das Schullokal verlassen. Die Ortspolizei i hat gegen die in Frage kommenden Uebeltäter Straf­verfügung erlassen.

):( Nied. Der 18 Jahre alte Ernst Pfriem und i sein Genosse Brendel verspürten an einer Straßenecke ! einen intensiven Gasgeruch. Pfriem leuchtete mit seinem l Feuerzeug die Stelle ab. Dabei kam er dem Schacht - ! decke! der Kabelleitung zu nahe. Es erfolgte eine hef'

! tige Erplosion und der eiserne Deckel flog mit großer Gewait dem Pfriem an den Kops, daß dem Unglück­lichen der Schädel zerschmettert wurde.

):( Frankfurt a. M. (Die Rache des Elefan­ten.) Aus den Eirkus E anee-Frsifpiet«!^

die gegenwärtig allabendlich Taufende in der zumCir- kus der 15 000" verwandelten Festhalle in Frankfurt a. Main versammeln, wird uns ein ergötzliches Vorkomm­nis berichtet. Einer der Cowboys, die in der großen Wildwestszene im Lassowerfen und tollkühnen Reitkün- sten sich produzieren, hatte sich ein Vergnügen daraus gemckcht, den ältesten Elefanten aus der Elefantenherde der Festspiele zu necken. Das Tier brüllte, wenn es sei­nen Quälgeist Vorbeigehen sah und mehrmals war der Cowboy nur mit Mühe dem drohend erhobenen Rüssel des Elefanten entgangen. Am Mittwoch vormittag aber ereilte den Cowboy sein Geschick. Aus seinem gewalti­gen Rüssel übergoß ihn das Tier, das gerade getränkt wurde, mit einer Flut Wassers, die den Cowboy im Nu durchnäßte. Er verzog sich unter dem Gelächter der Umstehenden im wahrsten Sinne des Wortes:wie ein begossener Pudel". Dasselbe Tier hat sich übrigens be­reits mehrmals schon in noch kräftigerer Weise gerächt, Einern Pferd, das ihn mehrmals getreten yatlc, rannte er eines schönen Tages, che es die Wärter verhindern konnten, seine Stoßzähne in den Bauch; es konnte nur mit Aufwendung aller ärztlichen Kunst gerettet werden. Ein anderes Mal hatte der Wärter, während der Ele­fant noch im Transportwagen stand, vergessen, ihm sein Futter zU bringen. Das hatte das Tier fo erregt, daß es mit einem Stoß seines gewaltigen Körpers die mas­siven Wände des Waggons sprengte. Im übrigen ist das Tier, wie alle Elefanten des Cirkus- Carree, sehr gutmütig und folgt narnentlich seinem Dresseur auf's Wort. Wenn der größte Elefant in der Vorstellung in der vorderen und zugleich der jüngste ElefantBaby" in der hinteren Manege ihre verblüffenden und oft so drolligen Künste zeigen, hallt das weite Rund desCir­kus der Fünfzehntaufend" wieder von dröhnendem Ge­lächter. Am letzten Mittwoch waren die Cirkus Car­ree-Festspiele, wie das FestspielbUreaU mitteilt, schätz­ungsweise von 12 000 Menschen besucht; ein Zeichen, daß die Beliebtheit der Festspiele immer noch zunimmt. Dazu mag vor allem die Neueinrichtung der sog. billi­gen Sperrsitzplätze zu Mk. 1.50, sowie die Billigkeit der Preise überhaupt beigetragen haben.

! Biebelsheim. Unter dem NamenSänger­lust" hat sich dieser Tage hier ein neuer Gesangverein gegründet. Diesem traten sofort über 60 Mitglieder bei.

.Hu$ aller Hielt

* Der Fachverein der selbständigen Putzma­cherinnen von Groß-Berlin versendet soeben die Ein­ladungen zur Gründiungsversammlung des Reichsvzer- bandes der Putzmacherinnen Deutschlands, die Milt - woch, den 18. Februar 1914, abends 6 Uhr, im Ar­chitektenhause zu Berlin, Wilhelmftraße 9293 statt- sinden wird. Folgende Themen kommen zur Erörterung: Die Ausbildung der Putzmacherin: Rosa Kermas, gepr. P'Pmachermeisterin-Berlin; Die deutsche Putzmacherei, ein den Frauen ausschließlich vorbehaltenes Handwerk: Ella Riemer, Vorsitzende des Fachvereins sür das Puh- macher-Gewerbe sür Dresden und Umgebung, Dresden; Die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der deut­schen Putzmacherinnen: Maria Lischnewska-Berlin; Das deutsche Handwerk", die Ausstellung 1915 in Dresden: M. Wentscher-Dresden. Dem Reichsverband können die Putzmacher-Jnnungen und Fachvereine selbständiger Putz­macherinnen als korporative und einzelne Putzmacherin­nen als Einzelmitglreder beitreten.

Sescdiilllicber.

:: Eine sichere Kapitalanlage. So

jemand seinen Acker pflegt und park mit Thomasmehl ihn düngt, der hot sein Geld gut angelegt, dieweil es guten Zins ihm bringt. Hoffentlich befolgen unsere Landwirte diesen, auf langjährigen, praktischen Erfahr­ungen beruhenden Ratschlag aUs dem Thomaskalender. Grade Hafer und Gerste sind sür eine kräftige, zeitige Thomasmehldüngung sehr dankbar.

Stadtthcater Hieße».

SonMag, den 8. Februar, nachm. 3% Uhr:Jäger­blut". & Abends 7 Y t Uhr:Das Musikantenmä­del". Operette in 3 Akten von Bcrichard Buchbin­der, Musik von Georg Jarno.

Dienstag, den 10. Februar,Egmont". Trauerspiel in 5 Akten von W. v. Goethe. Musik von L. van Beethoven.

Mittwoch, den 11. Februar, abends 7 Uhr:Die Jour­nalisten".

Freitag, den 13. Februar,Die Schmetterlingsschlacht". Komödie in 4 Akten von Hermann Sudermann

Sonntag, den 15. Februar, nachmittags 3 l / t Uhr: Filmzauber". Abends 7% Uhr:Alt Heidel­berg". Schauspiel in 5 Aufzügen von WUhelm Meyer-Förster.

Airchüche Wchrichren.

Evangrlische Gemeinde in Giehcn.

Sonntag, den 8. Februar, Septnagesömä.

In der Stadtkirche.

Vorm. 914 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Abends 5 Uhr: Missionar Esell.

Abends 8 Uhr im Markussaal: Vortrag von Missionar Gsell mit Lichtbildern. Eine Missionsreise in das Aschanttgebiet. Hierzu wird auch besonders der Wartburgverein und die Mitglieder unserer Ju>- gendvereinigungen eingeladen.

Montag, den 9. Februar, abends 8 Uhr: Ver­

einigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Mat-

thättsgemeinde.

Montag, den 9. Februar, abends 8 Uhr: Versamm­lung der Frauen-Bereine der Matthäus- und Markus - Gemeinde. Vortrag über Versicherungswesen, 1. Teil.

Donnerstag, den 12. Februar, abends 8 Uhr, im MarkuSsaal: Bibelstunde (Brief des Jakobus).

Pfaner Schwabe.

In der Johanneskirche.

Vormittags 9'/ t Uhr: Professor D. Eck.

Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde.

Pfarrer Ausfeld. Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Abends 7/ Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib­lichen Jugend der Lukasgemeinde.

Abenos 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johonnessaal.

Mittwoch, den 11. Februar, abends 8 Uhr: Bibel­stunde im Johannessaal. Pfarrer Ausfeld.

Freitag, den 13. Februar, abends %6 Uhr: Ver­einigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Jo­hannesgemeinde.

Nächstkünftigen Sonntag, den 15. Febrrear, findet in, Abendgottesdienst Beichte und Hk. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde statt. Anmeldungen da­zu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde er­beten.

Katholische Gemrinde in Gießen.

Samstag, den 7. Februar.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele-

genheit zur HI. Beicht.

Sonntag, den 8. Februar.

Sonntag Septuagestme. Fest Maria Lichtmeß.

Vorm. 6 % Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mtt Predigt.

Nachmittags h'/ 2 Uhr: Christenlehre, darauf Muttergot­tesandacht mit Segen.

Gottesdienst in der Diaspora In G r ü n b e r g um 9% Uhr.

In Hungen um 9% Uhr.

Verantwortlich: Aldin Klein, Gießen.

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