Ausgabe 
4.2.1914
 
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aus die sehr nötige Hebammenrefonn, anregend wirken dürste. Der neuen Schrift ist die weiteste Verbreitung zu wünschen.

-ius Stadl urrf Land.

* Die E r st e hessische Kammer der Stände ist zu ihrer 18. Sitzung aus Dienstag, den 10. Februar, ein- berusen worden. Aus der Tagesordnung steht als ein­ziger Punkt die Beratung über die Be soldung s - Vorlage.

-Ift- Mit der provisorischen Bersehung der erledig­ten Stelle des Sekretärs der Handwerkskammer zu Darm­sladt ist bis zur definitiven Beschluhsassung über die Neubesetzung der Stelle durch die nächste Plenarversamm­lung Handwerkskammerassistent Schüttler beauftragt wor­den. Nachdem inzwischen die Abwickelung des Geschäfts slattgesunden hat, wird Assistent Schüttler, vom 1. Febr. ab die Geschäftsführung übernehmen und in Vertretung des Sekretärs mit dem Vorsitzenden der Kammer ge­mäß tz 15 des Statuts rechtsverbindlich zeichnen, wäh­rend die Geschäfte der Kassen- und Rechnungsführung dem Kasscnsührer der Kammer, Herrn Carl Lautz ver­bleiben. Das Bureau der Kammer bejindet sich zurzeit Saalbaustratze 60.

n (Siegen. Am Freitag sand aus den Bürger­meistereien in Eietzen und Wieseck die landespolizeiliche Prüsung des Projekts einer elektrischen Stra­ßenbahn Eietzen, MarburgerslratzeWieseck statt. Als Vertreter des Ministeriums war Geh. Oberhaurat Ki- lian-Darmstadt erschienen. Gin endgültiger Entschlutz wurde noch nicht gesaht. In der versllossenen Woche besichtigte Archivdirektor Dr. D i e t r i ch-Darmstadt die Gemeindearchive von Göbelnrod und L au- t e r bei Grünberg, von Nonnenroth und V i l - l i n g e n bei Hungen, von E i e tz e n und Butzbach. Die Räume wurden sorgfältig auf ihre Brauchbarkeit ge­prüft; ebenso wurden die Bestände nach den iieuerdings ausgestellten Verzeichnissen genauer aus ihren Inhalt hin untersucht. Hierauf wurden die einzelnen Archive ^den betreffenden Bürgermeistern übergeben. An jedem Orte des Grotzherzogtums werden nach der neuen Organisa­tion Vertrauensmänner für Urkundenpsleger ernannt.

n Eiehen. Am 1. Februar verstarb hier der Grotzh. R'entamtmann i. P. Georg Schäfer. Der Verstorbene war eine Zeitlang als Kammerrat bei dem Grasen Erbach-Schönberg tätig und trat später in den hessischen Staatsftienst als Steuerkontrokleur und Rent- amtmann. Auch als Romanschriftsteller trat er hervor. Am meisten verbreitet sindDie silbernen Glocken von Möllenbach" undDie Here von Bingenheim".

n G i e tz e n. Die Sitzungen des «chwucgerichts der Provinz Oberhessen für das erste Vierteljahr 1914 beginnen Montag, den 2. März, unter dem Vorsitze des Lcindgerichlsrats Schnitzspahn.

u G i e tz e n. Apotheker Schwieder hat der Stadt ein Vermächtnis in Höhe von 1000 Mari übergeben mit der Bestimmung, aus dessen Zinsen jährlich Gaben nicht unter 20 Mark an verschämte Arme in der Stadt, die sich nicht melden, sondern von der Bürgermeisterei mit Zustimmung der Stadtverordneten bestimmt wer­den solle», zu verteilen.

o L e i h g e st e r n. Die Versteigerung der infolge der Feldbereinigung gebildeten Massengrundstücke er­brachte die Summe von 191 992 Mark. Mit diesem Be­trag können nicht allein sämtliche Bereinigungskosten ge­deckt werden, es verbleibt vielmehr noch ein Ueberschutz, der zur besseren Herrichtung der Feldwege usw. Ver - Wendung finden soll.

o Mainzlar. Die Schamottcsabrik der Firma Scheidhauer und Gietzing hat sich vertraglich verpflich­tet, aus der städtischen Üeberlandzentrale jährlich eine Million, Kilotvaltstunden elektrischer Energie abzuneh­men.

o L a u b a ch. Zwei schwere Unglücksfälle ereig­neten sich im Stadtwalde, in der sogenannten Einfirste. Ein junger Mann von 21 Jahren geriet unter sein eigenes Fuhrwerk und erlitt einen schweren Beckenbruch, sodatz er in die Gietzener Klinik gevraebt werden mutzte. Ein Landwirt verletzte sich schwer mit seiner Art, als er beim Holzfällen einem stürzenden Baum ausweichen wollte. Er kam in das Laubacher Krankenhaus.

o F r i e d b e r g. Hier hat sich am Sonntag un­ter dem Vorsitze des Prof. Gebhard eine konservative Vereinigung für das Grotzherzogtum Hessen gebildet. Der neuen politischen Gruppe traten sofort 60 Personen aus allen Landesteilen bei.

s Darmstadt. 1. Febr. Inden beiden letzten Tagen sand die Hauptverhandlung in der Disziplinär- sache gegen den Bürgermeister Pons von Neu- Psen- burg statt. Ihm war zur Last gelegt, dah er sich an Gcländespckulalioncn beteiligt habe und dabei auch zmn

Nachteil der Gemeinde New- I)ft»burg verfahren sei. Der Verwallungsgerichtshos hat nach eingehender Zeugen- i Vernehmung den Angeklagten von Strafe und Kosten freigesprochen und sämtliche Kosten der Staatskasse auf- ! erlegt.

o O s f e n h a ch. Die Landeskonferenz der Ge- meindevertreler der hessischen Sozialdemokratie fand am : Sonntag dahier statt. Es waren 251 Personen erschie­nen. Aus den 9 Reichstagswahlkreisen waren 237 Ge- , meindevertreter anwesend, von denen aus den Wahl - kreis OffenbachDieburg 105 entfallen.

):( Frankfurt a. M., 1. Febr. Ein für die . Geschichte des Circus bedeutungsvolles Ereignis hat sich j am Samstag Abend hier vollzogen. In der berühmten | Frankfurter Festhalle, die sich zu ,,diesem Zweck in einen Eirkus der Fünfzehnlausend" verwandeln mutzte, fand ! die Premiere der grötzten Cirkus-Festspiele der Welt ; stall. 500 Mitwirkende, 300 Pferde, 250 Menagerie - ! tiere gaben zusammen ein Programm ab, wie es in ! der Tat bisher von keinem Eirkus der M«lt auch nur ! entfernt erreicht wurde. Nicht weniger als 80 Pro- j grammnummern (also vier mal so viel als ein oewöhn- I liches Zirkus-Programm bringt) wurden von 8%11%

| Uhr in buntester Fülle vorgesührt. Indessen: viel in- ; teressanter uüd wichtiger als diese gigantischen, amerika- , nischen Proportionen ist die Neueinrichtung, die ein so , riesenhaftes Programm erst möglich macht. In den ( Frankfurter Festspielen traten zUm erstenmal 2 Mane­gen der üblichen Grütze in Funktion; und alle die verwegenen Reiterwettspiele, Schuidressuren, Tabieautz, all die unzähligen waghalsigen Akrobaten, Equilibristen- und Turmseilproduktionen, ja selbst die heimatlichen Künste der Chinesen-, Beduinen-, Mulatten-, Tscherkessen-, Cowboys- und Indianertrupps werden in Form von Konkurrenzen in beiden Manegen gleichzeitig autz- gekämpst. Richter ist das Publikum, das in den bis - herigen Vorstellungen die Sieger denn auch mit Beifall ! geradezu überschüttete. Die Spannung des Publikums - wird natürlich durch diese Wettkämpfe aufs höchste ge- ! steigert; und dadurch, datz die größeren Konkurrenzen ! in einer großen, um beide Manegen lausenden R e n n- ! bahn aUsgefochten wurden, bekam das altgewohnte s Cirkusbild einen ganz neuen und ungewöhnlichen Um- ! fang. Nur die ganz großen Sensationen, Eadbins atem- ra Übend er Sprung aus der sechsten Etage, der Neckei Bob. Rcckefeller, der sich vom Auto überfahren läßt,

! Direktor Carrees 50 Steigerpferde, die er auf einmal ! in der Manege zuM Aufbäumen bringt ein ganz pompöses Schauspiel übrig«»« und dergleichen ftm*

, den natürlich (wenn man sich ein Wortspiel erlauben | darf):einzig" da. Tonst ist mit Hilfe der zwei Ma- I negen die Leistungsfähigkeit des CirkUs verdoppelt,

, manchmal sogar verdreifacht. So, wie cs auch dieFr. j Ztg." in ihrem Bericht konftattert:man bezahlt nur ' einmal, aber man genießt zwei Vorstellungen neben- ; einander, da eine Manege nicht genügt, um das riesige ; Menschen- und Tiermaterial vorzuführen." Ueberhaupt spricht die Frankfurter Presse nur in Worten hoher An- j erkcnnnng von dem neuen Prinzip des Zweimanegen- i CirkUs und dem dadurch ermöglichten Programm. Die !Frankfurter Nachrichten" nennen die Dressuren Direktor j Carreesphänomenal" und das Heer der Akrobaten,

; Kraftmenschen, Seiltänzer usw.geradezu eine Samm- ; lung po'cnziertester menichlichett Kraft, Geschmeidigkeit l und Ausdauer". Der Bericht der sonst so kühlenFrkf. j Zeituüg" crzäb'i von den höchsten Triumphen, die Di- , rektor Carree Und Frau Lola Carree in ihren Dressur- j akicn erzielten, meint, derartige Dressuren seienvielleicht j nocki nie dagewesen" und schließt:Der Leiter und Or­ganisator des großartigen Schauspiels wurde denn auch ' nach Gebühr gefeiert. Er hat im Cirkus Carree nicht ' nur die Quadratur des Cirkus gelöst, sondern wird auch aller Aussicht nach mit der ihm weit angenehmeren Auf- ! gäbe fertig werden, den Riesenbau der Festhalle sechs- zehnmal zu füllen." DieFrankfurter Zeitung" schätzt im übrigen die Zahl der Zuschauer bei der Premiere aus 13 000.

):( Frankfurt a. M. Der wegen mehrfachen Giftmordes durch Bakterien zum Tode verurteilte Che­miker Hopf hat nunmehr ein G e st ä n d n i s seiner Verbrechen a b g e l^e g I. Kürzlich erst hatte Hops er­klärt, Revision einzulegen und er hatte seinem Verteidi­ger eine Rcchtfcrligungsschrist übermittelt, worin er den Nachweis zu erbringen sich crbötigt machte, datz er die erste Tubcikelsendung erst nach dem Tode seiner Frau erhalten somit weder der ersten noch der zweiten Frau solche Bazillen eingegeben haben konnte. Nun scheint er doch d e Aussichtslosigkeit seines Lcugnens einge- sebcn zu haben und gestand die Verbrechen ein.

! Mai n z, 2. Febr. Nachdem der Kreisausschuh dahin entschieden hat, die Stadtvcrordnelenwahl vom 4. Dezember 1913 für gültig zu erklären, setzt sich das Mainzer Stadtverordncten-Kollegium in Zukunft wie folgt zusammen: Zentrum 9, Nationalliberale 12, Fort­schrittler 13, Sozialdemokraten 16, Fraktionslose 2.

! Worms, 2. Febr. Eine der ältesten Wormser- innen, Frau Pfarrer Balh, ist heute früh sanft in die

Ewigkeit hinübergeschlummert. Am 19. Februar 'wäre sie 92 Jahre alt geworden.

! Bingen. Die Eiko-Filmgesellschast hat dem

Verein zur Errichtung eines Bismarck-Na.ionaldenkmals auf der Elisenhöh« bei Bingerbrück-Bingen E. V. einen Teil des Ertrages auß, dem von ihr hcrgestellten Bis- marck-Film zur Verfügung gestellt. Der Verein hat, nach­dem er sich überzeugt hat, datz der Film im höchsten Grade würdig ist, mit der Propaganda für ein Bis­marck-Nationaldenkmal in Verbindung gebracht zu wer­den, dieses Anerbieten angenommen und wird mit allen Mitteln seiner Organisation dafür eintreten, datz der Bismarck-Film den weitesten Kreisen des deutschen Vol­kes zugänglich gemacht wird.

Der Kaiser und die Lurner.

lieber den Kaiser und die Deutsche Turnerschaft schreibt im Anschluß an Kaiser Wilhelms Besuch im Münchener Männerturnverein di«Chemnitzer Mlgem. Zeitung" folgendes: Die Kaisertage in München haben mit einem vollen schönen Akkorde geschlossen, der in ganz Deutschland nachhallen und im Volk ungeteilte Freude auslösen wird. Kaiser Wilhelm ist bei den deutschen Turnern gewesen, zum ersten Male während sei­ner ganzen Regierungszeit, und da ist ihm das Herz aufoegangen beim Anblick dieser deutschen Kraft, und die Ueberraschung über die prachtvollen Leistungen der Münchener Turner zeigt beffer wie alles andere, datz ihm hier erst die ungeheure Bedeutting der deutschen Turnerei klar geworden ist. In weiten Kreisen der na­tionale» deutschen Turner hatte man bisher das Gefühl, dah der Kaiser sich ihren Bestrebungen ablehnend gegen­über verhalt«. Man hat diese Stellungnahme allezeit schmerzlich empsunden, da man sah, welches lebhafte In­teresse der Kaiser anderen Angelegenheiten des deutschen Volkslebens ciitgegenbrachte, wie die Pflege des deut­schen Volksliedes, die Förderung des Sports vielfach auf seine Anregung zurückzufüihren war. Nur für die deutsche Turnerei schien der Kaiser nichts übrig zw haben. Auf manchem deutschen Turnfest hatte man gehofft, den Kaiser begrüßen zu können, zuletzt noch in Leipzig, aber die Hoffnung batte getrogen, der Kaiser kam nicht'. Man hatte schließlich de» Eindruck, datz gewiffe höfische Schran­ken oder auch Einflüsse anderer Art den Kaiser zurück- hielten. Wir können es dem K nig Ludwig von Bayern nicht hoch genug anrechnen, datz es ihm ge­lungen ist, die Schranke zu durchbrrckien, die den Kaiser von seinen Turnern bisher lreimte. Der König jft ber Protektor des Männerturnvereins München, der mit mehr als 4000 Mitgliedern einer der grötzten deut­schen Turnvereine ist. Auf Betreiben des Königs er­hielt nun der Kaiser eine Einladung, sich den tnrnerisckien Betrieb in der Münchener Turnhalle ansehen zu wol­len. An die 1400 Personen nahmen an dem Schautur­nen teil, und mit wachsendem Erstaunen sah der Kai­ser den Turnern zu. Mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit gab er seiner Freude Ausdruck. Der Besuch bei -den Turnern in München wird, so hoffen wir, die besten Folgen haben. Das Eis i ft gebrochen, der K a i- . i e r bat gesehen, welchen Segen die deutsche Turnerei dem Volke bringt, datz ein gesundes, starkes Geschlecht herangezogen wird, das wohl imstande ist, mit den An­gelsachsen zu konkurrieren. Da möchten wir dem Wunsch Ausdruck geben, daß der Kaiser einmal einem deut­schen Turnfest beiwohnen und sich davon überzeugen möge, welch guter nattonaler Geist in un­serer Turnerschaft lebt. Der Jubel, der ihm da entge- genbrausen würde, würde ihm den Tag unvergeßlich machen.

UcrmiFcMes.

nt. D ü r c II (Rheinland). Gelegentlich des Vor- turnerinnentages der Rheinprovinz hatten sich die- rener Turngesellschasten vereinigt, um durch ein Echau- turnen in geschlossenem Saale das Frauenturnen prak­tisch vorzuführen als Werbemittel für das Frauen- turne n. Dabei sollte eine Klaffe des paritättschen Städtischen Lyzeums auflreten. Es scheint von der Schul- verwaltung auch die Erlaubnis für alle Schülerinnen ge­geben zu sein. Im letzten Augenblick jedoch wurde den katholischen Schülerinnen die öffentliche Teilnahme an dem Abend verboten, da ein« erzbischöflich« Verfügung erlassen sei, die das öffentliche Schau­turnen von Mädchen in TurnNeidung wegen Gefähr­dung der Sittlichkeit verbietet. An und für sich bietet der Vorgang bei der bekannten Art der Iln- fittlichkeitssschnüffler nichts Neues. Wie aber stellt sich eine Schulverwaltung zu dieser Verfügung, wenn von Seiten der Schule ein öffentliches Schauturnen veranftal- ! tet wird, wie es doch neuerdings gepflegt werden soll? Von diesem Gesichtspunkt betrachtet, wäre es an der Zeit, die Frage des öffentlichen Turnens von Mädchen einer neuen Prüfung zu unterziehen.

Verantwortlich: Albin Klein. Eietzen.