Ausgabe 
31.1.1914
 
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Nr. 9

Telep hon: Nr. 363.

Rücktritt der reicbsläadlfcben Regierung.

* Berlin. 29. Jan. DieNordd. Allg. Zig." meldet: Der Statthalter in Elsaß-Lothringen Gras von Wedel hat das schon im Dezember angebotene Ab­schiedsgesuch erneuert. Wie wir heute ersahren, haben auch der Staatssekretär Zorn von Bulach und die Unterstaatssekretäre Petri, Mandel und Müller erneut um ihre Entlassung gebeten. Die kaiserliche Ent­scheidung wird voraussichtlich in den nächsten Tagen er­folge».

Die Folgen von Zabern! Eine Aenderung in der reichsländischen Zivil- und Militärverwaltung war nach all den unerquicklichen Bergängen der lebten Zeit vor- auszufehen, sie gehl jetzt schnell und gründlich vor sich.

Wenn man in die Zukunst blickt, so findet man «in« Dunkelheit v«n ungewöhnlicher Dichte. Weder über die kommeitden Personen, noch über den geplanten Kurs lätzt sich etwas prophezeien. Den einzigen Fingerzeig könnte man, wie schon erwähnt, in der letzten Rede des Reichskanzlers suchen, wo er von einerruhigen und einheitlichen, gerechten aber festen Verwaltung das Ge­deihen der Reichslande erwartete. Das sind vier schöne Eigenschaftswörter, aber es lassen sich verschiedene Me­thoden denken, mit denen man diese Ziele zu erreichen suchen könnte. In dem Wortefest" kann man ein stram­mes System nach dem Ideal des Preutzenbundes an­gekündigt sinden, aber man kann auch vermuten, datz der Reichskanzler nur ein höheres Matz an Fleitz, Ent- schlosseicheit und Tatkraft verlangt, ohne an eine Um­wälzung des Systems zu dritten. Das Worteinheit­lich" deutet offenbar anf das erwünschte friedliche und freundliche Zusammenwirken der Militär- und der Zi­vilgewalt hin, und da tatsächlich die persönlichen Un­stimmigkeiten eine schlimme Rolle gespielt haben, so kann man sich vielleicht mit der Hoffnung trösten, datz die netten Männer es leichter haben, die persönliche Berühr­ung rmd Verständigung herbeizuführen. Unterstreichen möchte man dis beiden anderen Eigenschaftswörter: rUhig und gerecht.

Politifcbc Rundfcbau

Deutschland.

* Bei den diesmaligen Beratungen des Finanz - austzhufses der hessischen Zweiten Kammer über das Staatsbudget stand im Vordergrund des Interesses die Frage, ob man für die Folge der Regierung das seit­herige freie Dispositionsrecht über den Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke belassen solle. Diese Frage wurde von allen Parteien oerneint und man beschloh, mit der Regierung in er­neute Verhandlungen rinzutreten, um dem Landtag ein KoMroll- und Mitbestimmungsrecht über den genanMen Fonds zu sichern. Man ist der Ansicht, datz gewiß keine Regierung ohne einen gewissen Dispositionsfonds be­stehen kann, datz aber ein so stattlicher Teil (1 200 000 Mark) des stattlichen Vermögens der Kontrolle Und dem Mitbestimmungsrecht des Landtages nicht entzogen sein sollte. Rach den im Finanzausschuß neuerdings gemach­ten Feststellungen haben sich die Finanzen des Grott- heitzogtuMs außerordentlich gebessert. Trotz der Inan­spruchnahme bedeutender Mittel für gesteiger.e Bedürf' nisse auf zahlreichen Gebieten der staatlichen Verwalt­ung werden die Ueberschüsse Ende 1914 die Höhe von 20 600 000 Mark erreichen. Man wird somit seitens der Regierung jetzt nicht mehr gegen die Bewilligung der von der Zweiten Kaminer beschlossenen Lehrergehäl- ter den Mangel staatlicher Mittel ins Feld führen kön­nen.

):( Kassel. Rach Berliner Blättermeldungen soll an Stelle des verstorbenen Oberpräsidenten von Bran­denburg, Oberpräsident Erzellenz Hengstenberg

Samstag, den 31. Januar 1914 .

in Kassel nach Potsdam koinmen. Der jetzige Pots- dammer Regierungspräsident von der Schulenburg würde an seine Stelle in Kassel treten.

* Wie dasBerliner Tageblatt" wissen will, so glaubt man in polittschen Kreisen, datz der Berliner Po­lizeipräsident v. Iagow als Nachfolger des verstor­benen Oberpräsidenten Conrad in Potsdam ausersehen sei.

* Der Reichstagsabgeordnete Sittar 1 (Ztr.) richtete an den Reichskanzler eine Anfrage, ob und wie lange die Verlegung des Infanterie-Regiments Nr. 99 von Zabern nach dem Truppenübungsplätze ausgedehnt werden solle. Die Verlegung werde nament­lich angesichts des strengen Winters von der Bevölker­ung und von den unschuldigen beteiligten Angehörigen der Offiziere sowie den Mannschaften als eine schwere Bestrafung empfunden.

" Der Reichstagsabgeordnete Dr. Trendel (Ztr.) richtete an den Reichskanzler eine Anfrage, «ine klare Auskunft darüber geben, ob für die Veranlag­ung zuNi Wehrbeitrag der gemeine Wert oder der Ertragswert zu Grunde zu legen sei Und ob im Jahre 1917 die Grundbesitzer von neuem eine nach­trägliche Bewertung ihrer Grundstücke nach dem Er­tragswert oder Verkaufswert, rückwirkend auf das Jahr 1914, beantragen könnten, da trotz der Erklärungen des Reichsschatzsekretärs darüber noch Unklarheit be- steye.

* Eine einstündige Konserenz mit dem künftigen Fürsten von Albanien, dem Prinzen Wilhelm von Wied, hat in Potsdam der griechische Ministerpräsident V e - n i z e l o s vor seiner Abreise gehabt. Herr Venizelos beglückwünschte den Fürsten zu seiner Designierung uNd erklärte, Griechenland sei von dem besten Willen beseelt, zur Herstellung der Ruhe im Epirus beizutragcn und gute Beziehungen zu Albanien aufrecht zu erhalten.

Aus alter Mil.

::: Berlin. Wissenschaftliche Kreise, die der Kai­ser Wilhelm-Gesellschaft nahe stehen, haben dem Physio­logen Prof. Abderhalden in Halle eine Million für die Errichtung eines Physiologischen Instttuts in Berlin zur Fortführung seiner EiweisforschUn- g c n zur Verfügung gestellt.

::: München. Zu König Ludwig vion Bayern kam dieser Tage eine Deputatton hochadeliger Damen, um den König zU bitten, das Protektorat über viele Asyle für kranke Tiere zu übernehmen, die im ganzen Reiche gegründet werden sollen. Der König hörte die Damen an, erkundigte sich, wie viel Geld die Damen für diesen Zweck bereits gesammelt haben und antwor­tete dann:Kranke Tiere, meine hochverehrten Da­men, tötet man, kranken Menschen aber hilft man. Verwenden Sie Ihr Geld lieber für die armen, kran­ken und erwerbsunfähigen Menschen, denen Sie nützen, den kranken Katzen, Hunden und Pferden aber nicht. Folgen Sie, meine Damen und sie werden ein wohl - tätiges Werk tun. Ich bitte Sie, meine Worte zu' be­herzigen." Die hUmanitätsduseligen Damen zogen ent­täuscht ab.

Am Kaisers Geburtstag hat zum ersten Male eine direkte drahtlose amtliche Verbindung zwischen Deutschland und Amerika stattgefunden. Auf Befehl des Kaisers ist der Hochfrequenzmaschinen-Aktten- Gesellschaft eine Meldung des Kaisers an den Präsiden­ten Wilson zur direkter/ drahtlosen Beförderung, nach Amerika zutzegangen. Die der Gesellschaft gehörige Mel­destelle in Eilvese bei Hannover hat diese Meldung draht­los weitergegeben, und die Empfangsstelle Tuckerson in Amerika hot den fehlerfreien Eingang bestätigt. Die Entfernung zwischen der Ausgabe- und Empfangsstation beträgt 6500 Kilometer.

Telephon Nr. 362. 20

::: Der Verlag August Scherl wild zmn 1. April in den Besitz des Konsortiums übergehen, das jüngst einen Teil der Anleihe gekauft hatte, und zu dem u. a. auch der Landwirtschaftsminister v. Schorle- mer und (wenn auch nicht direkt) die Firma Krupp gehören sollen.

* Das preußische Abgeordnetenhaus beschloß die Verlegung des G r a d i tz e r Hauptgestüts nach A l 1 e- f e l d im Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege. Es sind Parzellen im Umsang von 2400 Morgen, die zu der Besitzung Altefeld des Landgrafen Chlodwig von Hesseni-Philippsthal-Barchfeld gehören, für V/ 2 Millio­nen Mari zu diesem Zwecke an Hand gekauft worden. Die Genehmigung der Verlegung erfolgte e i n st i m - m i g. Für Hessen-Nassau ist diese Entscheidung von großer Bedeutung. Eraditz hat 14 Hauptbeschäler, 190 Mutterstuten Und 590 junge Hengste und Stuten.

::: Dortmund, 30. Jan. Auf der Zeche Mi­nister Achenbach haben schlagende Wetter viele Menschenleben vernichtet. Der ganze Umfang der Ka­tastrophe war am späten Abend noch nicht klar über­sehen, doch befürchtet man, daß fast 10 0 Bergleute den Tod fanden.

):( Vom Spessart. Bei einer in den letzten Tagen stattgehjabteu Versteigerung vpn Spessartcichen wurde für einen Eichenstamm von 5,79 Kubikmeter In­halt 2895 Mack erlöst. Das ist der höchste Preis, der bis jetzt je für einen Stamm erzielt wurde. Die Spes- sackeichen sind aneckannterweise die besten Waldhäutne Deutschlands. Sie finden sich in bester Qualität im Fokstbezick Rothenbuch bei Rohrbrunn. In dem dor­tigen sogenanntenMehgerschlag" stehen nach zicka 500 Riesenhäulme, die ein Alter von nahezu 1000 Jahren haben. Sie bleiben auf Wunsch der Spessackvereine als vielbesuchte Naturseltenheit stehen, während in anderen Walddistrikten die ältesten Stämme abgehalzt werden, da die Bäutne andernfalls faulen würden, was für die Staatskasse einem Verlust von Millionen gleichkäme.

::: Ein Sonderling, der die Welt Hatzte Und nur Pferde, Hunde, Katzen Und Kaninchen um sich hatte, der Gutsbesitzer Bizony in Mischkol in Ungarn, ist die­ser Tage gestorben. Auch aus seinem Testament spricht seine Menschenfeindlichkeit. Bizony hat ein« Sutnme in Höhe von Ungefähr 255 000 Mack testamentarisch zur Errichtung eines Asils für altePferde bestimmt.

::: Madrid, 30. Jan. Die Bewohner von Vu- cerra hatten, um sich der ihr Dorf bedrohenden Wölfe zu entledigen eine Kuh vergiftet und sie als Kö­der auf dem Felde liegen lassen. Eine Truppe von Zi- g e u n e r n fand die Kuh utrd atz das Fleisch auf. 20 ZigeUner starben an den Folgen der Ver­giftung, 20 andere sind lebensgefährlich eckrankt.

Hur Stadt usd Hand.

n E i e h e n. Der Verwaltungsbeckcht der Stadt Gießen für 1913-14 ist jetzt erschienen. Die Betriebs- rechnung, auf die es dabei allein ankommt, zeigt bei einem Mehrerlös aus Steuern von rund 44 000 Mack gegenüber dem Voranschlag eine Einnahme von Mark 3 734 361, der eine Ausgabe van Mark 3 283 412 ge­genübersteht, sodatz ein Ueberschutz von 451 949 Mack verbleibt. Dieser Rest aus früheren Jahren hat sich ge­genüber dem Vorjahr Utn rUnd 25 000 Mk. verringeck, weil erstens für gemeinnützige Zwecke statt der voran- schlagsmätzig vorgeschlagenen 16 000 Mk. 31 000 Mack ausgegeben wurden, und weil der Zuschuh aus Ge­meindesteuern zu den Betriebskosten der Kanalisation in­folge des Plus dieser Steuern sich um zicka 8000 Mk. erhöht hat. Die Betriebs- und Vermögensrechnrmg schließt mit einer Einnahme von 7 626 167 Mack, einer Ausgabe von 5 997 238 Mack und einem Ueberschutz von 1 628 929 Mark ab.

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