Ausgabe 
17.1.1914
 
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den oder ihre Erwerbsfähigkeit alljährlich durch offenbar leichtsinniges Handeln. Bei 20 derartigen Unfällen ka­men im vergangenen Jahr« bei der Sektion 2 9 Berg- lcute zu Tode. Zu diesem leichtsinnigen Handeln ist in erster Linie zu rechnen das AUfspringen auf den Korb im letzten Augenblick unterOeff- nckr der Schiebetür am Schacht, wenn bereits das Sig­nal zuNr Einhängen des Korbes gegeben ist. 3 Berg­leute wurden hierbei von dem sich in Bewegung setzen­den Korb ersaht und gegen die Schachtzimmerung ge­quetscht. Ein anderer Verunglückter wollte sich noch vor Ankunft des Kübels auf der Hängebank auf den Kübel­rand schwingen und stürzte hierbei ab. Wieder ein an­derer Verunglückter hatte ein Stück Holz durch den Ka­rabinerhaken des Förderseils gesteckt, sich daraufgestellt und wollte so zur Schachtsohle fahren, wobei er verun­glückte.

ZU diesem leichtsinnigen Handeln gehört besonders auch das Hantieren Unberufener mit Sprengma- t e r i a l i« n, wenn solche zufällig in ihre Hände ge­raten. Anstatt dieses gefährliche Material an die zu­ständige Stelle abzutzeben, wird aus reiner Neugierde, sei es durch Darausschlagen oder Entzündung am Feuer, urttersucht, oh es sich in der Tat um ein Sprengmalerial handelt. So schlug ein Verletzter, der eine Sprengkap­sel aus dem Leseband gesunden hatte, diese mit einem Beil platt und brachte sie dadurch zur Erplosion.

Auch die Nichtbenutzung von Schutz­vorrichtungen kostet manchem Bergmann das Le­ben. Die Sicherheitsstange am Bremsberg, die das Nachstürzen des Schleppers verhindern soll, wird aufge- llappt und sestgclegt, der Wagen ausgeschoben in der irrtümlichen Annahme, dah der Korb sich am Anschlag befindet, und Wagen und Schlepper stürzen in die Tiefe. Auf diese Weise verloren im vergangenen Jahre allein 11 Bergleute im Bereiche der Sektion 2 ihr Le­ben, während 3 schwere Verletzungen davontrugen. Diese einfache Schutzvorrichtung hätte also, bei ihrer Be­achtung manchem jungen Bergmann das Leben erhal­ten können.

Todesfälle beim Lockern der Fein­kohlen im Kohlenturm sind eine alljährlich wiedeckehrende Erscheinung. Ohne sich anzuseilen, wird das Hindernis im Kohlenturm zU beseitigen versucht, und mit den lose gewordenen Kohlen versinkt der Ar­beiter in den Kohlentrichter, wobei er dann in der Re­gel in den Kohlen ersttckt. Im vergangenen Jahre ka­men auf diese Weise wieder 2 Personen zu Tode.

Es würde zu weit führen, so schreibt derKompaß" zum Schluß, auf alle Uebeckretungen der Bergpolizei - Verordnungen hier näher einzugehen. Auf eins soll nur noch hingewiesen werden. Die immer größer werdende Ausnutzung der Elektrizität erfordert naturgemäß' be­sondere Aufmecksamkeit. Häufig kommt es vor, daß Bergleute aus Unvorsichtigkeit der st rom­führen den Leitung zu nahe kommen. 3 Bergleute mußten hierdurch ihr Leben lassen. Besonders erwähnenswert ist von diesen Fällen der tödliche Un­fall eines jugendlichen Bergarbeiters, der an dem Ge­rüst eines elektrischen Auszuges herumklettecke, hierbei mit der elektrischen Leitung in Berührung kam und ab- stürzie.

Den Bergleuten mögen diese amtlichen Feststellun­gen zur Warnung dienen.

Hu; Stadt imd Land.

Elektrische Ucberlandanlage der Provinz Oberhesscn.

Der Schneesturm in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember hat in ganz Mitteldeutschland große Stör­ungen sowohl in den Telegraphen- und Telephonleituü- gen, als auch in den Starkstromleitungen hervorgerufen. Im Gebiet der elektrischen Urberlandanlag« der Provinz war in der genannten Nacht der Betrieb in fast allen Gemeinden, mit Ausnahme derjenigen, die an der Ka­belstrecke Wölsersheim-Fiiedberg liegen, unterbrochen.

Es wird nUn interessieren, die Störungsursachen im einzelnen kennen zu lernen. An den Fernleituügen, die gegenwärtig 350 Kilometer lang siüd, sind Störun­gen an 11 Punkten aufgetreten. Davon sind 8 durch Bäume entstanden, und zwar entweder dadurch, daß Bäume umbrachen und auf die Leitungen sielen, oder daß sich Baumäste auf die Leitungen senkten, oder daß die Leitungen infolge der Schneelast sich soweit durch - hingen, daß sk Berührung mit darunter befindlichen Baumästen erhielten. Diese Erfahrung lehrt aufs neue, wie wichtig es ist, dah die Bäume in der Nähe der Hochf^aninungskeitungen entfernt oder mindestens so­weit autzgeästet werden, daß die Gefahr der Berührung praktisch nicht meist vorhanden ist. Auch bei Sturm biegen sich die BäuMe besonders Erlen und Pappeln viel weiter, als man allgemein annimmt. Auch hierauf, muß besonders geachtet werden.

Eine weitere Slörungsutsache war, daß im süd - lichen Teil des Stromversorgungsgebietes eine Reihe von Holzmasten, die längs eines Wassergrabens ausgestellt waren, Umsiel. Der Leitungsweg war auf besonderen Wunsch der Gemeinde dem Wassergraben entlang anae-

, legt. Die Standsesttgkeit der Masten ist jedoch, wie sich gezeigt hat, in dem sumpfigen Untergrund zu gering. Man wird also in Zukunft darauf bestehen müssen, daß diejenigen Leitungswege beibehalten werden, die sich nach Ansicht der Sachverständigen hierfür eignen und zwar auch darm, wenn Privatgrundstücke zur Anfftell- ung der Masten benützt werden müssen.

Von den 3 übrigen Störüngsursachen in den Fern­leitungen liegt eine im Mißen eines Nietverbinders in­folge der Schneelast.

In den beiden anderen Fällen hat das über den Leitungen hinführende Blitzseil Berührung mit den Hoch- spannungsleituügen erhalten.

Die Störungen in den Ocksnetzen entstanden in der Hauptsache durch das Herabfallen unzähliger Telephon- drähte. Außerdem wurden an manchen Stellen auch die Ocksnetzleitungen uüd ihre Gestänge durch den Schnee­druck direkt beschädigt.

Dem raschen Eingreifen der Betriebsleitung und der tüchtigen Mitarlbeit der beteiligten elektrotechnischen Firmen ist es zu danken, daß die Störungen in verhält­nismäßig kurzer Zeit behoben werden konnten.

* Vom Wehrbeitrag. Vielfach ist die Meinimg verbreitet, daß nur diejenigen Personen ein« Vermögenseckläruug (grünes Formular) abzugeben hät­ten, denen eine Aufforderung zugegangen ist. Das trifft nicht zu. Nach § 36 Abs. 1 des Wehrbeitragsgesetzes vom 3. Juli 1913 ist jede Person zur Abgabe einer Vermögenseckläruug verpflichtet, die ein Vermö­gen von mehr als 20 000 Mark oder bei mehr als 4000 Mack Einkommen mehr als 10 000 Mark Ver­mögen besitzt, einerlei ob ihr ein Formular zutzeganyen ist oder nicht. Wer die ihm hiernach gesetzlich obliegende Bermögensecklärung bis zuM 20. Januar d. Js. nicht abgibt, macht sich strafbar. Wer eine Aufforderung er­hält, muß die Erklärung auch dann abgeben, wenn sein Vermögen für den Wehrbeitrag nicht in Betracht kommt.

* EinLandheim für Unfallverletzte

und Invalide" wurde am 15. Januar inEber- st a d t b. Darmstadt eröffnet. Es ist errichtet durch einen zu diesem Zweck gegründeten Verein, dessen Vorsitzender Herr Geheimer Regierungsrat Dr. jur. et med. h. c. D i e tz - Darmstadt ist, dem wir schon neben vielen an­deren gemeinnützigen Einrichtungen, die beiden Lungen­heilstätten Hessens im Odenwald, und die Lupusheil - stätte in Gießen zu verdanken haben. Außer hiesigen und auswärtigen Privatpersonen gehören dem Verein bereits die Vorstände einer Reihe hessischer, badischer U. preußischer Berufsgenossenschaften an. Es ist zu hoffen, daß bei der demnächst geplanten Propaganda recht zahlreiche neue Mitglieder dem Verein beitreten weroen, der ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt. Als seine Aufgabe betrachtet es der Verein, zur Sicherung des Heilverfahrens Unfallverletzten und Invaliden die Möglichkeit zu geben, ihre Erwerbsfähigkeit wirtschaftlich zu entwickeln. Das soll erreicht werden durch eine in der Regel vorübergehende Aufnahme in dem Landheim. In ihm sollen die Aufgenommenen in solchen Tätigkei­ten uüd Beschäftigungen autzaebildet werden, die ihren Kräften Und Fähigkeiten angemessen sind und die in­nerhalb der in dem Landheim eingerichteten Betriebe liegen. So befinden sich in demLandheim Eberstadt" eine Reihe von Weckstätten wie: Tischlerei, Schuhmach­erei, Strickmaschinensaal usw.; daneben werden aber natürlich auch einfachere Handfeckigkeitsarbeiten gelehrt, die auch schwerer, durch Unfälle oder Krankheit Geschä­digten noch die Möglichkeit eines kleinen Erwerbs bie­ten. Die Besichtigung des Heims wird jedermann gern gestattet. Hoffentlich findet das Unternehmen auch weiterhin die Unterstützung weitester Kreise. Leiter des Heims ist: Dr. Rigler-Darmstadt, Grüner Weg 86, an den alle den Verein oder das Heim betreffenden Zu­schriften zu richten sind.

n Gießen, 17. Jan. Im Stadttheater erfolgte gestern Abend die Uraufführuüg des balligen historischen SchauspielsDie H u m b o l d t i a n e r", verfaßt von dem hessischen Schriftsteller und Dichter Dr. Strecker- Bad-Nauheim. Das Stück ist inhalt- wie auch abwechselungsreich. Es spielt in E i e ß e n vor 100 Jahren, als unsere Stadt schwer unter der Last des Krieges zu leiden hatte. Die Regie war gut, die Dekorierung famos und das Gesamtspiel der Darsteller ein sehr sicheres. Das neu« Stück erlebte eine glänzende Ausnahme, so daß die Darsteller, Direktor Steingoetter und nicht zuletzt der Verfasser wiederholt sich auf die Bühne begeben muhten.

n Gießen. Der Alldeutsche Verband veranstal­tet auch dieses Jahr wieder «ne allgemeine Reichsgründ ungsseier, die morgen Sonntag, abends 8'/ t Uhr in Steins Garten ftattfindet. Die Fest­rede hält Frhr. v. Vietinghoff-Scheel-Wiesbaden, über Die Tatenfreudigkeit uüserer Väter und unsere Taten­scheu". Die Feier wird verschönt werden durch Vorträge des Bäuerischen Gesangvereins, durch Sologesänge von Frl. I. Stammler und durch pianistische Darbietungen

von Herrn I. Hahn, Alle gut Deutschgesinnten sind herzlich eingeladen.

o Vilbel. Eine Dame aus Frankfurt hat einem Mädchen aus Vilbel, das lange Jahre bei ihr gedient hatte, ein Kapital von 25 000 Mack testamentarisch ver­macht,

s Darm st ad 1. Ein altes Semester, der 35jäh- rige sind. E. Metzger aus Hersbruck, hat sich in seiner Wohnung erschossen. Anscheinend ist die Tat aus En- stenzsorgen geschehen, da er von seinen Angehörigen keine Unterstützung mehr erhielt.

s Darmstadt, 16. Jan. Die Strafkammer oer- uckeilte heute den 59jährigen Bürgermeister L. Kohl von Heppenheim wegen sockgesetzten Vergehens der Untreue und 6 Fällen des Verbrechens im Amt zu 3 Jahren Gefängnis abzüglich 2 Monate und 2 Wo­chen Untersuchungshaft. Die Unterschlagungen datieren zu einem Teil noch aus der Zeit, bevor Kohl Bürger- meistcr war und er hat diese Unterschlagungen als Rech­ner der Werle'schen Stiftung begangen. In seiner Ei­genschaft als Bürgermeister unterschlug er von der Heß- schen Stiftung 25 000 Mack.

s D a r m st a d t. Der Täter wurde jetzt festge- stellt, der in der Neujahrsnacht den Buchhalter Dörsam durch einen Schuh tötete. Es ist ein Gefangenen ­aufseher, der in der Nachbarschaft wohnt und mit einem alten bayerischen Militärgewehr in der Neujahrsnacht, wie er geständig ist, geschossen hat. Er wurde festge- nommen.

o Ossenbach, 13. Jan. In einer öffentlichen, außerordentlich stack besuchten Protestversammlung, die von der sozialdemokratischen Packei einberu- sen war, wurde nach einem Referat des Reichstagsab­geordneten Hermann Wendel-Frankfuck a. M. überdie Militäranarchie in Zabern" «ine Resolution gefaßt, ' in »gegen die Freisprechung des Obersten v. Muter sowie des Leutnants v. Forftner"protestiert" wird.Sie be­trachtet das Straßburger Urteil als eine steche Beleidig­ung der arbeitenden Klaffe." Die Versammlung cckläck weiter, dah sie mit den zurzeit in Deutschland yerrschen- den Verhältnissennicht einverstanden" ist.

):( Braunfels. Prinz Ernst August zu S o l m s - B r a u n f e l s wurde auf Grund der be­standenen ersten juristischen Staatspckifung zum Gerichts­referendar im Bezirk des Oberlandesgerichts Kassel ernannt. Der Prinz hat die Prüfung vor der Prüf­ung skommisston des Oberlandesgerichts Kaffel abgelegt.

! R ü s s e l s h e i m. Der wiederholt von der Re­gierung nicht hestättgte sozialdemokratische Gemeindera 1 Georg Jung wurde bei der gest­rigen Wahl abermals mit 438 Sttmmen zum Beigeord­neten gewählt. Der bürgerliche Gegenkandidat erhielt 358 Stimmen.

! S o d « n i. T. Zu Reklamezwecken für die hie­sigen Kur- und Badeanstalten bewllligte die Gemeinde­vertretung für das laufende Jahr die ansehnliche Suim- me von 23 000 Mack.

):( Kassel. Die Kaiserin hat im Interesse der heffischen Leine,nndusttie angeordnet, dah der größte Teil der Baby-Ausstattung für die Herzogin von Braun­schweig dem Vaterländischen Frauenverein zu Kaffel zur Beschaffung übeckragen wird. Der Verein hat sich mit den geeigneten Stellen im Rrgienmgsbezick Kaffel in Verbindung gesetzt. Der Auftrag muß bis Ende Fe­bruar zur Ablieferuüg gelangen. Er soll sich dem Ver­nehmen nach auf 8000 bis 9000 Mack belaufen.

Jlu$ aller Mir.

::: Der Kaiser hat vor kurzem, nach Berliner Blättermeldungcn, auf den Rat seiner Leibärzte «ine Arbeitskur durchgemacht. Im Pack von Sans­souci, unterhalb der Maulbeer-Allee war der Kaiser Tag für Tag beschäftigt mit einem Arbetter, den die Hof- garteuverwaltung zur Verfügung gestellt hatte, Holz zu sägen und mit der Art zu zeckleinern. Während des Vor­mittags wurden größere Portionen Brennholz fecktg gestellt, die der Kaiser dann selbst aufschichlete. Der Ar­better erhielt zur Belohnung das zeckleinerte Holz. Bei diesen Arbeiten trug der Kaiser gewöhnlich die Hofjagd- uniform.

::: Spandau. Die Stadt ist in die Reche der preußischen Großstädte eingetreten. Am 8. Januar wurde dock der 100 000ste Einwohner geboren. Der neue Weltbürger erhielt von der Stadt «in Geschenk von

300 Mack.

::: Leipzig, 16. Jan. Das Militärl'-ftschiffZ.

6" ist heute früh 2.45 Uhr unter Führung des Haupt­manns Matius aufgestiegen. Es ist eine 16slündige Dauerfahrt beabsichtigt. An Bord befindet sich die Abnahmekommission.

::: Friedrichshasen, 16. Jan. Der Luft­schiffbau Zeppelin stellt für 200 000 Mack eine eigene Wafferstoffgassabrik auf.

::: B a r z e l o n a, 16. Jan. In ganz Katalonien ist gestern zum erstenmale seit 27 Jahren «in heftiger S ch n e e f a l l niedergegangen. Das Thermometer zeigt 4 Grad unter Null.

Acht,» Sie immer auf die InschriftOsram i Überall erhältlich. Anerg«e«Usehaft, Berlin O- IV