Ausgabe 
7.1.1914
 
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Der Schein soll nie die Wirklichkeit er-

reichen,

Und siegt Natur, so muß die Kunst ent

weichen.

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13, XXII

Moderne Kleiderärmel.

Jn Paris zeigen fast alle Schneiderkünstler und -Künstlerinnen jetzt das vereinte Bestreben, den neuen Slusen und Taillen lange, bis weit auf die Land herabfallende Aermel zu geben. Dabei sucht der eine den anderen durch möglichst eigenartige Sormen zu überbicten und so ist unter anderen auch der .Ritterärmel" wieder auferstandcn. wie alle nach älteren Vorbildern geschaffenen .Neuheiten", ist er natürlich dem Aermel, mit dem unsere Ritterfräulein vergangener Seiten sich buchstäblich recht breit machten, nicht schablonenmäßig nachgebildet, sondern er hat, wie unser« Abb, 1 veranschaulicht, eine neue, graziösere Sorm erhalten und wird sich zweifelsohne zu einer dazu paffenden Taille oder Bluse nicht übel ausnehmen,

Lei Abb, 2 sehen wir auch einen solchen hochmodernen pariser Aermel, der ebenfalls recht bauschig ist, a» der Land aber durch eine Spange, die oft aus Metall besteht und armbandartig wirkt, fest umschloffen wird, während unter diesem festen Verschluß wieder eine breite, volant- artige Rüsche hervorkommt, die fast die halbe Land bedeckt. Auch bemerken wir hier die tief herabhängende Schulter, die durch eine weit über den Aermel fallende Patte noch verstärkt wird Recht kleidsam werden diese Aermel sicher sein, wenn sie (n rechter weise angebracht und für die dazu paffenden Gestalten verwendet werden, kleinere Siguren täten allerdings gut, auf diese neue Mode zu verzichten, während sie sich bei großen, schlanken Damen sicherlich gut ausnchmen wird, Ts gibt ja so viele verschiedene Sormen auch bei den Aermeln, daß gewiß jede nicht nach dem ersten Lesten zu greifen braucht, sondern sorgfältig das eigens für sie Geeignet« auswählen kann.

Abb. I. Moderner Uitt-rZ»u!«l.

Die Damenweste.

wiederholt haben wir gesehen, daß die Westen der Damen nicht viel mit denen der kerrcn der Schöpfung gemein haben , und doch finden wir manche Westen, formen, die sich in Nichts von denen der Männer unter- scheiden, so daß ivir getrost die Weste irgendeines unserer männlichen verwandten anlcgcn können, ohne auch nur im mindesten damit aufzufallcn.

Unsere Abb, Z zeigt ein solches Exemplar von Iveste, das, da es zu einem korfettlofcn Jilciö getragen wird, ein äußerst charakteristisches Beispiel für die von uns ausgestellten Lehauptungen bietet. Ans schwarz-weiß gestreifter Seide gefertigt, ist diese Iveste leicht blusig ge­halten und wird, ganz wie die Lerrenweste, in der vor­deren Mitte mit Knöpfen geschlossen. Das Rückenteil kann, wenn man Stoff sparen will, aus Satin gearbeitet werden, wie die meisten lose» Ueberzichwesten wird auch diese über die Linse gelogen und dann mittels Druckknöpfen am Jackett befestigt, damit man die Jacke leicht mit der Iveste zusatnmcn aiiszichen und cbensoleicht zusainmen wieder anzichen kann, Lei jeder Weste einerlei wie sie gestaltet sein mag sollte man diese Vorrichtungen anwenden, denn cs macht durchaus keinen angenehmen Eindruck, wenn man Damen sieht, die sich der Jacke und Weste einzeln nach und nach entledigen, sobald sie aus dem Sreien kommen und einen geschloffenen Raum betreten, Lelene Grub«,

Heber Fußbekleidung von den ältesten Zeiten bis zur

Gegenwart.

weit mehr noch am Schul, als am J^feib erkennen wir den Charakter der gesellschaftlichen Klasse des Menschen,

Schon in den ältesten Seiten umwickelten die alten Lgnpter ibre Süße mit einem Palm- oder Papyrusblatt, auf dem sie langsam und gesetzt einherschritten, Die Sandalen der alten Griechen und der Kothurn der Römer wurden bald von den roten Schuhen der phrygier über­troffen, und die Eqnptcr begnügten sich im Laufe der Jahre auch nicht mehr mit dem einfachen Palmen- blatt, sondern verstanden cs bald, reizende Sandalen und Schuhe aus Linsenglas zu flechten,

Lei den alten Germanen wurde das Palmenblatt durch ein Stück Ticrliaut ersetzt, doch schon um die Seit Ludwigs des Srommen trug man lederschuhe mit Lolzsohlen, die oft mit Gold und edlen Steinen be­setzt waren. Nach und nach jedoch wurden die Schuhe immer spitzer, so daß diese Spitzen mit Werg ausgestopft werden mußten.

Diejenige», die heute gegen manche ertra- vagante Schuhmode eisern und glauben, ein solcher Lupus sei etwas ilnerhörles, noch nie Dagewefenes, befinden sich in einem großen Irrtum, In den ver- schicdensten Museen Deutschlands und -es Aus- landes finden wir Schuhe aus dem IS,, 1(5. und

17 . Jahrhundert von einer Pracht und Kostbarkeit des Materials, daß auch der prächtigste neu­zeitliche Schuh kaum dainit wetteifern kann, Weiße Atlasschuhe, mit bunter Seide kunstvoll bestickt und mit kostbaren Edelsteinen verziert, bildeten auch schon einen Lauptschmuck in der Damengarderobe zur Seit der Königin Elisabeth von England, und -zu Anfang des IS, Jahrhunderts wurden auch Schuhe aus kostbaren Lrokatstoffen, mit kermelin umsäumt, getragen. Jm 17 , und 18, Jahrhundert trieben selbst die kerren einen unerhörten Luxus mit ihrer Sußbekleidung, und sowohl Sranz t. Mit feinen kostbaren weißen Atlasschuhen, wie Ludwig XV., der nicht minder kostbar beschuht war, und dessen rote Absätze an seinen Schuhen ihn schon von weitem erkennen ließen, geben uns ein Leispiel von der Schuhmode ihrer Zeit.

w>e bei den antiken Sandalen, so finden wir auch heute vielfach den durch .Kreuzbänder" erzielten Verschluß, Allerdings sind die Schuhe nicht von so primitiver Art wie die Sandalen, sondern aus feinstem Lackleder, Tuch oder Seidenstoffen, zu der Sarbe de; Kleides paffend. Lreite Länder aus glänzendem Atlas legen fich kreuzweise über den Sufi und enden meistens oberhalb des Knöchels (wie Abb s veranschaulicht), wo sie mittels einer Sch-alle geschloffen werden, (Siebe Abb, Z.)

Weiße Schuhe mit breiten, schwarzen lackkappen, Schube, die bis auf die Zehenspitzen ganz durchbrochen und dort nur mit etwas Stoff unterlegt werden, der zum Kleid paffen muß (siehe Abb, S) find als Straßenschuhe nichts Ungewöhnliches und im vergleich zu den prunkhaften Abendschuhen

Abb. «.

Welt«» 8»xt> mit c»(N«»pe.

Abb B. »uttt« S-abalz

Daß zu solchen kostbaren Schuhe» gleich kostbare Strümpfe getragen werden, ist begreiflich. Aus feinsten echten Spitzen, bestickt und bemalt, mit glitzernden Steinen übersät, repräsentiert auch der Strumpf mancher Mondäne heute ein Veen gen. Doch haben wir deshalb keinen Grund, diese» unerhörten Lupus auf unser .entartetes Zeitalter" zu schieben, denn zu allen Zeiten und bei allen Völkern gab es ähnliche Uebeririebenheiten, die damals, wie heut« von einsichtsvollen Menschen nicht mitgemacht wurden. Selbst wenn ihre Kasse er ihnen gestattet«, bemühten sie sich, die Moden des Tages für ihre Ledürfniffe einfacher zu gestalten und jede Extravaganz als unstatthaft zu verwerfen.

L, G,

Bibliothekarisch arbeitende Frauen.

8u den Srauenberufen, die erst im letzten Jahrzehnt entstanden und sich lebensfähig entwickelt haben, gehört der der L>blioth«Karin,

In einer dem Ministerium 1902 «ingereichten, auch auf verschiedenen Versammlungen der Deutschen

Libliotheken günstig beurteilten Denkschrift befür­wortete Libliothekzdircktor Ätto Lartwig die Verwen­dung von Srauen als Lilfskräfte »i wissenschaftlichen Libliotheken, Infolgedessen fanden, besonders in Lerlin. Lilfsarbciterinnen zur Entlastung der wissenschaftlichen Leamten Anne li.ng.

De Tätigkeit der an wissenschaftlichen Libliotheken arbei-enden Srauen besteht in Titelaufnahmen für die Kataloge, in bibliographischen Arbeiten, Sührung der Accesnons Journale und der Zeitschriftenfortsctzungslisten, im Verkehr mit dem Buchbinder, in Ordnungsarbeiten und ähnlichem. So spielt sich ihre Lcschäftigung meist hinter den Kulissen der innere» Verwaltung ab.

An der Volksbibliothek tritt dagegen der Verkehr mit dem Publikum in den Vordergrund, Da sich die Volksbibliothek grundsätzlich von der wissenschaftlichen durch ihren Lüchcrbestand und die Oualität ihrer Leser unterscheidet, so ist auch die Organisation und Ver­waltung in ihr anders als in wissenschaftlichen Lücher- sammlungen. Licr >nuß die Libliothekarin neben der Beamtin auch Leiterin des Publikums sein. Sie muß vor allem pädagogisches Talent besitze», um den Geschmack der Leser, ohne daß sie cs selbst merken, bessern und leiten zu können. Dazu gehört natürlich eine große Belesenheit auf allen Gebieten, um für de-, einzelnen immer das passende zu treffen. Ist die l iksbiblio- tkekarin zugleich Verwalterin, so liegen ihr auch alle verwaltungsarbciten ob. Sie muß die Lücherver- zeichniffe vervollständigen, das Zugangsjournal führen, die zcrlcsencn Lücher ausscheiden, die Ausleih- und Lejerstatistik führen, die pünktliche Rückgabe der ent­liehenen Lücher überwachen und die Mahnungen ver­anlassen, die kaffe über verkaufte Kataloge und Ouit- tungen führen, Lesekarten ausstellen, den Lilfsarbeite- rinücn und Dienern ihre Lcschäftigung anweisen, Neu­anschaffungen bewirken, wobei sie nach Möglichkeit den wünschen der Le-er Rechnung tragen und die neuen Werke kennen muß. Außerdem bleibt noch der Verkehr mit dem Luchbinder und die Vertretung der Libliothek nach außen,

während für die Lcschäftigung an wissenschaftlichen Bibliotheken eine theoretische Vorbildung unumgänglich notwendig ist, erhalten die Srauen ihre Ausbildung für den Dienst an Volksbibliotheken vielfach in diesen selbst. Sie treten als volontärinnen in die Praxis, Die auf diese weise zuerst gemachten versuche in der Lesehalle der Gesellschaft für ethische Kultur, in der Lamburger Bücherhalle, in der Lharlottenburger Volksbibliothek und in der Elberfclder Stadtbücherei hatten guten Erfolg, In theoretischer Linsicht wirkt diese Aus­bildung jedoch vielfach einseitig, Sa sie den jeweiligen veihältuih'cn der ibliothcken ange.ußt ist. Line allge- mcincre theoretisch« Ausbildung ist deshalb vorzuzichcn. Das Ziel, Stauen zum Dienst an wissenschaftlichen und volkstümlichen Libliotheken vorzubereiten, verfolgt das Unternehmen des Prof, Dr. wolfsticg, Berlin, des Direktors der Libliothek des Abgeordnetenhauses, der feit 1002Kurse zur Ausbildung von Libliothekarinnen abhält, 21» den Unterricht, der sich auf alle Zweige der Bibliothekswissenschaft, auf die Geschichte der Literatur und der Philosophie, auf philosophische pro- pädeutik, Aesthetik und Sozialpädagogik erstreckt, schließen sich praktische Ucbungen in der Libliothek des Abgeordnetenhauses, Besuche anderer Liblio­theken,' technischer 2lnstaltcn und einiger Luch- händlcrinstilutc in Leipzig an. Weihnachten endet der (,» März jedes Jahres beginnende Kurius mit einer Prüfung, Aufnahmefähig sind im Alter von 10 20 Jahren stehende Stauen, die eine höhere Töchterschule oder die Obersckunda eines Mädchen- gmunafiums absolviert haben, gute Kenntnisse in den neueren Sprachen, in der Literatur, der Steno­graphie und im Maschinenschreiben besitzen und ein Jahr in einer Bibliothek oder Buchhandlung als volontärin gearbeitet haben. Schon 1000 gründete Prof, Dr. Lottinger eine Libliotkekarinnenfckule in Lerlin, in der die Schülerinnen nach Trendigung des Kursus eine Prüfung ;; ^öen,

v« -."---"3 zu dem »och jungen Beruf ziemlich stark ch"worden, so ist es freudig zu begrüßen, daß die Ausnahme- und Vorbedingungen für ihn durch den mfhsüerteilen Erlaß, betreffend die Einführung einer Diplomprüfung für den mittleren Libliotheksdienst vom iC. eine

Regelung erfahren hat. Jährlich wird mindestens eine staatliche Prüfung abgehalieu

Abb, r, ermet mit Schnlterpatte-

Ibb, 4. Abb, 6.

Schube »ul Kreuzbänder».

ip deren

als einfach zu bezeichnen, vergoldete, mit Edelsteinen besetzte, bemalte und mit perlen bestickte, aus glänzendem Atlas mit echter Chantillpspitze überzogene Schuhe, die mit Diamanten besetzte, hohe Absätze sehen wir über das Parkett eines eleganten Lallsaals gleiten, als Abschluß einer

nicht minder praMNgen Toilette.

_ _ _ |iuuuiu/i y ui]uiiy uoyti/uuui ,

Zulassung der Nachweis der primareife eines Gnmnasiums. Realgnmnasiums oder einer Oberrealschule notwendig ist. 2lusnahmsweije kann bei weiblichen Bewerbern auch das Abgangszeugnis einer zehn- klafsigen höheren Mädchenschule genügen, wenn der Nachweis erbracht wird, daß sich die Bewerberin noch wenigstens ein Jahr in den wichtigeren Schulfächern fortgebildet hat. Außerdem ist der Nachweis einer mindestens dreijährigen Ausbildungszeit in den Prüfungsfächern erforderlich, von dieser Zeit wird wenigstens «in Jahr praktischer Tätigkeit im vollen Libliotheksdienst verlangt. Die Wege und Methoden der Vorbereitung sind noch in jedem einzelnen Salle verschieden, weil ein einheitlicher Lehr­plan nicht besteht. Der am häufigsten eingeschlagene weg ist der Besuch einer Libliothekarinnen- schul« und privates Studium, 1007 organisierten sich die Libliothekarinnen durch dieVereinigung bibliothekarisch arbeitender Srauen", mit den, Sitz in Lerlin, d,e es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lerufsintcreffen durch geschloffenes Vorgehen zu wahren. So unterhält sie eine Stellenvermittelung und veranstalte! auch verjanluitungsabende mit Vorträgen. Seit 1012 werden dieMitteilungen der Vereinigung bibliothekarisch arbeitender Srauen" in denBlättern für volksbibliotheken und Lesehallen" veröffentlicht. In der »n Srühjahr 1012 in Berlin statlgefundenen AusstellungDie Srau in Laus und Beruf" gab der Verein ein anschauliches Bild des Libliolhekarinnenberufes.

Seme Ausbildung geht mit der fortschreitenden Entwickelung des Bibliothekswesens in Deutsch, land Land in Land. Laup,sächlich aber erschließt sich auf dem Gebiete des volksbibliothckswesen« «in weites und dankbares Seid für die Srauen, Josephs Elstner.

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