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«irrtet,itzrtich 7b W«-, „rautzahlbar, frei in« Hau«. Ab,eh»lt tn tm^rrc **»eWtton oder in den Zweig, auggabestrllen nier»eli»hrl!ch M Psg. — Erscheint «itlw»che und EawStag». — Redaktion: Selter«, weg 88. — Kör «nsbewahrnng oder Rücklendung nicht »erltwgter Manutkrioik wird nicht garantiert. Verlag der „«irdener Zeitung" «. m. b. *
Expedition: Selters veg 85.
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Gtetzeucr Tageblatt)
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die 44 mm breite Petitzcile sür Auswärts 20 Pfg Tie 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewi: und Gröht berechnst. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung desZablung«. zieicL <30 Lage», bei gerichtlicher Beitreibung oder Konkurs in Weg'all. Piatzvorlchristen ohneBerbindüchle!:. Druck der Eiehcircr VerlagSdruckerei. Albin Klein
Nr. 2
Telep hon: Nr. 302.
Mittwoch, den 7. Januar 1914.
Telephon Nr. 882. 20. I 6 1)70.
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Zabern und Deuifc^um
Die deutschfeindliche Hetze in Elsatz-Lothringen hat der Herausgeber der Rheinisch-Westfälischen Zeitung, Herr Dr. Reismann-Groone, in emer sorlschrittlichen Versammlung gegenüber dem Abg. Wolf mii folgenden Ausführungen gekennzeichnet: „Elsatz-Lothringen isl
deuisch, und wir lieben dieses deutsche Voll jo wie jeden anderen deutschen Stamm. Aber dieses Land ist von einer Mut von Spionen, französischen Hetzern und Französlingen überzogen, und wie man ein Wall schützt, in das die See hineinschlägt, so mutz man Elsatz-Lolht- ringen besonders schützen. Die V e r f a s s u n ci ritz den Damm um. Seitdem sind die Zustände in Elsatz-Lothringen fürchterlich. Bor 10 Jahren halten wir drei französische Zeitungen, heute haben wir 15, und die Presse hetzt tagtäglich gegen alle Deutsche." Wolf erzählte über den Zaberner Fall eine Stunde, aber hier (Redner zeigt ein Bild der Wochenschrift „Durch Elsatz" vor) sehen Sie, wie man uns Deutsche andauernd beschimpft; hier sehen sie den deutschen Michel abgebildet mit der schwarzrolen Zipfelmütze als einen stoppelhaarigen Kerl mit roter Schnapsnase (Pfui!), und so wird in diesem clsässischcn Witzblatt, das in Tausenden von Eiemplaren übers Land geht, der Deutsche stets als ein abstotzender, gemeiner Kerl, vor allem der deutsche Wanderer als ein plumper, brillenbehafleter, unrassierter Bummler darstellt, der Franzose aber stets elegant, bildschön, meist in zärtlicher Beziehung zu der Elsässerin oder Lothringerin, während der tölpelhafte deutsche Liebhaber hinter chm her- läuft. Dies ist die Germania (Redner zeigt ein anderes Bild vor), ein gemeines Fischweib, mit Triefaugen, die deutsche Kaiserkrone auf dem Kops, die mit einem anderen Frauenzimmer zusam- die Verkörperung der deutschen Frau, Elsatz-Lothringen zerreitzt. (Pfninise und Tumult.) Hier ein Bild: der reitende Kaiser; hinter ihm laufen die deutschen Beamten und Offiziere und fangen entzückt in Hüten und Helmen Orden und den Dreck des kaiserlichen Pferdes auf. (Pfuirufe.) Und für die d e u t s ch e Frau gibt es immer nur ein Bild: ein ekelerregendes, f e t t- w a n st i g es, ungekämmtes Frauenzimmer, während die Französinnen und Elsatz-Lothringer- innen in der schicksten Form und Toilette erscheinen. Im Saale werden Schullehrer sein. (Redner zeigt ein Bild.) So werden deutsche Schullehrer in Elsatz an den Pranger gestellt: ein schlampiger Knote, der mit der Klopfpeitsche die Elsatz als Kind verprügelt; daneben steht wiederum die gemein karikierte Germania. Und so geht das in Hunderten von Abbildungen wöchentlich weiter. Ich zeige ein Blatt, aher Dutzende sind derselben Gesinnung. Was tut Abg. Wolf dagegen ? Nichts. S o werden wir Deutsche in Elsatz-Lothringen behandelt, öffentlich, ununterbrochen, in Tausenden von Bildern gedruckt, wir Schwowe haben keine Ehre — und da wagte man es, sich über den lächerlichen Fall von Forftner zu beschweren. Abg. Wolf sprach vom seinen Ton. Redner könnte hier stundenlang Bände vortragcn. Nur ein paar Beispiele: Der Abg. Hauh erklärte im el- sah-lothringischen Landtag: das Prinzip der deutschen Beamten im Reichsland sei der Stiefelabsatz und die Schnauze und ihr Patriotismus sei hündisch. Der Abg. Ostermeyer nennt in öffentlicher Sitzung des früheren Landesausschusses die deutschen Beamten Lumpen und Strauchdiebe. Der Abg. Dr. Häoy, der intimste Freund Wetterles, fordert die Nationalisten auf, bei der Landtagswahl dem deutschgesinnten Gegner „eins in das fchmuihtriefende Affengesicht" zu versetzen. Das ist die berühmte Doppelkultur! In Schrift, Bild und Wort wird seit Jahren das Deutschtum gemein beschimpft, der Deutsche als ein feiger und fieber Schuft dargestellt. Das Deutschtum steht in Elsatz-Lothringen am Pranger, und
der Deutsche ist rechtlos; vom Nachtwächter herauf bis zum Statthalter beugt sich alles vor den Französlingen, die das Land beherrschen, und die E «- mahlin des Statthalters schickt dem wegen Beleidigung eines hohen altdeutschen Beamten aus zwei Monate ins Gefängnis gesandten Wetterte Geschenke in die Zelle, und sie spricht mit Vorliebe bei öffentlichen Gelegenheiten französisch in einenr Lande, das seit 1870 zum Deutschen Reich gehört, und dessen Bevölkerung, auch soweit sie national-französisch ist, seit 43 Jahren den Segen der deutschen Schulbildung genietzt. Was ist der Fall Zabern? Die Generalprobe der Welschen, oh sich das deutsche Heer auch schon heute an die Wand drücken lätzt und ob der deutsche Offizier dieselben Beschimpfungen einsteckt wie der einzelne Altdeutsche und altdeutsche Beamte. Ich bin kein Offizier, aber ich bin den deutschen Offizieren dankbar, das; sie antworten: wir lassen uns nicht als Kanaille behandeln. (Tosender Beifall.) Auch wir lieben die bürgerliche Freiheit und werderv sie zU schützen wissen, es handelt sich aber nicht um BürgertUm Und Militär im Zaberner Fall, sondern um: deutsch oder welsch. Die Französlinge haben cs verstanden, aus einer lächerlichen Winzigkeit einen Kampf um die Freiheit in Elsatz-Lothringen zu machen, und nachdem sie in Elsatz-Lothringen gesiegt, haben sie das deutsche Volk mitgerissen. Aber ich sage: Das deutsche Volk und der Deutsche Reichstag sind hier von den Welschen schamlos belogen und betrogen worden."
v. Rruiter proresz.
Der Prozetz gegen den Oberst von Reutter hat seinen Fortgang genommen. Man mag sich auch noch ! so verschieden zU der Schuld des Obersten stellen, niemand, auch seine Gegner nicht, wird ihm seine Siym- \ pallste versagen können, denn freimütig fable er vor Ge- j richt au's und nahm alle Schuld allein auf sich. Auch ! wird jetzt klar, datz die Hauptschuld an der Zaberner ! Affäre die Bel,örden mit ihrer Taktlosigkeit tragen. Die ! „L. N. N." charakterisieren sie treffend und kurz folgendermatzen: „Das deutsche Volk hat nun wirklich ernsthaft genug davon, datz wegen kleinlicher Zwistigkeiten und Rechthabereien zwischen Militär- und Zivilbehörden in einer elsässischen Kleinstadt das Ansehen unseres Heeres nun schon wochenlang herabgesetzt und geschädigt wird, und datz die Feinde unseres Staates und Volkes glauben, sie konnten sich wegen der Passivität matzgebender Regierungsstellen — denn sonst wäre dieses letzte Stücklein doch unmöglich gewesen — jede Provokation unbestraft erlauben. Wenn jetzt nicht ein Ddnnerwetter dazwischenfährt, sc läuft unsere gesamte Staatsautorität Gefahr, dauernden Schaden zu erleiden."
In der gestrigen Verhandlung, dem 2. Tag, wurde mit dem Zeugenverhör sortgesahren. Man meldet sollendes :
Zeuge Leutnant B o e 1 t g e sagt über die Vorgänge am 0. und 10. November und am 28. November aus, arme neue Momente zu bringen.
Zeugin Frau Ewers, Inhaberin eines Zigarren- aeschäfts in Zabern, gibt u. a. an, wie ein Arbeiter in jenen kritischen Tagen in ihrem Laden geäutzert habe: „Von Mülhausen kommen uns jetzt die dortigen Genossen zu Hilfe." Sie gibt eine Reihe von Schimpfworten wieder, die in jenen Tagen zu hören waren, wie z. B. Drcckschwob! Als Zeugin geäutzert hatte, es werde offenbar
gegen die Offiziere gehetzt, wurde sie von dem Oberbürgermeister Knüpfer zur Zurücknahme dieser Ecklärung veranlatzt. Die Radaumacher sind nach Ansicht der Frau Ewers Leute aus der Umgegend gewesen. Dazu halbwüchsige junge
Leute aus Zabern. Was die b e s s e r e n L e u t e in Zabern anlange, so seien diese zweifellos nicht auf seiten der Unruhestifter. Im übrigen schildert die Zeugin den O b e r st e n v. Reutter als einen begeisterten E l s a h s r e u n d, der auch mehrfach seine Freundlich - keit durch Werke stiller Teilnahme an dem Elend, das kleine Leute betroffen, bewiesen habe.
Zeuge Leutnant Brunswick weitz sich einer Szene zu erinnern, wo 7 Arbeiter, jedenfalls auswärtige, am 29. November im „Karpfen" sich dicht neben die Offiziere setzten, Vive la srance riesen und heraus - fordernde Reden fühlten. Wie dem Wirt bekannt sein mutzte, hatten die Leute vor, das Gas herunterzureitzcn und Skandal zu organisieren. Das Erscheinen des Obersten von Reutter habe aber die Radaubrüder auf andere Gedanken gebracht.
Um 10 Uhr zieht sich der Gerichtshof zurück, um gegen die Berichterstattung der „Frankfurter Zeitung" Stellung zu nehmen.
Der deutsche Kronprinz hat dem Obersten von Reutter, sc wird jetzt bestätigt, kurz nach den Zaberner Demonstrationen ein Telegramm gesandt, in dem dem Oberst für sein Eintreten sür die Ehre und das Ansehen der Armee die Anerkennung des Kronprinzen ausgesprochen wurde.
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politische Rundfcbau
Deutschland.
* Der Herz o-g von Braunschweig trifft am 16. Januar in Berlin ein, um als Bundesfürst den Antrittsbesuch am deutschen K a i s e r h o f e abzru statten. Der Herzog wird von der Herzogin begleitet sein. Es wird festlicher Empfang und feierliche Einholung stattfinden.
* Die Berusungsverhandlung in dem Prozetz gegen den Leutnant v. F o r st n e r wurde aus den 10. Januar anberaumt.
Türkei.
* Konstantinopel, 6. Jan. E n v e r P a - s ch a ist znm Kriegsminister ernannt worden. Diese Beförderung hat auch auf die ältere Generalität einen vorwiegend guten Eindruck gemacht. Man verkennt den Vorteil nicht, den ein politisch homogenes Kabinett besitzt. In der französischen Presse wird allgemein darauf hingewiesen, datz Enver Bei derjenige Politiker der Türkei ist, der am meisten zu Deutschland geneigt ist.
flu$ 5tE und Land.
* Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr.
1 IG schreibt uns: „Junge Leute, die beabsichtigen, bei dem Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" Nr. 116, sowie bei der Maschinengewehr-Kompagnie in E i e - tz e n in diesem Herbst als Freiwillige cinzutreten, wird dringend geraten, sich den Meldeschein vor der Musterung zu besorgen, weil ihnen nachher Schwierigkeiten entstehen. Die Meldung auf dem Regimentsgeschästs -
i zimmer kann an jedem Dienstag vormittag erfolgen, j Besonders erwünscht sind: Schuhmacher, Schneider, Satt- j ler, Schmiede, Stellmacher, Schreiner, Schlosser, Köche, Maler, Weitzbinder, Mechaniker usrv."
! Hanau. (Eine rauflustige Familie.) Der Schrei- j ner I. Schömbo bekam in einer Wirtschaft Streit und - prügelte mit seinen vier Söhnen sämtliche Gäste hinaus. Am Schöffengericht erhielt Schömbo sechs Wochen
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