Ausgabe 
27.12.1918
 
Einzelbild herunterladen

Kummer 303 frnm m '^la, Frellagl, *tn 27 . vözcmvcr VJIH 11. Za^r-a ur,.

55 ,/ r rtK «ita«rt» endjeintden Werlla,. Rep.Imabtg. «et>a«en ..Der Lauer au» Hessen". ..Sie Sp-nnssab,". S-iuzspr-i»: Ls. den Poktanftalt-n mer^el,ährl.ch ««. '.w

Haw Tritt no« °°d L-.tsllgsld: den «aenteu mona.N» 1.W Ml. e.nichlletzlich Trügerlohn. Ameise«: *nmb.,etl« A. P.g. total« 20 Ui*, ««eigen O on auswar» ---den durch La.Nachnahme

' «Wen. Er/.»üna-°r. .Weobei,. HchrM.ett«»« und Y.rla, 'rriedver., , Hessen,. »ana..^-as,. 12. ^ern.eHm li B, "e -. L-«, « ® !

Gin Kefeh! Uerstjiugs.

Berlin, 23. Dez. (W. V.) General Pershing er­lief; an die dritte Armee, die als Besatzungstruppe in Aussicht genommen worden ist, folgenden Befehl: In Anbetracht der außergewöhnlichen Umstände, un'er denen dieser Teil der Vesatzungsarmee und die auf deutschem Gebiet weilenden amerikanischen Expeditionsstrettkräjte diene:?, wünscht der Oberstkommandierende den Offizieren und Mannschaften die Erwartungen zur Kenntnis zu bringen, die er inbczug auf ihr Verhalten hegt. Ihr seid nicht als Plünderer oder Bedrücker gekommen, son­dern nur als der ausübende Arm einer starken freien Negierung» deren Absichten dem deutschen Volke gegen­über von' Wohlwollen erfüllt sind. Wahrend unserer Besetzung steht die ZivilsBevölkerung unter dein besonderen Schutz der Pflichttreue und Eh-e der amerikanischen Armee. Deshalb ist es der Zweck dieses Befehls, sich direkt an Euren Stolz zu wenden und an Eure Eigen­schaft als Vertreter einer mächtigen und rechtschaffenen Nation. I r der festen Ueber.zeugunz. das; Ihr Euch in Euren Bestehungen zu der deutschen Bevölkerung so verhalten werdet, dag sie Euch und das Land, das Ihr zu vertreten die Ehre habt, ächtet, obwohl Ihr zu ihnen als erobernde Armee kommt, werdet Ihr leiner- lec Uebetwollen den Bewohnern gegenüber an den Tag legen; andererseits seid Ihr gegen ein Verhalten gewarnt, das sich nüt Eurer Stellung als der ausübende Arm einer Militärherrschaft nicht verträgt. Solange der Kriegs-uftand anhält, bleibt Deutschland ein feind­liches Gebiet und dürft Ihr keine vertraulichen Be­ziehungen zu seinen Bewohnern unterhalten. Ein wür­diges, zurückhaltendes Benehmen mutz stets Eurerfeits beobachtet werden. Es ist nicht anzunehmen, datz irgend­wie Plünderungen oder Gewaltakte von Teilnehmern der amerikanischen Streitkräfte begangen werden könn­ten; soäte sich jedoch jemand vertrauensunwiirdig er- wci en, so werden diesen Taten nicht nur als Ver­brechen gegen die Opser angesehen, sondern als ent­ehrend für die amerikanische Armee und als direkte Beschimps..ng des Banners der Vereinigten Staaten. Sollten solche Ueberschreitungen Vorkommen, so werden sie mit den härtesten Strafen unserer Militärgesetze bestraft,

«

Berlin, 23. Dezbr. (W^ B.) Nach Mitteilung der deutschen Wafsenäillstandskommission wird amtlich mitgeteilr, datz in Kehl gestern mehrere Frauen von Straßburg durchkamen, die sich über Belästigungen an der Rheiubrücke ourch französische Ojfiziere und Sol­daten mit unpassenden Reden beschwerten. 2m Eepäck- revifionsraum mußten die Frauen vor den Soldaten und Offizieren ihre Blusen offnen und wurden von den Soldaten lpiperlich abgetastet. So erging es unter anderem der Ehefrau des Feldwebels Engel sowie der schwangeren Ehefrau Marie Bernhardt.

Die Wahlen im befehlen Gebiet.

Berlin, 23. Dez. (WB.) Um die Wahlfreiheit für die Nationawersaiumlung in den besetzten Gebieten zu sichern, sind seitens der deutschen Waffenstillstandskommission am 23. Dezember in Sp'aa felgende dringende Forderungen übernommen worden:

1. Freiheit für alle amtlichen Bekantmachuneen ül r>ie Nationalversammlung-, 2. Freiheit für alle staatlich L.gaue, welche mit der Ausstellung der Wählerlisten, i Zeit der Wahlhandlung den Entscheidungen über Besch.v« den über die Aufstellung von Wählerlisten, sowie der F. steüung des Wahlergebnisses beauftragt sind; 3. baldig Regelung d^s gesäniten Personenverkehrs zwiscstm dem > setzten und den nickst besetzten Gebieten im Sinne eir weitherzigen Entgegenkommens, wie es Fach in Trier i ^agte. Insbesondere müssen die Vorbereitungen für die A stellung der Wahlvorschläge ungehindert alsbald getrofs werden. Die Wahlvorschlägc.sind bis zum i. Januar kr fceui- festzustellen. Tie Parteiführer müssen die Mcgli eit haben, «ngchinver! sick- im rcckis. und linksrheinisch ru dc, die Wahlkreise besetztes und nicht 1

/ 1 ; i'j'fn'fen. Die E> iüllung Hef«| Forüeru

r,;i, /' ber / Kia:tla Sn sonst tue oanje Wshchaudlung i fl. ng fern konnte: 4 Feeshe-t 1

S,!!? 1 !/" ^setzten Gebiets, jo daß Redner « ^ r In ^ besehten Gebiet wohnen, sich d>

ftcr bewegen können- 5. Versammlungsfreiheit für a Wah.versammlungen zur Skationasversammiung und ftv VU m der Verteilung der Flugblätter u..d Stimmtet

ttu äU ' ficf,t Besatzungsbeho.de..: ' 6 fr rechtsrheinischer Zeitungen mindestens von j.

S°« isst her Nationntverjammlung.

-Die Ansicht Dindenbürgs.

Berlin, 23. Dez. (W.BZ Die Zeitung ..Republik" veröffentlicht einen Brief Hindenburgs an Wilhelm ll. vom 27. Januar 1917. irr dem die Aussichten eines Friedensschlusses mit Nutzland und das Hindernis be­handelt wird, das die Perwn des Reichskanzlers Beth- mann für einen Friedensschlutz mit den Westmächten bilden werde. Hindenburg charakterisiert das Verhal­ten der Berliner Presse gegenüber Veihmann-Hollwea, wobei er betont, daß die großen rechtsstehenden und parteilosen Blätter in einem mehr oder weniger schroffen Gegensatz zum Kanzler stehen, während einzelne große sozialdemokratische und linksliberale Blätter, die Velh- mann bis dahin gestützt hät en, nun nach einem Kanz­lerwechsel zu streben beginnen. Diesen Wechsel erklärt Hindenburg mit dem Zweifel der linken Presse, ob der Kanzler ihren Wünschen nach Parlamentarismus ent- gegenkommen würde. Eine Mehrheit für die Politik des Kanzlers bestehe demnach nicht trotz der Zustim­mung des Reichstages zu seiner letzten Rede, und de? Feldmarschall erklärt. daß er überzeugt sei, daß die Führer der rechtsstehenden Parteien seine Meinung teilen. 2m Zusammenhang damit empfielt er nun Wilhelm II., mit den politischen Führern des Volkes Fühlung zu suchen. Am Schluß des Brieses heißt es:

Die sozialdemokcralischen Tendenzen sind in Wahr­heit bei weitem nicht so verbreitet, als es nach dem Auftreten ihrer Führer und der Nückächt. die sie genießen, angenommen werden kann. Zu Beginn des Krieges sagte sich der sozialdemokratische Teil der arbeitenden Bevölkerung überhaupt von seinen Führern los. sodatz diese einlenten mußten. Leider übernahm es die Re­gierung nicht, nun ihrerseits die Führung zu übernahmen. Die führerlose Masse ist dann allmählich wieder in die Hand der sozialdemokratischen Häupter gekommen. Aber heute gibt es mehr denn jeMitglieder". Gefährliche Anzeichen des 'Wachstums sind vorhanden. Es ist hohe Zeit, daß die Regierung die Zügel straffer nimmt. Die schwerste Sorge ist augenblicklich das Sinken der Stim- mung im Volke. Sie muß behoben weiden, sonst ver­lieren wir den Krieg. Auch unsere Bundesgenossen bedürfen einer starken Rückenstärkung, sonst ist die Ge­fahr vorhanden, datz sie aäfallen. Dazu gilt es im Innern die schwierigsten wirtschaftlichen und für die Zukunft bedeutsamsten Fragen zu lösen. Es entsteht die Frage, ob der Kanzler zur Lösung dieser Fragen und sie muffen richtig gelöst werden, sonst sind wir verloren imstande ist."

Die Dnruhcn in Dertin.

70 Tote.

Berlin, 24 D^z. (WB.) Der Matrosenputsch gegen die Reick-sreg'erung. der gestern abend eine Anzahl Opfer forderte nahm heute in den frühen Morgenstunden seine Fortsetzung und kostete eine große Anzahl Tote man spricht von über 7 0. Die Gardetruppen, die sich des Marstallgebäudes benzächtigen sollten, rückten mit Artillerie heran. Nach den bishettgen ziemlich unklaren Meldungen soll zuerst von Matronen in der Annahme geschossen worden <r.n, es handle sich um eine Gegenrevolution königs­treuer Truppen. Daraus setzte das Artillerieseuer ein, das eine verheerende Wirkung hatte. Das Marstallgebäude und das Schloß sind stark beschädigt, ebenso die anr Schloß gelegenen Häuser, in denen sich viele Gesck)üftshäuser befin­den: kaum eiie Fensterübeibe dürfte dort ganz geblieben sein. Die Drähte der elcftiifd>cn Straßenbahnleitungen wurden durch die Gesckiosse zerrissen und liegen teilweise auf den Straßen oöer hänaen von den Masten herunter. In der Kövenickerstraße wunde eine Kontoristin, die iin Büro einer Druckerei im vierten Stockwerk bei ihrer Arbeit saß. ton einer verirrten Kugel getroffen und auf der Stelle ge­tötet. Sprengstücke der Gesck-oss» flogen bis in die König- straße hinein Ter Straßenbahnverkehr war vielfach unter­brochen. Alle Magen, die sonst den Schloßplatz passierten, nrllßte.n abgelenkt werden. Eins der Opfer, ein Marine­flieger wurde nach dem Polizeipräsidium getragen: hier

war-en inzwisck-en etlva 20 Offiziere, die man gefangen ge- nornmen hatte, dem Polizeipräsidenten zu ihrer Lcrnehniung vorgeführt worden. Sie erklärten, daß sie ans Vefol)l der Negienwg Ebert-Haale gebandelt hätten und k^ ihnen eine Gegenc^volution völlig fecn läge. Sie wurden Voraus vor­läufig in Schmtzhaft ge-halten. Die im Marstall noch vor­handene Munition wurde von Sicherheitsmannschaften ab­geholt.

Mähend des Fnrerkanipses in der Nähe des Schlosses drangen gegen 1t Uhr, als an einem Fenster des Mar- llalles die weiße Fahne sich zeigte. Tausende von Zivilisten durch die Absperrung, überschritten, vom Zirktis Busch kom- «renid, die Kaijer Fnedrich^Brücke und samnreiten W -wi-

sck)en dem Dom und der Nationalgalleiüe. Als die Schieße­rei 'aufgehärt l>atte, wurde die schwache Absperrung am Lnsl" garten, die von der Soldatenwehr übernornmen war. durch brochen und in dichten Massen fluteten die Zivilisten auf das Schloß zu. Zuerst glaubte man. eS feien Neugierige, aber bald wurde man gewahr, daß es sich nur um eine De­monstration handelte, die sich vielleicht zu einer Aktion ent­wickeln könnte. Die Zivilisten kamen bis an das Schwß heran und drangen teilweise sogar in die Höfe ein. Eins 9^achricht an die Konrmandantur besagte, daß die Zivilisten stck) in den Besitz von Maschinengewehren gesetzt hätten. Daraufhin rückten ans dem Depot neue Mannschaften der? Soldatenwehr heran, sperrten die Sckstoßbrücke ab und ver- sucksten die Massen zurück.zudrängen. Zugleich würden dig in die Schloßhöfe Eingedrungenen von dortigen Mannschaf' ten von der Garde-Kavallerie-Brigade Hinausgetrieben. Während der Waffenparffe erzählten die Matrosen, daß von allen Seiten und aus den Vororten Garde-Itegimenter- in Anmarsch seien, die. von den Matrosen telephonisch her­beigerufen, mit diesen gemeinsame Sackte machen wollten, so daß den Truppen, die um das Schloß und den Marstall stehen, nichts anderes übrig bliebe, als sich zu ergeben. Diese Auffassung bestätigte sich später picht, denn einige Mi^ n-uten vor 11 Uhr mußten die Matrosen in dem Schloß und denr Marstall kapitulieren.

Zum Schutz der Regierung.

Berlin, 24. Dez. (WB. Amtlich.) Das Eingreifen von Truppen in die gestrigen und heutigen Unruhen in Berlin diente lediglich dem Zweck, die Regierung Eöert- Haafe gegen die meuternden Matrosen zu schützen. Treu ihrer Verpflickstung, die sie vor ihrem Einrücken in Berlin für die Regierung übernommen haben, haben sich die Trup­pen eingesetzt, um zu verhindern, daß die Erfolge der Re­volution dlirch das unberechtigte Eingreifen von aus selbst­süchtigen Gründen meuternden Angehörigen der Marine in Frage gestellt werden.

Die Matrosen «nd derVorwärts".

Vcrltn, 24 Tez. In den späten. Abendstunden fuhren Matrosen der Volksmarinediviston in einem Pailzerauto vor dem Gebärude des ..Voigvärts" vor. Die Wack-e der repubn- konischen Bürgerwehr vern>e'igerte den Matrosen den Ein­tritt, ließ aber schließlich eine Deputation von drei Mann passieren. Diese Abordnung erklärte dem Ehe-sredakteur Stampfer, sie seien gekommen, um zu kontrollieren, was derVorwärts" Liber die Vorgänge in der Koummndantur schreiben werde. Sie würden nickft dulden, daß derVor­wärts" einen Bericht, der den Interessen des Wels dienen konnte, veröffentlick>e. Ter Ehefredakt'.*ur erwiderte der Deputation, daß derVorwärts" sich nicht beeinflussen * lasse und das schreiben werde, was im Interesse der Arbei- tcrjdxift richtig sei. Darauf erklärten die Matrosen, daß sie der Schriftleitung im Laufe der Nacht einen zweiten Besi'ch machen würden, um sestzustellen, was derVorwärts" geschrneben habe.

Die Regierung abermals, guruckgewichen!

Erne Vereinbarung mit ven Matrosen.

Berlin, 24. Dez. In den späten Abendstunden wird folgende Vereinbarung zwischen der Regierung mb den Ma­trosen bekannt:

Die Matrosen räumen das Schloß unter Beibehaltung ihrer Waffen: sie werden mit der republikanischen Solda^en- wehr vereinigt und treten gemeinsam mit dieser unter das Kommando der Komniandantur. Die Alarnrbereitsck)ajt aller Turppen wird aufgehoben."

Diese Vereinbarung sagt deutlich, daß die Matrvsen ihren Willen durckieketzt haben und die Regierung Ebert- Haase vor ihnen zurückgewickzen ist. Das einzige Zugeständ­nis, das sie dieser Regierung, die das Eingreifen der Truppen Legen dis meuternden Matrosen veranlaßt hat, nwchen, liegt in der Räumung des Schlosses eine rein äußerliche Konzession. Im übrigen haben aber die Matrosen ihre Hauptforderung, in Berlin bleiben zu können und z.var olil Mitglieder ber republikanischen Soldatenwehr, durck-gesetzt

Ruhiger Verkauf der Feierlnge.

Verttn, 25. /Dez. (W. BZ Berlin bat heute, am ersten Weihnachtsfeiertag ein ruhiges Bild. Taufende van Menschen besichtigten die Stätten der gestrigen blutigen Ereigniffe und die Velwüftungen, die das königliche Schloß sowohl wie das Marstallgebäude er­litten hattet». Am Schlöffe fällt insbesondere die Zer­störung der großen mittleren Fenster über dem Haupt- pocial und eine Beschädigung des Balkons auf, von dem der Kaiser am 4. August 1914 das Wort sprach: Ich kenne keine Parteien mehr!" Das berühmte Er- sandersiche Portal des Schlosses ist glücklicherweije un- veffehrt. Auch das Denkmal Kaiser Wilhelm I. ist nicht ernstlich beschädigt, obwohl es zahlreiche Spuren von Flmtenschüssen auswefft. Am Eiten mitgenommev