Nummer 298 Einzelpreis
Donnerstuff, den 19 . Dezember 1818 II. Iah, gar <
Die Cayes,rtt»ns" erichemt zeden Wertta^. Nepetmatzige Beilagen „2er Kauer aus Hessen", „Zie SpLnnssude". Sszugspreia: Bei den Postanitalten vrerleljährllch ‘'Ml 2.70
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Berlin, 17. Dezbr. (W. SB.) In der heutigen Vollsitzung der ständigen Waffenstillstandskommiffion in Span wurde die Entscheidung von Marschall Hoch mitge!eilt, nach der das Verbot der Einfuhr rechtsrheinischer Zeitungen in das besetzte Gebiet aufrecht erhalten wird. Die Anwort des französchen Marschall lautet: Die militärischen Behörden der alliierten Heere haben in den besetzten Gebieten das unbeschränkte Recht der Kontrolle und Zensur über die'deutschen Zeitungen. Indem sie den Vertrieb rechtsrheinischer Zeitungen in diesen Gebieten untersagen« haben sie lediglich von diesem Rechte Gebrauch gemacht und zwar aus Gründen, deren Beurteilung nur ihnen zusteht.
Der amerikanische General Rhodes teilte mit, daß nach einem soeben aus Berlin eingelamenen Bericht amerikanischer Delegierter die in einer früheren Sitzung er Waffenstill'stackdskommijsion vorgebrachten Behauptungen über Mißhandlung amerikanischer Gefangener in Karlsruhe unbegründet feien. Das amerikanische Oberkommando sei damit beschäftigt, den Ursprung dieser falschen Geruhte sestzustellen.
Die deutsche Waffenstillstandskommission: Staatssekretär Erzberger.
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Köln. 17. Dez. (W. V.) Von morgen ab wird -der Fernsprechverkehr zwischen dem besetzten Gebiet und den übrigen Teilen des Reiches gesperrt. D e Sperre des Post- und Drahtverkehrs trit/ erst Samstag Mitternacht in Kraft. Das Telegraphenamt nimmt keine Telegramme nach Saarbrücken an.
i rr Mrlr-11 des KrllMiMrrs.
Berlin, 17. Dez. (W. V ) Kn'egsminister Scheuch erklärte einem Vertreter der „Rationalzeitung" über leinen Rücktritt:
Maßgebend für mich waren dis unerhörten Verleumdungen und Herabsetzungen des Ossizierkorps. Die Hetze fing am 9. November an. Damals wurde berichtet. daß sich Ossiziere im Mar'tall, im Schloß, im Kaffee Viktoria und bei Aschinger verschanzt und aus das Volk geschossen hätten. Kein Wort daoon ist wahr. Trotzdem haben die gegen die Offiziere erhobenen Anklagen bis heute fortgedauert. Die von mir erteilten, natürlich von Herrn Göhre gegengezeichneten Ve'ehle dringen nicht bis nach unten, da unverantwortliche Stellen r nd Personen ihre Ausführung zu verhindern wissen. Ferner wurde in der vorigen Woche ein mir unterstellter O fizier, ohne daß mir vorher irgendwelche Mtteilung genaht wurde, verhaftet. Trotz meines mehrmaligen Einspruches, blieb er, dessen S huldlosigkeit erwiesen mar, fünf Tage in Haft. Ich ernannte den Kommandeur für Potsdam, und zwar eine sür diesen Posten geeignete Petson. Der genannte Offizier konnte sein Amt nicht anneten, da ein Soldat des Potsdamer Arbeiter- und Soldatenrats erklärte, er sei der Kommandeur von Potsdam. Mit Herrn Göftre bin ich stets gilt ausgekommen. Auch bestanden zwischen dem Rat der Volksbeausiragtenund mn niemalspersönliche Differenzen.
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nimmt einen Verlauf, der die schlimmsten Befürchtungen übersteigt, die man iüc diese Veranstaltung h.'gen konnte. Zwar sind die aemäßiaten Elemente augenscheinlich in der großen Mehrheit, aber was nutzt das, eine Handvoll ..Unentwegter" beherrscht die Lage und macht eine ersprießliche Beratung ganz unmöglich, so daß die gestrige Tagung in wüsten Radauszenen ihren Schluß fand.
Man sollte denken, die Rot der Zeit hätte die Delegierten veranlaßt, ernst darüber zu sprechen, auf welche Weise man den Ausbau des darniederliegenden Vaterlandes am besten zu bewerkstelligen sei, daß dieses Ziel einzig und allein der Gegenstand der Tagung sein sollte. Weit gefehlt, mit persönlichen Zänkereien wurde die Zeit lotgeschlagen, die Mahnung des Soldatenrates Rabe aus Brandenburg: die beste Sozialisierung im Augenblick wäre, dem Volle Frieden, Freiheit und Brot zu schaffen, verflog in die Winde. Verdächtigungen der Offiziere wechselten ab mit Angriffen aus Eoert und die Oberste Heeresleitung. Als Landsberg eine gemäßigte Rede hielt, die vor allem zur Ordnung mahnte, entstand eine lange Grschäftsordnungsdebalte darüber, daß er zu lange geredet hätte, schließlich mußte die Vormittagssitzung unter großem Lärm geschloffen werden. Am nachmittag ging es noch toller her. Le- debour und Barth beherrschten den Saal. Barth, der das Schlußwort hatte, fiel dabei seinem gemäßigten Kollegen in den Rücken. Er verlangte, daß mit der
Militärkamarilla Schluß gemocht, er hätte sich vergebens bemüht, eine Verständigung mit Moskau und Warschau zu erlangen. Als er dabei das Wort ..nationale Ehre" gebrauchte, erschollen lebhafte ..Pfui"- Rufe. Er stellte den Antrag: Jedweder Grenzschutz, soweit er zur Demobilisierung nicht notwendig ist und das heißt lediglich zur Überwachung der Bahnen, ist sofort im Osten und Westen aufzuheben. Alle Truppen sind sofort zu demobilisieren. Alle Offiziere sind bei Ankunft in der Garnison zu entlassen, wobei die Kosten für die Ausbildung zu einem bürgerlichen Berir zu übernehmen find und den älteren oder kranken Ofsiüe- ren Pensionen zu zahlen sind. .Dis Volkswehr ist schleunigst in ausreichendem Maße zu schaffen. Ebert protestiert geoen die'es Verl-alten. Ueber all' diese Fragen l abe im Kabinett Einstimnrllzktztt geherrscht, und Barth hätte ni.I)i widersprochen. Wie könne er einen derartigen Antrag zur Abstimmung vorlegen, über den noch gar nicht verhandelt worden wäre. Abermals^ setzte eine Geschäftsordnung mit dem begleitenden Lärm ein. Da erschienen plötzlich etwa 30 Soldaten, von denen jeder ein an einer langen Staune befestigles Plakat trug mit der Inschrift eines der in Berlin liegenden Ersatztruppenteils. Ihr Führer verlas eine Erklärung» wonach sie die bett. Truppenteile hinter d i e Regierung stellten, die zur Durchführung der sozialistischen Republik bereit wäre und die gegen die Auflösung und Heimsendung der Volks-Marme-Division sei. Der Kongreß solle darüber sofort entscheiden. Wieder entstand eine lebhafte Geschäftsordnungsdebatte, wieder erscholl Geschrei und Lärm, der ?um allgemeinen Wirrwar flieg und jedes geordnete Verhandeln unmöglich machte. Ein Teil der Mehrheitssozialisten verläßt infolgedessen den Saal, als Haase beantragt, über den Antrag am nächsten Tag an erster Stelle zu beraten, kehren sie zurück und der Antrag wurde angenommen. Das Abstimmungsergebnis wird, wir folgen einem Bericht der „Frankfurter Zeitung", von den Vertretern der äußersten Linken und den Tri ünenbe- suchern mit ungeheurem Lärm ausgenommen. Der Vorsitzende schließt schnell die Sitzung. Der Saal leert sich langsam. Die Leute von der Abordnung der Soldaten schwingen drohend die langen Stöcke gegen die Kongreßteilnehmer, ballen die Fäuste und halten um kleine Gruppen, die sich um sie gebildet haben, in schreiendem Ton Ansprachen.
Die Frredcnsverßkttdlnttrjktt.
Rotterdam, 17. Dez- sW.B.) Der „Rreuwe Rot- terdamsche Courant" meldet aus London: Ende die'er Woche wird Lloyd George nach Paris fahren, um Wilson zu begrü en. Es werden sofort in Gegenwart von Delegier.en anderer alliierter Länder Vera.ungen über den vorläufigen Frieden beginnen, an denen Wil on teilnehmen wird. Man erwartet, daß sie innerhalb einer Woche beendet sein werden und daß die Hauptkonferenz in der ersten Januarwoche zusammentreten wird. Wil'orr jpiib auch diesen Beratungen bttwohnen, wenigstens während der ersten zwei oder drei Wochen. Ende Januar wird er in London erwartet, wohin ihn König Georg und die britische Negierung eingeladen haben.
Die Flotte «cks CnIfchKblffttNff.
Rotterdam, 17. Dez. „Daily Mail" schreibt: Die englische Negierung sei nicht abgeneigt, sür die S baden- ersatzforderungen Englands und der Kolonien an Deutschland einen Teil der deutschen Kriegsschiffe zu erwerben.
Die Versorgung Dcnischtmids.
Rotterdam. 16. Dez. (W. B.) Rach dem „Reuwe Rotterdamsche Courant" schreibt „Daily News" in einem Leitartikel, es scheine, daß bisher nichts getan worden sei, um Lebensrnittel durch den Blockadekordon durchzulassen. Die Forderung nach völliger Aushebung der Blockade könne nicht buchstäblich aufgefaßt werden, und der Lebensmittelrat der Alliierten werde no h immer die Kontrolle über die Vorräte ausüben müssen. Aber es sei von großer Bedeutung, daß mit der Rationierung Deutschlands sogleich begonnen werde. Die Maschinerie dafür sei vorhanden. Man könne die Deutschen zu Besprechungen mit dem Lebensmittelrat der Alliierten, deffen Mitglied sie nach Ratifikation des Friedensvertrages werden könnten, einladen. Alle Verzögerungen und das Gerede über eine unmögliche Schadenvergütung feien nur dazu geeignet, in Deutschland einen Zustand hervorzurusen, der für die Alliierten nicht weniger verhängnisvoll fein werde, als für die Deutschen selbst.
Auch der „Manchester Guardian" verlangt eine Milderung der Blockade.
Anstand.
Belgische KulLurtaien.
Berlin, 17. Dez. (W. B.) Beim Aö^ug unserer Truppen aus Antwerpen mußten dort 1500 deutsche Verwu rdete und Kranke in den Lazaretten zuttickgelaffen werden. Diese werden, wie einer der Unglüalichen'jetzt mitteilt, von den Belgiern als Kriegsgefangene erklärt und in Gefangenenlager geschickt. Trotzdem ihnen das belgische Rote Kreuz schriftlich versicherte, daß sie unter seinem Schutze ständen und nicht als Gegangene betrachtet werden würden, erklärt jetzt der Befehlshaber der 2. belgischen Division, daß sie der militärischen Gewalt unterständen. Das Versprechen des belgischen Roten Kreuzes auf Abtransport ist nicht eingehalten worden. 25 Mann von den Kranken wurden v." geschrieben und in eine Front geschafft, wo sie von belgischen Gendarmen in der schändlichsten Weise aus^e- plündert wurden. Nichts wurde ihnen gela'fen außer der Uni'orm. Die Gendarmen teilten sich die Beute und pack en das gestohlene Gut in Pakete. Sämtliches PrivatglL»äck sowohl von Offizieren als auch von Mannschaften ist auf diese Weise verloren gegangen. Die Leute wurden erst am zweiteck Tage verpflegt. Sie mu.ßien ohne Decken auf dem Steinfußboden der ungeheizten Kasematten schlafen. Gegen dieses Verhalten, das im Widerspruch zu den Gesetzen des Völkerrechtes als auch im besonderen zu den Waffenstillstandsvereinbarungen steht, wird in schärfster Weise Protest er» hoben.
Die Neutralen wollen auch mitreden.
In der welschen Presse, die bisher mit der Entente durch dick und dünn gegangen, regt man sich darüber auf, daß die Neutralen bei der Friedenskonferenz aus- geschaltet werden sollen. Das „Genfer Journal" schreibt u. a.: ..Die Verbündeten wollen den Gotthard-Vertrag einer Durchsicht unterziehen. Wollen sie da nicht unsero Meinung über diese Frage, die uns doch in erster Linie betrifft, in Erfahrung bringen? Denken die Verbündeten wirklich daran, die Scheloe-Frage ohne Holland zu lösen, die Frage Nordschleswigs ohne Dänemark, die der Aalands-Infeln ohne Schweden? Se en sie denn nicht, daß eine Ausschaltung der Neutralen nicht nur eine Ungerechtigkeit sein würde, sondern daß sie zu Ungereimtheiten führen müßte? Die Teilnahme der Neutralen ist nicht nur eine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern grundsätzlicher Natur, und' deshalb haben wir trotz allem das Vertrauen, daß sie nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit gelöst wird, welche die verbündeten Staaten im Munde führten, und denen wir stets Vertrauen entgegenbrachten."
Die Selbständigkeit der Südafrikaner.
Rotterdam, 16. Dez. Rach dem „Nieuwe Roller.' damf.l'e Courant" melden die „Times" aus Kapstadt vom 10. Dezember: Die Nationalisten geben endgültig bekannt, daß am 16. Dezemoer in Bloemfontein der Kongreß zusammentreten wird, um eine Abordnung nach Europa zu schicken, die auf der Friedenskonferenz für die Unabhängigkeit der Kapprovinz, von Transvaal, Ralal und des Oranjesreistaa es eintreten soll. Die Kosten die aus 10,000 Pfund Sterling geschätzt werden, Jollen, durch freiwillige Beiträge gedeckt werden.
Abbruch der Beziehungen zu Rußland.
Kopenhagen. 17. Dez. Die Mitglieder der da- nisten Gesandtschaft in Petersburg haben Rußland verlassen und sind auf der Heimreiie in Helsingfors angekommen. Auch die norwegische Gesandtschaft ist' von Petersburg über Finnland nach Norwegen abge- reist. An der Grenze erbrachen Bolschewikisckldaten die Gesandtschaftssiegel des Gepäcks, ohne die Gepäckstücke zurückzuhalten. Die Gesandtschaft führte 10 Millionen Kronen in Wertpapieren mit, die norwegischen Untertanen gehörten.
Ein Attentat in Ändochina.
Paris, 17. Dezbr. (Agence Haoas.) Rach einer Meldung aus Hanoi ist der Eeneralgouvemeur Beirat von Indochina von einem Individuum durch einen Revolverschuß an der rechten Seite verwundet worden. Sein Zustand ist nicht lebensgefährlich.
Enltiile ttnb die A.- mit» K.-Mle.
Eine Entscheidung Fachs.
Berlin, 18. Dez. Gegenüber den vereinzelt laut» gewordenen Zweifeln an der bekanntgewordenen ablehnenden Stellungnahme der Entente gegenüber den^


