Ausgabe 
17.12.1918
 
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Unmmer 2S6 E-n^spre-s di°LL Dienstag, de» 17. De-EÄsr IMS __ 11- Iahrgauss.

w « rtirtcis«itmm erichemt reden Werttaz. Regelmäßige Beilagen ..Der Kauer au» Hessen". ..dir Kpinnksbr«. K-sugspreis: Be. oen Poitanitalten orerieliährttch Mt. 2,70

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stnzu tritt noch das Bestellgeld',

Zekanu machnng.

Die dem A-O.-K. 5 unter dem S. 12. 18 üuszugsweffr mit­geteilte Verfügung der O. S. S., d e sich auf A- und S.-Räte in der neutralen Zone bezog, itt außer Kraft getreten.

Die Entente hat nach Mitteilung der O. H. L. erklärt, daß sie den Verkehr mit A.- und S.-Räten ablehnt und nur mit dn alten Behörden verhandeln wird.

Die Entente hat sich das Kontrollrecht in der neutralen Zone Vorbehalten.

Don Seiten de.? Obe ksmmanbos.

Der Chef des Eeneralftabes: Wetzell, Oberstleutnant.

f)oli|fi<ntpiffn in der üfairnffii ZlN'k.

Berlin, 16. Dez. Das Oberkommando der Alliierten hat dem Verbleiben von Infanterie- und Kavallerie-Friedensgarni. sonen als Polizeitruppen in der neutralen Zone sowie auch dem Verbleiben sämtlicher militärischer Verwaltungsbehörden zuge- stimmt. Das Personal kairn wie bisher Uniform tragen.

Die deutsche Waffenstillstandskommission:

Staatssekretär Erzberger.

polnische Kote.

Warschau, 15. Dez. Die Polnische Telogr-aphen-Aaentur meldet:

Heute um 10.20 Uhr vormittags überreichte der Vorstand der politischen Abteilung des Ministeriums des Aeußern. Dr. Karl Bader, in Begleitung des Referenten für deutsche An. gelegenheiten, Kajetan Morawfki. im Nomen der polnischen Ne­gierung dem Grafen Kehler eine Note, in welcher unter Hin­weis auf die Zustände in Ober-Ost, wo die deutschen Behörden den polnischen Staatsinteressen zuwider laufende Handlungen begingen i»n3> gemeinsam mit den Bolschewisten vorgin-gen, die polnische Regierung die Ueberzeugung außdrückte, daß weitere Verhandlungen mit der deutschen Negierung zwecklos, ja sogar fiir die innere Ordnung ln Polen sowie sür die künftigen gegen­seitigen Beziehungen schädlich wären. Aus diesem Grunde sehe sich die polnische Regierung veranlagt, die diplomatischen Be. Ziehungen mit der deutschen Republik abzu brechen und er­suche den deutschen Vertreter, unnerzüglich mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft die Republik Polen zu verlosten. Graf Kehler erklärte, er werde in der nächsten Richtung die Grenzen des Staates verkästen.

Abdankung des Ketmans.

Kiew. 15. Dez. Kiew ist am Samstag nachmittag von Truppen des Direktoriums beseht worden. Schwerere Straßen, kämpfe wurden vermieden und die Regierunqstruppen entman­net. Der Hetmann dankte ab. Sein Kabinett ist zurückgetre­ten. Die Macht ist an das Direktorium übergeganaen, bestehend autz Winnitscbeuko. Pstljvra. Schweiz, Andrejewsky. Einzelne Restarts werden küs zum Eintreffen des Direktoriums und bis zur endgültigen Bildung der Regierung vom Gouverneur ver­waltet In der Stadt herrscht vollkommene Ruhe und Ordnung, ouirechterhalten von Truppen des Direktoriums und deutschen Truppen.

Die ostafrrüanftchen Helden.

Berlin. 14 Dez. MB. Amtlich.) Auf das Anstichen der deutschen Regierung. die Romen der bis zuletzt bei der Truppe des Generals v Lettow-Vorbeck befindlich gewesenen Europäer zu telegraphieren, wurden aus London zunächst die Romen der Offiziere mitoe^eilt. Es sind dies' Gouverneur Schnee. Gene­ralmajor v. Lettwo Major Kraut, die Hauotteute Köhl. Meyer, Müller sOtto). Spangenberg, Stemmermann. Oberstleutnants Büste (Leopold). Merensky. v. Ruchteschel. Treuge, Wenig, die Leutnants Brexner. Dieterich. Dingler. v. Scherbening. Kemp- nor. Vortisch. Kapitänleutnant Ape. Stabsärzte Müller. Mar- fchaN. Penfchke. Taute. Dr. Detter, Oberarzt Klemm. Apotheker Beyer. Oberveterinär Huber. Telegraphist Schmidt und ein Of­fizierstellvertreter. Sobald die Romen der anderen Europäer bekannt werden, wird sofort auch ihr« Veröffentlichung erfolgen.

Liman doh Sliu-lls' ssniMii in bontlUitinoNk!

Berlin, 14. Dez Die unter dem Kommando des Generals L:mon von Sanders stehenden deutschen Truppen in Syrien und Armenien in Stärke von rund 10 000 Mann sind ln Konstantt- vope! eingetroffen.

W ssons Ankunft.

Paris, 14 . Dez. (M?.) Reuter. Wilson ist unter dem Inbei der Bevölkerung, begrüßt von Geschützsakvea, ange- ton l men.

Kcbensmitte! und Kredit.

Berlin. 14. Dez. DerVorwärts" schreibt: Deutschland

soll Lebensmittel bekommen Man hat sich also im Lager unserer Gegner von der gefahrvollen Ernährungslage in Deutschland überzeugt. Unsere Schiffe werden also in Kürze in fremde Häfen gehen können, um für Deutschland Lebensmittel zu holen. Aber wie sollen wir die Lebensmittel kaufen? Wir hatten feitl>er keinen Austausch mit der übrigen Welt. Wir haben infolge des­sen für unstren Außenhandel nicht den erforderlichen Kredit zu erwarten. W'r können und wollen bezahlen, ober wir dürfen ja kein Gold an das Ausland liefern. Die Alliierten wüsten darum noch einen Schritt weiter geben, sie müssen uns einen Kredit gewähren. Wir mästen neben der physischen Kraft unse­res Volkes auch unsere völlig erschöpfte wirtschaftliche Kraft be­leben. Es liegt also auch im Interesse der Sieger, uns auch Rohstoffe, vor allem aber Kredit zu gewähren.

Gegrn JndrnNerfslgmrgen.

Berlin. 13. Dez. (WB. Amtlich.) In der letzten Zeit sind in großem Umfange anonyme Flugblätter verbreitet worden, die in unverhüllter Form zur Iudenl-etze auffordern. Die Flug, blätter sind nicht ohne Wirkung geblieben. Wie derVorwärts" vom 11. 12. meldet, wurden verschiedentlich Juden und Christen, die durch ihr Aufsehen nicht gegen den Verdacht geschützt waren. Juden zu sein, körperlich angegriffen. Wenn diese schamlose Flugblatthetze fortdorwrt, mutz mit der Möglichkeit gerechnet wer den. daß wir auch in Deutschland die Schmach der Judenpogrome erleben. Der Vollzugsrat d-es Arbeiter- und Soldatenrats sieht sich daher genötigt, sich auf» schärfste gegen das raktionäre antisemitische Treiben zu wenden, das er hiermit öffentlich und vor aller Welt brandmarkt Der Vollzugsrat appelliert an den gefunden Sinn des deutschen Volkes und ist überzeugt, daß es in seiner überwiegenden Mehrheit der antisemitisch-reaktionären Hetze entgegentreten unid keinerlei Judenverfolgungen dulden wird.

Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrats:

Richard Müller. Molkenbuhr,

An die deutschen Arbeiter l

Ein Aufruf der Negierung. »

Berlin, 14. De,zbr. (W. 53.) Der Rat der Volks- beauitracften erläßt folgenden Ausruf an die deutschen Arbeiter:

Die Errungenschaften der sozialistischen Revolution sind in Gefahr. Drohende Katastrophen zeichnen sich täglich deutlicher ab. Vergeht nicht, wie wir stehen! Der Krieg hat uns arm gemacht, die Niederlage noch ärmer. Unser Boden ist vernachlässigt und ausgesogen, unser Vieh abgesch'a »tet, unsere Verkehrsmittel sind heruntergekommen, die Prodi'.kiionsanlagen für die Her­stellung von Friedenspülern sind abgenutzt, stellenweise ruiniert. Die wichtigen Rohstoffe manoeln. drückende Waffenstillstandsbedingun 'en lähmen unsere Bewegungs­freiheit. Ungeheuerlich sind die Lasten, die der sieg­reime Feind uns aufbürdet. Arbeiter, in Eurer, nur in Eurer Hand liegt es, das Verhängnis abzuwenden. Ihr müßt unsere zusammengebrochene Wirtschaft wieder aufüchten. Ihr müßt dafür sorgen, daß uns Hunger und Vürgeikrieg erspart bleiben und das, was un- wcigertich aus den Bürgerkrieg .folgt: Verwüstung aller Errungensck asten der Revolution, Euerer Revolution. Ihr müßt arbeiten! Der Sozialismus verlangt Arbeit und kann nur bestehen auf der Grundlage der Arbeit. Wer feiern muß. soll Unterstützung bekommen, aber wer feiert, obwohl er arbeiten könnte, macht sich und die anderen ärmer, versündigt sich an .einem Volke und dessen sozialistls' ec Zukunft, hilft den Zusammenbruch bereiten, der schließlich auch ihn selbst verschlingt.

Arbeiter, bleibt nicht in den großen Städten zu­sammengedrängt, wo die Industrie Euch nicht. genug Arbeit schaffen kann, weil es an Kohle und anderen Vetriebsstof.en- fehlt und wo Ihr schließlich Hunger leiden müßt, weil Lebensmittel nicht hcrangebracht werden können. Geht hinaus aufs Land unlA in die Städte der Provinz! Kräfte, düs in Berlin und in anderen Großstädten brach liegen, werden dort dingend gebraucht. Geht zu den Arbeiisnachweifen! Sie werden Euch sagen, wo Ihr lohnende Arbeit findet, die Euch nährt und das Volk retten hilft. Keiner darf sich jetzt daraus versteifen, an dem Orte zu verbleiben, in den er während des Krieges gekommen ist. An der Ver­nunft, an der sozialistischen Disziplin jedes einzelnen hängt Dasein, Frecheit und Zukunft unserer sozialistischen Republik. Arbeiter! Schützet Eure Revolution vor den Angriffen jeglicher Reaktion: Rettet sie auch vor dem Ruin durch Hunger uno wirtschaftliche Auslösung.

DcuWünd und JtuN-Oeßmeil!;.

Die Vereinigung war vorauszufehen^

Wien. 13. Dez. (W. V.) Das Wiener Telegraphen- Korrespondenzbüro meldet aus dem Haag: DieNero- york Evenling Post" schreibt:

Die Bereinigung Deutsch-Oesterreichs mit Deutsch­land war von dem Augenblik an voiauszusehen. da Deutschlands Niederlage, die den Verfall der Habsburg- Monarchie mit sich brachte, offenkundig winde. Man kann aber noch weiter zurückgreisen und behaupten, daß von Beginn des Krieges an der scheinbar paradoxe Satz Geltung hatte, wonach eine deutsche Niederlage not­wendig eine Vergrößerung des deutschen Besitzstandes bringen mußte. Die Niederlage niußte nämlich den ^^er- luft Elsaß-Lothringens und der polnischen Grenzbesitz- tümer Deutschlands bringen. Datür war sicher, daß die deutsch sprechenden Teile Oesterreich-Ungarns dem Länder­kreis der Hohenzollern einverleibt würden. Es ist nun unmöglich, daß die Alliierten, die den Polen. Tschechen und Südsklawen das Selb'lbestimmungsrecht zugesprochen haben, den Deutsch-Oesterreichern das Recht verweigern könnten, sich mit den Norddeutschen zu vereinigen. Heute können wir angesichts der möglicherweise bevorstehenden sozialen Umwälzungen, die alle politischen Pläne über den Haufen zu wrrsen drohen, von solchen politisch- territorialen Verschiebungen nur als von einem Pro­visorium sprechen. Hätte die Hohenzollernmonarchie weiter bestanden, so wäre ihre Bereinigung tatsächlich ein bedenkliches Problem für die Alliierten gewesen. Deutschland hätte im Westen und Osten fünf Millionen Einwohner verloren, dafür aber im Süden acht Milli­onen gewonnen. Es hätte dabei seine Südgrenze bis hart nörollch Triest vorgeschoben. Italien wäre über diesen Austausch des Nachbars kaum erfreulich gewesen. Heute aber stehen wir vor ganz neuen Tatsachen.

Dag mft liülrmn kr JosMeMratk.

Wenn nt den Gemeinden Wahlen stattflnden. so hat man mittinter die Gepflogenheit, einen der ärgsten Krischer aufzu­stellen. meist auch mit dem gewünschten Erfolg: aus dem bös- mäukigen Kritiker wird ein Mitarbeiter, der sich seiner Verant­wortung bewußt ist und einsehen gelernt hat. daß überall mit 2Baster gekocht wird. In derselben Lage befinden sich jetzt die Mehrheirssozialdemokraten. die jahrzehntelang das Volk mit den kühnsten Versprechungen gelockt und aufgepettscht haben und nun, da sie selbst zur Macht gelangt Und. vor den Scherben ihre» Programms stehen. DerVorwärts" zumal bringt in der Gegenwart Aufsätze, dis. hätten sie vor einem balben Jahr in einem bürgerlichen Blatt gestanden, als Ausbund der Scharf­macher und Gott weiß was. verschrieen worden wären. Die Herrschaften, die sich vor fünf Wochen ln gewalttätiger Weile in Besitz der Diktatur gefetzt haben und die bürgerlichen Kreise glatt beiseite geschoben haben, sind heute mit ihrem Latein zu Gnde und sehen eitu daß ein großer Kladderadatsch vor der Türe steht, wenn die ordnungsliebenden Elemente nicht wenigstens den gemäßigten Teil der Ursurpatoren stützen wurden. Ein Beispiel dafür bietet ein Aufsatz des ..Vorwärts", der sich mit der Wiederbelebung unseres Wirtschaftslebens beschäftigt. Er schildert zunächst die Gefahren, die unserer Industrie als Folge der Waffenstillstandsbedingungen durch die Besetzung wichtioer Wirtschaftsgebiete durch den Feind und durch die Zerrüttung des Transportwesens drohen, und fährt fort:

Dazu kommt eine heillose Beängstigung und Beunruhigung von Industrien und Gewerbe» durch übel verstandene Propa. ganda eines uwstnniaen und phantastischen Wortkommunismus, der namentlich die Elemente aufgewühlt hat. die erst durch die Erregung der Revolulionstoge aus tiefstem dumpfen Verborgen­sein an die Oberfläche gestiegen sind. Die wahnsinnig st eit Lohnforderungen sind mit an der Tagesordnung und kein Mensch denkt daran, was morgen werden soll und wie sich daß Los der großen Volksgefamtheit gestalten soll. Bei einem Teil der Ar­beiterschaft und es ist nicht der. dessen musterhafte Selhst- disziplin, dessen Opfermut im organisierten Lohnkampf wir früher so oft bewunderten ist eine wilde Jagd rwrh Geld aus­gebrochen. die alles zerstören muß. was sür den Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens notwendig ist.

Bedenkt man denn nicht, wie wir durch den Krieg vollkom. men ausgepumpt sind und daß Deutschland imt& der Last düster» ster Armut seufzt? Heute muß man den Mut haben, den Mas­sen reinen Wein einzuschenken über das. was das deutsche Wirt­schaftsleben jetzt leisten kann, ihnen Solidarität zu predigen, eine Solidarität, die sie auch befähigen soll, unsere große Armut gemeiusam zu tragen, gemeinsam an der Schaffung neuer Werte milzuwirken und das Volk auf die Höhe des früheren Wohl- standes zurückzuführen. Es ist verbrecherisch, die Arbeiter an. zureizen, mehr zu verlangen, als unsere gesamte Wirtschaft allen gleichzeitig zu geben vermag. Was einzelne Gruppen der Ar­beiter heute an übertriebenen Löhnen erpvingen. muß bei der rmvermeidlich kommenden ickw-eren Krile die librine Malle der