Ausgabe 
11.12.1918
 
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Herzenskämpfe.

Roman von Helene Cckülky. geb. von Dersdorfs.

(Oop^rißKr 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

67) Nachdruck verboten.

Nein, man glaubte zuerst, es sei eine Bettlerin, ein« Zi­geunerin oder dergleichen. Erst als die Dienerschaft fie aufhob, um sie wegzu schaffen, zur Polizei oder sonst wohin, erkannte die Jungfer Babette die junge Dame. Mit lautem Schreien stürzte fie in das Schlafzimmer der Kommerzien'.Ltin, die dann, fast wie sie ging und stand, nur in einem schnell übergeworfenen Morgenreck die Treppe hinunter auf die Straße lief, um das unglückliche Mädchen unter Tränen und Küsten an's Herz zu drücken.

Weiter! weiter! WoZ geschah weiter?" riefen wieder die atemlos gespannten Zuhörerinnen.

Nun, jetzt liegt die Aermste in hohen! Fieber, es ist noch ungewiß, ob sie mit dem Leven davonkommt", sprach die Er­zählerin seufzend

Aber wie war sie dazu gekommen, in diese Lage zu ge­raten? Das scheint mir dock ganz unglaublich!" meinte noch immer zweifelnd dir Frvu Oberst.

Wie es gekommen war? Za gnädige Frau, das klingt fast noch romanhafter, ist aber dock, positiv und sicher wahr", en^gegnete die Verichterstatterin.Ihr eigener Vater, der ge­radezu ein Barbar, ein Unmensch sein muß. hat fie eingesperrt, mißhandelt, hungern lassen, so daß ihr nick/ts anderes übrig blieb, als nachts heimlich zu entfliehen und zu Fuß aus der Landstraße von G. nach K. zu laufen."

Ja lieber Himmel aber warum denn das alles?" fragte Frau von Trontheim.Er mußte doch einen Grund dazu haben, sie so schlecht zu behandeln. Ein Vater sein einziges Kind' AZar üe böse, ungehorsam? Hat fie etwas Schlimmes getan?"

Nicht die Spur, gnädige Frau! Cie soll der reine Engel sein, wie die Dienstboten versichern."

Dann wäre die Sache »mmer unbegreiflicher!"

Durchaus nicht! Der Vater wollte sie zu einer ihr ver» haßten Heirat zwingen. Sie aber liebte einen andern."

Ach so! Nun hoben wir wenigstens ein Motiv, da kann man die unerhörte Geschichte schon eher begreifen."

Und misten § 16 , wer die beiden männlichen Helden dieses Romans sind? fuhr Frau von Wildenstein triumphierend fort. Raten Sie mal'"

Reden Sie doch? 38er? wer? kennen wir sie?" tönte es neugierig von allen Seiten.

Und ob Sie sie kennen' Hören Cie und staunen Cie! Der von ihr abgewiesene Freier ist Marqu's Neymond; der Mann aber, den sie liebt um den sie das alles leidet, ist ... . Leutnant von Germshoff!"

Ein allgemeinesAh?" des Erstaunens und der Verblüf­fung folgte. Zwei so bekannte Persönlichkeiten? Es war eine fabelbafte Sensation.

In dem großen Tumult und Stimmengewirr hatte nie­mand auf die Töchter des Sauses geachtet. Als der Name des Marauis Neumond ertönte, entfuhr Käthe unwillkürlich ein Schrei der Ueberralchung. der Emvörung. Also auch nach Hilde Antelmann hatte der gierige Mensch seine unreinen Hand« aus- gestreckt? Sie war froh daß es ihm nicht gelungen war, ihrer habhaft zu w erden. Ein r ascher Blick flog zu Gustav Naundorfs

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hinüber, der fie bedeutungsvoll ansah. Sie rückte chm umnerk. lich zu. Sie verstanden einander.

Als aber Reinhold Eermshsff Name genannt wurde, ent­fuhr auch der armen Frieda ein leiser Schrei der Qual und des Schreckes. Sie griff mit der Hand nach dem Herzen, das seine Schläge auszusetzen schien. Totenblasse bedeckte ihr Gesicht. Also so stands? Nun war ihr Schicksal besiegelt. Alles, alles war aus? Ihr jahrelang gehegter Iugendtraum von Glück und Liebe zerstört auf immerdar. Wie würde sie's ertragen? Gott würde ihr helfen Jetzt gab es für sie mir noch ein Leben der Pflicht, der Nächstenliebe. Darin mußte fie ihren Trost, ihren Halt suchen Aber Reinhcld. Neinhold würde ihr trotzdem bleiben, was er immenr war: ihr Ideal für alles, ihre eine, eirn zige Liebe?

Während sie scheinbar aufmerksam dem weiteren erregten Gespräch zu folgen schien, gingen diese Gedanken blitzschnell durch ihren Kopf.

Ja, aber warum soll sie denn Leutnant von Eermshosf durchaus nicht heiraten?" fragte Nora von Brenkendorff. ein vorwitziger, niedlicher Backfisch, neugierig.Er ist doch so furchtbar nett und mir gefiele er auch bester als der alte ge­schniegelte Franzose?"

Ja. warum? warum?" hieß es von allen Seiten.An Leutnant Germshoff ist dock wahrhaftig nichts auszusetzen Geld hat er zwar kerns. aber sie dafür um so mebr. Das tut doch auch gar nichts. Unsere Leutnants haben fast alle nicht genug Geld zum Heiraten. Das versteht sich eigenfl ch von"selbst. Und wo er so beliebt ist. wo er von Majestät so ausgezeichnet wird? Da ist doch gar kein Grund?"

Nein, einen richtigen Grund g'bt's allerdings nicht" er­klärte wieder Frau von W'ldenstein. ..Aber Schrullen. Vor­urteile und Inlriquen. Der alte Antelmann scheint ein ..son­derbarer Heiliger" zu sein, wie man zu sagen pflegt. Seiw» Frau soll er übrigens auch zu Tode gequält haben, der reine Blaubart! Nun. er kann einmal die Offiziere "nicht leiden, komisch, nicht wahr? Und dann bat ihn scheint's. Marquis Neymond vollständig umgarnt. Er soll der einzige Mensch ge­wesen sein, den er um sich duldete. Auch seine eigene Tochter mochte er nämlich nicht."

So ein Ungeheuer? So ein Scheusal?" scholl es wieder von allen Seiten, wobei man nicht genau wußte, ob der Ge­heimrat oder der Marquis qcmeint war. Wahrscheinlich beide?

Aber sagen Sie mir. beste Frau von Wildenstein". wandte sich die Oberstin an diese,woher haben Sie alle diese haar­sträubenden Neuigkeiten^"

Ja. liebe gnädige Frau, die habe ich auf die einfachste Art von der Welt erfahren", erwiderte die Dawe. ..Ich Hobe näm­lich dieselbe Hausschneideiin. wie die Kommerzienrätin Antel­mann, und da sie jede Wackre mehrere Tage dort arbeitet er­fährt sie natürlich alles haarklein von den Dienstboten, was vorgeht"

Dann ist allerdings an der Wahrheit kaum zu zweifeln wenn auch manck^s Übertrieben sein mag", gab Frau von Tront- heim zu.Aber noch eins! Wisten Sie das auch? Wie steht denn Leutnant Eermshoff zu dem allen?"

Wie er dazu steht? Nun. er ist verlobt mit Fräulein Anteln-ann", war die prompte Antwort.Das wußte das ganze Haus schon vor ihrer Abreise, aber natürlich noch nicht ösfent-

So. so verhütt es sich! Run. da dtn ich wirklich neugierig wie sich die Sache weiter entwickelt", sprach die Oberstin.

,.Ach ja? ach ja? wie interestant! Ob fie sich .Kriegen"? Es ist wie ein recht aufregendes Theaterstück!" scholl es von den weiblichen Lippen, während sich die ganze Gesellschaft, die sich heute prachtvoll amüsiert hatte, von ihren liebenswürdigen Gastgebern verabschiedete.

Der Oberst zog sich in sein Rauchzimmer zurück, wo er sich bei der Lektüre seiner Tageszeit dem im Salon verpönten Ce- nuste einer langen Pfeife hingab.-

Eine halbe Stunde später öffnete sich leise die Tür. und seine Tochter Frieda erschien auf der Schwelle.

Der Oberst, der ein sehr liebevoller Vater war und dem seine Aelteste besonders nahestand, sah auf und sagte freundlich:

Was gtbt's, mein Kind? Etwas Besonderes?"

3a, Väterchen, etwas ganz Besonderes. Aber bist du auch in der Stimmung, mich geduldig anzuhören? Oder möchtest du lieber jetzt nicht gestört sein?"

Ist's denn so wichtig, Maus? Du machst ja ein schrecklich ernstes Gesicht."

Ja. Papa, es ist außerordentlich wichtig und sehr ernst. Ich wollte schon lange mit dir darüber reden."

Ra. los denn? Du erschreckst mich ja förmlich mit deinen feierlichen Worten."

Väterchen ich weiß, du liebst mich sehr und möchtest mich glücklich seten". hob nun Frieda zögernd an.

Das stimmt und dag weißt du auch zur Genüge", lächelte der Oberst,warum soll ich das erst beteuern?"

Weil ich einen Wunsch habe, einen großen Wunsch ohn« dessen Erfüllung ich unglücklich fein würde", erwiderte Frieda.

Run, so nenne mir doch den Wunsch, da kleine Gans' Wozu denn Me vielen Umschweife? Wenn's möglich ist. sage ich doch nicht nein, das weißt du ja? Willst du eine Reise machen? Willst du eine neue Toilette haben? Oder was ist's?"

Papa, ich habe mich entschlossen. Krankenpffegerin. Diako­nissin zu werden, und bin gekommen, um deine Einwilliauna iu bitten?"

Der Oberst fuhr von seinem Sitze aus.

Krankenpflegerin? Diakonissin? du?" rief er. Wu» fällt dir ein? Daraus wird nichts?"

Vater, wenn ich dir aber saae. doß es mein einziger wohst überlegter Herzenswunsch ist. daß ich mich überzeugt habe, auf keme andere Art Befriedigung finden zu können! Willst du « mir dann auch verbieten?"

Aber Kind, warum denn? Bist du bei uns nicht glücklich? Wird es dir so leicht, uns zu verlassen?"

Rein. Vater, das wird mir gar nicht leicht denn ich liebt euch ja fo innig, daß die Trennung von euch das einzige ist was mir meinen Entschluß schwer macht Aber sieb Vater wenn ich mich nun verheiraten wollte, so würdet ihr doch mcht zögern, mich ziehen zu lassen."

Allerdings, da hast du Rechi Aber das wäre auch etw.rK ganz anderes Das ist einmal der gegebene Weg und wir wich, ten. daß du glücklich würdest "

Nun das könntet ihr keineswegs sicher wisten. denn nicht alle Ehen fallen glücklich auß Und ich ... ich w-rde Übe­haupt niemals heiraten das steht fest."

Fortietzung to!at

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Die Gemeinde Kaichen becrb- fichnM einen 16 Monate allen sprungfälligen Bullen, Simmen­taler Rasse, an ukaufen. Besitzer solcher Tiere wollen es an der Unterzeichneten Stelle melden. Kaichen. den 10. Dez 1018.

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